Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum i" _ “ om Sk. Lehmann in IDainz , . -emä _ . B m a 26. Oktober 1922 63. Jahrgang. «8© SranMurf a. ffl.. Sei, 4 Marcheschwan 6683 SBS M ** Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland sür das vierte Quartal — vorbehaltlich monatlicher Teurungkzuschläge — M. 60.— Grundgebühr. Oktober M. 30.— TerrrungSzrrfchlag. Tschecho. Slowakei Kr. 15.—, Ungarn Kr. 150.—Viertels., Deutsch Oesterreich M. 120.—, Pole« (nur in deutscher Reichsmark) M. 160.— Viertels., Rnmünie« 18 Lei, Holland fl. 1.25, Skandinavien Kr. 2.50« Schweiz fS. 1.80, Frankreich und Belgien Fr. 6.—, England 1 ah. 9 p., Amerika 0,50 Dollar vierteljährlich. Einzelnummer 8.— Mk. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate Mk. 25.—. für Stellensuchende Mk. 15.sür die sechSaesv.Col.-Z. elnschl.TeuergSzschl.; AnLl.-Zns. Mk 100.- pro Zeile. RaS. «.Tarif. Bei lans.Jnseratanstr.tarifm. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnseratenonnahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt aM., Gr. Eschenheimerstr. 23, Tel. 5848, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Plachvorfchrifte« ohne Berbindlichkeit. Z ah lnngen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19 808 — erfolgen an: Postsparkasse Wie» No. 70 «05 Postsparkoffenamt Budapest No. IS 4S4 Postscheckamt Zürich Nr. YI1I 7854 Postscheckamt Amsterdam No. 84 860 Böhmische Uuionbank in Prag W Banen JHarmaroscb Blank & Co. in Bneareat Filiale des Wiener Bankvereins in Agram Der NsckSruck der Urlilie! und Correlpondenjen des //Israelit'1 if! nur unter genauer Quellenangabe, und, lowsll es fleh um größere Ruffäfie handelt, nur nadt vorheriger Genehmigung getfattet. Bücher-Preise. Im Einklang mit den Bestimmungen des Börsenvereins der deutschen Buchhändler sctzen wir sür unsren Buchverlag Grundpreise fest, die mit der vom Börsenveretn jeweils nach dem Stande der Geldentwertung festzusetzeuden Schlüsselzahl zu multiplizieren sind. Bis zum 1b. Oktober betrug die Schlüsselzahl 80. Bei einem Grundpreise von beispielsweise Mk. 2.50 war also der Ladenpreis eines Buches Mk. 200.—. Für die Zeit vom 15. bis 31. Oktober ist die Schlüsselzahl auf 110 festgesetzt. Die Grundpreise find folgende: brofch. geb. Lehmann, Samuel danaglst . . . . 1.50, 2.50 Scbacbnowitz, merelaika * . . . 1.50, 250 LiMmenrehen. . . . 1.50, 2 50 llenrettr Im Hudmtaat der Cbasare» .... (vergriffen) 1.50. Irrdikur, Oer Baalsefmn m m icbehtadt 1.90, 2.50 2.50 Ausland: Westländer 200% Tschecho-Slowakeii20°/o, Rumänien 100°to Valutaznschlag. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag zuzüglich Bersandspesen ünter Nachnahme. Frankfurt a. M., den 16. Oktober 1922. Verlag des Israelit G. m. b. H.?kämirn fQr I sraelit-Abonnenten. S. K. Kirsch, Urrsnchr über Isrorl» Psiichte« i« der Zerstreuung geb. Statt Ladenpreis Mk.84v.— s. Israelit-Abonnent. nur Mk. 600.— K. U. Kirsch, Israels Gebete geb. Statt Ladenpreis Mk.gOO.— f. Israelit-Abonnent. nur Mk. 760.— Versandt unter Nachnahme des Vorzugspreises znzügl. Kosten sür Porto und Verpackung. Valutazuschlag fürs Ausland wie beim Buchverlag. Frankfurt a. M., den 16. Oktober 1928. Verlag des Israelit G m. b. H. C?Ste in der Rosch-haschono-Nmnmer zum 15. Oktober angekündigten Abonnements-Nachnahmen gelangen diese und nächste Woche zum Versandt. Wir bitten wiederholt und dringend um prompte Einlösung. Inzwischen ist der Teuerungszuschlag der Druckeppien am 9.Oktober von 18 00« °lo auf86 000 °/o erhöht worden. Wir werden den dadurch bedingten Zuschlag in der zweiten Hälfte Dezember mit den etwaigen Zuschläge per November-Dezember nacheryeben. Frankfurt a. M., den 16. Oktober 1928. Verlag de« Jrraelit G. m. b. H. Juhaltsüberficht. 1. Leitartikel: Vorfragen jüdischer Weltanschauung. — 2. Homiletik: Vom Zweck und von der Bestimmung des Menschen-Daseins. — 3. Kleines Feuilleton: Saniiatsrat Dr. A. Stern, Frankfurt a. M.r Die Menschenschöpfung und die Naturwiffenschaft. — Die Wiedererrichtung Alt-Jerusalems. — (Auch ein Stück Assimilation). — (Ein nachgelassenes Werk von Herm. L. Struck). — 4. Wochenrundschau: Der Schofar-Ruf von Bratislava. — „Reform der Speisegesetze": — 5. Aufsätze: Eine Kundgebung des jüdischen Beamtenbundes. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Zur Mazzosverforgung) — Berlin („Zionismus und Judenheir". — Berlin (Ein Wahlkompromist?) — Breslau (Eine bewegteRepräsentantenversammlung). —Warschau (Gestörtes Kolntdrt-Gebet) — Warschau (Aus dem Lande des Hungers). — Warschau (Rabbi - Jehuda talevk Segalt d'Ur. — Warschau (Waisenfürsorge). — ublin (Sine zerstörte jüdische Gemeinde). — Riga (Die Wahlen zum Landtag). — Moskau (Der bolschewistische Kampf gegen die Religion). — Athen (Die Katastrophe in Kleinasiev). — Jerusalem (Brief auS Jerusalem). — 7. Personalien.— 8. Briefkasten. S. Sprechsaal. — 10. Frankfurter Berichte. — 11. BeretnSkalender. — Gebetzeiten. — 12. Feuilleton-Beilage: Der Judith vom Jüdenhos — Litauen. — 13. Vermischtes. — 14. Blätterbeilage: Einberufung des Generalrates der Agudas Jtsroel. — Für die Opfer der Hungernden in Rußland. — Ein großer Erfolg der Aguda in den Chederfragen. — Palästinaschau. — Ortsgruppe und Weltorganisation. — Die soziale Tültgketr der Ortsgruppe der Agudas JiSroel in Wien. — Aus der Bewegung. — Sprechsaal. — Personalien. — Spendelisten. Vorfragen jüdischer Welianschauuns. 1. Wir stehen vor der Tatsache, daß die Thora in erster Reihe ein Gesetz des Lebens zu sein, und nur kurz und andeutungsweise theoretische Weltanschsuungsfragen zu beantworten scheint. Unseren Weisen waren selbst diese Andeutungen nicht kurz genug. Warum — so lautet '“tn am Anfänge von mftOa, also das erste „Rabbintsche", das unsere Jüngsten lernen, — warum fängt die Thora nicht beim Pefsachopfergebot, dem ersten der gesetzlichen Teile an? Wir fragen vielleicht umgekehrt. Weshalb gibt die Thora uns so vielerlei Gesetze, deren theoretische Grundlage sie nirgends auch nur andeutungsweise erörtert? Es bleibt nichts übrig, als seftzusteüen: Die gesetzliche Lebensweise, welche die Thorafordert, ist der Weg zur Erkenntnis ihrer Grundlehren, den wir beschretten müssen. Ist dieser Weg unfehlbar? Das sollte er. .sein. Aber der Mensch kann irren. Es muß ' also angenommen werden: Ein Mensch kann alle Gesetze der Thora infolge sorgfältiger Erziehung, Seibsterziehung und Selbstbeobachtung stets befolgt haben, und es kann, trotz so vieler Mühe und Folgsamkeit, und infolge menschlichen Irrens das Denken zu einem Denkergebnis kommen, das nicht mit den Grundlehren der Thora sich deckt. Ist dann alle Mühe umsonst gewesen? Wohl nur dann, wenn sein Irren so weit geht, daß ihm nicht die Bescheidenheit ols Grundforderung des jüdischen Lebens und Denkens klar geworden. Wem aber diese fehlt, der dürfte wohl mit keiner Weltanschauung Frieden schließen, wer sie hat, dem ist zu helfen. Es ist aber auch schon das undenkbar, daß ein Mensch alle Gesetze befolgt, die ihn betreffen. Schon hier steckt der Anlaß zu Denkfehlern. Hieraus ergibt sich die Frage: Ist der Weg zur Erreichung der jüdischen Weltanschauung, den die Thora in Gestalt ihrer Gesetze weist, nicht angesichts der menschlichen Unvollkommenheiten einfach unbeschreitbcrr? Er wäre es, wenn die Gedanken, welche uns der Weg der Gesetzesbefolgung näherbringen soll, nur sür den erreichbar wären, der jedes der Gesetze ausgeführt hat, und ein Jeder, der es übertreten oder vernachlässigt hat, auf die Hoffnung, zu jenen Gedanken zu gelangen, verzichten müßte. Das heißt: wenn jede Sünde eines Menschen unfehlbar die Ausschließung des Sündigenden von der geistigen Vervollkommnung nach sich ziehen würde. Hier ist die Frage, auf welche der rDltMV Gedanke antwortet. Die grausame Tragik des irdischen Geschehens müßte den Menschen unfähig zum Erfüllen seines höheren Berufes machen. Aber das überirdische Walten Gottes hält den menschlichen Willen aufrecht und verbürgt auch dem, der Verfehlungen begangen hat, die Möglichkeit des Wiederetnfahrens in den Weg zur wahren Erkenntnis. 2. Die Eigenschaft des Thoragesetzes, welche es von allen anderen Gesetzen unterscheidet, ist die, daß es kein Gebiet des menschlichen Lebens gibt, in welches nicht seine Regelung bis ins Etnzelste sich erstreckt. Die nächste Folge dieser Gesetze muß also eine allstündliche Selbstbeobachtung sein. Diese wird also höher bewertet als das Leben des „reinen Toren", der unbewußr Böses meidet und Gutes tut. Auch letzterer wird, als an, nicht verachtet. Aber er 5841