Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gei;- 3 fix, 48 Der MrsrMdarf sich nicht als das Ideal betrachten. Der Ü'ÜN steht höher,* aber d'öD irm wird wft nach Erfüllung eines „Zeremonlalgesetzes" erfüllbar! Eine Weltanschauung also, die etwa die Selbstbeobachtung als verwerflich betrachten würde, könnte mit der jüdischen niemals eins werden. Ich fürchte, daß dies für die antk-inbividualistlsche Richtung des heutigen Sozialismus zutrifft. Eine nur auf Selbstbeobachtung constituttv und ausschließlich sich auf-- bauende Ethik führt ebensoweit vom Wege des Thoragesetzes und von der nur auf ihm erreichbaren Wahrheit fort; dies trifft, wie ich fürchte, auf jede autonome Ethik (-, auf jede nur an das Gewiffen appellierende Sittenlehre) zu. Das Tun und Lassen des Einzelmenschen, der Gottes Wahrheit erkennen will, soll nicht vom eignen Gewissen und nicht von einer Unterschätzung der -eigenen Persönlichkeit geregelt werden, sondern von Gottes Gesetz, mit bewußter Verleugnung jedes sonstigen Gesetzgebers in der Welt oder im Geiste. Also ist der Men sch, als das bewußt denkende und wollende Wesen, das Idealbild der jüdischen Weltanschauung, die Krone der Schöpfung. Pope sagt: An honest man the noblest work of God. Diese honesty verliert den peinlichen Beigeschmack des alltäglichen Spirßbürgeriums, wenn eine bewußte stündliche Selb'stwcckung, in Gestalt eines „Zerenrontalgesetzes", in Gestalt des ganzen Thoraübens hinzutrttt. 3. Es reizt uns, die Befolger des uns offenbarten Gesetzes, zu erfahren, weshalb dieses Gesetz nur uns offenbart istaber wir fragen nicht: Weshalb sind wir diejenigen, die es erhielten? Wir fragen nur: Wie ging es den Andern verloren? Denn alles Vorhergesagte gehört so sehr zum selbstvrrftändlichen Gedankenbestund der jüdischen Denkenden, daß es uns im Gegenteil ein Rätsel bleibr, wie es möglich war, daß die übrige Menschheit in so vielen Dingen mit uns nicht eines Sinnes ist. Wie es kommt, daß der Mensch lernen kann, das finden unsere Weisen nicht der Frage wert. Wunderbar erscheint es tönen im Gegenteil, daß das Kind, — daß selbst das jüdische Kind nicht mit dem Wissen der Thora zur Welt kommt. (Ein Engel, so sagen unsere Weisen, schlägt dem Kinde bei der Geburt auf den Mund, und deshalb vergißt es die Thora, deren Kenntnis in der Seele von Anbeginn war). Me konnten Generationen vor min jnü bestehen? Auch das ist eine Frage, die das landläufige Denken nicht lösen kann, denn dieses stellt die Frage anders herum: Wie kam die Gesetzgebung zustande? Das ist das Rätselraten der auswärtsschwärmenden Entwicktungstheore- Vom Zweck und von der Bestimmung des Menschen-Daseins.*) rv. Die Freude im Beten. Rabbi Mosche Hachassid klagt in seinem Jgereth Mussar Scholem darüber, daß sich der Mizwohtat das Irdische und Körperliche mit Zentnerlast anhänat und ihren Schwung hemmt. Wir aber sollen durch die Freude an üerMizwoh allsrr hemme«' den Ballast abwerfen. „Sckelob" übe-liefert einen Ausspruch des „heiligen Ari" <R. Izwak Lurja), wonach ibm all das Wissen um die höchsten und heiligsten Dwge nur mittels der endlosen Freude au, Gebete und an jeder Mizwohhandlung geworden ist. Das Thorawort niSöV rws wird dahin gedeutet: Zerstoße (schalle aus) den Körper, daß die Seele un- *)Aus„Nehaurohascho!em" zum Gebetbuch ..Tefillas Jeschorim" von Joiesben Abraham Alexander, Rabbiner zu Dorbian, (Warschau L6L8). tiker. Her jüdische Gedankengang antwortet auf obige rlchlg gestellte Frage: Die min war von Anbeginn ’D~n rmn 'rrl Die Menschheit ging den Mg der Schöpfung/ die Schöpfung aber unterliegt dem Gesetze des ewigen Sichauflösens, der ..Entropie^. Damit sind alle Systeme, die auf der allgemeinen Entwicklungslehre basieren, als unfähig erwiesen, die Notwendigkeit des Eutartens der Menschheit und der heilenden Eingriffe Gottes in das Weltengeschehen zu begreifen. Der vom Irdischen sich durch seinen Willen ausnehmende Mensch allein, und auch dieser nur, wenn er Gottes Gesetz zum Maße seines Willens setzt, kann den Weltenverfall überdauern. Im Kampfe mit diesem über kommt ihn olt genug rrm? die Demut, eine der letzten Vorstufen zum LN1PN ITH, dem alles Geheime offenbar wird. Und in solchen Erleuchtungsnromrntcn allein verkündigt ihm Gott das Gesetz für ihn und sein Volk. 4. Was gegenüber diesem Ideale der passende Name für jede Begeisterung ist, die eine andere Urache hat als den Willen zur Allstündiichkeit der Gesetzesbefolgung, das möge nicht über unsere Lippen kommen DHriK DTOK TB^PöW'^rrsTn-.— Wohl mag sich aus diesen Forderungen die bange Frage ergeben: Müssen wir also jedweder menschlichen Regung des Gemüts als solcher mißtrauen? — Das müssen wir nur, wenn wir nicht die Gesetze kennen, in denen nach dem Willen des Schöpfers unsere M§e!e ihr Leben verlaufen lassen soll. Die Weil stacht deHOottsucher fremder Völker wird uns auf diese MelmT’ Eine Lebensregelung durcss^U-?" ist allein imstande, dem Befolger ^ev Gotteswortes das Leben lebenswert zu machen. Der Inhalt dieses Gesetzes muß von Gott selber als von dem einzigen vollendeten Kenner und Beherrscher befohlen, und von vollauf zu seiner Befolgung' stündlich bereiten Menschen Menschen gelehrt und vorgelebt werden. Wo eine unbewußte, nicht herleitbare Gemütsregung das Gesetz gibt, da ist Gott iOp 's* „eifervoll". Wir haben die Persomnqesta ten der polytheistischen Götterkulte als Verkörperungen von Schöpfungsgewalten (Gewitter, Sonne,Tod u.dgt.) und Gemütsregungen (Fortpflanzungstrieb, Sättigung, Rausch udql.) aufzufaffen, die das Walten des Willens und Bewußtseins hindern oder erschweren. Jede nicht notwendige -Berührung mit ihnen haben wir als eine Lähmung der allstündlichen Willenstätigkeit zu meiden. So begreifen wir nicht nur die große und mächtige Kampfaktion der Thora und des Prophetentums gegen die Vielgötterei, sondern gehin der! und unbeschwert von des Lebens Lasten leuchte . . . Es ist lief bedauerlich, daß nur Wenige dieses fertig bringen. Daher das gedankenlose Beten bet den meistender nicht in die Schranken gewiesene Körper verdrängt die Gedanken, die Ausstrahlungen der Se--le sind. Würde dies allein nur an der menschlichen Ober fläch: ichkeit liege«, so würde man doch zumindest die Gebete um Nahrung, Leben usm. mit großer Andacht verrichten Die Erfahrung kehrt aber, daß sich selbst bet der Bitte um die ureignen irdischen Anlieger nicht immer die Inbrunst emstellt, woraus doch zu ersehen ist,- daß hier schon mehr die „Krankheit der Verkörperung" vorliegt. Um Heilung von dieser bösen Krankheit sollten wir noch mehr flehen, als um Genesung von organischen Leiden. „Art" verbietet auch, in Trauer und Trübsinn seine Gebete zu verrichten, etwa wie ein störriger Diener, der verdrossen, mit finsterer Miene fetmn Herrn bedient. Nur das Licht der inneren Freude auf unserem Antlitz zieht das höhere göttliche Licht magnetisch auf uns herab. Die Freudigkeit des Gebetes schließt aber keineswegs die Demut aus, nicht einmal die Zerknirschung be m Bekennen der Sünde. Mit gehobenem Sinne spreche man aber gleich darauf vom Vater der „reich ist im Verzeihen"'. Von nichts, nicht einmal vom Sündenbemußtsein lasse man sich während des Gebetes Niederdrücken. Wer beispielsweise die Sätze betet: „Ich liebe Gott mein Leben lang" oder: „CS freut sich Israel mit seinem Schöpfer" und empfindet dabei nicht die wahre Freude, hat lügnerische Lippenworte gesprochen. Wie könnte man etwa Andere auffordern: „Lobet seinen heiligen Namen" und dabet sich finster in seine kleine Lebepsnot versenken? Könnte der Sohn den Ruhm und die Größe des Vaters in die Lande künden, 26 Oktober 1811 auch ihre Gesetzesfehde gegen jede Erinnerung des Menschen an sein tatsächliches Unterworfensein unter manche dieser Mächte, z. B. die Thoragesetze, die den Berauschten, den vom Toten Kommenden und die Unreinen vom Heiligtum ausschlleßrn, sowie auch das Gebot des Tischgebets und die rabbintschen Gesetze des Waschens nach dem Schlafe und des Segensspruches über das Genießen der Schöpfung und über ihre Erscheinungen, sowie endlich die Festlegung der Gestalt des Gebetes durch die iHHH fiDM) UWK, die, indem sie selbst die edelsten Gedanken des Alltagslebens regulierten, den Trieb zu fremden Kulten „töteten", wie die sntM uns es schildert. 5. Erft wenn wir alles das von uns abgewrhrt haben, was diese Gesetze abwehren wollen, haben wir die Aussicht, die Grundlehren unseres jüdischen Gesetzeslebens zu erahnen. Es mag sein, daß sich dabei weitere Verneinungen und Abwehrungen ergeben und daß die Frage laut wird: Was ist der gerade Weg zur Erkenntnis, den zu gehen positiv von uns verlangt wird? Tie Antwort darauf zu geben, ist die Aufgabe der Schriften unserer Heiligsten und Reinsten, um deren engere Gemeinde, die wahren Ö^Tan, auch in diesen Blättern ein Sturm des Wortstreites geweht hat. Wir wollen, im Sinne anfangs erwähnter Demut, eingestehen: Zwischen uns ist noch kein wahrer YDPI gediehen / und was man nicht mtterlebt, sondern höchstens einmal so vom Marsch aus gesehen hat, darüber soll man nicht streiten. Die Zeit dazu müßten wir uns stehlen; wir benötigen sie dringender zur Lösung aller der in dieser Abhandlung gestreiften Vorfragen. B. C. KoHenmndschau. -» 25»S.' M„. Wir haben mehr zeucht, wonach düng aus^Bratislava .. -{ainmtitjn tschecho- 6c fL Je; * Abw-hrmaßreg-ln!>Ek,schen Rabbinen >^-r^ch;smus beraien g'gen Zionismus und beschlossen und „recht einschneidende" Matzno,i. M#e. haben sollen. Ein- V-roffmilirS^Lj Erfolgt, faßten Beschlüsse ist bisher deshalb: W,-ner weil, wie wir der letzten Nurmne:.^ „lanb-n „Md. Presse« -»tmhmnt zu dürs>, ^schlüsszunächst die interne Wirkung diese._ wgbbinen im Kreise der in Betracht kommenden^ Lebens und sonstigen Funktionäre des religiösen abgewartet werden und jede unnötige mittierung von Personen vermieden werde. ihm zu ohne selbst voller Freude und Vertrauen zurklindung blicken? Daher muß die innere Freu».e bei Be^, daß sie des Gotteslobes so stark und überragend setr der Seele wie eine Sonne in alle Ecken und EndeMgyh TrübbirreirileuchteL und j.de Spur von Kleinheit^ sinn verscheucht. (Fortsetzung folgt.) Die Mnschenschöpsung und^ AalrrrwUensHast. Von San.-Rat Dr. A. Etern in Frankfurt a. In Nr. 42 des „Israelit" hat Herr Dr. Weinberg auf einen traditionellen Irrtum in Uebeü setzung und Deutung der Stelle in n'ivsi2 aufmerksaH gemacht: vmj&üö nns Npv. Die Stelle übersetzt ZM Ansicht nach S. R. Hirsch yjft richtig: „Er mJ&äufige von seinen Setten", nicht „Rippen", wie die londj^rbau,/ UKeretzung lautet. Danach fand bet dem „Au»,Wei der ns p’l) die körperliche Teilung der mn<- Grundwefensarien des bisher vereinigten „MevschW.^ (aisn "ns si2'i) statt, der schon bet seiner ersten Btldu^, in seiner Doppclberufung als Mann und Frau schaffen war (ers K12 nspn -ist). Schon^vorher (Kap. Bers 7) heißt es nsnL'v mit doppeltem „r woraus die Weisen (nach Hirschj'aufein Mehrfach^ und eine Doppelbildung im Menschen schlieU (Ewiges und Bergang'iches — Irdisches und Himu!