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Der Israelit · 1922-11-02 · Heft 44 (2.11.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 44 (2.11.1922)
Date
1922-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2 November 1MB Der 9»raelv. Nr. 4L Sette S dtge Schafe. Dem Juden dürfe man das Deutschtum nicht absprechen. Eine eigentliche deutsche Rasse gäbe eS nicht. Deutsch sei, wer deutsch denke und fühle und mttarbeite an deutscher Kultur. Ohne Mitarbeit der Juden wäre diese nicht so weit fortgeschritten. Eine Bewegung, die mit Mitteln wie die antisemitische arbeite, bringe uns im Auslande in Mißkredit, und nicht zuletzt darum muß gegen eine solche Unkultur angekämpft werden. Den Antisemitismus,dürfe man nicht durch Strafgesetze bekämpfen, sondern müsse ihm mit Mitteln der Sittlichkeit entgegentreten. Helsen müssen hierbei Kirchen und Schulen. Auch die jüdische Bevölkerung müsse zum Teil miterzogen werden, man muffe sich zum Beispiel hüten, feinen eventuellen Reichtum heute zur Schau zu tragen. In dieser Zeit schwerster seelischer und sittlicher Not müßten alle Mitbürger den Kampf für die geistige Hebung des deutschen Volks mitkämpfen und Mitarbeiten an der Wiedergeburt des Reichs. — Lebhafter Beifall belohnte die Ausführungen des Redners. Nach kurzer Aussprache folgte die Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß die Organisation im Berichtsjahr erhebliche Fortschritte gemacht hat. »» » » , Gesteweich. Don Polen nach tm 3isroe(- Men, 20. Ott. Nach längeren Bemühungen ist es, laut Wiener Morgenzeitung, gelungen, von den rumänischen Behörden für einige jüdische Palästina- Wanderer aus Polen die Erlaubnis zur Transitwanderung über Rumänien zu erlangen. In den letzten Tagen hat ein Transport, bestehend aus zehn Personen, die vom Palästina-Amte in Lemberg abgeferttgt wurden, Czernowitz.passiert: am 11. Oktober ist der erste größere Transport von Palästina-Emigranten aus Warschau, bestehend aus 37 Familien, zusammen 58 Personen, in Grigore Ghica Boda eingetroffen und wurde hier vom Czernowitzer Palästina-Amt übernommen und nach Galatz weitergeschickt. Es handelt sich bei diesen Transporten durchweg um qualifizierte Handwerker, die mit ihrem ganzen Werkzeug nach Palästina reisen. Die Emigranten waren sehr gut ausgerüstet und machten einen vorzüglichen Eindruck. ßemeinöeDorfland und Rabbinaf. Wien, 27. Oktober. Der Wiener Gemetndevorstand hat, offenbar, auf Betreiben der zionistischen Mitglieder, eine Verfügung erlassen, wonach sämtlichen Gemeindebeamten die Annahme von Honoraren von Seiten der Parteien verboten wird. Die Verfügung wurde durch einen Kommentar des hiesigen zionistischen Organes noch stark unterstrichen und das Publikum aufgefordert, um keinen Preis irgendwelchen Gemeindesunttionären künftig noch Honorare zu leisten. Damit wäre es also beispielsweise den Rabbinern unmöglich gemacht, neben ihrem durchaus unzulänglichen Gehalte Honorare für^Trauungsreden, Grabreden etc. entgegenzunehmen, wogegen die Vereinigung der Wiener Kultusgemeinderabbiner in schärfster Form protestiert. In einer Veröffentlichung weisen die Rabbiner darauf hin, daß ihre soziale Stellung und ihre Unabhängigkeit unter diesen Honoraren ebenso wenig gelitten hat, wie dies beim Arzt oder beim Advokaten der Fall ist, wenn er, statt eine Rechnung zu schicken, die Honorierung zunächst dem Gutdünken seiner Auftraggeber überläßt. Die „Wiener Morgenzeitung überschüttet die Rabbinen wegen dieser Veröffentlichung mit einer Flut von Beleidigungen, sodaß man sich fragen muß, wo denn das warme Interesse, das diese Kreise sonst für alle Beamten und Angestellten zu bekunden behaupten, in diesem Falle plötzlich hingrkommen ist. Jedenfalls steht doch fest, daß eine Verfügung wie die in Rede stehende nach allen demokratischen Grundsätzen ohne vorherige Beratung mit den betroffenen Beamtenkategorirn j selbst nicht hätte erlaffen werden dürfen, zumal, wenn man bedenkt, daß.die Wiener Kultusgemeinde garnicht imstande ist, ihre Beamten derart zu besolden, wie es die Verhältnisse verlange«. Ungtwrr. IMenausröeifunoen Wischer Familien aus Ungarn- Budapest, 25. Ott. Wie „Egyenlösög" vom 21. Oktober in einem Leitartikel schreibt, wird der 30. Oktober in der jüdischen Geschichte schwarz markiert sein. Für diesen Tag Haben neuerdings zirka 5000 jüd. Familien Ausweisungszitationen von den diversen PolizeiHauptmannschaften erhalten. In Pestujhely hat jeder Jude eine Vorladung bekommen. Alle rechnen damit, die Stadt nach 30—40jährigem Aufenthalt mit Kind und Kegel verlassen zu müssen und es werden bereits Anstalten getroffen, die Synagoge und die Schule zu schließen. In der Königsgaffe haben auch 14 jährige jüdische Mädchen (!) gesonderte Vorladungen ohne ihre Eltern (!) erhalten. Ferner haben bekannte, tm öffentlichen Leben eine große Rolle spielende Männer, wie G. Gusztav Ehrlich, Vorstandsmitglied der Budapefter neologen Kultusgemeinde und Heinrich Zucker, einer der Führer der orth. Gemeinde Ausweisungs-Vorladungen erhalten. Der Innenminister aber hat diese Woche dem Abgeordneten Josef Pakois gegenüber sich die heuchlerische Phrase geleistet, „daß nur von der Ausweisung von Parasiten die Rede sei." (J.P.Z.) Voten« Der lvaklkampk in HJarfchau. Warschau, 23. Ott. lieber die Stelluug der Aguda zum Block der nationalen Minderheiten erklärt deren Kandidat Herr Kirschbraun, daß die orthodoxen Kreise nicht ohne reifliche Ueberlegung und starke Ueberwindung sich zu diesem Blocke entschlossen hätten der von den Feinden leicht als ein Akt des Mißtrauens gegen Polen ausgelegt werden könne. Das ist natürlich blöde Verleumdung. Die geschaffene Wahlordnung ließ den Juden keinen anderen Weg, denn sie ist von vornherein darauf angelegt, daß die jüdische Bevölkerung, die 15pCt. der Gesamtbevölkerung ausmacht, ohne gebührende Vertretung im Parlamente bleiben soll. Dadurch ist ein Zusammengehen aller durch die Wahlordnung Geschädigten, d. h. aller nationalen Minderheiten zur Lebensnotwendigkett' derselben geworden. Bei einer Vereinigung aller jüdischen Parteien würden die Juden 6—7 Mandate erringen, während ihnen nach, dem Resultat der letzten Volkszählung bei den 444 Sitzen, 66 zukommen. Durch die technische Vereinigung mit den anderen benachteiligten nationalen Gruppen werden indes die jüdischen Chancen wesentlich gebessert. Es muß aber Wert darauf gelegt werden, festzustellen, daß die Aguda diese Vereinigung als rein technische betrachtet, jeden ideellen und inneren Zusammenhang mit den anderen Gruppen entschieden ablehnt. Es ist eine Abmachung auf Gegenseitigkeit in dem Sinne, daß sich die Minderheiten von Zeit zu Zeit zu Hilfe kommen/ all dieses natürlich im Rahmen der polnischen Staatsversassung. Was die Volkisten betrifft, so waren sie die ersten, die zu dem Blocke hielten und erst nachher austraten, da ihnen die zugebittigle Zahl von Mandaten nicht genügte. Wenn sie heute von prinzipiellen Bedenken sprechen, so entspricht dieses nicht der Wahrheit. Es ist nur eine politische Mache, um die Leute zu verwirren. Herr Kirschbraun hofft auf eine äußerst starke Wahlbeteiligung Vonseiten der Orthodoxie. Für eine eigene orthodoxe Fraktion im Landtage kann er sich nicht begeistern. Er ist vielmehr für einen Jüdischen Klub, innerhalb drssen aber die orthodoxen Deputierten ohne jegliche Konzession in grundsätzlichen Fragen die Interessen ihrer Wähler, d. h. der gesetzrstreuen Massen, wahren und vertreten werden. Der Führer der Opposition gegen die jüdischen Parteien und den Block ist der bekannte Noah Pri lutzki, der mit seiner Agitation alles überbtetet, was er bisher kraft seines Ehrgeizean Unheil und Verwirrung angerichtet hat. Marren. Die Seim-fflahlen- Kowrio, 23. Ott. Die Wahlen zum litauischen Parlament ergaben bet einer Wahlbeteiligung von zirka 80 Prozent der Wähler 44 Prozent ber Stimmen für die christlichen Demokraten, 33 Prozent für die Volkssozialisten, 10 Prozent für die Sozialdemokraten, 3 Prozent für die Fortschrittler, 1 Prozent für die Polen, 5 Prozent für die in einem Blocke vereinigten Juden und 2Prozent für Parteilose. England. Paläftina und das neue englische Kabinef. London, 27. Ott. Wie der Londoner J.-Korrespondent der JPZ erfährt, hat Sir Herbert Samuel die neue engl. Regierung telegraphisch um Auskunft ersucht, ob die Politik der engl. Regierung inbezug auf Palästina die bisherige durch die Balfour-Deklaration und das Mandat diktiert bleibt. Die neue Regierung hat durch den Minister des Aeußern, Lord Curzon, zurücktelegraphiert, daß die engl. Politik inbezug auf Palästina unverändert bleibt. Melder für die Ukraine. London, 20. Oktober. Die Federation of Ukrainian Jews in London, 3 Percy Street, sendet Kleiderpakete über Moskau nach der Ukraine. Die Gebühren betragen 18 Schilling für* jedes Paket. Pakete an Einzelpersonen dürfen nicht mehr als drei Garnituren Unterwäsche, drei Paar Stiefel und einen Anzug enthalten. Bis nach Moskau übernimmt die Gesellschaft die Verantwortung, von da an die russische Post. Die angebliche Entlaliuns jüdischer öenöarmen in PaMina. London, 26. Oktober. Die palästinische Regierung teilt offiziell mit, daß die 17 jüdischen Gendarmen in Zemach, die, wie berichtet worden war, angeblich wegen Beobachtung des Jomkippur entlassen worden feien, in Wirklichkeit sich einer Ueberschreitung des ihnen für den Versöhnungstag bewilligten Urlaubs schuldig gemacht haben und deswegen zwar nicht entlassen, wohl aber disziplinarisch bestraft worden sind. Dm öle DnIversM in Jerusalem. London, 23. Oktober. Anläßlich der Anwesenheit David Jellins in London fand unter dem Vorsitz des Chief- Rabbi eine Beratung statt, in deren Verlauf ein Komitee zur Gründung einer jüdischen Fakultät an der geplanten Universität gebildet wurde. Interessant waren in der Verhandlung, die Ausführungen Weizmanns, bet dem der Politiker offenbar in innerem Widerstreit mit dem liberalen Juden liegt, sowie die Rede des bekannten radikalen Wissenschaftlers Israel Abrahams, der von ähnlichen Empfindungen beseelt scheint. Weizmann sagte, es sei eine außerordentlich delikate Sache, an der Jerusalemer Universität jüdische Wissenschaft zu lehren, denn man greife damit notwendigerweise sofort aus das religiöse Gebiet über und werde sehr rasch in heftige religiöse Kämpft verwickelt sein. Israel Abrahams dagegen mein« in gut zur Schau getragener Naivität, Ortha doxie und Heterodoxie hätten nichts mit Wissen.

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