Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1922)
- Date
- 1922-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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9. November 1922 Der Israeli». Nr. 45 Sette 7 Mnderecke. Ser Opfergang Zsaaks. WM (Eine Darstellung des Midrasch Tanchuma.) „Und es war nach diesen Worten, da prüfte Gott Abraham:" Nach welchen Worten denn? Nach einem vorausgegangenen Gespräch zwischen Isaak und Jsmael. Jsmael überhob sich über Isaak mit den Worten: „An dir wurde die Mtlah im Alter von acht Tagen vollzogen, da du noch keinen Verstand, noch Kraft hattest, dich zu wehren. Ich aber ließ sie im Alter von dreizehn Jahren über mich ergehen. Um wieviel bin ich doch somit mehr als du!" Isaak aber antwortete: „Und wenn Gott heute mir nicht nur ein Glied, sondern das ganze Leben abverlangen sollte, wie freudig würde ich dies hingeben." Nach diesen Worten kam Gott, um Vater und Sohn zu prüfen. „Und Gott prüfte Abraham." — Es sind nur die besten und festesten Geräte, die der Meister auf ihre Güte und Haltbarkeit prüft, indem er mit dem Hammer auf sie klopft. Die minder guten Geräte halten diese Prüfung nicht aus. „Und er sprach zu ihm: Abraham, und er sprach: Hier bin ich! Und er sprach: Nimm doch!" — Dieses „doch" *0 deutet immer auf eine flehentliche Bitte hin. Gott flehte Abraham an, daß er auch diese Probe bestehe. Es gleicht einem König, dessen tapferer Feldherr bis jetzt eine Reihe kleinerer Festungen erobert hatte. Vor der mächtigsten Festung angelangt, beschwört der König seinen Feldherrn, alle Kraft aufzubieten, um auch diese letzte Festung zu nehmen. „Fällt diese nicht, so sind dadurch auch alle anderen früheren Siege wertlos, da man von dir sagen würde, deine Kraft reiche nur für kleinere Aufgaben." Auch hier hatte Abraham bereits neun kleinere Prüfungen bestanden, auf diese größte und schwerste Prüfung kam es aber an, daß sie Abrahams und seines Schöpfers Ruhm begründe. Darum „KJ — ich bitte dich darum!" „Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn." — Abraham fragte: „Welchen Sohn?" Gott: „Deinen Einzigen." Abraham: „Beide sind es, der eine wie der andere ist der einzige bei der Mutter." Gott: „Den du liebst." Abraham: „Ich liebe sie beide." Gott: „Den Isaak!" „Und es machte sich auf Abraham am Morgen und sattelte seinen Esel." — Wiewohl er viele Knechte und Mägde hatte, die auf sein Gehriß die Arbeit hätten verrichten können, tat er es doch aus Liebe zu Gott selber. „Am dritten Tag erhob Ahraham seine Augen." — Erst am dritten Tage, daß nicht die Welt sage, Abraham sei überrumpelt worden und habe es im Zwange der Stunde getan. In Wahrheit hatte er aber noch zwei Nächte darüber geschlafen, ohne daß die Liebe durch Ueberlegung gemindert wurde. Die frühe Morgenstunde war auch mit Rücksicht auf Sarah gewählt. Er wußte nämlich nicht, wie er die Sache der Mutter mittetle, er wagte nicht, ihr den Sachverhalt glatt einzugestehen. Da sprach er zu ihr: „Wir wollen für heute Abend ein großes Abschiedsmahl bereiten." „Warum Abschied?" fragte Sarah. „Gott," antwortete der Gatte, „hat uns im hohen Alter mit einem Sohne beglückt. Was haben wir für seine Ausbildung, für seine Befestigung in der Gottesfurcht bis jetzt getan? Hatte ich doch schon mit drei Jahren Gott gesucht! Es ist also Zeit, daß ich ihn einem Lehrhause zusühre." Da ging die Mutter mit glühender Freude daran, das Abschiedsfest zu richten. Abraham brach aber schon in aller Frühe auf, damit die Mutter sich nicht inzwischen eines anderen überlege. „Und er nahmdiebeidenKnaben mit sich." — Unterwegs kam ihnen aber Satan in den Weg, zuerst in der Gestalt eines wanken- Greises. Er sprach zu Abraham: „Wohin Alter?" „Zum Beten," Lptwortete Abraham. „Seit wann braucht man für das Gebet Holz, Feuer und Messer?" fragte Satan höhnisch. „Es ist möglich," gab Abraham zurück, „daß wir längere Zeit verweilen und unser Essen bereiten müßten." Satan aber sprach: „Glaubst du, ich kenne das Ziel deiner Reise nicht? Steh, ich bin ein alter Mann und wenn ich nach Hause komme, so finde ich lachende Kinder, die mein altes Herz erheitern. Du aber findest kein lachend Kind mehr, du tötest es ja mit eigenen Händen." Aber Abraham stieß den Satan von sich und hörte nicht auf seine Worte. Jetzt trat Satan in der Verkleidung eines Jünglings an Isaak heran. „Wohin Freund?" fragte er. „Die heilige Lehre zu studieren," antwortete Isaak. „Willst du etwa nach deinem Tode die Lehre erforschen?" spottete Satan. „Siehst du nicht, Freund, wie schön das Leben ist, wie die Felder blühen, die Wiesen lachen und die Jugend zum Tanze laden? Dein Vater ist aber närrisch geworden und will dir die Jugend, das Leben rauben." Isaak stieß ihn von sich und hörte auf seine Worte nicht. Noch einmal und noch einmal kam Satan, einmal als reißender Strom, den sie durchwaten mußten, ein anderes Mal als ragender Berg, den sie aber überklettern konnten. Sie ließen sich von ihrem Ziele nicht ablenken und abhalten. „Und er sah die Stätte von der Ferne." — Abraham sprach zu Isaak: „Siehst du etwas?" Isaak antwortete: „Ich sehe einen herrlichen Berg, von dem etwas wie eine leuchtende Säule herabbltnkt." Da sprach Abraham zu den Jungen: „Seht auch ihr etwas?" Sie sahen aber nichts wie Berg und Wüste und Einöde. Da sprach Abraham zu ihnen: „Weilet hier bei dem Esel. Er sieht nichts und auch ihr seht nichts, so gehört ihr zueinander. Ich und der Knabe aber, wir steigen hinauf . . ." Personalien. Berlin, 6. Noo. Am Freitag, den 19. Marche« schwan (10. November) wirs ein Jahr seit dem Abteben des Prof. David Hoffmann, Rektors des Rabbinerseminars zu Berlin, verstrichen sein. Aus diesem Anlässe wollen sich am Vorabend die in Berlin als Rabbiner amtierenden etwa 25 ehemaligen Hörer und etwa 40 gegenwärtige Schüler des RabbtnersemtnarS zu einem „Stjum hafcyaß", dessen einzelne Traktate unter ihnen vor etwa Jahresfrist verteilt wurden, vereinigen. Herr Dozent A. Kaplan wird eine von dem verstorbenen Gaon behandelte Ritualfrage von allgemeinem Interesse mit den Erläuterungen und Entscheidungen des Verstorbenen vor« tragen. Am Freitag morgen soll in Gegenwart der Familie der Vertreter des Rabbinersemtnars und ferner Schüler die Enthüllung der Mazewoh stattfinden. Hamburg, 6. Nov. Am Freitag gegen abend starb tu« Jsraeittischen Krankenhaus nach einer schweren Operation im 72. Lebensjahre, Rabbiner Dr. Letmdörfer, erster Prediger im Hamburger Tempel. Baisingen, 7. Nov. Laut Staats-Anzetger für Württemberg wurden durch Entschließung des Herrn Staatspräsidenten die Herren Hauptlehrer: Obernd örfertn Niederstetten, Pr etzburger in Breglingea, Straßburger in Batstngen, zu Oberlehrern in Gruppe 8 der Besoldungsordnung ernannt. Fürth t. B., 7. Nov. In diesen Tagen werden es 40 Jahre, daß Herr Hauptlehrer Ellinger an der israelitischen Realschule als Lehrer und Erzieher wirkt. Als junger Mensch begann er an der israelitischen Realschule seinen Lehrberuf. In der ununterbrochenen Kette der Jahre ist ihm das „Lehren" ein „Berufgewesen und geblieben, der wett über das materielle Interesse hinusrügt, das wir gemeinhin mit dem Begriff des Berufes überhaupt verknüpfen. Mit einem Idealismus sondergleichen, nur erklärlich durch die tiefe religiöse Erfassung des jüdischen Lebens, ererbt von Generationen her, deren Ahnenreihe bis zu ja bis zu K"tn emporsteigt — mit diesem erworbenen und ererbten Idealismus ausgerüstet, hat er schon fast zwei Generationen jüdischer Ktnderseelen mit dem Geist von mm Und pK “pn erfüllt. Abhold allen äußeren Ehren — er Hai sich ja auch jede öffentliche Feier feines Jubiläums verbeten — hat er es verschmäht, Stelle oder Stellung zu verlassen, um dorthin zu gehen, wo größerer materieller Gewinn und bessere soziale Bedingungen winkten. Man weiß, welchen furchtbaren Kampf ums Sein die jüdischen Schulen zu kämpfen haben, und gerade die israelitische Realschule Fürths im Besonderen. Ein zweifaches Verdienst, in solchem Sturm materieller Drangsale am Bord zu sein, auf seinem Posten zu bleiben, solange dem Lenker der Schicksale es gefällt. Möge eS dem Jubilar noch lange vergönnt sein, Jungen und Jüngern seine Dienste zu leihen. Geb'S der am? ruiwj bald in sonnigeren und froheren Tagen als jetzt! Möge der Jubilar noch recht lange Jahre im Kreise seiner Lieben seinem Ideal leben können, nwjfa NDL>7 Eschau, 3. Nov. Am 20. Oktober starb plötzlich ohne Krankenlager Meier M o s b a ch e r. Er war ein guter Jehudi von edlem Charakter, welcher in unserer Gemeinde eine große Lücke hinterläßt. Am jüngsten omkippur funktionierte er noch als Hilfsvorbeter. ls Geschäftsmann zeichnete er sich durch große Tüchtigkeit und strengste Reellttät aus. Seinen Mitmenschen stand er gern mit Rat und Tat bei. Die große Beliebtheit, welcher sich der Verstorbene erfreute, zeigte sich bei der außerordentlich zahlreichen Beteiligung bei der am Sonntag, den 22. Oktober stattgefundenen Beerdigung. Am Trauerhause entwarf Herr Lehrer Lehmann in kurzen tiefempfundenen Worten ein Lebensbild des Verstorbenen. Der Vorstand deS Gesangvereins ries ihm als Mitglied Worte des Abschieds nach. Möge die Teilnahme aller ein Trost für die Hinterbliebenen sein. rt"2iuri. Sontra, 29. Oft. Herr Wolf Katz und Iran Röschen, g?v. Levinsiein zu Sontra, feiern den 11. November d. Js. die goldene Hochzeit. Offenburg (Baden), 1. Nov. Heute haben wir hier Moritz Weil zu Grabe getragen. Von dem Vertrauen der ganzen Gemeinde getragen, hat der Verstorbene, obwohl schon leidend, vor etwa Jahresfrist sein Amt übernommen und mit seltener Hingabe und mit Geschick verwaltet. Er war ausgestartet mit den guten Gaben des Herzens und des Gemüts, ein Wohltäter für die Armen und Bedrückten und ein Berater aller, die ihn auffuchten, alles selbstlos und bescheiden nach den Vorschriften unserer Weisen. Dieser edelmütige und feinfühlende Mann und echte Jehudi hinterläßt in unserer Gemeinde eine Lücke, die schwer wird ausgesüllt werden können. n*25tJn. New-Uork, 14. Olt. Bevor er in seine amerikanische Hermat zurückkehren konnte, ist in einem Hotel in Southampton der „Kupferkönig" Isaak Guggenheim plötzlich gestorben. Am darauffolgenden Tage wollte er sich auf der „Aquttania" etnschiffen. Die Guggenheims stammen aus Deutschland. Der Vater des jetzt Verstorbenen «ränderte tm Jahre 1847 nach den Vereinigten Staaten aus, wo er sich als Spitzen- Händler ein kleines Vermögen erwarb. Erst tm Jahre 1881 begannen er und seine Söhne, deren ältester nunmehr gestorben ist, sich für die Metallindustrie zu interessieren, in der die Familie dann ein Vermögen erwarb, das lange Zeit als das zweitgrößte in den Vereinigten Staaten, nämlich das größte nach dem Vermögen Rockesellers, eingeschätzt wurde. Vriefkasten. Herm. K. in Fr. Die Notiz über den Vortrag kam leider nach Fertigstellung der Nummer in unsere L. M. irr Frankfurt a. M. Ihre Entrüstung über den Verleger tu ganz unbegründet. Es entspricht tm Gegenteil durchaus den Gepflogenheiten im Buchhandel, daß die Verlagsbuchhandlung an die Sortimentsbuchhandlungen verweist. Der Verleger inseriert eben, um feine Bücher bekannt zu machen und den Absatz durch Vermittlung der Sortimentsouchhandlungen zu fördern. M. W. in C. Ihrem Wunsche, das bekannte Werk von Urq uhart „Die neueren Entdeckungen und die Bibel" zu erwerben, geben wir hierdurch in unserem Leserkreise gerne bekannt. Wer das Werk abgeben möchte, wolle sich bei uns melden. Sch. S. in £ „ Der Brief ist in unsere Hand gelangt, doch können wir nicht mehr feststellen, wie hoch er frankiert war, da wir den Umschlag nicht mehr besitzen. — Leider können wir die uns freundlich zugesandten Thoraworte nur nach und nach und nur soweit es der Raum gestattet und sie sich für unsere Leser eignen, bringen. Besten Dank! Einer für viele. Die Deutsch^Hulländische Palästmaverwalturg bitter uns, Ihnen mttzuteilen, daß sämtliche Büchsen entleert worden sind. Sollte bet Ihnen eine übersehen sein, so wird um Mitteilung von Namen und Adresse gebeten. I. R. Velki in Sarly. Hochschulen mit ungarischer Vvrtragösprache gibt es in Deutschland nicht. Als technische Hochschule käme diejenige in Darmstadl in Betracht. In der Regel wird für die Aufnahme der Nachweis vorheriger Ablegung der Maiurträls- Prüfung gefordert. Nach Absolvierung der Hochschule wird die Jngenieurprüfung abgelegt. Lehrer L. Sch. in Gaitingen. Der Geburtstag ist der 20. Stwan) er fällt 19*4 auf Sonntag, den 32. Juni, der rav rnata 12 ist "[b-ribw.