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Der Israelit · 1922-11-02 · Heft 44 (2.11.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 44 (2.11.1922)
Date
1922-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 44. _ schaft zu tun. Selbst Grätz ja werde „in manchen Teilen Ungarns" (sie) nicht für orthodox gehalten! Natürlich werde man für den Anfang konservative Gelehrte berufen, damit jede extreme Richtung ausgeschaltet sei. Aber bü einigem gesunden Menschenverstand dürften diese religiösen Fragen das Projekt nicht stören. Es ist immerhin wertvoll, diese Aeußerungen festzulegen, wenn sie auch für denjenigen, der in die Tiefe der Dinge si-ht, keineswegs etwas Neues oder Ueberraschendes enthalten. In dem Augenblicke, in dem man einmal auf dem Boden der Universitätstdee steht, muß man sich auch damit abfinden, daß von jener Stätte, der die Welt ihr Gottesbewußsein verdankt, eines Tages die radikalste Leugnung und die Auflösung aller religiösen und ethischen Binduugen verkündet wird. Man kann dagegen recht gut geistige Gegengewichte zu sichern suchen, allein verhindern läßt sich diese Entwicklung nicht. Uatttstina. Die Araber und die Monieren? von ATudania Jerusalem, 20. Oktober. Die palästinensisch-arabische Executive hat Herbert Samuel ein Memorandum überreicht, worin die Behauptung ausgestellt wird, das Abkommen der britischen Regierung mit den Kemallsten in Mudania bedeute automatisch die Aufhebung des Vertrages von Sovres, auf dem das britische Mandat beruht. Die Executive werde daher von nun an die Verfügungen der Palästinensischen Regierung nicht mehr anerkennen, weil sie der Rechtsgültigkeit entbehrten. Personalien. Günzenhausen, 31. Okt. Zu einer erhebenden Frier gestaltete sich der Abschied des 5 errn Oberlehrer Marx v2N h'er. In den 28 Johr-n, die er im Dienste der hiesigen Gemeinde als Volksschullehrer und lange Jahre als 1. Kantor verbrachte, ha: er sich die Sympathie nicht nur der j 'bischen, sondern auch der gesamten Stadtbevölkerung gewonnkn. Am 1. September trat er in den wohlverdienten Ruhestand und nach den Feiertagen verliest er Gunzenhausen, um seinen Lebensabend bei seiner Tochter in Nürnberg zu verbringen. Die Gemeinde liest es sich nicht nehmen, eine Abschiedsfeirr zu Ehren ih es geliebten Lehrers und Freundes zu veranstalten. Im Namen der Gemeinde dankte. Herr Neumann für die treuen und liebevollen Dienste, die Herr Oberlehrer Marx der Gemeinde geleistet und überreichte ihm als Zeichen des Dankes ein schönes Geschenk. Herr Levy dankte dem verdienstvollen Lehrer im Namen der srüheren Schüler und übergab ihm eine herrsche Schreibri'chlawpe, gespendet von den dankbaren Schülern. Herr Lehrer Adler-Altenrnuhr verabschiedete sich als Freund und Nachbarkollege von ihm und sprach dem Freunde den Dank des israel. Lchrermrelns in Bayern, dem Herr Marx als Berrvaltüngsniitglied, den Dank der Bezirkslch erkonferenz Ansbach, der er als ein treues und immer arbeitssroheS Mitglied angehörte und zu deren Gunsten er im Dtstrikisausfchuß tätig war. den Dank des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, für dessen Ziele er mit Hingebung gearbeitet. Der Nach, folger des Herrn Oberlehrer Marx, Herr Levite, zeichnete in kurzen Zügen die fruchtbare Tätigkeit seines Vorgängers in Gunzenhausen und gelobte nach seinem Beispiel?'zu arbeiten. Als letzter gab Herr Studtenrat Kurzmann einen Einblick in die schwierige Tätigkeit eines Lehrers und wies nach, in welch geschickter und bewundernswerter Weise Herr Oberlehrer Marx überall seinen Platz aussüllte. Tiefbewegt dankte dec Gefeierte allen Freunden und versprach recht oft an die Stätte seiner Tätigkeit, wo ihm so viel Liebe und so viel Vertrauen entgegengebracht wurde, zurückzukehren. Möge dem Gefeierten, dessen Wirkungskreis weit über Gunzenhausen hinaus sich erstreckte, ein recht schöner Lebensabend beschieden sein. Weiden, 2«. Okt. Am 1. November d. IS. werden es 25 Jahre, datz Herr Hauptlehrer Emanuel St raust, hier, in der Gemeinde Weiden tätig ist. Vermischtes. Berlin, 22. Okt. Am Sabbat Jiwo veranstaltete der feit mehreren Jahren hier im Beth Hamidrasch allfabbatlich nachmittaas seine BelehrungSstunden unter Herrn Rabbiner Dr. Königsberger abhallende Machsike Thora-Beretn einen S t j u m bei Herrn Kaufmann Löwenberg, Neue Promenade 7. Bet guter Bewirtung, gewürzt durch eine feurige, von allerinnigstem __ Der Israelit _' Gotlvertrauen getragene Rede des Herrn Dr. Königs« berger und Smiraus-Gesängen, sowie Mariwgebet flössen die Stunden der Erbauung unmerklich dahin. Die Versteigerung des Benschens erbrachte über 15.000 M. Jeder wünschte dem Verein aus vollem Herzen ein noch langes Blühen und Gedeihen. Berlin, 26." Okt. Herr Staatsanwalt Leist tat in seinem Plaidoy'r in dem Prozeß gegen den Schriftsteller Einstein wegen Gotteslästerung folgenden Ausspruch: „Der Angeklagte Einstein ist Jude. Als Jude ist er konfessionslos und demnach unreligiös". Der Schrislftrllrr Heinz Pollack, der in Nummer 42 der „Weltbühne" über diesen Prozeh berichte.e, erklärt: „Ich habe diese Worte mitgeschrieben und nehme es auf meinen Eid, dast sie wörtlich so gefallen sind". Hat Herr Leist wirklich noch nie etwas davon gehört, datz es in Deutschland Tausende von Juden gibt, denen ihre Religion Lebensinhalt ist und die für diese Religio« wesentlich mehr Opfer der Tat bringen als sämtliche Staatsanwälte antisemitischer Gesinnung? Verkitt, 20 Okt. Der Herausgeber der bekannten Broschüre „Die Geheimnipe der Weisen von Zion", Hauptmann a. D. o. Müller, genannt v. Hausen, wird sich demnächst vor Gericht wegen Beschimpfung des Andenkens Emsi Raihenaus, des Vaters des ermordeten ReichsautzenminifterS, zu verantworten haben. Die Witwe Geheimrat RaihsnauS, Frau Mathilde Rathen au, hat den Antrag gestellt, als Nebenklägerin in diesem Prozeß zugelafsen zu werden. Berlin, 26. Okt. Der Verband der Ostjoden in Berlin veranstaltete am 24. Oktober in den Musikersälen eine jüdische Volksversammlung, in der die Herren Tj emkin, Dr. Alfred Klee und Latzky-Bertholdt über das Thema: „Der Zusammenbruch und der Wiederaufbau des Dfiiubentumä" referierten. Die Redner, welche dem Direktorium der vereinigten jüdischen Emigrattonskomitees angehö'ren und in dieser Eigenschaft die aktuellen Probleme der jüdischen Emigratlonsbeweaung bearbeiten, schilderten an Hand von statistischem Material die furchtbare wirtschaftliche und kulturelle Katastrophe, die über das osteuropäische Judentum durch drn Weltkrieg und die ar.schlietzenden Pogrome hereingebrochen ist. Sie entrollten vor d:r zahlreichen Zuhörerschaft Bilder von erschütternder Tragi? und wiesen auf die Pflicht der gesamten Judenheit hin, mit vereinten Kräften an dem Wiederaufbau der zusammengebrochenen Existenzen mitzuwirken. Die Referenten betonten insbesondere die dringende Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Östjuden in Deutschland, um im Rahmen des Grsnmtjndenmms an der Lösung der brennenden Zeitaufgaben tackrästig j Anteil zu nehmen. Herr Klee beleuchtete hierbei die! speziellen Verhältnisse in Deutschland und namentlich in ' Berlin im Zusammenhang mit der bevorstehenden Repräsentantenwahl der Berliner Jüdischen Gemeinde. Er bezeichnete es als eine selbverständtiche Pflicht der jüdischen Gemeinden, den Östjuden volle Gleichberechtigung und Gleichstellung in Bezug auf das Gemeindewahlrecht, jow'e hinsichtlich ihrer besonderen sozialen und kulturellen Bedürfnisse zu gewähren. Die Aus- , sührungcn der Redner machten auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck und wurden vielfach von lebhaften Beifallskundgebungen begleitet. Zum Schluß forderte der Vorsitzende, Herr Max Lewit, die Versammlung aus, für den Ausbau und die Stärkung des hiesigen Ostjudenverbanöes, der einzigen allgemeinen Organisation der hier lebenden Östjuden ohne Unterschied der Landsmannschaft und Parteistellung, zu wirken. Königsberg, 20. Okt. Pros. Lassar Cohn ist in Königsberg im Alter von 61 Jahren gestorben. Als Forscher bedeutend, hat er das beste populäre Buch zur Einführung in die Chemie verfaßt und auch die technisch-wirtschaftliche Seite dabei gebührend berücksichtigt. Seine beiden. auf Volkshochschulvorlesungen beruhenden Bücher: „Chemie im täglichen Leben" und „Einführung in die Chemie", haben weite Verbreitung gefunden. Wallertheim (Rheinh.), 3. Okt.' Am irxn any ann beging der Verein Gemilus Chesed der bereinigten Gemeinden Wallertheim, Gau-Brckelheim und Arnsherrn, die Feier seines 70 jährigen Bestehens. Vor dem Gottesdienste begaben sich die Mitglieder unter Führung des Präsidenten, Herrn Moses Isaak, zu dem einzigen noch lebenden Mitbegründer des Vereins, dem 90jährigen Ehrenpräsidenten Herrn Martin Isaak, um ihm die Glückwünsche zu überbringen. In ehrenden Worten gedachte Herr Moses Isaak der vielen Verdienste des Jubilars, die dieser sich als ehemaliger Rechner und Präsident erworben habe. Dann begab man sich zum Gottesdienst. Nach Schluß desselben fanden sich die Mitglieder im Hause des Herrn Adolf Isaak zur gemütlichen Feier, die angesichts der heutigen Zeitverhältnisse im engsten Rahmen gehalten wurde, zusammen. Als erster ergriff Herr Präsident Moses Isaak das Wort und gab einen Rückblick über die Entstehung und seitherige Tätigkeit''des Vereins. Mit einem kräftigen Appell an die jüngeren Mitglieder, dem Beispiel der älteren Generation zu folgen in Treue und Pflichtbewußtsein, schloß er seine interessanten Ausführungen. Herr Karl Isaak II schloß sich diesen Ausführungen a« und Herr Julius Haas, Bingen, gedachte seines Großvaters als Mitbegründers und ersten Präsidenten und seines Vaters. Sodann ermahnte das Vorstandsmitglked Herr Isaak Oppenheimer die Mitglieder irr eindringlichen Worten, Treue 2. November 1933 dein Glauben zu wahren und stets das Erbe unserer Väter hochzuhalten. Er gedachte ferner der im Weltkriege gefallenen Mitglieder Alfred Baum Und Bertolt Isaak. Der Präsident dankte allen für das gute Gelingen der schlichten Feier und gab noch bekannt, daß der Verein noch drei Jubilare haste, nämlich die Herren Karl Isaak I, Adolf Isaak und Abraham Beckhard, die heute vor 50 Jahren dem Verein als Mitglieder beigetreten seien. Auch ihnen sprach er seine Glückwünsche aus. Herr Adolf Isaak dankte hierfür namens der Jubilare. Herr Karl Naak I bat die Versammlung daraufhin, die Feier nicht vorübergehen zu lassen, ohne auch heute praktisch Gemilus Chesed geübt zu haben. Eine vorgenommene Tellersammlung ergab eine größere Summe. Mit Worten des Dankes an alle schloß daraufhin der Präsident, Herr Moses Isaak, die schön verlaufene Feier. Würzburg, 25. Sepi. Die Israelitische Talmud. Thora-Bürger« und Präparandenschule Höchberg versendet zur Zeit ihren Jahresbericht für daS 82. Schur fahr dieser Anstalt. Ist eS an und für sich schon etwas Gewaltiges, wenn eine jüdische Lehranstalt auf weh* ulS 80 Jahre segensreichen Wirkens in Bayern zurückblicken darf, so verdient eS besondere Beachtung der jüdischen Oeffentlichkeit, wenn eS sich hierbei um ein Jnsttt.A handelt, dem es gelungen ist, in idealer Weise Thauro im Derech erez als Panter durch aller Zeiten Wechsel hochzuhalten. Zahlreiche Freunde und Gönner haben der Anstalt auch im Berichtsjahre treu zur Seite gestanden. Gleich «ohl haben in den letzten drei Monaten die Einnahmen bei weitem nicht ausgereicht die Ausgaben zu decken, trotzdem die AnttaltSleitung sich weitgehendster Sparsamkeit befleißigte. Man wird wohl nicht fehlgehen in der Annahme, datz sich zu den alten Gönnern zahlreiche neue finden werden, die dafür Sorge tragen, datz diese alte bayerische Kulturstätte der Thoragelehrsamkeit auch weiterhin segensreich für den Kral Jisroel wirken kann. Wie stark das Bedürfnis für diese Schule ist, zeigt die große Schüleranzahl. Die Präparandte war von 11, die Bürgerschule von 64 Schülern besucht, fodah alle verfügbaren Plätze besetzt waren. Im abgelaufenen Schuljahr befand sich ln Höchberg nur die 1. Präparandenklaffe (die 2. und 3. war entsprechend der Vereinbarung von 1920 in der Schwesteranftalt Burgvreppach). In diesem Jahre ist die 1. Präparandenklaffe in Vuraprepvach nur von 2 Schülern besucht. Für das nächste Jahr liegt vis j tzt eine einzige Anmeldung vor. Dabei sind Höchberg und Burgpreppach ' die ein-tgen d-r Lehrerbildung dienenden Anstalten in ganz Süddeutschland, die für das jüdische Lehrerseminar in Würzburg Zöglinge vorberetten). Es bestehr die Gefahr, daß in absehbarer Zeit ein großer Mangel an Lehrern und Führern für die jüdischen Gemeinden enisteht. Umso begrüßenswerter ist es, daß die Anstalt ihre reichen Erfahrungen aus dem Gebiete jüdischer Erziehung in der inzwischen weiter ausgebauten Bürgerschule und Handelsabteilung bewähren konnte. Der Handelsableilung wurde eine 2 Klaffe angegliedert um eine vertiefte kaufmännische Vorbildung zu vermitteln, aber auch um die Knaben zu veranlassen, noch ein weiteres Jahr dem Thorasmdtum obzultegeu. Das Pensum der 1. Klaffe der Händelsabtetlung wurde um die Fächer englische Sprache und Wirr, schastsgeographie erweitert. Am Schluffe des Schuljahres fand eine dreitägige schriftliche mit anschließender mündlicher Prüfung statt, welche alle Teilnehmer bestanden. Der Thoraunterricht wurde zweckmäßig nicht klassenweise, sondern' in drei Fähigkeitsgruppen erteilt. Die am Schluffe des Berichts ausgesprochene Bitte uw freundliche Spenden (Postscheckkomo.Amt Nürnberg Nr. 10450) wird sicherlich in diesen Tagen ein williges Gehör finden. Breslau, 14. Okt. Der bekannte Reichstagsabgeordnete v. Kardorff vom lkvken Flügel der Deutschen Volkspariei hielt gestern eine Rede von erfrischender Deutlichkeit. Er fand scharfe Worte gegen den Antisemitismus und die gesamte Atmosphäre, aus der der Rathenau Mord entsprungen ist. In Deutschland habe eS noch keine Partei gegeben, die mit Verdächtigungen, Verleumdungen und anrüchigen Elementen so gearbeitet habe, wie die Antisemiten. Oppeln, IS. Stt. Wie die „Oppelner Zeitung" berichtet, sollte der bekannte „Knüppel-Kunze" gestern abend in Oppeln in einer Versammlung sprechenj er wurde aber daran von Sozialisten gehindert. Die Mer ge stürmte unter Rufen „Schlagt ihn tot, werft ihn raus", auf die Rednertribühne. Kunze gab einen Schuß ab, durch den ein junger Mann schwer verletzt wurde. Kunze mußte blutüberströmt den Saal verlassen. Poppeulauer, 17. Okt. Daß hier auch der alte Zedokvgetst noch vorherrscht, zeigte wiederum das letzthin im Haufe des Herrn Lehrer Berltnger stattgefundene Hoschanorabb.olernen. Es kamen bei nahezu oollzähitger Beteiligung der Gemetndemilgtteder die Tillim zur Versteigerung und wurde die ansehnliche Summe von 4200 Mk. eingenommen, welche verschiedenen wohltätigen Zwecken zugewendet wurden. Zur Nachahmung bestens empfohlen. Warschau, 24. Sept. Die Wahlen in den auto nomen'Sejm ln Polnisch Oberschlesier, wurden für den 24 September, den zweiten Tag des jüdischen Neujahrsfestes festgesetzt. Auf diese Weise ist eine Be-, teiligung der jüdischen Wählerschaft an den Wahlen

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