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Der Israelit · 1922-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1922)
Date
1922-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5. Oktober IS« ©et Mraeltt. 9tt. 40 u. 41 Bette 5 liberale Repräsentanten sich einer Neuwahl unterziehen müssen. Es ist begreiflich, daß unter diesen Umständen die bisherigen Minderheits- Parteien nur dann auf eine Einheitsliste eingehen wollen, wenn die Liberalen von vornherein auf ihre bisherige Mehrheit verzichten. Sollte es zum Wahlkampf kommen, was wahrscheinlich ist, so werden jedenfalls auch Volkspartei und Konservative getrennte Listen aufstellen. Segen Ne Schuierlaße des fäthfifdien Kulfusminiflers. Leipzig, 27. Sept. Dir Israelitische Reltgionsgesellschaft in Leipzig hatte am Montag nach dem Künstlerhause eine gut besuchte Protestversammlung gegen die jüngsten Schulerlasse des sächsischen Kultusministeriums einberufen. In einer angenommenen Entschließung heißt es u. a.: „Die Versammelten erheben gegen die Verordnung den allerentschiedensten Einspruch sowohl aus ihrer Pflicht heraus, die religiöse Erziehung ihrer Kinder sicherzustellen, als auch im Interesse des sächsischen Landes, das sich selbst erniedrigt, wenn es die Achtung vor der Glaubensfreiheit preisgibt. Zu solchem Einsprüche sind sie um so mehr berechtigt, als ihnen neben dem sittlichen Recht auch die Reichsverfassung zur Sette steht, zu der die Verordnung in krassestem Gegensätze steht. Sie fordern deshalb die umgehend vorbehaltlose Aufhebung der Verordnung sowie die vorbehaltlose Inkraftsetzung der Verordnungen vom 7. März 1878, vom 29. November 1884 und vom 2. April 1913, in denen sie keine Vergünstigungen sondern durch Retchsverfasiung gewährleistete Rechtsansprüche erblicken. Sie weisen darauf hin, daß sie mit allen gesetzlichen Mitteln die rechtsungültige Verordnung bekämpfen werden, und daß sie, falls die Aufhebung wider alles Erwarten nicht erreicht werden sollte, die Einrichtung öffentlicher jüdisch-konfessioneller Schulen fordern müssen und betreiben werden." Molen» Jnferoenfion in Sachen Kattowitz. Warschau, 27. Sept. Der orthodoxe Deputierte Ascher Mendelsohn interpellierte den Minister des Innern Kaminskt über die Vorgänge in Kattowitz. Der Minister gab die Erklärung ab, daß ihm die Vorgänge großes Kopfzerbrechen gemacht hätten. Er habe auch schon darüber mit dem Minister für Oberschlesien beraten und es sei der Entschluß gefaßt worden, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Schuldigen zu bestrafen und für die Zukunft solche Ausschreitungen unmöglich zu machen. Mendelsohn machte den Minister darauf aufmerksam, daß dte Ueberfälle auf die Juden die direkten Folgen der antisemitischen Wahlkampagne seien. Der Minister erklärte, daß auch dieses Moment von der Regierung in Betracht gezogen sei und man sei gewillt, mit 'größter Energie den Machenschaften der Antisemiten entgegenzuarbeiten. ■ -ssm-sr* jÜJ Das oßgalijifche flufonomießafuf. Warschau, 1. Oktober. Das im polnischen Sejm angenommene Autonomiestatut für die ostgjalizifchen Woywodschaften hat in der letzten 'Stunde eine Milderung m dem Sinne erfahren, daß statt einer ukra-inifchen und einer polnischen Wahlkurie eine allgemeine und eine ukrainische Kurie geschaffen wurde. Die Schaffung einer allgenreinen Kurie wurde als Konzession an die Inden betrachtet, weil man annahm, daß sie sich mit Rücksicht auf die Wahlsabotage der ukrainischen Bcvöl* kerung an den Wahlen in eine rein polnische Kurie nicht beteiligen würden. (J.C.B.) Gnglan!». vie £inn>an9erung nach Paläfiina. London, 1. Oktober. Im Monat Juli haben insgesamt 349 Juden den Boden, auf dem das jüdischnationale Heim erstehen soll, betreten dürfen, darunter 219 Familienangehörige von derzeitigen .Einwohnern des Heiligen Landes. Man kann begreifen, daß diese niederschlagende Ziffer dem englischen Zionisten-Organ Anlaß zu bitteren Bemerkungen gegen die englische Etnwanderungspolttik gibt, die in folgenden Worten gipfeln: „Wir haben uns bisher von der Kritik eines Verfahrens zurückgehalten, das die ganze Idee eines jüdischnationalen Heims in einen Spott verwandelt, im Angesichte der vielen Tausende körperlich und geistig wohl qualifizierter Männer und Frauen, die sich leidenschaftlich danach sehnen, den Boden ihrer Väter zu betreten und ihren Lebensunterhalt im Schweiße ihres Angesichts zu verdienen, ohne Rücksicht auf die Entbehrungen, die ihnen in einem unentwickelten Lande naturgemäß beschieden sein werden." Zwar wird von anderer Seite berichtet, daß eine Erleichterung der Einwanderungsbestimmungen bevorstehe, jedoch kann daran kaum etwas Wahres sein, da die zionistische Leitung und die Redaktion ihres offiziellen Organes von dieser günstigeren Wendung der Dinge gewiß zuerst unterrichtet wäre. gtofthmfr. Die Kampagne der jüdischen Kommunißen gegen die religiösen Seierfage und Schulen. Moskau, 25. September. Das ukrainische Hauptbüro der jüdischen Sektionen veröffentlichte ein detailliertes Programm des Kampfes gegen die religiösen Einrichtungen, welches in der gegenwärtigen Kampagne gegen die jüdischen religiösen Feiertage, wie gegen die jüdischen Ehedarim als Richtschnur dienen soll. In den Arbeiterklubs werden Lektionen und Meetings zur Aufklärung und Ritter^ Weisung in den Kampfmethoden eingerichtet. Eigene Referenten sind zu diesenr Zwecke ansgebildet worden. Außerdem wird auf den Podien der Arbeiterklubs eine Piece inszeniert, in welcher über eineil jüdisch eil Arbeiter, per dje .Synagoge besucht, Gericht gehalten wird. In Kamenccz-Podolfk fand eine Konferenz der Schnlerdelegierten der sogenannten „Kinoerhä-user" statt, an welcher etwa 1000 Schüler teilnahmen. Nach der Eröffnungssitzung teilten sich die Delegierteil in nationale Sektionen. Die jüdische Sektion beschäftigt sich außer mit allgemeinen Erziehnngsfragen noch besonders mit den Kampfmethoden gegen die „klerikale Erziehung" und den „Cheder". (J.C.B.) Das große Sterben in DSella 'Maris, 25. September. Nach Meldungen der Welthilfskonferenz sind in Odeffa im ersten halben Jahre 1922 mindestens 20000 Juden, d. h. 10% der ganzen jüdischen Bevölkerung der Stadt ausgestorben und auf den jüdischen Friedhöfen zur Bestattung gelangt. Die erschreckende Bedeutung der Zahl tritt uns erst entgegen, wenn man Vergleiche mit früheren Jahren anstellt. So sind beispielsweise 1913, da Odeffa noch eine jüdische Bevölkerung von einer Viertelmillion hatte, im ganzen Jahre nur 1800, also im halben Jahre nur 900 Juden gestorben. Jetzt zählt Odessa höchstens nur 200000 Juden. Es ist festgestellt, daß 4Ö% dieser Verstorbenen direkte Opfer desHungers waren, während 30% verschiedenen Epidemien, die infolge des Hungers auftraten, erlegen sind. Türkei. Vom Sdilriifal 9er Men in 5mm»a Maris, 1. Oktober. Nach hier eingegan gc; r n Nachrichten ist das jüdische Viertel in Smyrna vom Brande verschont worden. Dagegen hat die herrschende allgemeine Not und Krankheit unter der Bevölkerung der unglücklichen Stadt natürlich auch die jüdische Gemeinde in Mitleidenschaft * gezogen, sodaß die ^Rianoo Isras'lits 100,000 frs. zur Hilfeleistung nach Smyrna sandte und auch die jüdische Gemeinde in Adrtanopel Gelder zu diesem Zwecke nach Smyrna übermittelt hat. Es fehlt an Nahrungsmitteln, zumal die Zahl der Juden durch eine große Menge von Flüchtlingen aus den Nachbarstädten stark vermehrt worden ist. Alle diese, jeder Habe beraubten und obdachlosen Flüchtlinge, suchen Unterkunft in Smyrna. Der ehemalige Großrabbiner Chajim Nahum, der gerade in Angora weilt, hat den Oberbefehlshaber der allierten Streitkräfte gebeten, Maßnahmen zum Schutze des Lebens und Eigentums der Juden auf den Inseln und in den Häfen des Marmarameers zu ergreifen. kin Hilferuf der Juden in Angora. Verv-Vork, 1. Oktober. Die hiesige Leitung der Joint-Komltees erhielt eine Depesche ans Angora, daß dort ein Teil des jüdischen Viertels abgebrannt ist und zahlreiche jüdische Familien ohne Obdach geblieben find. Unterzeichnet ist die Depesche vom früheren Großrabbtner Chaim Nahum, der bei dieser Gelegenheit die Folgen des türkischgriechischen Krieges auf die jüdische Bevölkerung Kleinasiens .schildert. In vielen Orten wurden die jüdischen Viertel ein Raub der Flammen und zahlreiche jüdische Familien find materiell zugrunde gerichtet, Rabbi Nahum bittet um baldige Hilfe. (I. C. B.) Personalien. München, 3. Okt. Am AuSgange deS Roschllaschono ist einer der Besten von uns gegangen, ein Mann, der uns Münchenern Jahrzehnte hindurch ein Beispiel von wahrer Jiroh w-r. Adolf Adler stammte aus einer frommen Familie in Tachau (Böhmen). Er kam frühzeitig nach Deutschland, wo er die die Tochter des durch seine Frömmigkeit und Wohltätigkeit noch heule unvergessenen Löb Marx aus Freudenthal-Stuttgart heiratete. Durch Gottes Fügung mußte er manche Härten des Lebens durchkämpfen, doch gelang es ihm, seine Unternehmungen zur höchsten Blüte zu entfalten. Dabei blieb er trotzdem immer der Gleiche. In den guten Tagen war er ebenso ein fach und bescheiden, wie er es in den weniger guten gewesen war und hatte immer nur das eine Ziel vor Augen, im Verein mit seiner treuen Gattin die große Schar seiner Kinder zu guten I e h u d i m zu erziehen, jedem Armen ' zu helfen, alle jüdischen Institutionen zu fördern und dem Gottesdienste eine würdige Stätte zu erhalten. Sein persönliches Verdienst ist eS, daß die JSr. Religionsgesellschaft „Adath Jeschurun", die seit ungefähr 30 Jahren besteht, sich unter schweren Opfern in den letzten Jahren erhalten konnte. Es war beabsichtigt, hier in München ein Gotteshaus uud gleichzeitig eine Institution für die verschiedenen Münchener Vereine zu schaffen. Sein Ziel, ein eigenes Gotteshaus zu bauen, wurde leider durch den Krieg vereitelt. Obiger Verein verfügt über einen wertvollen Bauplatz; vielleicht gelingt es bei besseren Verhältnissen doch seinen Plan auszuführen. Trotzdem der Verblichene durch Berufslasten stark überbürdet war, fand er täglich zweimal Zeit, ins Gotteshaus zu eilen und hat seine freie Zeit nur dazu verwendet, Kranke zu besuchen und den Toten den letzten Liebesdienst zu erweisen. Welcher Wertschätzung sich der Verstorbene, der stets alle Ehrenstellen abgelehnt hatte, erfreute, zeigte sich an der riesigen Beteiligung sämtlicher Münchener Behörden uud Gesellschaftskreise ohne Unterschied der Konfession, an der heute stattgefundenen Beerdigung, bei der Rabb. Dr. Ehrentreu namens der Orthodox^, Rabb. Dr. Bärwald namens der Münchener Judenschast, Herr Ludw. Haas namens der „Adath Jeschurun", Herr Albert Neuburger namens der Cherora Kaüischo und Pros. Dr. Hugo Lieben namens der Familie sprachen und die Vorzüge des Verblichenen in bereden Worten hervorhooen. Möge Gott der Witwe und den Kindern Trost spenden und zugleich die Kraft, das Wirken des Dahtngeschiedenen fortzusetzen, damit sich an ihm wieder bewahrheite; ,12127 pns 12;. Nürnberg, 3. Oktober. Der Studienrat am städtischen Lyeeum in Kattowitz (Oberschlesien), Herr Dr. Joseph Unna, ist in den bayrischen Staatsdienst berufen und an der Kreisoberrealschule Nürnberg als Studienrat angestellt worden. Herr Dr. Unna war

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