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Der Israelit · 1922-10-26 · Heft 43 (26.10.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 43 (26.10.1922)
Date
1922-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Grite 6 Nr. 18. sich, die er aus verschiedenen Waisenanstalten herausholte. Nun erfährt man hier aus Briefen aus Palästina, Laß Hrrr Belkind von keiner Seite den Auftrag zur Ueberführung der Kinder gehabt hat. Man ist um das Schicksal der Kinder, die hier leidlich aufgehoben waren, besorgt. Herr Belkind soll von Aegypten aus die zionistische Organisation um Mithilfe bet der Verbringung nachgesucht haben, während er sich hier als Beauftragter der Organisation ausgab. Line?erfförfe jüöifcfie ßemeinös- Lirökirr, 23. Oktober. In der Nähe von Lublin befindet sich die Stadt Sawjerschenitz rfiit einer kleinen alten jüdischen Gemeinde, auf die es eine sogenannte polnische Ordnungskomm ission abgesehen hat. In wenden Stunden wurde die Gemeinde von der Bildfiäche entfernt, indem die Kommission olle jüdischen Häuser zum Teil umwersen ließ, zum Teil zwangsweise gegen Spottpreise ankauste. Die jüdischen Bewohner wurden einfach auf d e Straße gesetzt. Nun ist eine Delegaiion unter Teilnahme des Rabbiners der unglücklichen Gemeinde bet der Verwaltung in Lublin erschienen, um Protest gegen die Enteignung zu erheben. Ihre bescheidene Bitte geht dahin, den aus ihrem Heime vertriebenen Juden wenigstens zu erlauben, bis zum Frühjahr in ihren Häusern zu bleiben. Lettland. Me Wülsten zum KüiMsg. Httga, 20. Okrober. Die Wahlen zum leti!äri0ischen Parlament sind beendet. Von jüdischer Snte werden 4 Abgeordnete ln den Landtag einz^rhen uud zwar 2 Vertrtter der Agudas 'Jlsroel und 2 d?s sogenannten Blocks aus Zionisten und Demokraten. UnM-and. Der bo!scriewilr,sclre Kampf gegen die Religion- Moskau, 15. Oktober. Der jüdisch-kommunistische „Emeß" greift Lucirn Wolff wegen seines Briefes an den Londoner Sowjetgesandten aufs heftigste an. Die Propaganda gegen die jüdische Sektion in der Presse des Auslandes sei gleichbedeutend mlt einer Propaganda gegen Sowjetrußland überhaupt. (I.C.B.) Griechenlarrd. Die Kafaffrophe in Kleinailen. Ktsiett, 28. September. Eine Korrespondenz aus Athen im „Doar Hajaum" schildert die Lage der Juden in den vom Krieg hetmgesuchten Gemeinden Kleinasiens in den schwärzesten Farben. Ströme von Blut sind geflossen und fließen noch und auch sehr viel jüdisches Blut dabet. In tzsmlr wurde vom Gemetzel keiner verschont, und die gewaltige Feuersbrunst äscherte ganze Viertel rin. Die jüdische Gemrinde von Jsmir, die 50000 Seelen zählte, ist restlos zerstört. Sämtliche Synagogen, Schulen und jüdischen Anstalten, sowie unzählige jüdische Häuser und Fabriken wurden Opfer der Flammen. Dir griechischen Behörden haben, soweit es in ihrer Macht stand, sich auch um die unglücklichen Juden bemüht. — Es muß freilich dazu bemerkt werden, daß der Bericht etwas grtechenfreundlich gefärbt ist. Leider hat man aber keine Ursache, an der Wahrheit der Angaben über die jüdische Katastrophe zu zweifeln. * Uatästirra. Brief aus Jerufaienr Die Religlonsentweiher an der Arbeit. — Einbürgerung. — Todesfälle. — Am Bersöhrmngstag. Jerusalem, 20. Oktober. Der jüdische Arbeiterrat von Jerusalem hatte keine bessere Zeit für eine öffentliche Verfammlrng als den ersten Rauschhaschonohtag, Und herausfordernd luden große Plakate zu der _Der Israelit i öffentlichen Beratung über soziale Fragen der Arbeiter an diesem heiligen Tage ein. Daß bei dieser Versammlung auch geraucht und Protokoll geführt worden ist, muß nicht erst erwähnt werden. Die Aufregung in den orthodoxen Kreisen über diese neue Herausforderung Vonseiten der radikalen, nicht nur desreligiösen Gefühls, sondern auch des primitiven Anstandes baren Jünglinge ist mehr wie berechtigt. Nicht minder provozierend ist der Beschluß der Joffaer Stadlverwpltung, daß die Wahlen in den Stadtrat auf Grund des gleichen aktiven und passiven Wahlrechtes für Männer und Frauen stattfinden sollen. Bon orthodoxer Seite wurde eine Versammlung einberufen, in der heftige Proteste gegen diesen E-ng'iff in das religiöse Recht erhoben wurde«. Besonders erbitterte Aeußerungen fielen gegen die Misrachtjugend, die dieses Attentat auf die Tradition ruhig geschehen läßt. Die Bewegung zugunsten der Einbürgerung in Palästina hat alle jüdischen Kreise in Stadt und Land ohne Unterschied der Richtung stark crgr ffen. Auch die Rabbiner, an deren Spitze die Präsidenten des Oberrabbtnatrs, Rabbi Kuk und Jakob Meir, appellieren von der Kanzel herab an die Mitglieder, sich als palästinensische Bürger zu erklären. Nicht minder wird in den alten Synagogen und Bethäufern von den alten Führern daraufhin gewirkt, und überall mit gutcm Erfolge. Vor kurzem starb im „Schaare Zedek Hospital" einer, der ältesten und angesehensten Männer des alten Jkschuws, Naböi MichaelLöbKatz, im Alter von 66 Jahren. Der Verstorbene gehörtmit zu den Begründern von Pethach Tlkwa und zu ihren ersten Leitern. — Noch einen anderen Todesfall haben wir zu beklagen. Kurz vor dem NauschhasÄonoh-Fefre verstarb in Jerusalem Rabbi Jona Rom, her längere Zeit als Dajan gewirkt hatte, und als solcher auch Mitglied des offiziellen Rabbinates (Mtsrad Harabbanurh) war. Ein Mann des Friedens, gingen ihm d.e Zwistigkeiten, besonders oie letzten Uevergnffö des Oöerrabbinates sehr ans Herz. Unter fernen Schriften fand man ein Vermächtnis an die Seinen, sich in die Streieigkeiten nicht zu mischen und in keiner Weise gegen die Rabbiner Sonnenfeld und Diskin aufzutreten. Das Oderrabbinat in Jerusalem erhielt eine Depesche, unterzeichnet von 17 jüdischen Angestellten der militärischen Gendarmerie, daß sie fristlos aus dem Dienste entlassen wurden, weil sie sich weigerten, am Versöhnungstage Dienst zu tun. In der Depesche heißt es: „Es ist uns unerträglich, daß wir in unserer nationalen Ehre dermaßen gekränkt werden und wir bitten UM Abhilfe und Genugtuung". Das Oberrabbinat wurde sofort in der Sache b-im Oberkommissar vorstellig. Personalien. Rabbi Jakob Kai; ans Säger (Litauen) Bad Wiidrmgen, 22. Okr. Im Aller von nur 28 Jahren ftaiö am *ViC3 BV in Bad Wildungen Rabbtt er Jakob Katz, Rabbiner in Säger, einer mittleren Stadt Litauens Er war nach Deutschland zur Kur und Erholung gekommen und wurde nun leider viel zu früh, auch ein Opfer des Krieges, zur ewigen Ruhe abgerufen. Mit ihm ist einer der glotzen Rabbinen des Ostens dahingegängen, ein Mensch von sittlicher Reinheit und jüdischer Größe, die sich in feinet Bescheidenheit verbarg, aber allen die mit ihm bekannt und -hm nahergetreten waren, offenbar wurde. Ec litt es nickt, daß man viel von ihm sprach und von seinen großen Wohltaten in seiner Gemeinde und in seinem größeren Wirkungskreise wußten nur die Wenigsten etwas. In seiner Jugend hat Rabbi Jakob Katz b°r aus den berühmten JeschiwauS in Wolostn und Slabotke (Kowno) gelernt, war einer der besten Schüler des großen Rabbi Jtze! Petersburger und erhielt Semicho (Approbation zum Rabbiner) von Rabbi Jizchok Elchonan Wpekior. Nachdem er eine zeiilang die Leitung der Jeschkwo des Rabbi Hirsche! tn Slaboike inne gehabt, wurde er als Rabbiner nach Klikol (Litauen) berufen und von dort aus nach seiner letzten Wirkungsstätte in Säger. Bet der Beisetzung am Mittwoch, den 13. Tischri, sprach am Grave Worte tiefer Trauer Rabbi Schmuel . ._ 26. Oktber 1922 Fried (Dajan in Wilna), der zur Zeit, in Wildlingen zur Kur rvetlie. Bon Frankfurt a. M. waren Rabbi Mansche Schneider, Rabbi Mansche Karpel und Rabbi Benzijon Bermann, die.Leirer der Schneiderschen Jeschiwo herbeigeeilt, um dem großen LehrerE.warm empfundene, voll Schmerz und Trauer erfüllte Nachrufe zu widmen. PN3 ">2t. Frankfurt a. M., 2t. Oktober. In den Morgenstunden des Dienstag ist der einziges Sohn des unvergeßlichen Selig Gvldschmtdt, Herr Meier Selig Gold sch midt y") nach kurzem schweren Leiden, kaum 57 Jahre ölt, heimgegangen. Wir behalten uns eine ausführliche Würdigung der Persönlichkeit deS allbeliebten und verehrten ManneS für die nächste Nummer vor. ' n"am Fürth 22. €ltr Am ». Oktober ist in Bad Reichenhau der bekannte Philantrop und Wohltäter, Geh. Hofrat Alfred Nathan, gestorben. Selbst von einfachster, schl chtester Lebensweise, streute er mit vollen Händen Wohltaten aus, verschönert? dos Stadtbild feines Wohnsitzes Reichenhall und seiner Geburtsstätte Fürth und gründete daselbst hervorragende Wohlfahrtseinricktungen. Er war Ehrenbürger beider Städte, besaß hervorragende Auszeichnungen von Jürsteu und gekrönten Häuptern; Prinzrcgenr Luitpold von Bayern überreichte ihm das große Bronzerelies von Htldebrand — eine Arttzelchnung, die nur den nächsten persönlichen Freunden des RegrNibN zuteil wurde. Tie Tagekblätter widmen dem Heimgegangenen und seinem menschenfreundlichen Wirken lange Nachrufeder „Reichenhaller Grenzbote" schließt den seinigen mit den Worten: „Nun wissen die Leser, warum die Stadt an seiner Bahre ri auert. Heute früh haben wir seine Leiche zum Bahnhof verbracht. Die Beerdigung wird in Fürth stattfinden. Der S.adrrat mit beiden Bmgermeistern, Bezirksnmtmann Bason Hornau und viele Beamte, Bürger und, was besonders ansprach, viele Arme gingen trauernd im Zuge. Auch die Schuljugend fehlte nicht. Veteranen-, Krieger- und sonstige Vereine erwiestn ihrem Ehrenmitglied die letzten Ehren mit Fahnen. Leichter Regen fiel. Die Berge, die er so sehr geliebt, trauerten. Die Sta^tkapelle spielte Trauermäcsche: die dumpfen Klänge der Trommeln begleiteten den Zug. Der Heimgegangene hatte sich alle äußeren Ehren verbeten und wollte still, wie er gelebt, begraben sein. In heutiger StadtratSsitzung wird der erste Bürgermeister dem stillen Dulder und großen Menschenfreund einen Nachruf widmen." Zürich, 22. Okt. In Zürich starb Herr David W e in is au w, Herausgeber und Redakeur des „Israelitischen Wochenblatts für die Schweiz". Die Redaktion übernimmt Dr. Erich Marx-Weinbaum, der Schwiegersohn bcS Verstorbenen, in Verbindung mit dem Begründer des Blattes. Rabbiner Dr. Litmann. Der Verstorbene war bekannt als ausgezeichneter Journalist"" und Novellist, dessen Erzählungen aus dem jüdischen Leben sich vielfacher Beliebtheit erfreuten. Er genoß in weitesten Kreisen der Schweiz großes Ansehen. N'2X2ki. Briefkasten. M. H. i« Rothenburg a. d. T. Wir bedauern ganz außervldeutlich, daß wir Preisermäßigungen, aüg sehen von denjenigen für Kultusbeamte, unter keinen Umständen gewähren können. Wir würden durch derartige Nachlässe die Existenz unseres Blattes untergraben. Unsere Abonnementspreise sind aufs knappste gemäß dem dringendsten Lebensbedürfnis deS Blattes bemessen. Dr. E. L. Bon Beleidigung oder gar beleidigender Absicht kann gar keine Rede sein. Im übrigen müssen wir dem Publikum gegenüber die Verantwortung für den Inhalt .der Anzeigen, noch dazu in solchen Einzelheiten, selbstverständlich adlehnen. E W. in Cl. Die Erklärung wird tm Namen des Wiinaer Gaon vom homiletischen Sammelwerke ra nyip im Kapitel zu xiwn'ß angeführt und sind wir nicht in der Lage zu beweisen, daß sie tarsächllch vom Gaon stammt. Sprechfaal. Die Not des Mittelstandes. Die öffentliche jüdische Meinung in Deutschland diskutiert zur Zeit über zwei wichtige Themen: über das Palüstinüprobl?rn und über die Not der jüdischen Gemeinden. So notwendig der Versuch der Lösung dieser beiden wichtigen Fragen ist, so darf man doch über dieselben nicht ein drittes Problem vergeffen, nach dessen Lösung meines Erachtens erst (soweit Deutschlarrd in Betracht kommt) erster« Fragen gelöst werden können. Ich meine die Not deS jüdischen Mittelstands Deutschlands, die Not der jüdischen Intellektuellen, der Gelehrten, Aerzte, Rechtsanwälte, Künstler usw., der kleinen Gewerbetreibenden und schließlich der Kranken und Rentner. Solange diese Leute, deren große Masse ja den jüdischen Dingen (also auch obigen Fragen) indifferent gegenübersteht, hungern, kann man sie für dieselben nicht interessieren, denn der Darbende denkt naturgemäß nur an das ihm zunächst liegende. Aber man wird ohne sie nicht aus kommen können, denn, leben sie auch kein posttiv jüdisches Leben, fo find fie doch, wir

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