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Der Israelit · 1922-10-19 · Heft 42 (19.10.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 42 (19.10.1922)
Date
1922-10-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«Sette 8 Nr. ixt Wohltaten verzichten müßten. Schlimm *find auch die WohnungSverhLltnisse für die Neuankommenden. Ein anderer Redner, Herr Sallt, klagt über den Mangel an Gelegenheit für den frommen Einwanderer, seine religiösen Bedürfnisse zu befriedigen. Es sei hier nichts davon zu merken, daß „von Zion die Thora ausgehe." Die Einwanderer müssen zu ihrem großen Schmerze wahrnehmen, daß der neue Iischuw in gar keinem Einklänge mit der Tradition stehe. — Von Seiten der Bürger Haifas wird der Mangel an Gastfreundschaft mit' der großen Zahl der Einwanderer zu erklären versucht. Es w rd dann noch langer Debatte beschlossen, eine Organisation von Einwanderern und Neuanfässtgen unter den Gesichtspunkten des Friediandschsn Referates zu bilden. Mitglied des Verbandes kann" jeder Emigrant wie jeder Bürger Haifas ohne Unterschied der Partei werden. Der weite e Ausbau der Organisation bleibt einer Kommission über-' lassen. Ein Provisorisches Komitee setzt sich aus sieben Mitgliedern und drei Vorsitzendrn zu-; lammen. Dem Provisorischen Komitee obliegt es, sofort all die Fragen in die Hand nehmen, die dringend der Lösung harren, wie beispielsweise die Errichtung von Holzbaracken. Zur Lösung dieser Frage soll auch die Hilfe aus Jerusalem und die des Herrn Oberrabbrner Kuk in Anspruch genommen weiden. Personalien. Köln, 6. Oft. Letzten Donnerstag schloß fick ein frisches Grob über die menschliche Hülle von Frau Flora Königshöfer, geb. Ettstnaer die uns im ^6. Lebensjahre so jäh enirisicn wurde. Eine tückisch? Krankheit üderrachie sie bei der heiligsten der der Pflichten einer jüdischen Frau und em iß uns dieses herrliche Wesen. Nur wer fie näher gekannt, kann die tiefe Tragik dieses r-nersiiiHiett Verlustes ermessen. Wohl selten ist ein besserer und frömmerer Mensch den Seinen entrissen worden als sie eS war. Mit besonderen Geistesgaben ausgestoirer, von frühestem Kindesatter an mit seltenem Lerneifer beseelt, hat sich die leider so früh Entschlaf ne zu einer Vollkommen-' heit emp-rgerungen, wie wir sie nicht allzuost antrefsen. Dabei war sie mit gritzer Seelengüte ausgestattet. Welch' aufrichtige und innige Frömmigkeit die Verblichene beseelt hat, dafür legt beredtes Zeugnis ai', die peinliche Genauigkeit, rnit der sie jede kleinste und größte NM bis einige Stunden vor ihrem Tode, folage die Seele nicht vollständig dem Körper entwichen wa«, auSübte. Möge ihr Andenken bei allen, die fie gekannt haben, stets wach bleiben und s"pn dem gebeugten Gatten, den verwaisten Kindern, den bedrückten Eltern und Geschwistern und allen, dis um sie trauern, Trost spenden. “"SSü". Vermischtes. Frankfurt a. M., lü. Oft. Wir pflegen die Der« öffentlichung von Steckbriefen im aügsmeineu grundsätzlich abzukehncn, müssen indessen in dem Falle eines Herrn S. Meyer eine Ausnahme machen, der, wie unS auS Paris mitgctetlt wird, sich dorr als Vertreter des .Israelit" auSgibt und unter diesem Vorwände Gelder eivrossieu. Wir machen daraus aufmerksam, daß niemand berechtigt ist, als Vertreter unseres Blattes aufzutreten, der nicht eine schriftliche, rechtsgültig gezeichnete Vollniacht vorzeigt. Insbesondere ist der genannte Herr niemals beauftragt worden, für uns tätig zu sein. Berlin, 0. Oft. Der „Bin band der jüdischen Jugendveretnc Deutschlands" errichtete ein Palästina- Dezernat, das der praktischen Verwirklichung der Beschlüffe der beiden letzien Delegieren Tagungen und der Casseler Führertogung dieuen, in denen dis Mitarbeit an dem Ausbau des jüdischen Palästina als Pflicht des Beibandes erklärt worden ist. Berlin, st. Oft Der Parteivorstand der Deutschnattonaieri Bölft-parrei bat einstimmig bei zwei Stimmenthaltung-n folgenden Beschluß ocsaßr: „Der Bestand einer deutschvö 1 knchcnArbci 1 sgemei nschast innerhalb dir Deurschnativnaleu BoikSparre;, dis eigene Organis^tione!: im Land.- unterhält, ist mir den L e b e n S i n t e r e j s c n S e r Partei unvereinbar, weil sie deren Einheit und Geschlossenheit zerfttzen würde. Er ist unter den gegebencn Verhältnissen umso bedenklicher, als dadu-.ch der Eindiurk der Aufwerfung einer grundsätzlichen vo fticher, Streitfrage innerhalb der Partei erweckt wird. Der völkische Sra» duunkt der Partei steht fest,' die verschiedenen Mtssassünfen über feine praktische und taktische Durchführung können nur im Rahmen der ordentlichen Parteigiiederungen ge-; klärt werden. Für die grnudsätz-iche Ausarbeitung > und Vertiefung des völkischen Gedankens ist ein ' Der JSraeltt IS Oktber 1928 völkischer Ausschuß beim Partekvorftand gemäß Abs. 33 der Parteisatzung zu bilde«". Also keine den schvölkische Arbeitsgemeinschaft und dennoch völkischer Ausschuß. Berlin, 10. Oft. Drr bereits vor zwei Jahren erschienene Roman Arthur DinterS „Die Sünde wider den Geist", ist auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik beschlagnahmt und gegen den Buchverlaa ein Verfahren eingeleitet worden. Berlin, 7. Oft. Bei seiner Rückkehr von Japan will Pros. Einstein Palästina aufsuchen. Hier wird er wahrscheinlich Ende Februar »der Anfang März für zehn Tage etnireffen. Bon Palästina begibt sich Einstein nach Spanien und Ende März dürste er wieder in Berlin sein. Dnrmftadt, 8. Oft. In der Nacht vom DienStag zum Mittwoch wurden die Treppen der Synagogengebäude rmd verschiedene HauSeingänge. in denen israelitische Famtlt.n wohnen, mit Hakenkreuzen aus roter Oekforbe bemalt. Für die Ermittlung der Täter ist eine Belohnung von 10.000 Mk. nuSgesetzt. Jena, 8. Okst Der Deutschvölkifche Verein in Jena ist auf Grund deS Gesetzes zum Schutze der Republik vom thüringischen Ministerium deS Innern verboten und aufaelöft worden. Wien, 31. August. Letzten Sonntag fand hier am Zentralsriedhofe die Gedenkfeier für den voriges Jahr dcrstordencn Rabbiner Moritz Trainer statt. Vertreten waren der Vorstand der isr. Kultusgcmeinde, das Rabbinat unter Führung des Oderrabiners Dr. Chajes, fämflldjc BetharGvercine und jüdischen Wohltätigkeilsvcreinc Wiens, um deren Aufblühen sich Rabbiner .'gravier große Verdienste erworben hat. Bei der Grabsteinenthüllung sprach als erster Rabbiner Tr. Funk im Slawen der Kultusgemeinde und des Rabbinates, sodann für „Misrachi" Joses Ha nach, namens des Vereines „Achdnsi Israel" Julius F r ende r und zum Zchlns; namens der Familie des Verstorbenen der Rabbiner der KulwS-- gemeiude in Meran, Josua Grünwald, der den LkbrnÄvnndkl Rabbiner ürawers schilderte und der Kultusgeineindc wie auch dem Rabbinate für die Verehrung des Verstorbenen den Dank der Familie zollte. Abends wurde im Tempel, lvo der verstorbene Rabbiner 23 Jahre wirkte, die Gedenktafel enthüllt, bei welchem Anlas; Rabbiner Dr. Pollak die Gedenkrede hielt. Wie«, 16 Oft. Im Anschluß an die bereits im September ve-öffentl'chte Mitteilung übereinen Ausruf des Vereins „Frauen bilse" in Wien, der zur Ausrechterhattimg seiner Liebes!ät'gkeit der Hilfe deS Auslands brda-.f, e.klären wir uns gern bereit, unsererseits Spenden für diestn Bei ein entgeaenzu« nehmen und an die Vorsteher innen Frau Oberrabbtner Fürst und Frau Bischofswerder in Wien weiter zu leiten,' Lodz. 26. Sept. Der orthodoxe Jünglingsverein „Abendkurs" stiftete eine Thorarolle für sein Dereinshaus auf den Namen des ttvveraeßlicken Rabbi Moses Eliah Halperu b 8? D'e Einweihung des Sefers fand unter Feierlichketlen am ersten SeiichauStage statt, die allrn Teilnehmern in ewiger Erinnerung b eiben und neue Mitglieder für den Verein, der allabendlich Schiurim abhält, werben werden. Familiennachrichten. Geburten. Eine Tochter: Nastaiie KönigShöfer, geb. Jakobsohn, Plauen, Krausenstr. 12. Barmizwohfeier. Leo, Sohn des Herrn Josef KönigSböfer, Breslau, Anger 8. — Josef, Sohn deS Herrn Tistriktsrabbtncr Dr. M. Weinberg, Neumarft, xiwd reu». Gestorben. Frau Ricka Straußrr, Privatiere 71 Jahre, Schweinfurt n. M. Söcherdesprechvngen. Die jüdischen Aerzte im Mittelalter, von Dr. I. Münz 1922. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Der durch seine Arbeiten aus dem Gebiete der mittelalterlichen Wissenschaft, besonders al Maimuniforscher verdienstvolle Verfasser har uns in vorliegender Schrift eine Arbeit geliefert, die in lebhaften Farben ein klares und lichtvolles Bild von der Tätigkeit der jüdischen Aerzte im Mittelalter entwirft. ES ist erhebend und ergreifend zu scheu, wie die Juden trotz des schweren Druckes, r mer dem sie lebten, im Mittelalter eine rege wissenschaftliche Tätigkeit entfalteten und ihre Hilfe in selbstlosester Weise auch deren, die sie verfolgten, angedsihen Ukßen. So ist diese Schrift gerade zur rechten Zeit, in dieser Hochflut des Antisemitikmuk, erschienen Wir können es mit gutem Grunde ü^mupren, daß die Juden dis Träger der medizinischen Wissenschaft — die Ausübung der Medizin war ihnen ja immer rrUgiöfes Bedürfnis — im Mittelalter waren und die die medizinischen Kenntnisse des Abendlandes dem Morgenlands überlieferten. Auf diese Tatsache w ist bereits als auf eine wundersame Erscheinung der Altmeister der Modernen Medizin Rudolf Birchow hin, indem er sagt.' „Erst unsere Zeit hat hebräische Manuskripte an das Licht gefördert, welche erkennen lassen, mir, welchen! Eifer und welcher Gelehrsamkeit jüdische Aerzte des Mittelalters für die | Erhaltung und Förderung der Medizin tätig gewesen sind / man darf wohl sagen, daß biK in Ziese Zeit zurück! sich die oft.erbliche Befähiaung der Juden, die seitdem so Großes für die Wissenschaft geleistet haben, verfolgen j laßt". WaS hier Birchow ausspricht, erfährt durch I. Münz an der, Hsnd tiefgründiger wissenschaftlicher Forschung eine eingehende klare, «ft neue Beleuchtung.! Der Verfasser vorliegender Schrift führt un» durch die Staaten bc# Morgen- und AbrndlckndeD und vtir \<k<v, wie in jenem Zeitalter Ö6er«S, im Orient und Occlbcm berühmte und einflußreiche jüdische Aerzte eine rege wissenschaftliche Tätigkeit entfaltete« und mit großer Sachkenntnis und HewiffenhaftiKkett ihre Kunst auch auSübten und vielfach an den Höfen von weltlichen und kirchlichen Fürsten als Leibärzte wirkten. Ich will es mir ersparen, hier auS der Fülle von Namen und Tarsachen einzelnes herauszugretfen; ich wüßte nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Wer sich für diesen Gegenstand interessiert, nehme die Münzsche Schrift selbst zur Hand. Ausgezeichnet durch ernste und gründliche Wissenschaftlichkeit, sowie durch ihre schöne und klare, oft packende und ergreifende Dar. stellung bietet die vorliegende Schrift über „Jüdische Aerzte im Mittelalter-, für Jedermann eine Quelle reichster Belehrung und innerer Erbauung. Dr. med. K. Frankfurter Berichte. Höerkantor IaSiau Hgulsch n'P Ohne Sang und Klang wurde kurz vor Eingang des SukkauSfesteS der zur ewigen Ruhe gebeitet, dessen Seele sich ein halbes Menschenalrer hindurch in den herrlichsten Schwingungen ergoß, um anderer Seelen zu Gott emporjUtragen. Ogursch war ein Chasan, der Chasan, kann man sagen, der das alte Cßasonus mit seiner liefen Innigkeit, mit seiner Fülle von erhebenden Variationen unbeschadet aller moderpen Kunst und Technik i» einer Weise pflegte, die ihm höchste Bewunderung auch derer außerhalb ieiner Gemeinde und seines eigentlichen Wirkungskreise?, der Synagoge Börneplatz bis zuletzt einbrachte. Klang doch der lyrische hohe Tenor des Greifes noch bis inS höchste Alter io kraftvoll und tonsicher und voller Schmelz, als käme er nuS der Kehle eines jungen Künstlers. Auch als Mensch und Beamter genoß Fabian Ogutsch die Liebe seiner Mitmenschen, daS volle Vertrauen seiner Gemeinde. Am jüngsten VersöhnnngSiage gedat te ec noch, das Nei agebet zu verrichten. Aber n» »a iuy, ,/chon hatte sich der Tag gewendet", und eS velstummie der Gorstslänger, just in den Tagen, da sich sonst sein Lied, lausend Herzen begeisternd, am höchsten und schönsten zu Gott erhob. Der Sang wird fonkltngen ' und mit ihm der Sängrr in unsercut Gedenken fortleben. Wintersemester des Wekor ßstajim. Der Wintcrlehrolan des Mrkor Ehajim tritt in seiner reichüaltigkn Fülle an Lernaelegenheiten diesen Sabbat in Kraft. Bon den wesentlichsten Aenderungen verzeichnen wir: Der Mikrovorirag findet von diesem rep an, am Freitag abend nach der Synagoge im Höcsaaie statt Am SamStag mitlag 4 Uhr nimmt Herr Redakteur Schachnowitz seinen spy pp Schiur wieder aus Im Löwenhof wird diesen Samstag, abends 8 Uhr, dos Jüdische Theater durch eine weltberühmte Künstlrrtruppe wieder eröffnet. Zur Ausführung kommt die überall mit größtem Erfolge gespielte Operette „Jankele geht in Schül". I > Theater Das grofie Messe-Variete - Programm Sonntag Nachmittag 3 Uhr: FREMDENVORSTELLUNG. Kleine Preise Ganzes Programm Gross-Frnnkfort Weinklause. Tanzpalais. GroBe Oktober-Messe-Progranune Wienei* Kaffee Nachmittags und Abends Ungarische Zigeunerkapelle Banka Piste«.

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