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Der Israelit · 1922-11-09 · Heft 45 (9.11.1922) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 45 (9.11.1922)
Date
1922-11-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«eite 2. Nr.W 9. November 1922 sehen von allem Kleinlichen und Zufälligen, der muß die Augen schließen und aus dem llrborne seiner Gedanken- und EmpsindungswelL die Imponderabilien des Gottesbewußtseins zu schöpfen verstehen. Er muß mit einem Wort das tun, was wir gedankenlos und gewohnheitsmäßig üben, wenn wir beim Schma-Jsroel-Sagen mit der Hand die Augen schließen. Zu den wichtigsten Grundlagen der Thauraus gehört auch der Offenbarungsglaube. Dritthalb Millionen Seelen waren bei der Offenbarung am Sinai dabei. Und das wird von Mieten nicht geglaubt. Sie denken: Warten soll ich, bis das Gesetz ebenso öffentlich und unmittelbar aufgehoben werden wird, wie es gegeben wurde? Lächerlich! War ich bei der öffentlichen Unmittelbarkeit der Gesetzesentstchung dabei? Ihr sagt: 'Tie Thora verbürgt es. Wer bürgt denn für sie? Warum hält es Gott nicht der Mühe wert, sein Gesetz dem auserwählten Volke noch einmal einzuschärfen? Mit einem Hauche seines Mundes den tausendjährigen Staub von ihm wegzublasen? Mit eine m Sinaiblitz die Finsternis zweifelnder Hirne zu erleuchten? Mit einem Sinaisdonnergrollen alles Theologengeschwätz zu übertönen und überflüssig zu machen? Natürlich, so muß jeder denken, der die Thora so liest wie seine Zeitung und es verlernt oder nie gelernt hat, aus den Tiefen seines Innern den Springbrunnen zu erwecken, der allein iinstande wäre, die staubige Türre seines Denkens und Fühlens zu bewässern, zu befruchten, und der darum nicht bloß die Gesetzesoffenbarung ausstreicht aus seiner Seele, sondern auch zum eigenen Propheten sich aufwirft, um sich selber den Sinn des Daseins zu deuten und sein Geschick sich selber zu enthüllen. Man will halt überall mit dabei gewesen sein, und man vergißt, daß einen Sonnenaufgang auf Bergeshöhe in Wahrheit nur der genießen kann, dem, auch jahraus jahrein das alltägliche Schauspiel, wie am Morgen die Sonne im Garten die Blumen küßt, eine Himmelsoffenbarung dünkt — und ebenso das “pm:sx nvr' onph? cnzn/i Voraussetzung darstellt zum Erkennen und Genießen des Sonnenaufgangs am Sinai. Wir kommen zum Abschnitt Edaus. Hier befinden wir uns nicht, wie im vorigen Abschnitt, in der Vorhalle des Gesetzesheiligtums, sondern bereits in der Mitte des Palastes. Dieser Abschnitt umfaßt den Sabbath und die Festtage, ihre Symbole, wie Mazzoh Schaufor, Lulow, ferner gehören dazu Tefillin, Zizis, Mesusohusw. Ueber diesem Abschnitt waltet ein sonderbarer Schicksalsstern. Nirgendwo erweist sich die Volksgunst als so launisch wie gerade bei der Wertschätzung der Gesetze, die unter die Kategorie Edaus fallen. Sie alle sind von Gott eingesetzt. Denkmäler, die gewisse Wahrheiten durch unmittelbare praktische Einwirkung auf Geist und Gemüt verewigen wollen. Wie verschieden urteilt aber nun die öffentliche Meinung über den Ladenschluß am Sabbath und über das Unterlassen des Tragens eines Taschentuches am Sabbath! Wenn Bismarck einmal gesagt haben soll, er könne die Juden nicht leiden, die kein Taschentuch zu tragen glauben, wenn sie es um den Leib binden, so wird ihm gar mancher im Innern beistimmen, auch wenn er von den Imponderabilien des Judentums mehr blauen Dunst haben müßte, als ein Reichskanzler haben fann. Wir haben uns eben 'viel zu sehr daran gewöhnt, im Sabbath weniger ein von tausend Imponderabilien behangenes Gottesgesetz, als eine soziale Einrichtung zu sehen und kommen deshalb naturgemäß in peinliche Verlegenheit, wenn es gilt, das Verbot des Tragens xeftlos der Vorstellung einzufügeu, die wir uns vom Sabbat willkürlich gebildet haben. Wir spannen den Sabbat aus das Prokrustesbett einer festsitzenden Meinung, die wir aus nichtjüdischen Gedankensphären bezogen haben, und wenn der 'Sabbat in dieses Bett nicht hineinpaßt, hauen wir ihm, kurz entschlossen, beide Füße ab. Den anderen Denkmälern, wie Zizis, Schausor, Lulow, Tefillin usw. geht es noch viel ärger. lstter? Nehmen wir z. B. das Zizisgebot. Tie Mühe, dieses Gebot zu befolgen, ist nicht so groß, als daß man sich lange besinnen sollte, ein Arba- Kanfos und ein Tallis zu tragen. Ja sogar populärer als der Sabbat sind die Zizis, denn auch derjenige, der am Sabbath seinen Laden öffnet, macht sich nichts daraus, bevor er am Sabbat ins Geschäft geht, sich in der Synagoge mit einem Zizis-Halstuch zu um/oickeln. Ich frage nun: Würde die selbst den Sabbat über--« ragende Popularität des Zizisgebotes standhalten, wenn in unserer Zeit der Bereinsgxündungen jemand den 'Einfall hätte, eine förmliche Zizisagitation zu eröffnen, und nach Analogie des Verbandes der Sabbatfreunde einen Verband der Zizisfreunde zu gründen? Würde sich ein solcher Projektenmacher nicht dem öffentlichen Gelächter preisgeben? Gewiß wird er das tun. Warum aber? Einem heiligen Gottesgebote würde der Eifer dieses Vereinsgründers gelten, denn ->vnn N'L'X N1LOO, sagen die Weisen, wer seinen Eifer einer genauen Befolgung des Zizisgebotes zuwendet, naiVT) nsil/ bem wird der Anblick der göttlichen Herrlichkeit zuteil. Warum er sich lächerlich machen würde? Nun, weil wir alle mehr oder weniger in diesen Zizissprossen — nichts anderem als einem religiösen Zweck geweiht — wollene Fäden sehen, weil wir ihre Beziehung zur Schechinah, zur göttlichen Herrlichkeit nicht begreifen, und der Kuß darum, den wir jeden Morgen auf die Zizis drücken, eine leere, kalte, konventionelle LiMosung ist, weil wir mit einem Worte die Jmponderabilität dieses göttlichen Gesetzes verkennen. Wir haben es also bei beu Gesetzen der Kategorie Edaus mit stummen Denkmälern zu tun, denen wir die Zunge lösen müssen. Freilich müssen wir dabei sesthalten, daß es wohl niemals gelingen wird, gewisse Mizwaus zu veranlassen, aus ihrer stümmen, rätselhaften Reserve zu einer durchsichtig klaren, redseligen Offenheit herauszutreten. Wir mögen den Lulow und Esrog zum Gegenstand tiefsinnigster UeberlegNng machen, und das was sie uns zu sagen scheinen, mag in unserer Vorstellung die erhabenste Predigt sein, wie sie kein Menschengeist auszudenken vermöchte — und doch wird immer ein Geheimstes, ein Tiefstes und ein Letztes übrig bleiben, das unserem tastenden Verstehenwollen sich ewig entzieht, denn schließlich läßt die Tatsache, daß kein vernünftiger Mensch jemals aus sich selbst heraus dazu gekommen wäre, den Gedanken, die er in Lulow und Esrog findet, einen Palmzwcig und eine Citrus-Frucht, als symbolische Träger zu bestellen, als bare Unmöglichkeit es erscheinen, das Gewicht einer jeden Mizwa restlos zu bestimmen. Diese Tatsache bezeugt, daß wir es bei den Edaus mit religiösen Imponderabilien zu tun haben. R. B. (Fortsetzung folgt.) Ortsgruppe und Weltorganisation. Vortrag von Wolf S. Jaeovfo«, gehalten in der Agudas Jisroel-Ortsgruppe zu Hamburg. II. Gestatten Sie mir jetzt. Ihnen das Verhältnis der Agudas Jisroel zu jedem Einzelnen, uno das Verhältnis jedes Einzelnen zur Agudas Jisroel in einem Bilda darzustellen, durch das ich der Beantwortung der eingangs erwähnten Fragen schon ganz nahe komme. Lassen Sie mich die Agudas Jisroel vergleichen mit dem nHun ]'HK/ der das Heiligste, den K'lal- Gedanken, den Arewus-Gedanken, den Gedanken durchs Taurogesetz bedingter jüdischer Solidarität birgt. Wir alle müssen den Oraun tragen, wir alle müssen unfern Anschluß an Agudas Jisroel als heilige Notwendigkeit in uns spüren, als religiöse Notwendigkeit erleben, als inneres Muß empfinden. Wir alle müssen rn*n W): Träger der Lade sein, dann, meine Verehrten, vollzieht sich an uns jener Wunder XV12 slix TW1J fiK daß die heilige Lade, daß die Agudas Jisroel, daß der K'lal Jisroel uns! trägt. Wenn wir nnsere geringen! Einzelkräfte/ jeder nach seinem Können und seiner Fähigkeit/ jeder nach dem Maß seiner materiellen Äeistungskrastz dem K'lal hingeben, dann fließt aus dem geeinten K'lal in jeden Einzelnen von uns so gewaltige Lebensenergie, so viel wahre Volkskraft und so viel lebendiger Gesamtheitsodem, daß für die Frage: „Gibt es eine Ortsgruppe und wenn ja/ was leistet sie?" kein Raum in unserm Innern bliebe. Denn, wenn wir so fragten und damit hinwiesen auf unsere so geringe Leistung, indem wir den minimalen Beitrag an die Ortsgruppe für die Gesamtorganisatwn zahlen — und ich, muß es leider offen anssprechen: und so oft nicht zahlen — so ginge es uns wie dem Major und seinem Bedienten in „Minna von Barn- Helm": Wir präsentieren der Agudas Jisroel die Rechnung, was sie uns schuldet, aber wir vergessen die Rechnung dagegen zu stellen, w a s w i r i h r s ch u l d i g. Nein,- meine Freunde, aus unsere Frage an die Agudas Jisroel, aus unsere an die Ortsgruppe gerichtete, aber der Gesamtorganisation geltende: ,/Existierst Du eigentlich ttö4 warum hört man nichts von Dir, was leistest Du eigentlich?" kommt nach altem jüdischen Brauch statt der Antwort eine Gegenfrage: „Und Du? Existierst Du eigentlich noch!? Warum hört man von Dir denn nichts. Was leistest Du denn eigentlich! für die Agudoh?" Meine Verehrten,- so wie Sie der Ortsgruppe diese Fragen, die sie namens des K'lal Jis!- roel an Sie' stellt, beantworten, erledigt sie Ihre Anfrage, denn von unserer Antwort, von' ' der Antwort jedes Einzelnen von uns auf die im Namen des K'lal gestellte Frage, hängt die Antwort der Ortsgruppe, im Großen wie im Kleinen, völlig ab. Daß jeder von uns diese Fragen sich vorlege, sie vor seinem Gewissen ohne Selbsttäuschung beantworte, aus der gefundenen Antwort für sein künftiges Verhalten zum K'lal Jisroel und der ihn vertretenden Agudas Jisroel, die richtigen Folgen ziehe, hierzu anzuregen sei die eine Sjeite meiner Aufgabe, indem ichi in aller Gedrängtheit uns nochmals den Sinn und die Idee der Agudas Jisroel vors Auge, und manchem vielleicht ins Herz, führte. III. Lassen Sie mich! nun noch ein Wärt sagen zu den Aufgaben, die der Ortsgruppe obliegen, weil ich des Glaubens' bin, daß die Fragen vom Zweifel an der Existenz der Ortsgruppe, weil man so wenig von ihr hört, selbst wenn wir nach redlicher Selbstprüfung ein Recht aus diese Frage haben — und ich! zweifle nicht daran NNOVOO -PFO NNrr haben ein Anrecht .darauf — aus einer irrtümlichen Auffassung der ^von der Ortsgruppe durchzuführenden Tinge fließen. Ausgabe der Ortsgruppe ist nicht — das ist meine tiefe, wenn auch! gewiß von Vielen bekämpfte Ueberzmgung — Bindung ihrer Mitglieder aneinander — das wäre allerhöchstens eine an manchen ,andern Orten in letzter Linie, hier in Hamburg aber überhaupt nicht in Betracht kommende, Nebenleistung — sondern Bindung ihrer Mitglieder an die jüdische Gesa^nthei t. Die Bindung der Mitglieder unserer Ortsgruppe aneinander, auf welchem Gebiete und in welcher Interessensphäre immer/ geschieht durch mannigfache in der K'hillo vorhandene Vereine und Organisationen: zum gemeinsamen Lernen, zum gemeinsamen Gebet, zur gemeinsamen Erbauung, in unserer K'hillo sogar zjur gemein^ samen Ausübung des NON fflTöJ sind der Möglichkeiten so viele/ jedem 'Geschjmack, jeder Nuancierung, jeder fotzen. Richtung Rechnung

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