Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-11-16 · Heft 46 (16.11.1922) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 46 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450231--70150-2527367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seit» 6 Str. 46. Der JSraeltl 16. November 1SW in Liusann-e -!e vollkommene Unabhängigkeit Palästinas, sowie Zurückziehung der Balfour- Erklärung fordrru. Personalien. Frankfurt a. M, Nov. Im benachbarten Homburg in gestern der bekannte Moskauer Nodiw, Selig Per sitz, der vermöge seiner Persönlichkeit und feines Wirkens jahrzehntelang in der russischen Jubenhett eine führende Rolle gespielt hat, nach langem Leiden im Kreise seiner Familie saust verschieden. Die Beerdigung sand am Montag unter großer Beteiligung der Frankfurter und vieler auswärtiger Gemeindemitglieder stall. Wir werden in der nächsten Nummer über den Lebensgang des Heimgegangenen berichten. Hamburg, 11. Nov. Am 3. Kislew begeht Herr Direktor Tr. Josts Goldschmidt seinen 80. Geburtstag. Er verdient es, daß man in unserer schnell« ledigen Zeit Ihm ein besonderes herzliches Wort des Dankes und der Verehrung an seinem Jubeltage zuruft, denn seine Persönlichkeit ist es, die weitesten Kreisen der Hamburger jüdischen Gemeinschaft den Stempel schlichter guter Jüdischreit ausgeprägt hat. Wenn wir in wenigen Worten die Persönlichkeit des Herrn Dr. Josts Goldschmidt, der über drei Jahrzehnte die Talmud-Thora Realschule in Hamburg leitete, nachdem er schon früher ihrem Lehrkörper als Mitglied angehörte und zwischenzeitlich an der Realschule der Israelitischen Religions-Gesellschaft zu Frankfurt a. M. gewirkt halte, schildern wollen, so sagen wir, er ist schlicht in seinem Wesen, fest in seiner Frömmigkeit und unvergleichlich in seinem Gerechtigkeitssinn. Durch diese besonderen Tugenden wirkte er vorbildlich auf die große Zahl der seiner Leltung anver- Irauten Schüler, durch sie verstand er es, in ihnen die Liebe zum Judentum so zu festigen, daß die Talmud- Thora Realschule in Hamburg einen ganz großen Kreis wackerer, glaubenstreuer Jehudim hervorgebracht hat. Und weil er sich sernhielt von allen Parteikämpfen und weil er niemals Stellung nahm zu den Meinungen des Tages, sondern fein ganzes Sinnen und seine ganze Arbeitskraft ausschließlich konzentrierte auf feine Schule, hingen die Schüler an ihm ln grenzenloser Liebe, schloffen sich ihm an in einem Vertrauen, das noch bejahrte Männer wieder zu ihm führte, ihn um seinen Rat und um seine Meinung zu bitten. Zu all dem gesellt sich bei ihm ein erstaunlicher Fleiß, der ihn noch als hohen Siebziger während der schweren Kri-gsjahre keine Ruhe kennen ließ, indem er die Schulferien dazu benutzte, die technischen Arbeiten, dis die Leitung seiner Schule viit sich brachte, zu erledigen. Unentwegt und unermüdlich stand er da auf seiner Worte, sowie er Kleinsten wie Größten mit der gleichen Gerechtigkeit und der gleichen Milde behandelte. Um den Ferncrsteh nden von seinen! Pflichteifer ein Zeugnis zu geben, sei nur berichtet, daß Dr. Goldschmidt seit Jahrzehnten keinen Gottesdienst, weder vormittags, noch nachmittags versäumte, und auch seinen täglichen Schiur, sofern er nicht auf Reisen war — und diese Reisen dienten auch wieder weniger dem Vergnügen als der weiteren AuSgsstsl.'urrg fernes liksen Wissens — mit e'nev unvergleichlichen Pünktlichkeit iV»tm!i und mm) heute noch als hoher Greis an wlsstuschostlichsn Arbeiten mit einen! Eifer und einer Ausdauer arbeitet, wegen derer ihn dst Jüngsten neidtts bewundern. Das Wcnr des Psalmiften csi "ilP darf man auch vstlle cht so dertten: «Wern sie in steter Selüstüdermmd-rng und Ausschaltung oll-r pcrsö> üchen Neigungen nur in den Dienst einer heiligen Idee gestellt find, dann dauern sie 80 Jahre und verlange.n sich darüber hinaus bis an di-- höchste Grenze,' die dem nnnschiichen Leben gesetzt ist'. Wett n,ir von unserm lieben H rrn Direktor Goldschmidr w'sstn, daß er sein ganzes Leocn in den Dienst der jüdischen Idee gestellt, mir seinem ganzen Leben niemals sich selbst und seinen Jrteressen, sondern nur der Sache der jüdischen Gesamtheit mit schlichtsr Selbstvernnndlichkeil, ohne j de Pose und ohne jede Phrase dleiste, und weit dieser sein Dienst bei Allen, die ihn kennt!', für ihn heißeste und neueste Liebe und Verth ung und herzlichste Glückwünsche ausgeiöst hot, deshalb dürfen wir h.ssen, daß c n recht langes Leben Hrrru Direktor Dr. Goldsrdmidt noch bescheert ist, und daß dieses Leben erfüllt und getragen ist von allem Schönen und Guten. Vrieskasten. M. W. in H (£?. lag an einem Mißverständnis des Sexers, das grroiß nicht tragisch zu nehmen ist. F. L. rn Co. in .Homburg (Pfalz). 400 Mk. empfangen und für angegebene Zwecks verwendet. Leh.rr I. N. in Köln Wir haben zu wiederholten energisch bei der Post rekmmrert und auch heute wiederum Ihre Karte dem Pr-stamt einj gesandt. | r« W. in Nordhüttstrr. 3 e st. den aus der * Rück-eite r Nach-nnystiekar re a v n a u e A naab e. wie I sich d?r Bona-; z.-stnrn-umstn: ' j Hkr»xt?e5)'«'r fOh S in r^. Adunncruenr bisher } 92,00 Mk. abzüglich Ihrer Zahlung von 24 Mk. Hierzu i treten die Teuerungszuschläge für November und j Dezember. Diese sowie das Abonnement für 1923 lasten sich im Augenblick noch nicht avgeken. M. N. in Wien. Betrag ist ordnungsgemäß Ihrem Konto gutgebracht worden. 3l. K. in Gelfeukirchen. Offerten sind für Sie bis dato nicht etngelaufen. W. W. in K. Artikel eingegangen. Besten Dank und Gruß. Vermischtes. Berlin, 1. Nov. Der Israelitische FortbtldungSveretn „Montefiore" (Bereinsyeim Qranienburgerstr. 69), versendet seinen Lehrplan für daS Winterhalbjahr. Er weist folgende Schturim auf.- Sonntag nach Mincha »22 «iöj, Herr Dr. Hermann Klein- Montag abend V*8—*/,9 Uhr, Hebräische Grammatik, Herr Lehrer David- Montag abend 8 Uhr (zweimal monatlich), Vorträge von Mitgliedern der Bereinigung gesetzestreuer jüdischer Lehrer- Mittwoch abend 8 Uhr, Mitgliederabenö- Freitag abend 8 Uhr, tqjö, Vortrag mit abwechselnden Dozenten - Sabbat vorm. 12—1 Uhr, niw, Herr Isidor Fellner, b*m »n, Herr Max Neuberger, np-i mit »am, Herr A. Pinczower- IV, Stunde vor Nacht, oder rupa, Herr Direktor Dr. Schlesinger. Die Bibliothek zählt über 1300 Bände. Die Bücherausgabe findet Montag abend 9 Uhr statt. Dle Vereinsräume sind allabendlich und Sabbat den ganzen Tag geöffnet Je am Freitag abend findet anschließend an den Vortrag gemütliches Beisammensein statt. Gleiwitz, 25. Okt. Heute hielt hier Herr Rabbiner Dr. Krakauer aus Beulhen O.-S. einen getstvollen Vortrag in unserem „Verein zur Förderung des Judentums" über Ibsens RoSmerSholm. Tr fand die Weltanschauung JbseuS, wie sie sich in diesem Drama darstellt, in der hehren des Propheten Jesaja begründet. Reicher Beifall lohnte den Redner. Gleiwitz, 26. Okt. Etn glänzendes Fest feierte hier der Verein zur Förderung des Judentums. Tr erkannte die Notwendigkeit, hier ein streng rituelles Restaurant ins Leben zu rufen. Um aber ganze Arbeit zu machen, errichtete man ein „Jüdisches VeretnShauS". Man kaufte vor einem Jahre ein stattliches schönes Haus in unmittelbarer Nähe der Synagoge. Durch einen teilweisen Umbau schuf man behagliche Restaurationsräume mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. In diesem Hause ist auch etn schöner Saal, in welchem die Gemeinde-Vibliothek ausgestellt werden soll. Auch sollen unsere jüdischen Vereine hier ihr Heim haben. Ferner sollen in diesem Saale jüdische Hochzeiten und sonstige Festlichkeiten stattfinden. In Herrn Salomon haben wir einen durchaus zuverlässigen Restaurateur zur Bewirtschaftung dieses „Jüdischen Bereinshauses" gesunden. Die eiforderlichen großen Mittel für diese Gründung wurden dadurch aufgebracht, daß mehrere wohlhabende Geareindemtlglleder eine Gesellschaft m. b. H. gründeten und Anteile zeichneten. Am 26. d. Mts. aüendS 8 Uhr versammelten sich nun in dem ne'2-Restaurant die Aktionäre, der Vorstand des Vereins zur Förderung des Judentums, der Gemeinde-Rabbiner Herr Dr. Ochs, die Vorsitzenden des Synagogenvorstandes und des Repräsentanten- Kollegi-iMs, sowie der Baumeister zur Einweihungsselcr. Das Festmahl wurde von trefflichen Reden gewürzt. Der Bereinsvorsitzendc, Herr Paul Cohn, begrüßte die Erschienenen und gab seiner großen Freude Ausdruck über das vollendete Werk. Darauf dielt unser hochwürdiger Herr Rabbiner Dr. Ochs die Festrede. Die Vorsitzenden der Gemeindekollegien, Herr Landtagsabg-ordneter Justizrat Koch mann und Herr Sanitärsrat Dr. Schlesinger, dankten in längeren trefflichen Ausführungen im Namen der Gemeinde für die Errichtung des Jüdischen Vereins- Hauses, das der ganzen Gemeinde zur Ehre gereicht und einem dringenden Bedürfnis ab hilft. Noch mehrere begeisternde Reden verschönten das Eknweihungsfest, welches gegen Mitternacht sein Ende erreichte. Zur Moheliin-Ausbildnug. In ebner der jüngsten Nummern des „JSraellt" erließ die „Freie Vereinigung^ eins Bekanntmachung, mit der sie die Eröffnung von Ausbildtttitzskursen für Mohelim anzeigte und geeignete Bewerber zur Teilnahme aufforderte. Zweck dieser Ausführungen soll es nun sein, zur Frage der Mohettm-Ausbildung eingehender Stellung zu nehmen. Daß es eine Motzelim.Frage in Deutschland gib', ist erngeweihten Samten fett langem klar, es ist auch statistisch durch eine Enquete der Freien Vereinigung rrachgewiesen, die ergab, daß das Durchschnittsalter der Mohelim in Deutschland übcr 60 Jahren liegt, woraus e:he-i7. ba[i es an Nachwuchs sthlt. Wir wollen zunächst davon aösehkn, d!e Ursachen dststö offensichtlichen Uebt'ijraudeL festzustellen — cs ist darüber in diesen; Blättern schon geschrieben worden — sondern wir f wollen versuchen Mittel und Wege aufzuzetgen, die ztif Abhilfe führen können. Bor allem sollte es Aufgabe dev Rabbiner sein, in ihren Bezirken einen, wo nötig und möglich, mehrere Schüler einem Ausbildungskurs zuzuführen. Hiermit Hand in Hand sollten die AgudaSJiSroel- Jugendgruppen eines oder mehrere ihrer Mitglieder veranlaßen, sich als Mohel auszubtlden; fie sollten ferner anftreben, auch die materielle Seite der Frage zu lösen, sich eventuell zwecks Aufbringung der Ausbildungskosten mit Nachvargruppen, die keinen Schüler entsenden, zusammenzuschlteßen. Ferner könnten JeschiwauS und Lehrerseminare geeigneten Zöglingen die Möglichkeit geben, sich an den betreffenden Plätzen als Mohelim auSzubilden, dieser Weg dürfte, da er keine materiellen Opfer erfordert, besonders tnS Auge zu fassen fein. Jedenfalls werden sich auch an größeren Plätzen selbständige oder angestcüte junge Kaufleute finden, denen vonsetten ihrer GeschäftSleitung gestattet wird — Schreiber dieser Zeilen hat auf diese Weise begonnen — Milans betzuwohnen. Weiter ist es Sache der Oeffentlichkeit, der Presse, der Rabbiner und Lehrer, immer wieder auf die Dringlichkeit der Aufgabe der Sicherstellung des Moheltw-Nachwuchses nachdrücklich hinzuweisen, bis sich die Erkenntnis von der unabweisbaren Wichtigkeit dieser Aufgabe durchgesetzt hat. Die Stützung des Mittelpfeilers Awaudoh darf neben der Pflege von Lhauro und GemttuS Chasodim nicht vernachlässigt weiden. Voraussetzung für eine ausreichende Heranbildung des Nachwuchses ist und bleibt aber, daß die auSbildenden Mohelim den ernstlichen Willen haben, ihren Schülern den Weg zur Praxis zu ebnen. An diesem entscheidenden Punkte fehlt es aber vielfach. Es hat sich bet manchen der maßgebenden Herren das wenn auch nicht elngestandene Bestreben gezeigt, Niemanden in ihre Bezirke hereiuzulaffen, nichts abzugeben, damit sie möglichst hohe Rekordziffern erreichen. Wenn es diesen Herren wirklich ernst ist mit ihrer nntv L12N — und daran ist gewiß kein Zweifel erlaubt —, dann müssen sie soviel Selbstverleugnung aufbringen können, daß sie die Mizwoh über ihre Person stellen und der Mizwoh uvd ihrer Sicherung zuliebe auch auf Ausübung durch ihre eigene Person einmal verzichten können, daS wäre erst die wahrhafte Dokumentierung des ima» hv ’sjk v>rs. ES kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Mohelim nur dann wirklich gründlich herangebildet werden können, wenn ihnen vonseiten ihrer Lehrer die Möglichkeit zur selbständigen Ausübung der Miloh, zuerst einzelner Telloerrichtungen, dann aber auch ganzer Bsschneidungen geboten wird. Derjenige Mohel, dem eS darum zu tun ist, seine Schüler wirklich richtig auszubilden, wird also im Jntereffe der Sicherstellung des Nachwuchses jede sich bietende Gelegenheit — und bei gutem Willen lassen sich deren genug finden — ausnützen müssen, um seine Schüler sich selbst betätigen zu lassen. Da die Beschneidung, richtig und unter selbstverständlicher Beachtung aller durch dle neuzeitliche Asepsis gebotenen Vorsichtsmaßnahmen auSgeübt, eine wirkliche einfache und gefahrlose Operation ist, so besteht bei Vornahme derselben durch Anfänger absolut nicht die geringste Gefahr für das Kind, zumal dann doch ln rer Regel ein geübter Mohel oder Arzt mit zur Stelle ist. Das dürste zweifellos auch den Herren klar sein, die vor einiger Zeit in diesen Blättern schrieben, man könne eS dsn Ettern nicht zumulen, ihr Kind einem Anfänger anl'uvertrauendenn schließlich muß auch ein erfahrener Mohel mit seiner ersten Miloh begonnen haben. Es muß als durchaus abwegig bezeichnet werden, wenn von als maßgebend empfundener Seite derartige unrichtige Ansichten unterstützt und gar noch in der Oeffentlichkeit verbreitet werden. Im Gegenteil ist es Pflicht aller Instanzen, immer wieder darauf Ijinzuweisen, daß Mizwas Miloh nur Bestand haben kann, wenn immer weiter darauf Bedacht genommen wird, Mohelim auszubilden und das kann nur geschehen, wenn die auszubildenden Ansänger Gelegenheit iur Betätigung gebLten bekommen. ES ist für einen öater eine viel größere Mizwoh, wenn er über den Augenblick hinaus mit dazu beiträgt, den Bestand dieser hochheiligen Mizwoh zu sichern und sein Kind einem jüngeren Mohel anvertraut, alS wenn er kurzsichtig denkt, nur der oder jene bekannte Mohel könne die Bsfchnetdung vollziehen. Wenn die älteren Mohelim ihren Schülern Ge-. legenhsit zur Ausübung von MtlauS geboten und damit dazu beigetragen bezw. es ermöglicht haben, daß diese selbständig praktizieren können, dann wird auch einem jetzt viel beklagten Uebelstande abgeholsen und ie werden genügend jüngere Mohelim finden, die alS-!,ann bereit sind, d!e Milans an r-2N und an kleineren oder abgelegenen Plätzen zu übernehmen. Um die hauptsächlichsten Gesichtspunkte nochmals zusamnrevzusssstzn: Es bedarf der Heranführung aller geeigneten jüngeren Kräfte zur Erlernung von MrzwaS Miloh, hierzu' ist die Mitarbeit aller berufenen Instanzen nötig. Ferner bedarf es der selbstlosen Hingebung der älteren Mohelim, die es lernen müssen, auch Beschncidungen abzugeden und die die Pflicht haben, die Eltern auf die völlige Gssahrlvsigkeit der Operation durch ihre Schüler hmznwetsen. Der verständnisvollen Zusammenarbeit aller wird es mit GotteS Hilfe, alsdann gelingen, den bedenklichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.