Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Blätter heraus gegeben vom - Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Zisroel für Deutschland. ----- VIII. Jahrgang 4. Marchrschwan 5683. .=== Kummer 21. /= 2«. MtoSer 1922. Smberüsung des Zenirakrates der Agudas lisroel. Wie wir erfahren, hat der Geschäftsführende Ausschuß eine Plenarsitzung des Zentralrates der Agudas Usroel ans den 8. Kislev (28. November) nach Breslau emberusen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: . „ > 1. Organisatorische Fr ag en: a) Sitz des Zentralrates und der Executive. b) Bildung' und Arbeitsweise des raböinifchcn Rates. ' e) Einberufung der Kenefsioh gedauloh. 6) Die Beziehungen der.Landesorganisationen zur' Zentrale mtb der Ortsgruppen zu den Landeszentralen. e) Jugendorganisation. 2. Fina nzie lI e An g e l eg e n h e i t e n: a) Jahresbeiträge. b) Sammlungen. c) Voranschlag für 1923. 3. Politische Ang e l e g e n h e i te n: a) Jewish Agency. b) Weltkongreß. c) Zustände in SowjetruMnd. .4. Erez-Jisroel-Angelegenheiten: a) Organisation der Palästinazentraleu. h) Keren hajischuw. c) Chinnuch. '' d) Innere Politik und Gemeindeorgamfatiou in Palästina. 5. Thora- und Volkserziehung: a) Jeschiwos, Chadorim und Talmud Thora- Schulen im Osten. b) Die orthodoxe Presse. 6. Soziale Aktionen: a) Waisenfürsorge. b) Ukraine-Aktion. Kür die Opfer der Sungerk-üastrvphe m Rußland. Der Festmonat Tifckri brachte mit dem Ernst und der Einkehr feiner' bedeutungsvollen Tage die richtige Stimmung, - welche unsre Brüder, die auf dem ganzen ErdMpund in den Gotteshäusern versammelt, um Hilfe und Erbarmen flehten, auch für die Not unserer hungernden Brüder in Rußland zugänglicher machte. Tie eigene Not in den zentralÄiropäischjen Ländern läßt vielfach den Gedanken ^zu, daß..wir vor allem' für uns. zjn sorgen haben. W!er aber nur einmal Gelegenheit gehabt hat, Briefe oder 'authentische Berichte aus den Hunger gebieten zu lesen, den wird nur ein Gedanke beschäftigen, wie man diesen unglückliche Menschen, die nicht das Glück haben, rasch zu sterben, Hilfe bringen könnte. Auch läßt die Annahme,. daß nun die. Ernte, eingebracht und die Hungersnot vorbei sei, viele in ihrer Hilsstätigkeit erlahmen. Es kann nicht energisch genug betont werden, daß die Not noch immer alle europäischen Begriffe übersteigt und daß infolge des großen Mangels an Kleidungsstücken und infolge der uneindämmbaren Epidemien ein großer Dell des russischen Volkes und darunter ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung Rußlands in einer Lage, deren Schrecken zu schildern unsere Kraft' übersteigt, sich befindet. Cs soll an dieser Stelle noch hervorgehoben werden, daß'die russische Jüdenheit zurzeit nicht nur physisch dem Tod geweiht ist, falls nicht rasche Hilfe kommt, sie befinMt sich auch in einer reliMsen Not, welche MsirHaß.' vrMePrW.fi-'MDhe Volk nicht oft M erdulden hatte. Ehat unter diesen Umständen die Leitung der Agudas Iisroel mit großer Befriedigung erfüllt, daß sie nicht nur eine Hilfsaktion zur Linderung der Hungersnot leitet, deren Ergebnis, wenn auch an dem Mäßstab des .russischen Hungers gemessen winzig, doch im Vergleich zu ähnlichen .Hilfsaktionen überwältigendgroß bezeichnet werden muß-, sondern auch zur Erleichterung der religiösen Qualen unserer russischen Brüder beilragen konnte. Ties geschah durch Uebermittlung von Arba Minim und anderer Ritualien, welche mittels Lustschissen noch rechtzeitig an ihren Bestimmungsort gelangten. Möge der heiße Tank, den Agudas Jisroel in jedem Brief ' aus Rußland für die edlen Spender erhält, nicht nur. eine Genugtuung für die Gebefreudigen, sondern ein mahnender Ansporn für die Säumigen sein, die noch nicht ihrö Bruderpflicht erfüllt haben. Sin großer Erfolg der Agada in der Shedersrage. Man schreibt uns aus Polen: Das Zentralbürö der Agudas Schlaumei- Emrrnei-J'sroel erhielt vom Ministerium für Kultus und Unterricht ein Zirkular zugesandt, das an die Kuratorien der Warschauer, Lodzer, Bialistoker, Polesier, Wolhynier und Wilnaer Schulrayone gerichtet ist nnd das die genannten Behörden anweist, Ansuchen um Befreiung der Cheder-Schüter vom Schulzwange günstig zu erledigen. Die Cheder-Schule nämlich, wie sie jetzt auf Grund des Schulprogrammes der Aguda reformiert werde, stelle ein den allgemeinen Volksschulen gleichzustellendes Lehrinftitut dar. Im Cheder werden nämlich — so wird im Zirkular ausgeführt — nun auch die profcp nen Unterrichtsgegenstände berücksichtigt und insbesondere wird die polnische Sprache in genügendem Maße gepflegt werden, sodaß dieChederschule, die früher lediglich eine Neligionsschuie war, auch zu einem Bildungsinstitut wird. Dieser jüngste Erfolg der Aguda ist von einer ungeheuren Wichtigkeit für das jüdische Kultur- und Erziehungswesen und nicht hoch genug einzuschützen. Immerhin ist er ein würdiges Glied der Kette der unzähligen Siege der Aguda -im Kamvfe für jüdisches Recht und jüdischen Glauben! Mit berechtigtem Stolze schickt die Palästina-Landesorganisation der Agudas Jisroel ihrem soeben erschienenen Jahresbericht die Bemerkung! voraus, daß sie wohl die einzige palästinensische Organisation ist, welche lediglich ehrenamtlich tätige Beamte aufweist, und deshalb restlos aste ihre Einnahmen für praktische Zwecke verwenden kann. Die GeldenttoertUNg Mitteleuropas gegenüber der hohen Valuta Palästinas brachte es mit sich, daß, trotz der Bemühungen der außerpalästinenfischen Aguda, die geldlichen Mittel für die Arbeit größtenteils in Palästina selbst aufgebracht werden mußten. Umso anerkennenswerter ist die Fülle des' Geleisteten, von dem wir im folgenden einen kurzen Auszug geben. Er ziehun'gs wesen. 1. I m Anfang d es Winters wurde eine Mädchenschule durch die Mgpda eröffnet, derm Bedeutungnicht leicht überschätzt werden kann, angesichts der Tatsache, daß die führenden orthodoxen Kreise -damit zum ersten Male der Einsicht Raun: gaben, daß die Madchenerziehnng mit zu den wesentlichsten Aufgaben eines orthodoxen Erziehungswerkes gehört. Bis zur Gründung unserer Schule mußten die Eltern ihre Töchter ohne Erziehung bei sich zu- Hause lassen, oder aber sie in Schulen schicken, woi sie dem Geist des Elternhauses systematisch entfremdet mürben. Die Mädchenschule wurde in verschiedenen Stadtteilen eingerichtet und erfreuen sich eines stets wachsenden Zuspruches. Dias Budget beträgt monatlich ca. 60 Lstr., wovon durch die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in„ Deutschland pro Monat ca. 16 Lstr. (im Jahre 180 Lstr.) aufgebracht wurde. Tie übrigen Kosten wurden von Jerusalem selbst getragen, eine Leistung, deren, sich bisher wohl nur wenige Schulen in Palästina rühmen können. 2. Die D o res ch-Z ion-Schnl e, welche mit einer Jeschiwo verbunden ist, stand im Teveth 56'82 vor dem Untergang. 'Nachdem die bisherigen Geldgeber nicht mehr in der Lage waren, diese Schulen weiter zu erhalten, berief Agudas Jisroel unter Leitung des Hern: Oberrabbiners' Sonnenfeld eine Versammlung der hervorragendsten Notablen Jerusalems, welche durch ihre Opserwilligkeit es ermöglichten, daß die Schule, wenn auch immer noch schwer um ihre Existenz ringend, in ihrem Stande bis zum heutigen Tage erhalten wurde. Bemerkenswert hierbei ist es, daß Herr Oberrabbiner Sonnenfeld als! erster einen Monatsbeitrag von 2 Lstr. für die Schulen zeichnete, ein Betrag, der relativ genommen einen beträchtlichen Teil der bescheidenen Exiftenzmittel des verehrten Thoragelehrten darstellt. Dieses Beispiel wirkte auf die Anwesenden derartig, daß sich keiner der Pflicht entzog, einen seinen Verhältnissen entsprechenden Beitrag zu leistem' (In Parenthese möchten wir bemerken, daß solchen Beispielen gegenüber es wohl an der Zeit ist, daß in. Deutschland die Rausch Chaudesch- Spenden auch nicht mehr mit Beträgen geleistet werden, welche geradezu lächerlich anmuten, sondern auch, hier mit dem Prinzip des Maasev miu Hamacher Ernst gemacht wird.) Immigratio it. Im Monat Kislev gründete die Agudas Jisroel-Qrtsgruppe Jerusalem eine Immigrations- Abteilung, welche drei Zwecke verfolgte: 1. Den nen angekommeuen orthodoxen Ehalnzim in der: ersten Tagen ihrer Ankunft Kost und Logis zu gewähren, bis sie sich etwas zurechtgefnnden haben. 2. Den angekommenen Emigranten die Erlernung eines Handwerkes zu ermöglichen. Dazu müssen geeignete Lehrmeister ausfindig gemacht werden. 3. Zu sorgen, daß die Lehrlinge während ihrer Lehrzeit soweit unterstützt werden, daß sie sich kräftig ernähren können. Es wurden etwa 20 Handwerker ausgebildet. (Maurer, Schmiede, Maschinisten, Schriftsetzer, Tapezierer und Sattler). Ferner wurde bei dem Neubau des Diskinschen Waisenhauses eine Reihe von Maurern beschäftigt, und außerdem wurde 85 Arbeitern andere Arbeit zugewiesm. Tiefe Tätigkeit vollzog sich im Laufe von 5 Monaten, mußte, aber dann vorläufig eingestellt werden, weil die Mittel für das Unterkommen der Chaluzim nicht mehr aufzubringen waren. Man muß -die Lage der orthodoxen Ehalnzim kennen,, muß wissen, wie leicht diese Gefahr laufen, sich dem D80A