Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1922)
- Date
- 1922-10-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kt. 43 ttettc 5 ml Lki.b« Der HA-caeltt. DaS istunrichtig. Vielmehr weist die Regierung ausdrücklich darauf hin, daß bei der Berteilung der Beihilfen diejenigen Gemeinden, die sich dem Landesverbände gefetz es treu er Gemeinden (Sitz HalberstadY angeschlossen haben, genau in derselben Weise berücksichtigt werden, wie die Mitglieder -es von Berlin aus geleiteten allgemeinen Landesverbandes. Es ist bedauerlich, daß die Berliner jüdische Gemeinde auch bei dieser Gelegenheit sich wiederum bewogen gefühlt hat, in wenig loyaler Weise den Schwrsterverdand totzuschwriqen. Es wäre eigentlich Aufgabe der Presse, den Berliner Gemeindevorstand darauf aufmerksam zu machen, ^aß die Methoden konkurrierender Geschäftssirmen zweiten Ranges im jüdischen öffentlichen Leben wenig angebracht sind. 2)35 ReidisftfiufsefeB Merlin, 14. Oktober. Der Reichstagsausschuß für Bildung?wesen, der nach langer Pause die Beratung über das Reichsschulgesetz wieder ausgenommen hat, faßte in seiner letzten Sitzung einen für die Entwicklung des jüdischen Volksschulwesens äußerst bedeutjamen Entschluß. Nach dem Regierungsentwmfe sollten in Deutschland wohnende Ausländer nicht als Erziehungsbcrechngte im Sinne des,Gesetzes gelten, sodaß also bei dem Antragsversahren zur Errichtung von jüdischen Bekenntnisschulen beispielsweise die Ostjuden in den Großstädten garnicht mitgezählt hätten. Mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums ist nun beschlossen worden, diese einschränkende Bestimmung des Entwurfes zu streichen. Damit eröffnen sich, wenn die Bestimmung auch in den weiteren Stadien de.r Beratung aufrecht" erhalten bleibt, dem konfessionellen jüdischen Volksschulwesen in größeren Gemeinden weit günst'gere Aussichten. Erfreulich >st auch, daß der Ausschuß bet dem Antragsverfahren die Ellern auch solcher Kinder einbezogen hat, die innerhalb von ö Jahren volksschulpfltchtig werden. Die beflraffe SeierfaflsfieiliQung. Dresden, 10. Okt. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Dresden unter dem 4. Oktober geschrieben: Die von den „bürgerlichen« Parteien befehdrte und verfassungswidrige Verordnung des sächsischen sozialistischen Kultusministers Meißner, wonach es Schülern verboten tu, an staatlich nicht anerkannten Feiertagen dem Schulunterricht fern zu bleiben, hat bereits ihre Opfer gefordert. Drei israelitische Schüler des Döbelner StaatSrealgy * nasiums sind mit Karzerstr äsen belegt wsrden, weil sie entgegen oer genannten Verordnung des Kultusministers am jüdischen Neujahx^ftste der. Schule ferngeblteben waren. (Siehe Lettaitikel). Klanen. Die lifauifdien Sejmroahlen. Ksrvno, 12. Oktober. Zu den bevorstehenden Sejmwahlen hat die Achduspartet (Bereinigte Orthodoxie) eine eigene Liste aufgestellt, die mit den Listen der übrigen jüdischen Partein offiziell verbunden wird. ES ist dadurch einerseits vermieden, daß jüdische Stimmen verloren gehen, während andererseits der Wahlkampf von jeder Partei selbständig, unter Betonung ihrer Prinzipien, geführt wird und keine Demoralisation der Wähler durch Verwischung der Weltanschauungsgrenzen eintreten. Durch die Herausgabe einer eigenen Wahlzeitung sucht die Orthodoxie die schmerzlichen Lücke, die durch das Eingehen der Zeitung „Jüdisches Lebens rin getreten ist, roenigstens für die Dauer der Wahlbewegung zu schließen. Zwei IüOitcfie Selrnabaeorönefe in Riga gewSkli. 'Riga, 1. Oktober. Nach dem vorliegenden Ergebnis der Wahlen in den lettischen Sejm wurden im Nigaer Wahlkreis zwei jüdische Abgeordnete gewählt: Ein Vertreter des jüdischen nationalen Wahlblocks mit 6782 Stimmen und rin Vertreter der Agudas Jisroel mit 4726 Stimmen. Die Liste der Zeire Zion hat nur 474 Stimmen auf sich vereinigen können, sodaß kein Vertreter dieser Partei im Rigaer Wahlkreis gewählt worden ist. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahlen in Düna bürg sollen dort die Liste der Agudas Jisroel 1600, der Zeire Zion 1000, des jüdischen nationalen Blocks 600 und des Bund 200 Stimmen auf sich vereinigt haben. (JC.B.) Rußland. Kiew, 2. Oktober. In Kiew hat ein Prozeß gegen 37 Angehörige der Zeire Zion-Partei wegen Veranstaltung einer illegalen Zionistenkonserenz stattgesunden. Von den Angeklagten wurden 12 zu je 2 Jahren strenger Hast verurteilt. Die boiscbewMWe ReHgionsnerfoiouns- London, i. Okt. Namens des lloiut Foreign Committee hat Süden Wolff an den Vertreter der Sowjetrepublik in London ein eindringliches Schreiben gerichtet, worin den Klagen der rell« giös gesinnten russischen Judenhett über die gewaltsame Unterdrückung der religiösen Erziehung in beredten Worten Ausdruck verliehen wird. Es wird gesagt, daß es sich hier nicht um ein spezifisch antijndisches Vorgehen handele (?), sondern vielmehr um eine allgemeine Campagne gegen die religiöse Juqenderziehung. Ader die Folgen dieses Bernichtungsstl^zuges müsse jede religiöse Gemeinschaft am eigenen L ibe und noch mehr an der eigenen Seele verspüren, und diese Folgen würden' doppelt schrecklich w.rden bei der jüdischen Bevölkerung, die durch mannigfache Heimsuchungen so viel gelitten hake. Der Sowjetgesandte hat dieses Schreiben zuerst überhaupt nicht beantworiet und alsdann auf eine Mahnung am 27. September mitgktetlt, er lehne es ab, die „falsche und grundlose Anschuldigung gegen seine Regierung dieser weiterzugeben, zumal das Schreiben tneinem insolenten Ton e gehalten sei." — Fast könnte man glauben, der Londoner Sowjetgesandte gehöre dem Kreise der jüdischen Kommunisten an, die sich den Kampf gegen das Judentum zu ihrer besonderen Lebensaufgabe gemacht haben. Denn geradin dem gleichen Augenblicke, in dem das erstaunliche Verhalten der Londoner Sowjetgesandtschaft bekannt wird, ist „Jewish Chronica" in der Lage, die Erklärung eines hochgestellten Mischen Mitgliedes der russischen Regierung zu berichten, das gerade in London weilt und sich eine gewisse Objektivität gegenüber dek jüdischen Bolschewisten bewährt hat. Die Erklärung besagt, daß die Sowjetregierung selber die Methoden deS jüdischen Kommissariates durchaus nicht billige, und daß für die Unterdrückung der jüdischen Kultur und des jüdischen Gemetndelebens in der Tat ausschließlich die jüdischen Kommissare verantwortlich seien. Es sei zu hoffen, daß deren Sonderpoltttk zu einem späteren Zeitpunkte unterdrückt werden würde, vorläufig sei die Regierung gezwungen, diesen Totfeindrn der jüdischen Religion freie Hand zu lassen. Die iüdifdie■ Einroanöeruna nach Mexiko. «Fonds», ii. Okt. Die Frage der Gründung einer jüdischen Siedlung in Mexiko unter kräftiger Unterstützung -er mexikanischen Regierung scheint durch den Konkurrenzkampf der Parteien tm ftubtntum recht kompliziert zu, werden. In zionistischen Kreisen sieht man jede Ablenkung des ausschließlich auf Palästina gerichteten Interesses natürlich nur ungern. So dürfte es sich erklären, daß nach dem recht unzweideutig-m Angebot, das der Präsident der- Republik Mexiko Herrn Paul Rotenberg in New-Aork gemacht hatte, nunmehr ein? Aeutzernng des Kolouialuntersekretärs in die Presse lanciert wird, die nicht mehr und nicht weniger als eine Art Dementi jenes bedeutsamen Angebotes enthält. Ans die telegrafische Ar frage eines Londoner BlatteS hat Präsident Obregon auf dem gleichen Wege erwidert, daß das Angebot an Rotenberg in voller Kraft bleibe 'und daß persönliche Verhandlung mit geeigneten jüdisch?« Vertretern erwünscht sei Wer nun Recht hat, wird die nahe Zukunft zeigen! Palästina. OerfdiieSenes aus Paläflina- Jerusalem, 9. Okt. Vor kurzem sind in Jerusalem 42 Waisenkinder aus der Ukraine angrlangt und zwar ouf Kosten und unter Leitung eines Palästtnakomitees in Südafrika. Sie werden vom Waisenkomitee für Palästina übernommen, das sich bisher die Versorgung der Palästina-Waisen mit Hilfe der amerikanischen Unterstützung angelegen sein ließ. Die Kinder, die trotz der weiten Reise alle gesund und munter das Ziel erreicht haben,. stehen im Alter von 10 bis 13 Jahren. Sie sind zunächst in einem Waisenhaus in Jerusalem unterge bracht und sollen nachher nach drni zu errichtenden Waisenheim bei Stchron Jacob, für das Baron Rothschild - den Platz überlassen har, überführt werden. Der Richter Mack, der Führer der antizionistjschen Mack-Brandeis-Gruppe in Amerika, wird in Palästina erwartet, wo ec an Ort und Stelle die Pläne der Amerikaner zum Aufbau Palästinas prüfen möchte. Am Donnerstag Nachmittag verstarb im Krankenhaus „Schare Zedek" im hohen Alter von 85 Jahren Rabbi David Kamin aus Sowizow, der in Gelehrten-Kreisen einen groß'.n Namen hatte. Besonders hoch geschätzt wir) sein halachtsches Werk in N'2 zu msbn Die Bestattung ging unter starker Beteiligung und großen Ehrungen vor sich. Die einmaligerer in Haifa- Kaifa, 6. Okt. In der Schule „Nezach Israel" fand eine große Versammlung zu g msten der in Haifa landenden jüdischen Emigranten statt. Den Vorsitz hatte Herr Fried lau d, und Herr Kt zzi s berichtete in einem eingehenden Referat über die kritische Lage der Einwanderer. Einigermaßen erträglich ist die Lage der Unverheirateten, besonders wenn sie einen Beruf erlernt haben. In großer Not befinden sich aber die Familienväter, die zu Hause als Kaufleute ehrbare Strllungen einnahmen und auch viel für Palästina übrig hatten, hier als Berufs- und Arbeitslose mit ihren Familien hungern oder dem Bett l preisgegeben sind. Redner klagt über große Gleichgültigkeit von Seiten der jüdischen Bevölkerung den Einwanderern gegenüber. So hätte ihnen die Verwaltung des Technikums sogar das Wasser verweigert. Die zionistische Kreditkasse mache so viele Schwierigkeiten und verlange so viele Bürgschaften, daß die Notleidenden auf Suche per sofort kür meine 5 Kinder ein tüchtiges Kindersräuleik Kenntnisse in Französisch und Englisch erwünscht. Gute Bezahlung sowie gnte Verpflegung. (8688 Frau Aronsohn, Va-Somburgv.-.S. Hotel Braunschweig.