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Der Israelit · 1922-11-09 · Heft 45 (9.11.1922) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 45 (9.11.1922)
Date
1922-11-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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g. November I92ä. tragende^ daß eine Bindung durch die Ortsgruppe nicht nur überflüssig, sondern meines Erachtens auf die lokalen Vereinigungen sogar schädigend wirken würde. Das ist nämlich die Aufgabe der K'hillo, wie ihr Name als Sammelstätte es schon besagt; Bindung der Mitglieder aneinander ist Ausgabe der K'hillo, der kleinsten, ihre Stelb- Müdigkeit bewahrenden Einheit innerhalb der alle diese Einheiten zusammen fassenden geeinten Vielheit, des K'lat Jisroel, ist nichjt Aufgabe der Agudas Jisroel, kann also auch! nicht Ausgabe ihres Instrumentes, der Ortsgruppe, sein. Der organisatorische Ausdruck des Willens zur Gesamtheit, des Bekenntnisses an die Gesamtheit, der Bindung an die Gesamtheit, das ist, ganz, parallel dem Ziel der Agudas Jisroel selber, Ziel der Ortsgruppe, ausschließliches Ziel der Ortsgruppe. Und Blüte oder Verfall einer Ortsgruppe der Agndas Jisroel würde ich persönlich! niemals allein danach! beurteilen, ob in einer Gruppe Leben herrscht oder nicht, sondern stets vorwiegend danach, ob in ihren Mitglieedrn, in Bielen oder Wenigen, K'lal-Bewußtsein lebendig ist. Lassen Sie mich Ihnen das an einigen Beispielen verdeutlichen: Die Frankfurter Jugendgruppe — Jugendgrnpperk, weil sie sich natürlicher geben, schieinett nur nnmer eine bessere Gelegenheit zur Prüfung dieser Fragen zu geben — imponiert Vielen durch die Fülle der Schiurim, die sie abhält, der Veranstaltungen, die sie aussührt; wegen all dieser Dinge kann sie mir Bewunderung nicht abnötigen — das hätten der Frankfurter Mekor Chasim-Berem und andere lokale Vereine auch, fertig gebracht — Respekt zwingt sie mir ab, weil der in vielen ihrer Mitglieder lebendig gewordene K'lalgeist sie die Schranken Alt-Frankfurter Tradition und Exklusivität niederrmgen, sich ganz der in Frankfurt sich ihnen bietenden Möglichkeit der Verbrüderung mit den Brüdern des Ostens hingeben, ftir eine mit energischer Tatkraft eingeleitete nnd dnrchgeführte . fixi 2W'- Arbeit bereit sein ließ. Daß unsere Hamburger Jügendgruppe Schiurim einrichtete, unter großer Hingabe und Opferfteudigkeit einen Kindergarten zum Segen vieler Kleinen durch die Not der Zeit rettete, ist letzten Endes eine Frucht edlen K'hillo- Geistes; daß aber, als vor ungefähr zwei Jahren der Ruf, eine Fürsorge ftir ostjüdische Flüchtlinge zu organisieren, an sie erging, viele ihrer Mitglieder zur Mitarbeit cmt schweren Werke, einige zur Hergabe großer^ und sogar größter Summen bereit waren, das ist, in Rosenheimscher Sprache gesprochen, „eine natürliche Lebensäußerung des durch die Agudas Jisroel hier wiederbelebten K'lal J'isroel-Bewußtseins." Wenn unsere Hamburger Ortsgruppe, wie man das oft von ihr fordert, des öfteren Vorträge veranstaltete, Mitglieder-Ubende abhielt, so würde das ftir die Geschicklichkeit und propagandistische Routine des Orts gruppend orstandes Zeugnis ablegen; ob in den Mitgliedern Agudohgeift lebendig, dafür ist ein Prüfstein, wie wir auf solche Anregungen des Vorstandes reagieren, die nicht aus eine Befriedigung unseres Unterhaltungssinnes hinauslaufen, die nich>t dnvch> lokale Interessen bedingt sind, sondern die an unfern K'lal-Sinn und an unsere für ganz außerhalb des Hamburger J'nteressenkreises liegende Aufgaben des TOD, zu öffnende Börse appellieren Dadurch!, daß wir heute Abend zahlreich erschienen sind, zeigen wir nur, daß wir nnserm verehrten Gast, einen um jüdisches K'Mo-Leben, noch mehr aber einen um K'lal Jisroel hvchr verdienten Mann Verehrung zollen. Ob wirkliches K'lal-Bewußtsein in uns lebendig, mit andern Worten, ob die Hamburger Ortsgruppe der Agudas Jisroel wirklich existiert, das' wird die Art zeigen, wie wir das heute Vernommene in uns wilAich lebendig werden lassen^ wie tvir __.OlStler.« . auf den nächsten Ruf aus AgUdoht-Mund hinhorchen. Meine Verehrten! „Ortsgruppe und Weltorganisation". — Das war das mir heute gestellte Thema. Sie in ihrer Wechselwirkung sind aber auch zugleich die Lösung des ganzen AgudoH-Problems, wie ich, Ihnen das im Bilde des Oraun, der Lade, die uns hebt, indem wir sie tragen, darzustellen versuchte. Lassen Sie uns, meine Verehrten, das Bild vom Oraun recht tief in unsere Herzen graben, lassen Sie Agudas Jisroel uns werden zum '1 112 rnx, zum Behälter des heiligen Bundes^ den Gott mit Jisroel geschlossen, indem er durch das Echod-Wort, den Gedanken der Einsheit und Einheit in unsere Seele goß. Lassen Sie uns heilte Abend aus innerm Drange heraus erneut uns anschließeninnig und fest anschließen der beit K'lal-Gedanken kündenden Agndas Jisroel, sic sei unser Stolz, ihres Adels rühmen wir uns, laßt fest uns knüpfen die angeborenen Bande, an Agudas Jisroel, die teure, uns anschließen, sie festhalten mit nnserm ganzen Herzen, in ihr die starkeil Wurzeln unserer Kraft erkennen. Tann, meine Verehrten, nur dann, aber geiviß dann, verstehen wir, ja erleben wir das Wort des Rabbi x^;n 12 X2N "1 in ('2111? zum kommendeil Wochen-Abschnitt:? 12122 bxitz?' vn ix'2 Wie wandelte Israel in der Wüste: 12D2 „wie ein Kasten" viereckig formiert, denn so heißt es: 1XW p ID' 1WX2 „so wie sie lagerten, so zogell sie." So wie sie lagerten 2'2O ID' 1x?2 '7.11X7' Das Heiligtum, dessen heiligstes Zentrum der Oraun war, iit der Mitte, mit) | die vier Stammeslager ringsherum, das Heij ligtum schützend, und dadurch von ihm beschützt, - so zogen sie auch in der Wüste, die vier D'TOI die Volksgesamtheit darstellend, ringsherum formiert um das iplO 7'ix um den Oraun. Lassen Sie uns bei nnserm noch immer nicht beendeten Zug durch die Wüste des Golus uns scharen 12'12 wie ein schützender Kasten MN den Oraun, um das Heiligtum, dann tönt anr ehesten in die Wüste des Golus der klingende Ruf der Erlösung, die vorbereitet ist durch die Bereitschaft der Seele, Gott und seinem Volk zu dienen: N2iv2 Dv 'n *pi ua .12122 xiip bip •1 Sp^xl 17522 Gin Interview mit Br. Rosendloom. Der Schatzmeister der Brandeis-Grupp, Mr. Rosenbloom, war aus eigener Initiative und im ehrenamtlichen Aufträge seiner Gruppe im Frühjahr dieses Jahres nach Palästina gefahren, um das Land unserer Väter zu studieren urrd einige Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig wären, um den ivirtschaftlichen Aufbau Palästinas in ruhige, systematische Bahnen zu. lenken. Mr. Rosenbloom, von seiner feiitfinnigeu und verständnisvollen Gattin und seiner Tochter begleitet, hat sich fünf Monate in Palästina aufgehalten und versucht, ohne Voreingenommenheit das Land zu studieren und zur Klarheit über die Frage zu kommen, welche Methoden denl in den Anfängen einer Kolonisation stehenden Lande seinen wirtschaftlichen Aufstieg! sichern und seine Zukunft verbürgen könnten. Mr. Rosenbloom hatte die Freundlichkeit, gelegentlich seines Aufenthaltes in 'Deutschland einem Mitarbeiter^der „Agudablätter" über die Ergebnisse seiner Studienreise nach Palästina die folgenden Aussnhrungen zu machen: Tie Grundmaxime lneiner Gruppe, daß Palästina nicht ein Tummelplatz der Politik sein dürfe, daß vielmehr alle Kräfte auf die wirtschaftliche Erschließung des Landes konzentriert werden müßten und daß dieses Land nicht ./durch Nr. 33 Grttr 8. irgendwelche volkswirtschaftlichen Experimente, sondern unter Anwendung, bewährter wirtschaftlicher Methoden aufgebaut werderl müsse, habe ich bestätigt gefunden. Von meiner Gruppe hierzu ermächtigt, habe ich während meiner Anwesenheit in Palästina, den wirtschaftlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten des Landes Rechnung tragend, zwei Banken gegründet, die bereits arbeiten: Eine Genossenschaftsbank für die Bedürfnisse des ländlichen und eine Hypothekenbank für die des städtischen Kredits. Ueber die Einrichtung weiterer Instrumente der wirtschaftlichen Erschließung des Landes wird zu reden sein, wenn ich nach meiner Rückkehr nach Amerika meiner Gruppe detaillierten Bericht über die Gesamtlage in Palästina erstattet haben werde. Ich habe meinen Aufenthalt in Palästina auch dazu benutzt, das neue Menschemnaterial kennen zu lernen, in dessen Hände der Ausbau des durch so viel Jahrhunderte veruachlässigteit, einst blühenden Landes gelegt ist. Es wäre undankbar, wollte ich nicht meine Bewunderung und meinen tiefen Respekt ausdrücken vor unse- Chaluzim und Chaluzoth, die eine hohe Begeisterung und ein heiliger Eifer in das Land der Väter geführt hat und die aller Mühen und Gefahren, die das Land birgt, nicht achten und mit Einsetzung ihrer Gesundheit und ihres Lebens iu unverdrossener, mit beispielloser Opferfreudigkeit geleisteter Arbeit mit dem Boden des Landes ringen, um aus einer Wüste wiederum ein Paradies zu gestalten. So sehr ich jedoch den Enthusiasmus unserer Ehalnzim bewundere, ehre nnd schätze, so muß ich auf der anderen Seite betonen, daß ihre allgemeine Mentalität nach meinem Empfinden in einem seltsamen Widerspruch zu ihrer Liebe zum heiligen Lande steht. Ich bin nicht der Meinung, daß die Menlalität dieses Meuschenmaterinls für den wirl-- fchastlichen Aufbau des 'Landes irrelevant ist. Menschen haben das Land verwahrlosen lassen, Menschen werden es wiederansbauen. Allein jugendlicher Enthusiasmus ist noch nicht die Kraft, die den Schwierigkeiten der Ausgabe gewachsen sein wird. Jugendlicher Enthusiasnms kann verfliegen. Nur jener heilige Eifer, der nicht bloß dem Lande selber und der nationalen. Wiederaufrichtnng des Volkes auf seinem Boden gilt, sondern immerfort gespeist wird von den ewig jungen Quellen unserer heiligen Literatur, wird aller Schwierigkeiten Herr werden und alle Rückschläge überwinden. Das lehrt das Beispiel jener ersten Ehalnzim, die vor einigen Jahren ins Land kamen und mit noch ganz anderen; Mühseligkeiten und Gefahren zu kämpfen hatten als unsere Generation. Es erscheint mir geradezu als die Lebensfrage für Palästina, ob die jungen Einwanderer jenen inneren Prozeß erleben, welchen Theodvr Herzl als „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judcnland" bezeichnetc. Viele Ehalnzim, darunter die intelligentesten und fähigsten Köpfe, sind von Ideen erfüllt, die sie aus der europäischen Kultur herüberbrachtcn und die in ihrem modernen Gewände ihnen als der Weisheit letzter Schluß erscheinen, vor dessen blendendem Glanze die Weisheit der Alten verblaßt. So hat eine tiefe Kluft sich ausgetari zwischen bett Alten und Junget!, zwischen moderner Bildung und religiöser Tradition. Der alte Gegensatz von Glauben und Wissen ist ivieder in voller Schärfe zu Tage aeirctcrc und übt einen, bem etwas tiefer Blickenden lvohl erkennbaren, in seiner Gefährlichkeit nicht zu itnterschätzendeil Einfluß aus die Gestaltirng der Dirlge in Palästina arls. Sollten die Religionsphilosophen des Indentltms, die mit dem Problem des Glaubens nnd Wissens rangen, umsonst gelebt haben? Der Gegensatz von Glauben und Wissen, dieser weltgeschichtliche Dualismus der Kultur, hat seiueu Ort in der außerjüdischen Welt; in den Zelten Jakobs hat er feinen Raum. In unserer heiligen Religion und Philosophie herrscht Einheit, nicht Dualisnius. Wir wollen von den Völkern lernen und dankbar die Erfahrungen llutzen, die sie auf allen Gebieten der Killtur uns schenken,

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