Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-11-02 · Heft 44 (2.11.1922) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 44 (2.11.1922)
Date
1922-11-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450229--70121-2527336
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

m. 44 Sette 7 2. November 1922 ausgeschlossen. Der Rabbiner von Kattowitz, Dr. Lewin, wandte sich an die Regierung mit einer Eingabe, in welcher er au-führte, die jüdische Bevölkerung habe zwar das Recht, sich wegen der Festsetzung der Mahle» an einem hohen jüdischen Feiertag beim Völkerbund zu beschweren, da laut dem Versailler Vertrag für jüdische Feiertage keine Wahlen angeordnet werden dürfen, allein die Juden ziehen es vor, bet der polnischen Macht zu intervenieren und um Verlegung ber Wahlen auf einen anderen Tag zu bitten, sonst würden die jüdischen Wähler den Wahlen ganz fernbleiben. Riga, 25. Sept. Der Direktor der lettischen RegierungSbank, Herr Friedman«, der einzige Jude der einen höheren Regierungsposten bekleidete, ist von seinem Amte zurückgetreten. Man bringt diese Demission in Verbindung mit den antisemitischen Strömungen in den lettischen RegierungSkreisen. Land»«, 26 Okt. Das hier zur Zelt gastierende Wilnaer jüdische Kynstlertheatererrrgtstarken Anstod dadurch, daß eS sowohl am Freitagabend Vorstellungen gibt, als auch am Sabbat vormittag, sogen. Mattnees. Das führende engllsch-jüdische Blatt „Jewtsh Chrouicle" protestiert hiergegen in den schärfsten Ausdrücken und erklärt, daß es jede publizistische Unterstützung des Theaters unter diesen Umständen ablehnen müsse. Man kann dieser Haltung de- Blattes nur lebhaften Beifall zollen. SrleflaAen. S. L. in Marienbad. Zahntechnische Rundschau, Berlin, KlaudiuSstr. 23. Sprechsaal. Kinder in geistiger Not. Herr Seminarlehrer Elias Gut, Köln, schreibt uns: Für hundert jüdische Kinder aus minderbemittelten Kreisen benötige ich etwa 50 Rascht-Chumoschtm. Neue Exemplare zu kaufen, erfordert unerschwingliche Mittel. In vielen kleineren Gemeinden befinden sich noch etliche Exemplare, die nicht verwendet werden. Mein Notruf ergeht an alle, die ein Herz für die Wichtigkeit von r™ TlQ^rt haben, mir ihre Bücher zu senden oder Mittel zur Anschaffung neuer zu gewähren. Das nw dieser großen miö wird jedem Helfenden beistehen. Frankfurter Krrichtr. Meier Selig H-kdschsridl^XI Jn der Reise des Mannesalters ist er hinweggenommen worden, der ein Bild kräftiger, gesunder, männlicher Schönheit, bestimmt schien, des Vaters Traditionen wie dieser bis zum gesegneten Greisentum fortzusetzen. Wohl hatten des Lebens Schläge, borallem der tragische Tod der herrlichen Tochter, an dieser Eiche mächtig gerüttelt, aber er hatte sich doch wieder ausgerafft und in rüstiger Arbeit für die Zwecke der jüdisch-» Gesamtheit Vergessen und Trost gesucht. Nun ward allden, ein plötzliches, unerwartetes Ende bereitet. — Als einziger Sohn des unvergeßlichen, mit, der Geschichte des Werdens der Frankfurter Religionsgesellschaft enge verknüpften -Selig Goldschmidt V 2t ist der Heimgegangene schon sehr früh neben seiner geschäftlichen Laufbahn aus den Weg der Gemeinde- und Gesamtheitsarüeit geführt worden. Innerhalb der weitverzweigten Berwaltungstätigkeit der Gemeinde, im Schulrat, der Hospital v e rw a l tu n q , der Baukommission; jahrelang aber auch in den zentralen Verwaltungskörperschafterr, dem Vorstand und A u s s ch u ß, fand er reiche Gelegenheit, seinen klaren, praktischen Blick, fein starkes Wollen und seine schlichte, gerade Frömmigkeit in den Dienst der religiösen Ideale zu stellen, für" die ihn Vater und Mutter begeistert und denen er im Verein mit seiner ihm gleiclstoertiaen Gattin, einer Tochter des Hauses Cramer, sein Haus erbaut batte, glücklich war er, wenn er fein seines, durch Beruf und Neigung gepflegtes Kunstverständnis im Sinne des rviao s ht für dieselben Ideale, sei eS im synagogalen Leben, fei es bei der Uebung und Ehrung der Mizwos im häuslichen Kreise betätigen und dadurch weihen konnte. Einen wundervoll einheitlichen Ausdruck fand diese Synthese ästhetischen und ethischen Wollens Ln dvn herrlichen Gedenkbuche, bas er dem Leben seines angebeteten Vaters als dauerndes Denkmal schuf und das seinerzeit in diesen Blättern eingehend gewürdigt worden ist. Aber der Geist 'des pflichtbewußten Wirkens für den bbs war ihm allezeit das Bestimmende. Insbesondere ist es die Israelitische Volksschule, die seiner unermüdlichen Fürsorge ihren Bestand und ihre Entwicklung verdankt, seitdem er, anfänglich wohl aus Pietät gegen den Vater, dann mit immer steigendem inneren! Interesse, sich ihrer Verwaltung widmete; der Tod ereilte ihn mitten in einer neuen, großen Hilfsaktion, die er für diese Lieblingsschöpsung Selig Goldfchmid-s b 5£t vorbereitet hatte. Zahlreiche andere Institute (unter denen die Israelitische Waisen- Der Israels. anstatt genannt sei) erfreuten sich seines tätigen Interesses, und eine ganze Reihe eigener, seinen und seiner Eltern Namen tragender Wohltütigkeitsstiftungen werden dauernd Segen verbreiten iiber dieses ganz dem Wohltun gewidmete Leben hinaus in alle Zukunft. lieber die Persönlichkeit Meier Selig Goldschmidts schreibt uns ein Freund, der dem Heirngegangenen im Leben nahegestanden, folgendes: Harmonisch geschlossen steht das Bild des früh zur Ewigkeit Heimgegangenen MeierSelig Golösch in i d t dm Fürstlichkeit des Charakters im besten Sinne und milde, verzeihende Güte: das waren Grundpfeiler seines Innern. Alles Niedere, Zerrissene, Zerfaserte streifte die tief verankerte und fein verkettete Vornehmheit seines Wesens unwillkürlich ab, allem Hohen, Klaren, Einheitlichen war sie froh und mächtig zugetan. Aber liebreich und sanft beugte ste sich zur Erde, wenn es galt biss*« 2b nmnb, das Herz der Gedrückten zu beleben. Da war sein sonst scheinbar — nur scheinbar — so stolz ausgerichteter Blick gewillt und imstande, auch noch im Schutt den Edelstein, auch noch im Staub das Göttliche zu erkennen und emporzuheben. Das Göttliche, das jüdisch Göttliche, das ihm Sehnsucht und Krone seines Daseins war. Sein schon Jahrzehnte zur Ruhe gebetteter Vater, an dem er mit einer den Tov völlig überdauernden tiefen und warmen Liebe hiüg, hatte ihn, diesen Ktanschatz übergeben. Alle mannigfachen Strahlungen des Lebens als auseiuandergebreitete Gottesfugungen erfassen und seelisch verarbeite» — welch schwere und zuweilen kampfreiche Ausgabe! Er hat sie gelöst. Er glänzte auf und kannte nichts Beglückenderes, sobald man sein Wissen atts dem unendlich vielen Schönen bereicherte, das unser jüdisches Schrifttum an symbolischen Darstellungen menschlicher Irrungen und Wirrungen, menschlicher Strebungen und Erhebungen bietet, er verleibte den Kern und das Wesenhafte dieser Darstellungen seinem Gemüt Zo fest ein, daß er in jeder Lage Trost und Aufblick fand. Und er rang mit starkem, von wenigen nur geahnten Linu auch danach, die rein geistig und gedanklich gerichteten, herrlich gewebten und manchmal schier bis zur Unlösbarkeit verschlungenen Teile unseres eigenen Ledensbuches, des Talmud, zu entwirren. Dabei ummauerte er sich nicht den erlaubten Freuden dieser Welt gegenüber, nein, er stand, auch darin Fortseher und Erg Inzer seines Vaters, kräftig, aufrecht und heiter mitten drin, er fand — nicht sein letztes, denn das bot ihm jüdische Erhabenheit — Genügen, aber doch seine Helle, unbefangene Freude nn den ihn in seiner hohen sozialen Stellung oft nmbrandenden Behaglichkeiten, Ergötzlichkeiten und Ehrungen dieses Daseins. Lind, stetig und förderrkd stand ihm seines Wollens und Wirkens Genossin, die Gattin, .zur Seite. So lebt er fort: Adligkeit des Geblüts und der Anschauung einend mit Heldenhaftigkeit im Erttagen, den Waisen ein Vater, den Witwen ein Helfer, den Kranken ein Tröster, der Demut dienend und ntu heißer Liebe umfangend die Thauro und das, was ihm als eine ihrer idealen irdischen Ruhestätten galt: die I, rael. R e l i g i o n S g e s e l l - schaft. Die Bestattung fand unter außergewöhnlich starker Beteiligung am Donnerstag Vormittag statt. An der Bahre zeichnete Rabbiner Dr. Breuer in warm empftindenen Worten ein Charakterbild des Verstorbenen, der sich als würdiger Fortträger der Traditionen seines Vaters bewährt habe und dem die Gemeinde für manche wertvolle Schöpfung zu dauerndem Danke verpflichtet sei. Namens der Israel itischen Volksschule sprach Herr Rektor Falk, für die H'p'ip »12N, deren eifriger Bruder der Heimgegangene war, Herr Emil Goldschmidt, für die Waisenanstalt Herr Prof. Fink. Mehr noch als jedes Wort des Nachrufs wirkt die allgenieine, aufrichtige .Trauer der Allgemeinheit, die in Meier Selig Göldschmidt den redlichen, kernigen Jehudi, den Typus eines wahrhaft jüdischen pstp beweint. rrajt:n 25 jährig s Iuöitäum der Jüdischen Kaushaltungsschule. Gerade in den jetzigen Tagen, da die Not deS Haushaltes und die richtige Einteilung der wirtschaftlichen Werte jedermann so dringend beschäftigt, erfteur uns die Kunde von dem 25 jährigen Bestehen und der gedeihlichen Entwicklung einer Anstalt, die unseren jüdischen Töchtern die rituelle, rationelle und gesundheitsfördernde HaushallMrung lchrt. Zahlreiche Gäste und Freunde, Vertreter der verschiedensten Korporationen und ehemalige Schülerinnen des Hauses versammelten sich Sonntag, den 22. Oktober, zu einer akademischen Feier, um den 25 jährigen Geburtstag der jüdischen Haushaltungsschule zu begehen. Ein meisterhaft vorgetragener Gesang von Frau Alice Goldschmidt brachte die Zuhörer in Weihestianmung. Dann gab Frau Emma Mainz, die Mitbegründerin und langjährige Vorsitzende, einen historischen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der Anstalt. Ans dem Wunsch und der Notwendigkeit heraus, auch für unsere jüdischen Töchter, denen' das Ritualgesetz eine so schwere Verantwortung in Küche und Haus nnferlegt, zu sorgen, ist die jüdische Haushaltungsschnle nach dem Vorbild ähnlicher, staatlicher Schulen begründet worden und begann trotz mancherlei Widerstände inutig ihre Erziehungsarbeit in einer Mietswohnung in der Töngesgasse mit 12 Schülerinnen. Bald konnte fick der Betrieb im ehemaligen Rothschildchen Hanse Fahrgasse 146 vergrößern. Ein Heim für berufstätige Mädchen wurde angegliedert, nebst der Vorbereitungsschule fiir den Beruf der Hausgehilfinnen, wurden Kochkurse für Haustöchter eingerichtet, die vielfach von Bräuten und jungen Frauen besucht wurden, die Schulküche für jüdische Polksschülerinnen fand dort ihr Heim; der Koch- und Haushaltungsunterricht zur Ausbildung der jüdischen Haushaltungslehrerinnen ein Beruf, bei dem die Nachfrage das Angebot weit übersteigt, und der für die jüdischen, jungen Lehrerinnen große Anstellungsmöglichkeiter. bietet, wurde der jiidischen Haushaltimgsschule übertragen und ebenso neuerdings der hauswirtschaftliche Unterricht der Frauenschule vom Philauttopin. Längst hat der Staat das Wirken der Anstalt gewürdigt und die jüdische Haushaltungsschule als' Fach- und Fortbildungsschule staatlich anerkannt. So zeigt der stets emporsteigende Weg der Anstalt, die heute ihr schönes Heim, Königswarterstraße 20 mit 70 Insassen gefüllt hat, daß die gesunde Idee von der Notwendigkeit der systematischen, wirtschaftlichen Schulung in immer weitere Kreise dringt. Mit einem warmen Appell an die Schüleriunen, sich bewußt zu sein, daß sie inrt der Kleinarbeit ihrer Hausfrauentätigkeit der Familie und somit dein Volk dienen und damit Kulturwerte zur Erstarkung des Staates schassen, schloß die Rednerin ihre wertvollen Ausführungen, auf den Satz von Johannes Schcrr hinweisend, den die schwere Gegenwart geprägt haben dürfte: „Die große Meisterin Not und ihre erstgeborene Tochter „Arbeit" sind überall Kulturbringcrinnen gewesen." Dr. Höxter sprach dann im Auftrag der Schulküche Glückwünsche und Dank aus, und die Bitte, trotz der finanziellen Schwäche den Schulküchenunterricht weiter zu führen, der so unendlich viel praktische und ethische Erfolge gezeitigt hat. — Herr Julius Goldschmidt gratulierte für die Gemeinde und Mach der Anstalt die Anerkennunz aus, daß sie sich trotz der Kriegsnot durchzuringen gewußt und sich jederzeit nach der Forderung des Tages umzustellen verstanden hat. Herr Rechtsannuiit Horovitz brachte für die vereinigten Bene-Brithlogeu Glückwünsche dar und würdigte unter Anlehnung an das Sabbathlied Esches Chajll, das Walten der jüdischen Hausfrau, zu deren segensreichem Wirken, die Anstalt ihre Schülerinnen heranbildet. Frau Dr. Nassauer brachte Glücüvünsche für die Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes und „Weibliche Fürsorge". In herzlichen Worten dankte eine Schülerin, Fräulein Bloch, dem Vorstand und vor allem den Lehrerinnen für die gute Schulung und harmonische Heimstätte, die sie hier gefunden. Im Schlußwort gab Frau Justizrat Rosental der Hoffnung Ausdruck, daß die Haushaltungsschule, die trotz aller Fahrnisse des Kriegs durchgehalten hat, noch lmtei* Freunde und die finanzielle Kraft finden werde, um wie bisher zum besten der jüd. weibl. Jugend zu arbeiten. Nochmaliger Gesang schloß die erhebende Feier, der sich die Besichtigung einer Ausstellung von Schülerinnenarbeiten anschloß. Künstlerische Handarbeiten der verschiedenen Techniken, schön geplättete Wäsche, gefärbte und gereinigte Kleidungsstücke, tadellos geputztes Küchengerät, zeigten die Erfolge der Lehrtätigkeit. Den Glanzpunkt der Ausstellung bildeten zwei Tafeln, wohlbesetzt mit Gebücken und Torten aller Art, herrlich garnierten Braten und Salaten und appetitanregenden Platten. Pyramiden mit den herrlichsten Konserven von Oibst und Gemüsen aller Art bewiesen die Leistungsfähigkeiten der Schülerinnen. Möchten der Anstalt noch Schumann- Theaft«i* Das große Messe - Variete - Programm Sonntag Nachmittag 3 Uhr: FREMDEN VORSTELLUNG. Kleine Preise Ganzes Programm Gross Frankfurt Weinklause. Tanzpalais. Große Oktober-Messe-Programme Wiener Kaffee Nachmittags und Abends Ungarische Zigeunerkapelle Banka Pi ata.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.