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Der Israelit · 1922-11-02 · Heft 44 (2.11.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 44 (2.11.1922)
Date
1922-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 8 fit. 44 2 November 1SBS. der Krtegswatfenfonds in dem verflossenen Septennium vollbringen konnte. Er hat Institutionen für Waisen in den verschiedensten Städten Polen-, Litauens und Galizims dauernd oder einmalig mit nennenswerten Summen unterstützt. Es sei hier an die Waisenkinder in Warschau, Wilna, Ko.wno, Sokolka, Sdun-ka, Wola, Laszcow, Glantany, Balkany und anderen Platzen gedacht) astch nach Palästina hat der Fonds, solange die dortige Valuta es noch zuiieß, mehrfach Beträge ur Speisung von Waisen gesandt Darüber inauS har er keine Mühe gescheut, Kinder des Ostens in Deutschland unterzubringen. Wohl ist dies Verpflanzen von Kindern ein unsäglich mühevolles Werk, wohl scheiterten die Pläne des Krieg? Warenfonds oftmals an vielfachen Schwierigkeiten politischer oder anderer Art, aber manches Kind ist dennoch einer friedlichen Heimat zugeführt worden, und in deutschen Waisenhäusern und anderen Unter« kunftSstätten befinden sich Kinder, die zu den Pfleglingen des Kriegswaisenfonds gehören und deren Fürsorge ihm obliegt. Auch deutsche Waisenkinder und solche, die durch den Krieg nach Deutschland verschlagen wurden, haben nie ungehört bet dem Krikgswalsenfonds angepocht. Schon seit Beginn seiner Tätigkeit hat der Kriegswaisenfonds Verbindung mit den ehemals neutralen' und feindlichen Staaten gesucht) er hat im Rahmen der ihm erreichbaren Möglichkeiten die Länder einer glücklicheren Valuta immer aufs neue auf seine Tätigkeit hingewiesen und es ist^5nicht seine Schuld, wenn unsere Brüd r in diesen Ländern seinem Rufe nur zögernd Folge leisten. Er hat auch die AgudaS Jisroel in den Nachbarländern Deutschlands, Oesterreich, Schweiz und Holland durch sein Bespiel und seine dauernd fortgeführte Propaganda dazu veranlaßt, eigene Organisationen für Kriegswaisen ins Leben zu rufen. — Die Beschaffung der Mittel des Fonds ist im Laufe der Jahre immer schwerer geworden. Den Höhepunkt hat die Schwierigkeit der Geldbeschaffung jedoch erst seit etwa einem halben Jahre durch die steigende Entwertung der deutschen Mark und die Höherbewertüng der pol- Nischen Mark erreicht. Als dritter bedenklicher Faktor erscheint die steigende Teuerung in den östlichen Ländern, die wohl geeignet ist die Verwaltung des Kriegswaisenfonds in die schwerste Sorge zu stürzen'. Wohl könnte er, wenn er dem Buchstaben genügen wollte, seine Waisenhäuser allmähltg auflösen, da sie ja nur für die Waisenkinder des Kteges geschaffen waren, aber bis jetzt hat er diesen Gedanken immer weit von sich gewiesen) immer aufs neue bemüht : Der JSraeNt. er sich, jüdische Brüder und Schwestern für die Not der Waisen des Ostens zu erwärmen, um seine Anstalten nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen und zu vergrößern. Der Krtegswaifenfonds hat verausgabt: In den Jahren 1917 u. 1918 etwa Jt. 300.000 im Jahre 1919 . . . . . „ „ 200 000 „ „ 1920 .„ „ 250.000 „ „ 1921.„ „ 300.000 twm 1. Jan. bis 3H. Sept. 1922 „ „ 800.000 Nicht vieler "Worte bedarf es, um jeden Freund des Krlegswaisenfonbs darüber aufzuklären, doß ihm schnelle und durchgreifende Hilfe, insbesondere aus dem valutastarkenAusland,werden muß, wenn ihm die Möglichkeit bleiben soll, srin Liebeswerk ungestört fortzusühren. Wir dürfenunS aber auch der Tatsache nicht verschließen, daß die Spenden aus Deutschland mit der Geldentwertung nicht in Uebereinstimmung stehen. Es ist unbegreiflich, daß auch heute noch Beträge unter fünfzig Mark von Leuten gegeben werden, die das Hundertfache dieser Beträge jederzeit willig für überflüssigen Luxus opfern. Hs ist -o-e Zeit, daß irr weiten Kreisen die Krkennl- «is reift, an welchem Aögrnnd die gesamte jüdische Waykfayrtsvewegung und mit ihr die Malsettfürf-rge steht, ««- daß nur die hin« geöendste Hpfcröereitschast seitens Ksser eine f-ewä-r dafür Bieten kan«, daß die Aetätigung iroßjügiger LieSestätigreit nicht Sinnen kurzem «nrettSar zngrnnde geht. — Ein zweites Kapitel der Tätigkeit des Kriegs- Waisenfonds ist das Hilfswerk für die Waisen der Ukraine, welches freilich von Anfang an von einem besonderen Mißgeschick verfolgt wurde. Bor etwa einundelriemhalben Jahre erklang durch Deutschland der Rettungsruf für Ukraine Waisen, deren Eltern in den grausamen Pogromen der Nachkriegszeit ein frühes und schreckliches Ende gefunden hatten. Allgemein war man des Glaubens, daß der beste Weg der Hilfeleistung darin bestände, die verlassenen Kinder aus den Gebieten deS Schreckens und Hungers in andere Länder zu überführen, um ihnen dort ein Asyl des Friedens zu schaffen. Dieser Vorsatz, der aus den edelsten Empfindungen echten GemiluS Cheffed geboren war, scheiterte leider an einer Fülle unvorhergesehener Schwierigkeiten. Zuvörderst war es die deutsche Regierung, die viele Monate verstreichen ließ, bis sie die erbetene Einreisegenehmigung für die Kinder gewährte, daneben waren es die fast unüberwindlichen Hindernisse in die Sowjet Ukraine selbst als auch in ihre Grenzgebiete zu gelangen, und schließlich waren es die Kinder, die ein Herausbringen aus ihrer Heimat den heftigsten Widerstand entgensetzten. Leidvollen Herzens sah der Kriegs- Waisenfonds Monat auf Monat verrinnen, sehn* süchtig schaute er nach dem fernen Osten, dessen Aermsten er Hilfe bringen wollte und ohnmächtig mußte er immer wieder die Hände sinken lassen. Lediglich Kleidungsstücke hat er, Ende des vorigen Jahres, in großen Mengen durch Polen nach Rowno gesandt, wobei er seine Aufgabe, Waisenkindern zu helfen, jedoch überschritten hat, da diese Kleidungsstücke für Groß und Klein bestimmt waren. — Seit den letzten Monaten jedoch hat der Krtegswaisensonds versucht, den Ukraine-Waisen, zu denen inzwischen der Hunger in seiner schlimmsten Gestalt gekommen ist, wenigstens etwas Hilfe zu bringen,- er hat gemeinsam mit der Agudas Jtsroel für eine beträchtliche Summe Lebensmittelpakete in die Hungergebiete entsandt und beabsichtigt nunmehr in einer Stadt der Ukraine eine „Agudas Jisroel Kinderküche" zu errichten, in welcher eine Anzahl Kinder völlig verpflegt und bekleidet werden. Außerdem aber ist gerade in diesen Tagen durch die Vermittlung des „Joint" der erste Kindertransport von fünfundzwanzig Ukraine Waisen aus Ktschinef in Berlin eingetroffen, dem weitere Transporte folgen sollen. Nun dürfte dem Kriegswaisenfonds endlich Gelegenheit werden, die Wünsche seiner Freunde hinsichtlich Ueberlaffung von Waisenkindern zu erfüllen und er hofft, daß diejenigen Familien, die vor einundetnemhalben Jahre ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen hatten, ein Kind in ihr Haus aüfzunehmen, dtrses Liebeswerk auch unter den gänzlich veränderten Verhältnissen der Gegenwart aufrecht erhalten werden.- Dies ist in großen Zügen eine Schilderung der Arbeit des Kriegswaisenfonds seit seinem Bestehen bis heute. Zu Mm Vater der Waisen ergeht seine Bittte, ihm um armer heimatloser Kinder willen Seinen Segen auch ferner nicht zu versagen: irrp bw -dk inv Wochemuildschau. Der Regieriingiwechsel in England. Es ist eine alte Tradition der englischen Regterungsweisheit, daß der Wechsel der innerpolitischen Machtverhältnisse die ruhige Stetigkeit der äußeren Politik nur wenig zu beeinfluffen pflegt, daß schroffe Uebergänge zum mindesten unter allen Umständen vermieden bleiben. Man muß daher den Schritt He bert S a mu e l s, der sofort nach Rücktritt Lloyd Georges, Bal- Vom Zweck und von der Vestimmvng des Menschen-Daseins?) V. Vom gemeinftmen Gebete. Im Talmud heißt es: Wer elne Gynagoae in der' Nähe hat und sie nicht betritt, wird „böser Nachbar" genannt. Im So har zu Abschnitt „Terurna" lesen mir: Wenn der Heilige, gelobt sei Er, in das „kleine Heiligtum" tritt und die Gemeinde wie einen Mann im Gebete und Lobgesang vereinigt findet, da nimmt er die königliche Huldigung entgegen und er weilt in ihrem Kreile. Nach dem der fehlt, fragt aber der Heilige, gelobt sei Er und er spricht: „Wehe über den, der hier sein sollte und nun jenseits deS LichteS dunkle Wege wandelt". In der Schrift „Schem Jakow" wird im Namen *) Aus „Nehauro hafcholem" zum Gebetbuch „TefillaS Jefchorim" von Josef den Abraham Alexander, Rabbiner zu Dorbtan, (Aarfchau Wtf), des Rabbi Salman, eines angesehenen Hamburger Rabbiners des Mittelalters, folgendes erzählt: Rabbi Salman pflegte täglich aus seiner Wohnung in die Synagoge mit Talt» und Testlltn bekleidet, zu gehen. Eines Morgens traf ihn auf -bem Weg zum Gotteshause ein Mann, der ihm wertvolle Edelsteine zum Kaufe anbot. Der Verkäufer wünschte, daß der Rabbi mit ihm zurück nach Hause gehe, was aber dieser ablehnte. Immerhin erkundigte sich Rabbi Salman nach dem Preise der Kleinodien und sagte dem Manne, er möge warten bis nach Beendigung des Gottesdienstes. Der Verkäufer ließ sich aber darauf nicht ein, brachte seine kostbare Ware anderweitig an und bald erfuhr man, daß der Käufer 100.060 Dukaten an diesem Kaufe verdient hatte. Als man dies Rabbi Salman erzählte, jauchzte er auf: „Er hat Hunderttausende verdient, wieviel habe ich erst verdient, daß ich mir Hunderttausende entgehen ließ! . . Im Talmud, Traktat Berachot wird großer Wert auf das gemeinsame Gebet gelegt, auf welches allein das Wort psn rv „Zeit des Wohlgefallens", angewandt wird. Nach Sohar wird das Einzelgebet erst nach eingehender Prüfung der Verdienste oder Verfehlungen des Betenden zum göttlichen Throne zugelaffen, während Gesamtgebete der Gemeinde allezeit Einlaß finden. Darauf sollten auch diejenigen achten, die glauben, kraft ihrer Verdienste auch ihrem Einzelgebete freien Aufstieg zu den GotieShöhen verschaffen zu können. „Gcheloh" meint, es sei eigentlich verwunderlich, daß trotz der Versicherung, daß daS gemeinsame Gebet nie zurückgewtesen werde, unsere zweitausendjährigen Gebers um Möfchiach, Erlösung, Jerusalems Aufbau und Israel» Sammlung noch nicht erhört wurden. In Wahrheit aber, sagt „Scheloh", werden ' unauch diese Gebete im Kleine« bis zum gewissen Grade täglich erfüllt. Erleben wir doch täglich „Sammlung", „Erlösung- und Errettung aus Nöten und Gefahren, die uns ga» nicht zum Bewußtsein kommen. Gott bleibt im Hintergrund, da er uns vor Bedrängnis bewahrt, y-ttn tüö tb "Md nnx, darum sollte uns Lobgesang der Errettung immer vwiauschen. n^D ''»»Sion »Sd Uebrigens darf die Erfüllung des Gebetes ebensowenig unmittelbar erwartet werden wie der Lohn der anderen Gebote, denen sich ja auch tie Tesilloh anreiht. Alles wird im göttlichen Richterbuche vermerkt und der Lohn bleibt nicht äuS.- (Fortsetzung folgt.) und Aaturwiffekischaft. In seinen Ausführukigett zu „Menschenschöpfung und Naturwissenschaft" erwähnt Herr SanitätSrat Dr. A. Stern in Nr. 43 d. Bl. Häckels Satz, daß „die Ontoaenie eine Wiederholung der Phylogente" sei und will diesen Satz mit der.jüdischen Schöpfungsgeschichte in Einklang bringen. Dazu möchte ich bemerken, daß dieser Satz, ebenso wie Häckels „Subftanzgesetz^', von vielen wissenschaftlichen Autoritäten als unwichtig abgelehnt ist, indem die verschiedenen Stadien des menschlichen Embryo-- auf andere Ursachen zurückzuführen sind alS auf die „Mneme" der angeblich durchgegangenen Entwickelungsstadien. Näher hierauf einzu- 5799525719

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