Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1922)
- Date
- 1922-11-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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J wzie^una and lLz\) 33031s zürn osrae Organ Les Kun-es gesetzrstrener jüdischer Kehrer Deutschlands Llnabhänglger Verein isr. Lehrer in Hessen. AarwstadL, Oktober 1922. . Ein ladung zu der am Sonntag, LS. Novbr., 10 Uhr, in Frankfurt, Friedberger Anlage (Hörsaal der Synagoge der Israel. Religionsgesellschaft) stattfindenden < Zahresversammlans.! BflLi'ä?. :• ■; Tagesordnung: 1 Bericht des Vorstandes 2. Rechnungsadlage 3. Rückblick aus die ersten 25 Jahre des Vereins (Ref. I. Lebermann- Darmstadt) 4. Neufestsetzungen der Pensionen, Tarifsätze und des Jahresbeitrags 8. Borstandswahl 6. Anträge und Mitteilungen. In Nnbetracttt 9er mirhfisen Cagesor3nung iß oollMIiges erscheinen dringend geboten. Anträge slnS bis 8. IToDember beim Dor[ifeen3en, Shrmann- Srie9berg (Oberhessen), einrureichen, mit kollegialem Nutz Der Vorstand. Eine insolvente Großgemeinde? Wir finden in den jüdischen Blättern solj Lende auffallende Notiz: Die Breslauer jüdische Gemeinde befindet sich in einer finanziellen Krisis, da das Budget mit einem Defizit von 12 Millionen Mark zu rechnen tmben wird. Die Gemeindebeamten und A n g c st e l lt e n können deshalb nicht m e h r g a ir z n a ch d e r R e i ch s b e i 0 l d u n g sordnung entlohnt werden, sondern es wirb einer besonderen Korn Mission üb erlasse n.dicendg ültigenGehaltss n tz e z u b e st immc n. Bisher mar man der Meinung, daß es die mittleren und kleineren Gemeinden seien, die, zuweilen auch bei gutem Willen, die Lasten einer menschenwürdigen Besoldung ihrer Beamten nur mit schwerer Mühe zu tragen vermöchten. Nun tritt plötzlich eine der reichsten Groß gemeinden Preußens mit der verblüssenden Erklärung auf den Plan, sie müsse ihre Zahlungen ein stellen und melde Konkurs an. Denn nicht mehr und nicht nrinder als eine Konkursanmeldung bedeutet es, wenn eine Gemeinde, die bisher das gute Recht der jüdischen Beamten auf die staatliche Besoldung anerkannt hat, sich außerstande erklärt, der der Geldentwertung entsprechenden Regelung der Gehälter zu folgen. Das „nicht mehr ganz" in der offiziösen Notiz ist wohl nur eine verschämte Andeutung,, hinter der sich zweifellos wesentliche Ausfälle an sauer verdientem Gehalte für die Beamten verbergen, denn um geringfügiger Summen willen wird der Vorstand der Syn agogengemeinde Breslau weder die Mühe einer eigenen Gehallsskala, noch den Vorwurf des Rechtsbruches gegenüber den Beamten auf sich nehmen. Eine Zahlungseinstellung peinlichsten Charakters liegt also sicherlich vor, denn die moralisch und juristisch bevorrechteten G l ä u b i g e r einer Geinein de sind ihre Beamten. Es müßte darum vor allem, wie bei jedem Konkurse, die Einsetzung einer Instanz verlangt werden, die darüber wacht, daß nicht andere „Gläubiger", d. h. irgendwelche andere, minder dringende Gemeindeaufgaben finanziell voll.befriedigt werden, die Beamten aber das Nachsehen haben. Zur Sache selbst meinen wir, daß alle gerecht denkenden Elemente in der Breslauer Gemeinde sich gegen die verhängnisvollen Beschlüsse der Gemeindeveyyalmng auflehnen müßten. Was sind 12 Millionen Papiermark für die Breslauer jüdische Geschäftswelt? Hier müssen organisatorische oder steuertechnische Mängel vorliegen, die zu beheben einem festen energischen Willen mit etttmä Mut und Begeistern ngssähig keil möglich sein müßte!? Erklärung. In Hinsicht fortgesetzter, ungerechter Angriffe, die gegen unseren verehrten Kollegen I. Lebermann, Darmstadt, ins Werk gesetzt worden sind, fühlen sich die heute zum periodischen Kursus versammelten, endesunterzeichneten Lehrer Oberhessens, die erst jetzt von den Angriffen Kenntnis erhalten haben, veranlaßt, folgende Erklärung zu veröffentlichen: „Kollege Lebermann hat bis jetzt alle seine Kräfte unter Aufopferung! von Zeit und Mühe im Dienste unserer Standes-; interessen uneigennützig zur Verfügung gestellt. Wir bedauern daher diese Angriffe gegen unseren verdienstvollen Führer und sprechen ihm hiermit unser uneingeschränktes Vertrauen aus. Gießen, den 23. Oktober 1922. Bauer-Gedern, Heß-Düdelsheim, Kahn- Alsfeld, Kahn-Angenrod, Kaufmann-Schotten, Klein-Dießen, Stein-Hungen, Stern- Lanterbach, Welsch-Oberseemen, Zodik-Laubiach." Gründet jüd. Konsessionsschulen! Ein M ahnwort v0n Fl. Tie Meinungen über die Berechtigung der Konfessionsschulen sind geteilt Durch das dem Reichstage vorgelegte Schulgesetz ist der Kampf um die Schule aufs neue entbrannt. Während die deutsche Volkspartei, die demokratische Partei und die Sozialdemokraten mit überwiegender Mehrheit sich für die Gemeinschaftsschule erklärt haben, stehen das Zentrum und die Deutschnationalen für die Weitererhaltung der Bekenntnisschulen ein. Doch tobt der Kampf der Parteien. Auch die Lehrerschaft ist in der Schulfrage in zwei Lager gespalten. Der deutsche Lehrerverein steht rückhaltlos auf dem Boden der Gemeinschaftsschule. Man kann die Stellungnahme dieses großen Vereins, der seit einem halben Jahrhundert für die Befreiung der Volksschule voll der Oberherrschaft der Kirche gekämpft hat, begreiflich finden. Die katholischen Lehrerverhände kämpfen mit ihrem Herzblute für die ihnen unentbehrlich erscheinende Bekenntnisschule. Auch die jüdischen Schulmänner sind in ihrer überwiegenden Mehrheit Anhänger der jüdischen Konfessionsschule. So hat sich u. a. die Hessische Lehrertonferenz auf der Jubiläumsversammlnng im Juli 1920 für den Weiterbestand der jüdischen Konfessionsschule erklärt. Herr Steinhardt, der Redakteur der Blätter für Erziehung und Unterricht, hat schon wiederholt eine Lanze für die jüdischen Konfessionsschule» eingelegt. Erft neuerdings hat fick der bekannte Schulmann Direktor Dr. Carlebach in Erwiderung auf die gegnerische Erklärung des Geheimen Justizrats Dr. Cassel tu warmen Tönen für die jüdische Konfessionsschule ausgesprochen. Für ihn darf bei uns Juden die Frage der konfessionellen Schule keine Entscheidung aus politischen Rücksichten erfahren. Sie ist Lrüwns^ und Schicksalsfrage, nicht eine der Opportunität. Die Konfessionsschule ist nach seiner Ansicht eine Konsequenz unseres einzigartigen geschichtlichen Seins, unserer besonderen Kulturaufgabe und Veranlagung. Zwei Momente zwingen uns, endlich in der jüdischen Schulfrage aus unserer Lethargie herauszutreten und mit offenem Visier fiir die Erhaltung! und Neugründung jüdischer Schulen in Stadt und Pmid zu kämpfen. Einerseits vermissen wir bei unseren freien.Staatsformen jedes Verständnis für die Bedürfnisse der jüdischen Kindesseele, anderseits ifts die antisemitische Strömung, die unseren geplagten jüdischen Kin-