Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450228--70111-2527325- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
! Etttr 2. «r.21 Milieu der links-radikalen Arbeiter lieren, und vollkommen nnrituelle besuchen usw., um die Wichtigkeit dieses Tätigkeitszweiges derAguda zu begreifen. Beiträge für diesen Zweck, bitten wir der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel Frankfurt a. M. unter der Bezeichnung „Jmmigrationshilfe" einzusenden. Für die Arbeiter wurden drei Abendkurse eingerichtet, bei denen die Mitglieder der Jugendgruppe Lehrvorträge abhielten. La nd kauf. Im Laufe dieses Jahres wurde in nächster Nähe von Jerusalem das Grundstück N e v e I i sroel erworben, welches vornehmlich als Siedelungsland für den Kleinbauer zum Gemüsebau bestimmt ist. Die Kosten für den Lcmderwerb sind völlig von der dortigen Gruppe aufgebracht worden. Mit dem Ban von Häusern soll baldmöglichst begonnen werden, sobald Kreditgeber bereit sind gegen hypothekarische Sicherheit Darlehen zu diesem Zwecke zu gewähren. (Nähere Auskünfte erteilt auf Wünsch die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel.) Zeitungsweseu und Propaganda. Mit Beginn dieses Jahres erschien die erste Nummer einer Monatsschrift „ Kol Iisro el ", welche zur Hälfte jüdisch-literarische Beiträge enthielt, zur anderen Hälfte Zeitfragen gewidmet war. Schon im Monat Adar wurde diese Monatsschrift einem dringenden Bedürfnisse folgend, in eine Mocheschrist um'gewandelt, die als das einzige Sprachrohr der unabhängigen Orthodoxie Palästinas weit Wer die Kreise der Aguda hinaus vielseitige Beachtung fand. Auch hier ist zu betonen, daß die Aguda-Äruppe in Jerusalem selbst aus eigenen Mitteln diese Zeitung herausgibt, und daß die gesamte redaktionelle Arbeit unter der Leitung des Herrn Raphael Katzenellenbogen ehrenamtlich geleistet wird. (Um das Papier und die Druckkosten der ersten Nummer aufzubringen, verpfändeten Frauen der Mitglieder der Jugend gruppe ihre Schmuckstücke). Neben der redaktionellen Arbeit für diese Zeitung „Kol Iisroel" wurden noch regelmäßige Berichte über die Lage in Palästina an die AgNda-Zeitungen in der Diaspora geliefert. Soziale Tätigkeit. Als der Zentkalrat der Agüdas Iisroel seine großzügige Sammlung für unsere notleidenden Brüder in Rußland einleitete, war Agndas Iisroel die erste palästinensische Lcmdesorganisation, welche diesem Rufe Folge leistete, und im Laufe von drei Monaten über 800 Lstr. für das Hilsswerk sammelte, von denen in Jerusalem allein 500 Lstr. aufgebracht rvurden. Wer die palästinensischen Verhältnisse kennt, und weiß, wie selbst der größte Teil der Einwohner kärglich mit einen! ^ristenzminimum auszukommen verstchen muß, wird angesichts dieser Beweise jüdischer Bruderliebe eingestehen müssen, daß keine Landesorganisation mit der Leistung Palästinas auf diesem Gebiet konkurrieren kann. Auch diese Arbeit wird ehrenamtlich geleistet, sodaß nicht ein Piaster weniger nach Europa geschickt wurde, als die Sammlung betrug. Politik. Da naturgemäß Palästina den breitesten Raum in der politischen Tätigkeit der Agudas JiSroel in den letzten Jahren einnahm, versteht es sich von selbst, daß die palästinensische Landesorganisation der gesamten Aguda wertvollste Mitarbeit leisten konnte. Sowohl in Bezug auf bas Ringen um die Jewish^Agency, als auch um die Autonomie derOrthodoxie im Lande selbst, haben sich die besten Kräfte der Landesorganisation aufs eifrigste bemüht, und nur ihrer unermWlichen Tätigkeit ist es zu verdanken, daß in dem letzten Punkte dem Recht zum Siege verholsen wurde. Korrespondenz. Einen der wichtigsten Fortschritte in der .Agndatätigkeit für Palästina, stellt der Umstand dar, daß. im abgelaufenen Jahre eine Reihe von Beziehungen zwischen der Diaspora und Erez Iisroel durch die Informationen der Ortsgruppe Jerusalems angeknüpst werden konnten, lieber wirtschaftliche Fragen, Wer Emigrationsprobleine, über kulturelle Angelegenheiten u. a. m. wurde eine große Reihe von Anfragen ans England, Amerika, Argentinien, Polen, Deutschland, Litauen, Oesterreich, Schweiz, Bagdad, Tripolis u. a. m. durch Fachleute beantwortet. Diese ganze Korrespondenz ' wurde Ehrenamtlich von den Mitgliedern der Jugendgruppe geführt. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß anläßlich der Gefangennahme der beiden vom Misrad Haräbanuth dem englischen Gerichte Wergebenen Rabbiner das Lösegeld in Höhe von 100 Lstr. von Seiten der Ortsgruppe Jerusalems ansgebracht wurde. Es hieße die Bedeutsamkeit dieses Jahresberichtes abschwächen, wenn wir neben Herrn Chagis, Herrn Katzenellenbogen, Rabbiner Jadler, Glücksmann-Porusch noch alle diejenigen Männer nennen wollten, welche ihre Kräfte der Mgüda weihten. > Mur durch die gemeinsame Tätigkeit aller dieser für. unser Ideal begeisterten Männer, war es möglich, solche Erfolge zu zeitigen, die uns mit Recht die Hoffnung aussprechen lassen: -TOB kjw* -/mroei irrtfin rrm Ortsgruppe und Weltorganisation. Vortrag von Herrn Wolf S. Jacobson, gehalten in der Agudas Jisroel-Ortsgruppe zu Hainburg. Existiert eigentlich eine Ortsgruppe, und wenn sie existiert, warum hört man nichts von ihr? Was leistet sie eigentlich!? Dies, meine Verehrten, sind die Fragen, die von Zeit zu Zeit an die, welche das Mut eines BorstanWmitgliedes unserer Ortsgruppe bekleiden, gestellt werden. Der Beantwortung dieser Fragen dient es, wemr wir uns in der durch die vorgerückte Zeit gebotenen Kürze vor allem' darüber klar werden: was Agudas Iisroel ist und will. I. Für mich ist entscheidend hierfür das, was Jacob Rosenheim cm jenem denkwürdigen Siwan- Tage, genau vor 10 Jahren in Kattowitz, gesprochen Wer Idee und Programm der Agudas Iisroel, denn was in dem letzten Dezennium von .Freundesseite ihr zum Lob, von Gegnersseite ihr zum Tadel und zur Entstellung gesprochen, so ist alles nur wTH, teils richtiger und noch weit mehr falscher, zu jenem, ich möchte sagen, klassischen Referat. Kern und Inhalt jenes Referates gipfelt in dem Bekenntnis': „Denn es ist nicht ein Verein neben anderen Vereinen, den wir gründen wollen, nicht ein Zweckverband,, dessen Bedeutung sich! in der Verwirklichung irgend welcher praktischer Endziele erschöpft; was uns als Höchstes Ziel vorschwebt, ist vielmehr die Mederbelebung uralten jüdischen Besitzes: der überlieferte Begriff des 7>7>2 ists, — Israels Gesamtkörper erfüllt und getragen von seiner Tauro als organisierender Seele — den wir durch unsere Agudas Iisroel inmitten der KulturnM und mit den technischen Mitteln, die die Kultur aufs neüe uns reicht, realisieren wollen." Meine Verehrten, das ist das Entscheidende, das ist das, was! wir garnicht genügend oft und garnicht genügend scharf betonen können. Das Ziel ist der 7>*rw 7>?2, das Ziel ist der Gedanke der uneingeschränkten, unbedingten Zusammengehörigkeit aller'*32- Was Agudas Jisboel an praktischen Arbeiten leistet, was sie ,an GesaMtheitsaufgaben — im kleinsten Ausmaße oder im größten Stil — löst, ist nicht Zick, sondern Mittel, oft nicht einmal das) sondern, wie Rosenheim es ausdrückt, ist natürliche LeVensäußerung dieses wiederbelebten 772'! ,Programm l o f i gk'eit! Das fff der Vorwurff den man der Agudas' Wsroel macht, zu nistnll- KüchM zu ' - ' _26. Oktober 1928, ist zugleich Stichwort für den Jjubel derer,- die in einem Stocken unserer ElMvickluug Segen sehen, und ich sage Ihnen: Mag vom Standpunkt pes für den Erfolg des Tag-ezs ringenden Organisationsägenterr das ^Programm dass bedeuten^ was dem Geschäftsreisenden fein Musterkoffer ist, für uns liegt in ihrer sogenannten «Programmlo sigkeit, d. h. in dem ausdrücklichen Verzicht, d-ie Durchführung in der Zeit liegender, durch die Zeit bedingter oder gebotener Aufgaben als programmatisches Ziel anzusehm, in ihnen anderes zu werten als nur Notwendigkeiten des Tages, denen morgen ganz anders gerichtete folgen können, der Kern ihrer Ewigkeit, der Keim ihrer UnvergänglWeit. Als seinerzeit das Rosenheim'sche Referat, dessen Kernsatz ich Ihnen vvrtruA in der Presse abgedruckt wurde, bemerkte dazu die ,^Jüdische Gazetten"' in New-Dork: „Eine solche Organisation kann aus neue Programme leicht verzichten. Das Programm ist I!udentum". Das soll meines Erachtens bedeuten: Das Judentum sieht und anerkennt in seinen Mizjwaus nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel nx ) mnan nur Mittet zu ihrer Läuterung, und der durch die Läuterung gewonnenen Ernsheit und Einheit. Des wahren Judentums' Religiosität ist! die religiöse SiolidaritKt des Judentums. Diesen Gedanken ans' dem Reich der Ideen, wo er der Verflüchtigung anheimzufallen Gefahr läuft, durch die Kraft der Organisation ins Reich der Dinge zu übertragen, das ist meines Erachtens der Gedanke der Agudas Iisroel. Beobachten Sie, meine Verehrten, den Ansgabenkrers, in welchem Agudas Iisroel Lösungen gesucht und zum großen Teil auch gefunden,, und Sie werden feststellen, daß die Pflicht zur UÄeruahme dieser Aufgaben ans' diesem Gedanken der.religiösen Solidarität des Judentums floß. Wenn es während des Krieges! bjei den russischen Gefangenen ckn Italien an Mazzaus fehlte, in den polnischen K'hkklaus an Lulowim und Esraugim, tausenden jüdffchien Waffen an getreuen Erziehern, jüdischen Kreisenim Osten, in die durch die Invasion der Heere desWestens Aufklärung drang, an geeigneten Kehrern, die jüdische Jugend dem Neuen gegenüber aufnahmebereit, vor allem aber widerstandsfähig zu machen. Wenn unzählige Aufgaben, die nur durch über Landesgrenze HinauswachsendeOpferfreudigkeit, aber was noch mehr ist, Wer Laridesbegriffe hinausgehende Einsühlungsfähigkeit gelöst werden konnten, dann wissen Me, nachwelcher Richtung 'das Ziel liegt. Wemr früher die K'hillo, in späteren Zeiten die Landesgrenze dem Willen, anderer Leid zu mildern, anderer Lebensart und Lebensführung zu begreifen, anderer Geistesbewegung nachAuspüven, gar leicht die Grenzen setzte, so zieht Agudas Iisroel alles, aber auch Äles, was jüdisch ist,'und mag es im fernsten Winkel, mag es! m. der letzten Zelle eines chaffidffchen Gehirnes, mag es! in. der untersten Hefe durch die Not degenerierter Volksschichten seine Stätte haben, in die Peri- .pherie ihres durch! das K'lMewußtsein gebildeten Kreises, dessen Mittelpunkt die Tauro ist. Und wenn, meine Verehrten, um das Wort eines unserer heften' Agudohköpfe, J?aeob Joel' Braun, zu gebrauchen, der Gegensatz zwischen Agudas Iisroel und Zionismus unter anderm darin liegt, daß dieser Palästina-Dentrffchs. Agudas Iisroel Dauro-zMtrisch ist, so ist mernes^ Erachtens dadurch, um ganz kurz auch das zu streifen, was heutzutage ja nicht umgangen werden kann, -auch das Verhältnis der Agudas Iisroel zur Erez Jisroel-Arbeit gekennzeichnet. Solange die Sch'-chlino im Golus ist, ist Erez Iisroel auch im Golus) ist Mez JVüoÄ Golus^ ebenso wie Denffchland, RuWand und welchies Land immer, nur daß die vom alten Jischuw getragene, durch den Zionismus — bekennen wir es dankbar, durch den Zionismus — hei den Machten churchtzesetzte Möglichkeit erweiterter und gesicherter. Besiedelung und Betätigung^ Gelegenheit und Anregung zu er-