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Der Israelit · 1922-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1922) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1922)
Date
1922-10-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nas Jahrbuch der Mifch- Literarischen-Gesellschaft xiv. (Franks, a. M. 1921, I. Kauffmann, 253 S. Preis: drosch. M. 25.—) ged. M. 40.—) Ein „Gedenkwort", das der tiefen Trauer um den in rüstigen Mannesalter abberufcnen bisherigen Redakteur des Jahrbuchs- Rabb. Dr Sal. Bamberger -"Li würdigen Ausdruck gibt gibt dem vorliegenden 14. Jahrbuch das Geleit in die Oeffentlichkeit. Was an. diesem unvergeßlichen, tatkräftigen und schaffensfreudigen herrlichen Menschen die Judenhett verloren hat, das ist schon vielfach in Schrift und Reden zum Ausdruck gekommen, hier handelt es sich nun um das, was der Verstorbene für das Jahrbuch und auch zugleich für die Drucklegung des Halevischen Geschichtswerks gewesen ist, hier zeigt sich's, welche große Pflicht den Treuhändern des ahrbuchs erwachsen ist, all<Kraft aufzubieten, die ücke auszufüllen, die durch den Heimgang des bisherigen Redakteurs entstanden ist. Denn jetzt wird erst deutlich erkannt, was Bambergers Sorge und Schaffen für das Jahrbuch bedeutet hat. — Auch den vorliegenden 14. Band bringt eine Reihe von Arbeiten, an denen wir unsere Freude haben können. „Das Rabb'inat in Hanau nebst Beiträgen zur Geschichte der dortigeen Juden" von Rabb. Dr. Leopold Löwen st ein (Mosbach) macht uns mit den Männern bekannt, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts mit R. Juda ha Kohen beginnend bis auffRabb. Felsenstetn (1882) den Rabbinatssitz in Hanau innehatten. Wir begegnen hier Männern von Weltruf) aber aus ausführliche, biographische Abhandlungen war es hier nicht abgesehen und konnte es nicht abgesehen sein, das hätte ein eigenes umfassendes Werk erfordert, die bibliographischen und genealogischen Notizen liefern uns jedoch reichen Stoff, für den wir dem Verfasser dankbar sein können. Umsomehr erfreut es uns, daß sich der Verfasser entschlossen hat, über den der neueren Zeit näher stehenden und darum bekannteren hochgelehrten R. Moscheh Tubtah Sontheimer, Ausführliches mitzutetlen, was ihm besonders möglich war, da er über ihn manches von seinem Vater R. Koppel Löwenstein, der ein Lteblingsschüler des R. Moscheh Tubiah war, erfahren hat. Der Abhandlung hat der Verf. einige kulturhistorisch sehr interessante Beilagen angesügt, auf die ich gern, wenn es mir nicht der beschränkte Raum verböte, etngegangen wäre, namentlich auf die, welche manche Maßnahme der Herren Vorsteher der alten Gemeinden nicht als vorbildlich erscheinen lassen, vielleicht bietet sich ein anderes Mat die Gelegenheit. ———■ - " 11' '—p—nimmiii—■ - ■ Mit der Abhandlung „R. Simon ben Lakisch als Lehrer der Halacha und Agada" betritt Dr. Jsak Unna, Rabbiner in Mannheim einen neuen Weg. Die Agada lieferte bisher das Material sür die Erkenntnis der Persönlichkeit unserer Weisen des Talmud, selten wurden' ihre halachischen Aussprüche in diese Forschung mit etnbezogen, und ist es geschehen, sind oft Fehler gemacht worden, denn die Halacha, nämlich die .unbestrittene, entspringt nicht aus eigener Auschauungs- oder Denkweise oder Temperament) hier ist bindend Gegebenes. Anders die Agada, sie läßt der Phantasie des Agadisten freien Spielraum, hier gilt das 272 B"b2 fitt>77) ,77inn- Jedoch wenn es sich in der Halacha nicht um eine unbestrittene Satzung handelt, dann kann auch die Beweisführung oder der 71272 mit für die Erkenntnis der Persönlichkeit verwertet werden. Diesen Gang geht hier der Verfaffer. Mit einer anerkennenswerten Gründlichkeit untersucht er die Lehrweise Resch Laktschs, führt die Fassung vieler allgemeiner Grundsätze auf ihn zurück und durch Beispiele, die übersichtlich gruppiert sind, gewinnen wir das einheitliche Band, das die die verschiedensten Gebiete beherrschenden Lehrsätze verbindet. Die Arbeit ist umso verdienstlicher als hierfür keine Vorarbeiten wie für die Agada der Rabbinen vorltegen. Der Arbeit, die auch im Sonderdruck erschienen ist, ist noch ein Verzeichnis sämtlicher von Resch Lakisch tradierten Lehrsätze in Babli und Jeruschalmi beigefügt. Beiläufig sei bemerkt, daß im Ausruf Resch Lakischs (S. 92) mit „vier Bergen" zu geben sein dürfte, denn 7v2 weist aus das Ausbrechen und Bearbeiten des Gesteins aus den Einbruch. Der Baal Turim hat allerdings bei der Benennung seines Werkes das Brustschild mit den vier Reihen Edelsteinen im Auge gehabt, das aber ändert nichts an der natürlichen Auffassung der erwähnten Talmudstelle. In Rabb. D. Ehrentreu (München) begrüßen wir einen guten Bekannten, der uns mit den Ergebnissen seiner Forschungen über „Sprachliches und Sachliches aus dem Talmud" in den früheren Jahrgängen des „Jahrbuchs" schon manche frohe Stunde bereitet. Auch dieses Mal hat der Vers, uns in unseren Erwartungen nicht enttänscht. Aus den XVI Nummern möchte ich die Nr. 84 hervorheben, die als ein wahres Kabinettsstück bezeichnet werden kann. Was Rambam bewogen hat, die verbotenen Sabbatarbeiten in der Nominalform, wie .Wifi «sw. anzuführenwährend die Mischna sich der Verbalform, wie 127177 verdient, woraus b"2 als auffallend hinweist, erklärt einleuchtend der Vers, mit der Tatsache, daß die Mischna nach 12"7 kommt, wie die ganze '^ID beweist, der 7"L"rrv"b für 7122 erklärt, während Rambam wie ^7 entscheidet, die für 7128 erklärt. Darum in der Mischna die Vertzalform, weil es auf die Absicht des Wirkenden ankommt, während Rambam die Nominalform anwendet, weil der objektive Tatbestand maßgebend ist. Damit erledigt sich auch die Reihenfolge des 7TO21 m2b in der Mischna, dem Rambam die umgekehrte Reihenfolge entgegensetzt. In lichtvoller Darstellung verbreitet sich Rabb. Dr. M. Weinberg (Neumarkt) über „Die Partikel '2 nach der Auslegung des Talmuds." Bekanntlich hat Resch Lakisch vier Bedeutungen für '2 sestgestellt und die Anwendung dieses Lehrsatzes im Talmud nachzuweisen, hat sich der Vers, zur Aufgabe gesetzt. Durch die Gruppierung nach den Begriffen dieses deutungsreichen Wortes schafft der Verf. dem Leser eine willkommene Uebersichtlichkeit und macht seine Abhandlung zu einer recht lehrreichen. Dr. Ph. Frankl (Halberstadt) will durch seine Abhandlung: „Scheeltoth, Halachoth Ge.'- doloth und Halachoth Pesukoth" einen Beitrag zur Lösung der Frage beitragen, welche Halachoth älter seien, die Gedoloth oder Pesokoth. Nur dies kommt hier in Betracht) was Weiß über die Scheeltoth sagt, kann ganz als erledigt gelten. Die genannte Frage hat schon viele hervorragende Gelehrte beschäftigt, zu einer Uebereinsttmmung ist es noch nicht gekommen. Daß der Vers, sie auch nicht herbeiführen wird, gesteht er selbst zu, aber immer neues Material heranzuschaffen, ist verdienstvoll und der Verf. hat dank seiner großen Belesenheit und der Bewältigung des Stoffes der Wissenschaft einen großen Dienst geleistet durch das Herbeischaffen von Material, das den Beweis liefern soll, die H. P. hätten R. Simon aus Kahira bei der Abfassung der H. G. bereits Vorgelegen, daß diese also die jüngeren feien. Daß es den Juden in Deutschland nicht leicht geworden ist, zum ärztlichen Berufe zu gelangen, das beweist die höchst interessante Abhandlung des Rabb. Dr. Louis Lew in (Kattowttz): „Die jüdischen Studenten an der Universität Frankfurt a. d. O." Erst 1787 wurde die erste Jmmatriculation zwei jüdischer Studenten, Gabriel und Tobias Moschowitz aus Polen, gestattet und zwar auf direktes Geheiß des großen Kurfürsten, der die neuen Studenten mit einem Stipendium unterstützte. Die Gegenvorstellung der Fakultät nützte ihn nichts. Mit wenigen Ausnahmen lehnten die medizinischen Fakultäten in Deutschland die Ausnahme von Juden ab. Die wahnwitzigsten Schreckensnachrichten wurden über die jüdischen Aerzte, die zumeist in Italien ihr Diplom erhalten hatten, verbreitet. Das wahnwitzigste jedenfalls, jeder jüdische Arzt sei religionssetttg gehalten, jeden zehnten Christen seiner Kliente^

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