Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1922)
- Date
- 1922-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seßre 3 Nr. 45 *>rr A-rsE«. 9 November 13W. Stellungnahme gefragt, als man — gerüchtweise von der Gründung einer Anstalt erzählte, die der von ihm geleiteten hätte Abbruch tun können. Da war die Antwort: „Ich wollte, es würde an jeder Ecke eine neue n*l1^Lehranstalt eröffnet werden. Beim .“k“iiri-Lernen gibt es keine Konkurrenz." Nur wenige Beispiele sind es, die da zeigen sollen, wie sich die HilES David Hoffmcmns äußerte. Aber das glänzendste Beispiel, das jedem, der es mit ansah, ein ehrfurchtsvolles Schauern abzwang, das war sein letztes Lebensjahr, das war der gewaltige Todeskamps eines hohen, frischen, göttlichen Geistes gegen einen schwachen, ausqezehrten, irdischen Körper. Wie er in seinem Leiden sich prüfte, ob er — der Reine — nicht irgendwie gesündigt und so die Qualen selbst verursacht hätte, oder wie er sich gar mit seinem Leiden freute, daß er nun erst die mstü richtig erfüllen könnte — wie die niXö des morgenlichen Schulengehens —, wo sie ihn soviel Überwindung der Schwäche, soviel Kampf mit sich selbst kosteten, da ward die Größe des Großen erst offenbar. Ob er als 77 jähriger Greis noch hoch oben auf der schwankenden Leiter stand und sich das „Decken" der N21V doch nicht nehmen lassen wollte, oder ob er bis ganz zuletzi? den ll^'V fortführte, den er ja n't e versäumt Hatte, ob er seine E'ttmn noch sagte, als seine Schüler ihn nur das Ohr an seinem Munde noch verstanden, oder ob er schließlich nur den Finger hob, wenn jemand etwas falsch auffaßte, stets war es die Hingabe an die N12LVdie ihn im Augenblick den Körper ganz vergessen ließen. Als er am Abend vor seinem Tode noch den von Krämpfen der Schwäche hin- und hcrgeschüttelten Körper aufrecht stehend erhielt im Gebete zu Gott und als er drei Stunden vor dem Scheiden sich Brille und rrNQ) reichen ließ, das waren die letzten Siege, die er erfocht. Nimmt es bei solchem Mann noch wund?r, daß nicht nur einem, sondern manchem, vor deren Augen er am letzten 11L2 21' seines Lebens plötzlich trat, das weiße, vom Ernst des Tages durchheiligte Antlitz, umrahmt vom weißen Tallis und dem weißen Kleide, es einen Augenblick das Herz durchzuckte, und sie vermeinten, eine überirdische Gestalt vor sich zu haben? — Ein Wort unserer Weisen spricht von der Bestimmung, daß der Tote vergeffen wird vom Herzen der Lebenden,' aber David Hoffmann, der p'*7!SC* wird nicht vergeffen werden, David Hoffmann, der p'NL lebt . . . -.W Erklärungen zurSi-rahu. Anderes. iSrN-i f*i*n rnn c.m^N *i&iy Nim c.nvsS ,t.'i. Midrasch sagt dazu: mjiy Nim 711212, als Lohn dafür, daß Abraham vor ihnen stand, ney1? Sne» 121, wurde Israel die Wolkensäule zureil. Gewiß baut Midrasch nicht allein auf die Lautvermondtschait msiy — m»J>. Der innere Konnex ergibt sich vielmehr durch die auffällige Satzbildung. Müßte es doch richtiger heißen: 2“'3-rS swi 12vy x:m p?n nnn. Der Satzbau p?n rinn c.mfjN rnriy Ni.rn veranlaßt die Midrnschweistn das NNN im Sinne dort „anstatt" aufzufassen. Wo er ihnen auch den Tisch deckre, auch mitten in der Sormenglut, pflanzte er sich vor ihnen auf, wie ein Baum, Schutz und Schatten spendend. Der Lobn besteht in ähnlichem Schutz und Schallen — pyn mcji — für Abrahams Kinder, also niv mi2 nnö. Im Kapitel 20, Satz 16, spricht Abmelech zu Sarah: nn2i;i *?2 dni '121 “priN5? fp2 -st.x mn: n:n. Die letzten Worte bleiben trotz aller Erklärungen von ’"en und e'BHEö unverständtich. Außerdem ersehen wir Wochenmndschau. Ist ein Zriedhos eine religiöse Einrichtung? Der Leser hat recht, wenn er diese Frage befremdend findet. Aber wie muß erst ein Urteil der Glogauer Strafkammer befremden, das obige Frage nicht nur stellt, sondern sie sogar glattweg verneint und demgemäß eine Gruppe halbwüchsiger Burschen, die auf Kommando vor dem jüdischen Friedhof ausspuckten und deren Führer, von dem das Spuckkommando ausging, fretsprach?! In der „Bossischen Zeitung", die den Freispruch der Glogauer Strafkammer vom menschlichen wie juristischen Standpunkte ein wenig unter die Lupe nahm, unternimmt jetzt D. Trschaschel, Landgerichtsdirektor von Glogau, einen Rechtfertigungsversuch, eine Art Motivierung der Motivierung. Der Herr Landgerichtsdirekior ist der Meinung, eine antisemitische Kundgebung sei, wie jede andere parteipolitische Kundgebung, nicht ohne weiteres strafbar. Sie könne es sein, im besonderen wenn, was im vorliegenden Falle zu untersuchen war, der Tatbestand des § 166 St.-G.-B. (Beschimpfung einer Religionsgesellschaft oder ihrer Einrichtungen oder Gebräuche) vorltegt. Eine Verletzung dieser gesetzlichen Vorschrift ließe sich dem Angeklagten aber nicht Nachweisen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß der Angeklagte die Religion oder die religiösen Einrichtungen der Juden nicht angegriffen hatte, daß er vielmehr Antisemit war, der die jüdische Frage als Naffenfrage betrachtet, daß er auch im vorliegenden Falle nicht die Religionsgemeinschaft der Juden oder eine ihrer religiösen Einrichtungen, im besonderen nicht den 50 bis 100 Meter entfernten Friedhof beschimpfen wollte, daß es sich vielmehr um eine antisemitische, also politische, Kundgebung des Angeklagten handelte. Sehr richtig bemerkt dazu Rechtsanwalt Dr. Eyck in der V. Z.: „Dieser Rechtfertigungsversuch kann nur Verwunderung erregen. Will Herr Landgerichtsdirektor Trsch. bezweifeln, daß ein Friedhof eine religiöse Einrichtung ist? Das Reichsgericht hat stets den entgegengesetzten Standpunkt eingenommen so in dem Urteil vom 27. März 1885, wo es hervorhebt, „daß die Ehrfurcht vor solchen Orten, an denen das Wort Gottes gesprochen werde, noch dazu, wie auf dem Kirchhofe, in schmerzlicher Stunde, tief in dem Volksbewußtsein wurzle." Ist das Ausspucken kein Beschimpfen? Oder meint er, daß «us Satz 14, daß Abmelech nur Sachwerte, wie Schafe, Rinder und dergleichen Abraham gegeben harte, aber kein Vargeid. VieÜeicht liegt in den Worten eine Entschuldigung dafür, daß er Abraham soviel Ballast an '121 1,221 sNL aufgeladen und nicht lieber mit 1000 Silbergülden all dieses abgelöst hatte. Er sagte zu Sarah: PB2 xstn '7irv run, hätte ich deinem Bruder 1000 Silverstücke gegeben, v'3'p 71102 "j^ sin rurt, so würde dies d i r eine Augenweide gewesen sein, “pN *wn ^2*?, auch keiner ganzen näheren Umgebung hätte es Befriedigung verschafft. Wie aber sollte die große Welt etwas davon ersohrrn haben? Mir lag indeß daran, daß *32 “Kl ““2131, daß es aller Welt offensichtig werde, daß ich Abroham beschenkt habe, darum mußte das Geschenk in lebenden Gütern bestehen. (Ans dem Nachlasse des R. Akiba, Schreiber V'an aus Papa). M. 1, Kap. 6, Satz 5 '121 emtn ran .121 '2 'i xmi. Der Satz bietet der Schwierigkeiten viele. Im the* rarischen Nachlasse des Rabbi Schimon Soffer y*! aus Krakau, wird der Zusammenhang wie folgt erklärt: Ks gab damals eine PHNosophenrichtung, die behauptete, Gott habe die Welt dem Un heile preisgegebev, wie jener Künstler, dem es vor dem eigenen Werke graut, es aber nicht mehr mit Händen zerstören kann und es daher einfach dem vernichtenden Schicksal überläßt. 121 m Nmi, Gott sah, wie schlecht der Mensch war, b2i ‘zb nnwiTQ mtv daß seine Gedanken dahin gingen, am bz Pi pi, die Welt sei dem pi, dem Unheile, ausgeliefert. Weil - so behaupteten nämlich die Menschen — '2n 'n anr'i, Gott hatte längst die Mcnschenerschastung bereut 122 bN 2iW: und war ihrer überdrüssig. '1 ivN'i, diesem Narren gegenüber spricht Gott: nnvN es nur dann zu verurteilen sei, wenn es unmittelbar die Friedhofsmauer trifft? Was sollen die ganzen Ausführungen bedeuten, daß der Angeklagte Rasseantisemit sei? Berechtigt Raffeanttsemitismus zu solchen Handlungen?" Die Annahme, der Friedhof sei keine religiöse Einrichtung, könnte auch, in religtonsrechtlichen Fragen des innerjüdischen Lebens zu unhaltbaren Schlußfolgerungen führen. Schon darum allein sollte man gegen die Auffassung des Glogauer Gerichtes Verwahrung einlegen, weniger ans d?m Wunsche nach Bestrafung für die vor dem Heiligsten nicht zurückschreckenden Flegel, die die Antisemiten blute vonGlogau bilden. Die litauischen Landtagswahlen. Nach heftigem Wahlkampfe ziehen in den neuen litauischen Landtag 78 Deputierte ein, unter ihnen 36 Christlich-nationale, 28 Sozialisten, je drei Polen und Kommunisten, Juden wurden 6 gewählt, von denen aber nur zwei von der Mandatsprüsungskommisston bestätigt wurden. Bon den jüdischen Mandaten siel eines dem Kandidaten der A g u d a, Dr. M.Rachmilewitsch, zu, der sich als gewesenes Mitglied im Präsidium der Konstituante und früherer Bizeminister für Finanz und Handel gewiffer Popularität erfreut. Bon den Zionisten wurde, wie zu erwarten war, Dr.Rosenbaum gewählt. Man. kann den Wahlausgang vom jüdischen Standpunkte aus nicht gerade als günstig bezeichnen, am wenigsten entspricht er den Erwartungen des religiösen Judentums. Die 36 Christlich-Nationalen ergeben zwar keine absolute Majorität, werden aber in ihrer Geschloffenheit bei dem Auseinanderstreben der andern kleinen Gruppen in allen Fragen t er Politik, Wirtschaft und Kultur de fakto die Situation beherrschen. Für die Aussichten und die Konsolidierung der jüdischen religiösen Rechte mutet diese Zusammensetzung nicht sehr verheißungsvoll an. Die Erfahrung hat leider gelehrt, daß auch die von Geistlichen geleiteten Christlich»nationalen nur wenig Verständnis für die religiösen Forderungen der Juden haben. Die Sozialisten aber wollen von allem, was mit Religion zusammenhängt, grundsätzlich nichts wissen. Was die Juden endlich von den Polen und Kommunisten zu erwarten haben, ist erst recht nicht viel. So steht wohl zu befürchten, daß sich immer eine erdrückende Mehrheit gegen die berechtigten Wünsche und Jutereffen des innerjüdischen Lebens finden wird, der gegenüber die paar Juden, von denen es ja nur einem wirklich heilig und ernst um die reli- '121 D1N1 TIN, ich kör nte ja Mensch und Tier vernichten, von der Erde wegwischen, wenn es wahr wäre, '2 271'ipp.: '2 MVN3, daß ich deren Erschaffung bereute. Gott bereut nicht nrum d*in pi 2i2'i Sn 2"N nS. Und zuletzt noch ein Wort, daS im Namen des Wilnaer Gaon Wiedergegeben wird: Abrahams Baum, unter dessen Schatten er die Menschen in Liebe, Gastlichkeit und Belehrung an sich zog, hieß btpN, besten Buchstaben ergeben: nb'2N — Esten, 'mfi? — Trank, m*? — Begleitung, (nach anderen Deutungen auch ni'b — Nachtlager oder rnv'b — Belehrung) Hierin zeigte sich Abraham im Gegensätze zu den früheren als wahrhaft vollkommener Mensch. Adam sündigte durch nb'2N (Baum der Erkenntnis), Noah durch ''7iL> (Er trank vom Meine usw.), die Sodomiter verweigerten den Fremden .rn'b und Nachtlager und Begleitung. Abraham ecrichreie aber einen 2vN, der alle drei Punkte der Liebe vereinigte und war somit der erste Vollkommene. Kleines Feuilleton. Sexuelle Krage«. Obgleich wir in des seligen Dr. CarlebachS warmherzigem Lebensbuche „Reinheit" einen trefflichen jüdischen Führer auf dem klippenreichen Wege der Sexualethik bereits seit Jahren besitzen, muß man eS doch freudig begrüßen, daß neuerdings der bekannte