Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4, Nr. iS übt . . . Er meint unter Berufung auf seinen alten „streng orthodoxen" Lebrer sehr geistreich, die Speisegesetze, auf hygienischen, ethischen und ästhetischen Gründen beruhend, bilden einen Staketenzaun, durch besten Lücken man allezeit durchschlüpfen konnte, im übrigen aber seien sie Scheidewände, die „die eigentlichen Aufgaben Israels erschweren," die darin bestehen, „die Religion -er Propheten, den Glauben an den Sieg der Wahrheit unter die Völker zu verbreiten". Also das alte Lied. Wir sagten ja, die Herren haben nichts gelernt und nichts vergessen. Mystizismus und Irrationalismus auf der einen Seite, hygienische, ethische und Vernunstgründe auf der anderen Seite! Und dies alles, für heilige Satzungen, die in der schriftlichen Lehre ihre Wurzel haben, in der mündlichen ihre Erörterung finden und im Schulchan Aruch als bindend und zu den Grundgesetzen des Judentums gehörig kodifiziert sind. Welch traurige Entwicklung, und wie erfreulich auf der anderen Seite, daß die jüdische Welt von der Ideologie der zum Tatendurst erwachten Liberalen so wenig Notiz nimmt! Sine Kundgebung des jüdischen Seamtenbundes. Man schreibt unS: Die Not der Zeit hat eine neue Organisation geboren! Der Verband der Jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, der Allgemeine Nabbinerverband in Deutschland, der Allgemeine deutsche Kantorenverband, der Israelitische Lehrerverein für Bayern und der Bund gesetzestreuer Lehrer haben sich unter dem Namen „'Jüdischer Beamtenbund" zu einem Dachverband mit dem Sitz in Frankfurt a. M. zusammengeschlofsen. Die quälende Sorge um den Fortbestand der kleineren und mittleren jüdischen Gemeinden in Deutschland und die zwingende Notwendigkeit der Selbsterhaltung haben alle jüdische Beamten und Kulturträger zu dieser außerordentlichen Tat geführt. Angesichts der furchtbaren Tatsachen, daß eine Reihe der ältesten und besten jüdischen Schulen, aus denen jüdisches Leben für zahlreiche' Großgemetnden und die eigenen Gemeinden gequollen ist, eingegangen ist und andere vor der Auflösung stehen, daß die Mehrzahl der jüdischen Landgemeinden teils aus wirtschaftlichem Unvermögen, teils aus Leistungsunwtlligkeit sich außerstande erklärt, diefür die Erhaltung der Synagoge und Schule unbedingt erforderlichen Mittel aufzubringen, daß ferner die jüdischen Lehrerseminare, eben weil der liegen. Auf der Zitadelle ist zweifellos der Platz des alten Turmes Antonia zu suchen. Nabe dem Turm „Davids" ragte der große Palast des Herodes, von dem heute keine Ueberbteibfol mehr melden. Wir wissen jedoch, -atz er einst sehr ausgedehnt gewesen sein mutz, mit ungeheurem Luxus ausgestaltet, geschmückt mit prächtigen Bildwerken, die Gärten erfüllt mit Bäumen und Blumen, Kanälen und Zisternen und Springbrunnen, «deren Wasser aus Siaruen von Bronze und Silber rannen". Mehr als hier, ist man in der Rekonstruktion der alten Stadttore vorwärts gekommen, so besonders des IaffaloreS, durch das alle Pilger, die von Jaffa kommen, nach Jerusa!em einziehen. Schwterigrr als am Jaffatore ist die Rekonstruktion an dem Damaskus-, St.» Stesanus- und Herodestor, an denen jedoch die Arbeit schon so weit vorgeschritten ist, daß binnen kurzem diese alten historischen Bauten ihre geschichtliche Form besitzen werden. Auch die anschlietzenden Wälle erstehen bereits wieder, so daß die innere Stadt in naher Zeit schon ein den alten Formen ziemlich ahn. licheS Bild geben wird. Wo einst der Tempel ragie, steht heute die Omarmoschee, eines der prachtvollsten mohammedanischen Heiligtümer. Die Arbeiten der Gesellschaft zielen darauf ab, alle historischen Stätten des Bibelberichtes möglichst freizulegen. Freilich liegen die modernen Straßen auf einem höheren Niveau als vor 2900 Jahren, zum Teil ist der Unterschied fünfzehn bis zwanzig Meter, so datz die Wegräumungsarbeiten ganz gewaltige Erdbewegungen erfordern. Doch verspricht das kolossale Unternehmen reichen Lohn. Die RestaurierungSarbelten, mit sehr großen Geldmitteln betrieben, werden natürlich mit großer Vorsicht und wissenschaftlicher Genauigkeit geführt. Gelehrte ersten Ranges wirken daran mit. i Ser I-raeltt. Lehrerberus niemand mehr anlockt, aus Mangel an Schülern ihre Pforten schließen, es also auch an Lehrern fehlen wird, ist es unabweisbare Pflicht, jedes seiner Verantwortung bewußten Juden, alles aufzubieten, was in seiner Kraft steht, um den fortschreitenden Ruin des deutschen Juderrtums aufzuhalien. Nicht minder gilt es, diejenigen Persönlichkeiten, welche das Rückgrat der jüdischen Gemeinden bilden, die Beamten vor dem Untergang zu bewahren. Aus den Veröffentlichungen der jüdischen Organisationen und Standesvertretungen ist in den letzten Wochen genügsam bekannt, wie trostlos die Lage der jüdischen Beamten ist, in welche katastrophale Entwicklung viele Gemeindenangestellten, Lehrer und Kantoren infolge der Geltentwertung geraten sind. Drr Durchschnitt der jüdischen Beamten bezieht noch gegenwärtig ein Jahresgehalt, welches dem Arbeiter, Handwerker und kaufmännischen Angestellten für eine einzige Woche oder. höchstens für einen Monat als Existenzminimum zusteht. Hier muß schleunigst eingegriffen werden, ehe es zu spät istdenn bereits haben viele der vorzüglichsten Kräfte, um nicht dem Bettelstab zu verfallen, dem liebgewonnenen Amte den Rucken gekehrt und sind zu den freien Berufen übergegaugen, während andere zu entwürdigenden Nebenbeschäftigungen gegriffen haben, die dem Hauptamt zum Schaden gereichen. Darum wird es die vornehmste und wichtigste Aufgabe des Jüdischen Beamtenbundes sein, den Mitgliedern der ihm angeschloffenen Verbände gesicherte Reckts- und Besoldungsverhältntsse zuverschaffen, welche denen der Reichs-, Staats- und Gemeinde-- beamten entsprechen. Der J.B. B. wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den Beamten in ihrem schweren Kampfe um Sein oder Nichtsein beistehen und wird dieses Ziel möglichst durch Verhandlungen mit den Retchsbeh'örden, den großen jüdischen Organisationen und Gemeindeverbanden zu erreichen suchen. Keineswegs kann und darf durch Notstands-' aktionen und Sammlungen, mögen sie noch so gut gemeint sein, durchgreifend geholfen werdensie sind nur ein unzulänglicher Notbehelf für den Augenblick und verletzen die jüdischen Beamten aufs tiefste in ihrer Standesehre und beeinträchtigen sie in ihrer sozialen Stellung. Wirksam geholfen werden kann nur durch rechtlich gesicherte Anstellung und wirtschaftlich auskömmliche Besoldung der Beamten, nicht aus Mitleid und Erbarmen, sondern aus der sittlichen Pflicht, aus Gerechtigkeit und aus dem Gefühl der Verantwortung. Der I. B. B. hofft zuversichtlich, bet den jüdischen Organisationen und Gemeinden soviel (Auch ein Stück Assimilation,) Wie bekannt, sammelt die sogenannte Christian Science (Christliche Wissenschaft) in Amerika Hunderttausende um ihre Fahnen. Nun bat sich ein spekulativer rabbinischer Kopf, Moritz Lichten stein, gefunden, der nach diesem Muster eine Gesellschaft für „jüdische Wissenschaft organisiert hat. Unter der „jüdischen Wissenschaft" ist aber in diesem Falle weder die überlieferte Thorawissenschast zu verstehen, noch das von Zunz und seinen Nachfolgern geschaffene Gebilde, sondern vielmehr eine Art von Mystizismus, der es insbesondere auf Kranker Heilungen und ähnliche Dinge abgesehen hat. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß eine große Reihe von chasstdischen Rabbis heute in Amerika in denjenigen Kreisen starken Zulauf findet, in denen das Gefühl für echtes Judentum noch nicht ganz erstorben ist, so kann man annehmen, daß die weiter linksstehenden Kreise, deren Bedürfnis nach Uebersinnlichem doch durch allen Materialismus immer wieder htr.durchbricht, sicherlich in ziemlich starkem Umfang dem Ruse LichtensteinS Folge leisten werden. Traurig genug, daß weite Kreise deS jüdischen Volkes sich mit derartigen Surrogaten abspeisen lassen und aus zerbrochenen Zisternen — wie vor Jahriausendin — vergebens lebendiges Waffer zu schöpfen suchen, das ihnen aus dem sprudelndeu Quell der jüdischen Ueberlioferung zu Gebote stände — wenn sie lernen wollten. (Ein nachgelassenes Werk von Herm. L. Strack.) Aus dem Nachlaß Prof. D. Stracks erscheint demnächst bet Beck in München ein Kommentar zum Neuen Testament auS Talmud und „Midrasch", dessen erster Band dem MathäuS-Evangelium gewidmet ist. Strack hat h!er gemeinsam mit dem belesenen Paul Billerbeck, gefördert durch Geldzuwendungen religtonS- __SS Oktober 1388 gerechtes Verständnis für seine lebensnotwendigen Forderungen zu finden, daß er niemals in die äußerste Lage komme, die breite Oeffentlichkeit mit den innerjüdischen Fragen zu befassen oder gar zu Zwangsmitteln wie der Stellensperre u. a. seine Zuflucht zu nehmen. Auf dem friedlichen Wege sachlicher Verhandlungen und über, zeugender Vorstellungen wünscht der I. B. B. vorwäts zu schreiten und den in ihrer Existenz bedrohten jüdischen Gemeinden und Beamten in gleicher Weise zu dienen. Lomrpontlenre« «. nac&ncbten. JE. ft* Qu WM>M! Deutsches Reich. Sur INsnosverlorgung. Arankfnrt a. M., 22. Oktober. Wie unsere Leser aus der im Inseratenteil abgedruckten Bekanntmachung der Mazzosbäckereten Deutschlands ersehen, sehen sich die Bäckereien angesichts der kaum erschwinglichen Mehlpreise gezwungen, schon jetzt Vorauszahlungen auf die Bestellungen von Mazzos zu beanspruchen, da sie sonst nicht in der Lage sind, das notwendige Anlagekapital auszubringen. Die Bestellungen auf Mazzos werden bis spätestens 1. Dezember gleichzeitig mit einer Anzahlung von Mk. 150 auf jedes Pfund Mazzos oder Mazzos. mehl erbeten. Die Festsetzung der Preise selbst, die heute noch nicht möglich ist, soll im Januar von einer durch die Bäckereien einzusetzenden Kommission erfolgen. Wir möchten anregen, daß die Bäckereien, um jede Mißstimmung zu vermeiden, die Freie Vereinigung um die Ernennung von S Mitglübern als Sachverständige ersuchen, die in der zu schaffenden Preisfestsetzungskommission mit. wirken und dem Publikum eine Gewähr dafür bieten sollen, daß keine über das notwendige Maaß .hinausgehende Preissteigerung eintrttt. Eine derartige Regelung dürfte im allsettigen Interesse liegen. „(Monismus und üudenheif." Berlin, 22. Oktober. Unter dieser Losung veranstaltete -^„Vereinigte Berliner Komitee für zioni. geschichtlich interessierter Amerikaner und Engländer, aus Talmud und Midraschim, aus Philo und Flavtus Zosephus, aus den Apokryphen und Pseudevtgraphen, alle Mitteilungen zufammengetragen, welche die den Urchrtslen zeitgenössische Judenheit beleuchten. ES darf vermutet werden, daß Strack für diese großangelegte, auf vier Bände Lexikonoktav berechnete Publikation, wie schon für die völlig umgearbettete fünfte Auflage seiner viel benutzten „Einleitung in Talmud und Midrasch" entscheidende Befruchtungen bei seinem Aufenthalt unter den Ostjuöen deS tm Kriege besetzten Gebietes empfangen hat. Bewundernd sah hier der Forscher das alttestamentliche Altertum lebendig, ein nur hier zu beobachtendes Kontinuum, das nach seinem eigenen Wort durch kein Bücherstudium ersetzt werden könne. Sabbat-Mlang and Mzgaig. nj rpy- ■* Ortr Anfang Uhr>Mtn. D. W22 atnm! 5683 AuS Mrf gang Rin. Frankfurt a. M. 4 45 28. 6. 6 Berlin .... 4 45 Okt. cheschwan 5 80 München . . . 4 50 5 43 Cöln. — — - - Stuttgart. ,. . 5 - 5 53 Breslau . . . — - — - Nürnberg. . . 4 4V 5 41 Ha«Snra - - - -