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Der Israelit · 1922-11-02 · Heft 44 (2.11.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 44 (2.11.1922)
Date
1922-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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9. mvemtet naß. 910.44. «eite i, four- und Churchills eine Anfrage nach London gerichtet haben soll, ob die englische Palästina- Politik unverändert bleibe, alS ein äußerst auffallendes Errigniß bezeichnen. Daß der Oberkommiffar lediglich eine Festlegung der neuen Regierung beabsichtigte, ist ebenso unwahrscheinlich wie die Annahme, Herbert Samuel habe ernstlich gezweifelt, ob Herr Bonar Law und der Herzog von Devonshire, der die Nachfolge Churchills antritt, die eben erst erlassene königliche order in counoil in loyalster Weise auSführen würden. Es bleibt also höchstens die Vermutung übrige daß cs sich hei dem überflüssigen Frage- und Antwortspiel zwischen Jerusalem und London um eine Demonstration an die Adresse der arabischen Nationalisten handelt. Diese wittern natürlich Morgenluft und gehen dabei von der nicht übzuwetsenden Voraussetzung aus, daß eine durch keinerlei zionistische Antecedentien belastete neue Regierung Mandattext und Balfourerklärung, orävr in coun«il und Instruktion für den Oberkommifsar von allem stimmungsmäßig Jüdisch-National: n rasch befreien und in der Tat gar leicht zu einem Stück Papier hinunterinterpretieren könnten. Daß diese Gefahr in diesem Augenblick besteht, unterliegt keinem Zweifel. Wenn ein bekannter konservativer Politiker in einem dem Jewish Guardian gewährten Interview die Bemerkung fallen ließ, Lord Balfour habe bet seiner Erklärung „die Araber übersehen", so eröffnet das keine sehr trostreichen Ausblicke auf die Tendenz dev kommenden Palästina-Politik. Sie kann jedenfalls leicht dazu führen, daß man sich früher oder später des unbequemen jüdischen OberkommiffarS entledigt und das Tempo der Einwanderung noch mehr verlangsamt als bisher. Vieles wird dabet von dem Verlauf und Ergebnis der bevorstehenden Orientkonferenz ln Lausanne abhängen, in der sich die Einstellung der neuen Regierung zu den orientalischen Problemen sehr bald deutlicher offenbaren wird. »Freiheit «md Srdnimg.^ Wir glaubten keinen Anlaß zu haben, unS mit den letzten Berliner Krawallen am Zirkus Busch zu befaffen. Wenn Kommunisten und Völkische miteinander raufen und sich gegenseitig blutige Schlachten liefern, was sollte das mit Juden und Judentum zu tun haben? Aber der famose „Freiheits- und Ordnungsbund" möchte auf die „jüdischen Beziehungen" nicht verzichten und so entblödet er sich nicht, das Märchen zu verbreiten, daß während der Krawalle, zwischen dem Zirkus Busch und dem Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde in der gehen, ist hier nicht der Ort dazu. Ich möchte nur darauf Hinweisen, daß solche zweifelhafte Spekulationen, die HäckelS atheistische generatio uegurvocs, die „zufällige" Entstehung de- Lebens und die allmähliche Entwickelung des Menschen auS dem Protoplasma (Urschleim), mit der EchöpsungSgeschlchie der Thauro unter einen Hut, zu .bringen, rin zweischneidiges Schwert find. ' Mit solchen „Erklärungen" kann man nicht vorfichtig genug sein, da die wenigsten Leser wissenschaftlich so beschlagen find, daß fie das Wah e und das Falsche auseinanderhalten können. Hermann Lohn. Sin Fehler mH Tefilloh „Sephat Gineth" Bon der BerlagSstnstalt M. Lehrberger u. Ci Frankfurt a. M., wird uns geschrieben: Bon befreundeter Sette werden wir auf eine teilweise falsche Angabe aufmerksam gemacht, die stch in der neuen Ausgabe unseres „Stddur Sephat Emeth" vorfindet. Dort mutz auf Seite 202 die Anweisung für das Ehallonehmrn, wie in der Ausgabe von 1919, lauten: * „Knetet man einen Brolteig von etwa I V« Ke Mehl mit Wasser an, so nehme man ein Stückchen davon (n?n) und spreche dabet: Der Bogen, der diese Angabe enthält, wurde während der Zeit einer Reise des Herrn Prof. Pr. Sulzbach gedruckt und jedenfalls nur dadurch, daß er keine Möglichkeit zur Revision hatte, ist dieser Fehler entstanden. Er wird in einer neuen Auflage richtiggestellt «erden. i Her W«« Heidereutergaffe 4/5 ein reger kommunistisches Kurierdienst beobachtet worden fei. Zur Klärung des Falles hat die Berliner Jüdische Gemeinde eine Untersuchung angestrllt, die folgendes ergeben hat: Mit Rücksicht auf den in der Synagoge stattfindenden Gottesdienst hat Herr Michellohn, Mitglied deS Vaterländischen Bundes jüdischer Frontsoldaten, dem amtierenden Rabbiner von den Tumultszenen am ZtrkuS Busch Mitteilung gemacht und seiner BesvrgniS für die in nächster Nähe des ZirkuS gelegene Synagoge und ihre Besucher Ausdruck gegeben. Um jedwede unliebsamen Zwischenfälle zu vermeiden, wurde nach Beendigung der GottesdiensteS daraufhin der Ausgang Hridereutergaffe geschlossen, und die Synagogenbesucher verließen das Gotteshaus durch den Ausgang nach der Rosenstraße, um auf diese Weise mit den aus dem ZtrkuS strömenden Massen nicht in Berührung zu kommen. Kurz gesagt: Die Beter haben sich durch Hintertüren auf leisen Sohlen davongemacht, um mit den Radaubrüdern auf der einen oder anderen Seite gar nicht in Berührung zu kommen. Das sollten doch ganz gewiß diejenigen in Ordnung finden, die „Freiheit und Or dnung" auf ihr Aushängeschild schreiben! Die Liberalen und die Speifegesetze. Bon Bez.-Rabb. Dr. Beermann in Eeilbrorm Ich' kehre beim „Israelit" heute als Gast ein und danke ihm im voraus für die freundliche Aufnahme. Um der Sache willen bitte ich mich auf eine kleine Weile anhören zu wollen, daß sich nicht Verwirrung mehre in ^Israel, WW’atW 12-i' uw na. Wir Rabbiner der mittleren Richtung bilden ja zur Zeit in Deutschland nur ein kleines Häuflein, sodaß wir unS kein eigenes Organ zur Vertretung unseres theologischen Standpunktes halten können. Ich glaube aber zu der Bitte um gastliche Aufnahme im offiziellen Organe der Orthodoxie umsomehr berechtigt zu sein, als ich in den Jahren 1898—1908 eine Fülle von Aufsätzen in dieser Zeitschrift veröffentlicht habe, die dann später in den S Bänden der in LehmannS Volksbüchern erschienenen „Stimme Jakobs" gesammelt wurden. Zu dem Persönlichen Umstande kommt noch etn sachlicher. Es dürste nämlich nach dem betr. Artikeln. Nr. 47 von einigem Belange sein, zu hören, wie sich einer der rabbtnischen Vertreter der „Mittel- Partei? zu einer sogenannten „Reform" der Speisegesetze stellt. Man mag zugeben, daß die Speisegesetze in jener Welt des religiösen Geheimnissewurzeln, (Wieviele Juden gibt e» in der Wett?) Davis Triersch untersucht in der „W. M." die destehenden Judcnstatisttken, von denen er sagt, daß „die meisten jüdischen Statistiker mit allen Mitteln (mit veralteten Ziffern, mit Rechenfehlern, mit verkleinernden Zusammenstellungen, mit Ignorierung der WachStumS. tenüknzen und mit ttebertreibung der schädlichen Faktoren) den tatsächlichen Status der jüdischen Welt zu verkleinern" pflegen, weil sie der Ansicht seien, „der beste Schutz der Juden sei, wenn man fie nicht sieht". Trietsch ist etn Gegner dieser Selbstverkleinerung, dieses „SichnichtzuerkennengebenS" der Juden. Nach Trteisch gibt es derzeit Juden in r Europa 11.799000, d. f. ».73'/« der Bevölkerung Amerika 4.330000, „ 3.70°/« „ Asien 471.000, „ 007% ,, Afrika 537.000, „ 0 27% „ Australien 22(XtO, „ 0 37%_„_ Zuf. 17.270.000, d. f. 1.00% der Gefamtbevölk. Um da- Jahr 1804 haben nach Trietsch die Juden nur 0.3 % der damaligen Bevölkerung der Erde (3 Millionen von 1 Milliarde) betragen. Ueber die Verteilung der Juden auf die einzelnen Länder bringt Trietsch folgende Zusammenstellung: Polen 5 (nach anderen Berechnungen 6) Millionen, Rußland mit Ukraine 7.800000, Bereinigte Staaten 4.000.000, Ru. mänien 1:000.000, Deutschland blO.OOO, Ungarn 500.000, Tschechoslowakei 850000, Großbritannien 310.000, Oesterreich 800.000, Marokko 200.000, Litauen IhOOOO, Kanada 170 000; Algerien und Tunesien 170000, Frankreich 160.000, Türket 180.000, Niederlande 125.000, Argentinien 120.000. Griechenland 190.000, Lettland 100.000, Palästina löO.OOü, Jugoslawien 80.000, Meso, potamten 80.000, Persien 75.000, Britisch-Afrika 62.000, Italien 60.000, Aegypten 60.000, Belgien 58.000, die man mit einem Ausdruck der modernen ReltgionSpfychologte: „das Irrationale" nennt. Einzelheiten jener ReligionSgesetze lassen sich nicht verstandeSgemäß begründen. Die Abzweckung aber, die sie in ihrer Ganzheit erzielen wollen, spricht die Thora mannigfach auS. Es ist Keduschah-Lebensheiltgung! Sie wollen dem Israeliten helfen, seinem Dasein prtesterliche Weihe zu verleihen und den Strahlenglanz idealer Lebensstimmung auch über die alltäglichen Aeußerunaen der menschlichen Seinzu breiten. Sie wecken starke Kräfte zur persönlichen WtllenSbildung im Sinne der Selbstbeherrschung wie jede Uebung (Askese) in Enthaltsamkeit und helfen durch Sicherung jüdischer Eigenart, da- Judentum vor verwischenden und sein Wesen abschleifenden Strömungen zu sichern. Grade heute, wo das Judentum seine gottgegebene Besonderheit unter unsäglichen Schwierigkeiten behaupten muß, darf eS nichts tun, um das Ansehen und die seelische Macht dieser Gesetze zu mindern. Eine Schaffung von „Richtlinien" zur Umänderung dieser Satzungen würde aber zweifelloS zu einer Erweichung und Verflüchtigung dieser Bestimmungen führsn, selbst dann, .wenn tiefste Gesetzerkunde babet am Werke wäre. Unsre Alten haben grade tn Zetten wo die Autorität einer Reltgionsbestimmung geschwächt (rPlÄ"l) erschien, tn strenger Folgerichtigkeit die erschwerende Praxis (in&in) empfohlen, um dem Gesetze die volle Energie in den Seelen zu sichern. Zudem ist der Plan, die Reformversuche auch an den Spetsegesetzen zur Geltung zu bringen bereits vom Rabbiner Dr. Wiener - Oppeln tn feinem Buche über die Speisegesetze mit anerkennenswerter (? Red.) Belesenheit in aen Quellen auögeführt worden. Dennoch zeigte sich dem reltgionSgesetzNchen Forscher, wie mein verewigter Lehrer Prof. Dr. Hoffmann in der „Jüdischen Presse" s. Zt. dargetan hat, daß ein solcher Versuch an wichtigen Grundsätzen der Halachah unbedingt scheitern muß. Selbst Abraham Geiger hat darum seine Hand von der Aenderung der Speifesatzüngen geiaffen und gesagt: «int nt «unt, »nt non «int. „Sle mögen sein und blechen, wie sie oder nicht sein!" Da wo das Leben mit den Vorschriften in ernsten Widerstreit gerät, da gibt das Gesetz selber die Möglichkeit, bet voller Wahrung deS grundsätzlichen Gehorsams gegen die jüdische LebenSordnung, lebengefährdendenUmständen Rechnung zu tragen. (VL) NPL). Vielfach zeigt daS Gesetz in besonderen Fällen Erleichterungen in Rücksicht auf den Drang der Stunde nutt prm und die Not der Zeit und ev. entstehenden großen Schaden 'rana IDEM# wie im Hinblick auf dringende Bedürfniffe der Feierzetten ‘pttC Bulgarien 62.000. Syrien 80000, Schweiz 25000 Arabien 25 000, Lydien 25.000. Austral-Asien 22.000 Indien 91.000, Abessinien 90.U00. Kleinere Länder tn Europa 40.000, in Amerika 30.000, tn Asten 40.000. Familiennachrichten. Barmizwohseier. Gustav, Sohn de» Herrn Julius Weritzetm, Mannheim, Rupprechtsiraße. Sabbat'Fnfsng «na Unrgan-. nay- - Ort: Anfang Di \rm atum Ausgang Mm Frankfurt a. M 4 30 4. 13. & 45 .... 4 30 Nov. Mar» chefchwan s 17 MSnche« . . . 4 40 5 63 Cöl«. 4 60 6 50 Stuttgart. . . 4 45 5 43 BreSla« . . . — - - - SAirabera. . - 4 36 6 81 Ha«ch«ea. . — — - —

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