Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1922)
- Date
- 1922-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 3 Nr. 40 u. 41 »er Israeli-. 5. Oktober 1933. Verdunkelung der Gottesfurcht und des Thoralebens. Denn was ist der tiefe Sinn der Gotteslehre, wenn nicht der Ruf zum Leben! Und was anders fordert sie von den Menschen, als die Willensanstrengung, die in dem Worte liegt: „Und du wählest das Leben!" Und nicht von einem beschränkten und kleinlichen Leben spricht das Gotteswort, auch nicht von einem Leben wilden und niedrigen Begehrens, das im Herzen des Menschen leidenschaftlich tobt und ihn doch wie mit einer Kette erdrosselt. Das vom Gotteslichte erleuchtete Leben öffnet dem Menschen weite Himmelsräume, die in Herz und Seele jenen Geist gießen, den das Hallel-Lied so unvergleichlich mit. „Gottes- Weite" TOPHft) bezeichnet. Das so erleuchtete Auge blickt in alle Fernen der Welt und sein Gedanke umfaßt die Ewigkeit. Und das Leben der Thora ist in solchem Maße von Anmut und Schöne durchleuchtet, daß auch die kleinste geistige oder irdische Trübung unerträglich daran ist. Darum, wenn die Gottesstämme nach der heiligen Stadt, nach Jeruscholajim, hinaufwanderten, wenn Israels Söhne dorthin strömten, um zu „lernen, wie man Gott fürchtet", — also die höchste Stufe der Thora und den innerlichsten Lebensgehalt des Menschen zu erklimmen — gerade dann mußte die Luft Jerusalems so seht von strahlender Lebensschönheit erfüllt sein, daß kein Wölkchen den Hlmnnl trübte. Denn, wer da lernt Gott zu fürchten, der hat gelernt zu leben und heiter zu sein vor seinem Gotte. Wochennindschau. Me Aotlage der Rabbiner. Der Gefesselte kann sich nicht selbst befreien. Dieser einfache talmudische Satz hat eine schwerwiegende übertragene Bedeutung: in eigener Sache kann man nicht oder nur schwer sprechen. Das ist der Grund, weswegen die Oeffentltchkeit so wenig über die wirtschaftlichen Nöte der deutschen Rabbinen hört. Und gar «mancher möchte sich Vortäuschen, daß da, wo kein Klagen verlautet, kein Grund zum Klagen vorliegt. Wer aber die Verhältnisse kennt, weiß, mit welch stillem Heldentum in manchen Familien deutscher Rabbinen um die Lebensnotwendigkeiten gekämpft wird, weil diejenigen, die an der geradezu katastrophalen Lage der Rabbinen die Schuld tragen, sich nicht sehen machen. Es ist Tatsache, daß zahlreiche nmm M in /. i5.- . C»./. { Zwei Worte vom Wilnaer Gaon. I. In M. 2, Kap. 34 heißt es: nxi’ L'vpO 'pb* <n jmi fix 71127 ^2. Es wird hier, im Gegensätze zu den anderen Stellen über die WallfahrtS- Pflicht, nicht gesagt, an welchen Tagen diese erfüllt werden wuß In Wahrheit find aber auch hier die drei Wallfahrtsfeste angedeutet, und zwar: 1. fpxn fix, am Feste, das davon zeugt, wie Gott unser Herr und Erlöser wurde, also am Pessachfeste: 'n nnr ximn iw x^p'pü. SchowuauSfeste, welches das vom Sinai verkündete 'v, >n »sjx zur Grundlage hat. 3. /X'ib» ipbx, am Feste, das uns den Israel gewordenen Go rtes schütz zu Bewußtsein bringt, also am Surrothfeste, da wir mit dem 'ji2B>n 711222 '2 '22 ns ganz besonders an ’p*>x gekettet werden. deutsche Rabbinen Not leiden, weil nur zu oft Gemeinden und Vereine ihren einfachen sozialen Pstichten nicht Nachkommen. In vielen Fällen sind gerade die Rabbinen noch immer in keine bestimmte Gehaltsklaffe eingereiht, so daß sie auf Teuerungszulagen angewiesen sind, die der fortschreitenden Geldentwertung nur selten entsprechen. Und — was noch schlimmer ist: es gibt Gemeinden die ihren Rabbimn monatelang Gehalt schuldig sind. Für die Vorsteher solcher'Gemeinden ist es dabei keine Entschuldigung, die Steuern seien noch im Rückstand. In jeder Gemeinde gibt es noch genügend Männer, denen cs eine Kleinigkeit wäre, der Gemeinde das Geld vorzuschießen, damit der Raw nicht zu leiden hat. Seitens des Rabbiners hört man in der Oeffentlichkeit fast nie Klagen. Er scheut davor zurück, in eigner Sache Forderungen zu stellen, wo er so oft im Interesse der Thauro fordernd und ermahnend austreten muß. Tatsächlich kann es leicht die moralische Stellung des Rabbiners erschüttern, wenn er mit Gehaltsforderungen an die Gemeindeverwaltung herantreten muß. Das Verhältnis des Raws zur Gemeinde darf nicht als das des Arbeitnehmers zum Arbeitgeber erscheinen. Dies muffen aber auch die Vorsteher der Gemeinden im Auge haben. Je weniger der Rabbiner die wirtschaftliche Sicherstellung betont, umso mehr müssen sie daran denken. Der jetzige Zustand der materiellen Not der Rabbinen ist gefährlich für die Gegenwart. Ein von Geldsorgen allmählich mürbe gemachter Mann taugt nicht zum geistigen Führer. Noch verhängnisvoller aber sieht es für die Zukunft aus: welch schwerer Entschluß ist es heute für Eltern, ihren Sohn Raw werden zu lassen, wenn sie sehen, wie sehr die wirtschaftlichen Sorgen heutzutage ein-n Rabbiner bedrücken. Es gehört ein großer Idealismus dazu, einen Beruf zu wählen, der in materieller Hinsicht so viel schlechtere Aussichten bietet, als andere Berufe. Glücklicherweise besitzen noch manche Jünglinge diesen Idealismus. Die jüdische Gesamtheit darf ihn aber nicht zu sehr aus die Probe stellen. Bei .fast jeder Neubesetzung eines Nawpostens macht sich schon heute der große Mangel an geeigneten Männern bemerkbar. Und doch ist der Mangel an Rabbinen in Deutschland in den letzten drei Jahren durch die Auswanderung von wohl mehr als 30 Herren aus der Provinz Posen bedeutend gemildert. Das innere jüdische Leben Deutschlands hat sich G. s. D. in den letzten Jahren sehr gebessert. Diese Erfolge müssen mit G. H. weiter ausgebaut werden. Sie dürfen aber nicht dadurch gefährdet werden, daß es an Führern fehlt. Männer und Jünglinge gibt es heute noch, die bereit sind, mit flWüö für JTTm in Deutschland zu wirken. Pflicht der Gemeinden und Vereine ist es, dafür zu sorgen, daß nicht materielle Not i"n die geistige Schwungkraft lähmt. Für das Verhältnis des jüdischen Nährstandes zum Lchrftande muß überall das Wort gelten: TOI liLV. Sabbat und Zwangsschule. Nach den Erlebnissen im Sachsenlande müßte man sich eigentlich fragen, ob man noch ein Recht hat, über den Zwang zur Sabbateutweihung in polnischen Schulen sich zu wundern und aufzuregen. Aber es ist doch immerhin nicht dasselbe, ob eine sozialistische Negierung in ihrem Nwellterungsdrange sich über den Sabbat und andere religiösen Gebräuche von Konfessionen, die im Prinzip für sie nicht existieren, sich gedankenlos hinwegsetzt, oder eine nationale, vom religiösen Katholizismus ausgehende Regierungsbehörde unschuldige, urteilsunsähige jüdische Kinder zur Sabbateutweihung zwingt und damit das religiöse Recht, das sie für sich als erste und vornehmste Stütze im Staatsgebäude in Anspruch nimmt, den andern sich in Minderheit befindenden Konfessionen bewußt verweigert. Letzteres gilt von Galizien und einzelnen Plätzen Kongreß - Polens. Wir meldeten in der jüngsten Nummer, daß eine Delegation der Krakauer Aguda in dieser Sache bei der zuständigen Instanz vorstellig war, und die Meldung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die über die Eltern wegen Zurückhaltung ihrer Kinder von der Schule am Sabbat verhängten Strafen erlassen werden. In dieser Hoffnung liegt der ganze Wert und die ganze Tragik des sogenannten" jüdischen Mtnderheitsrechtes in Polen. Man sollte von rechtswegen nicht hoffen, sondern überzeugt sein, daß die Regierung von sich aus, ohne jede Intervention und Interpellation, die schuldigen Beamten, die nicht wußten, daß sie mit der Zerstörung der Religion im Herzen jnnger Kinder die Grundlagen des Staatswesens zerstören, gebührend maßregeln würde. Statt dessen wird nur gehofft. Und so bescheiden ist diese Hoffnung, daß sie sich nur auf eine Erlassung der über die Eltern verhängten Strafen erstreckt. Man muß daher noch einer anderen Hoffnung das Wort verleihen, nämlich der Hoffnung, daß die jüdischen Abgeordneten und die wahrhaft liberalen Elemente im Seym die Sache zur Sprache bringen und der Landtag durch eine Entschließung die Regierung in dieser Beziehung zur Pflichterfüllung ermächtigt, zu der sie aus Eigenem scheinbar noch nicht die Kraft aufgeboten hat. Die direkten Schulfteuern in Polen sind so enorm, daß sich die Eltern diese unmöglich auf- II. Aus dem Schriftsätze in M. 5, Kap. 16 7 nvL> schließen die Weisen in Traktat „Sukkoh", daß man auch an den letzten Festtagen noch der Freude huldigen müsse Nk-Mvb p->nx fin-A .7. Es sei merkwürdig, daß entgegen dem Grundsätze ptsrü pp*n psx hier ein *]x eine hinzufügende Wirkung haben soll. In Wahrheit aber soll mit dem 7 hier nichts zugefügt, sondern gemindert werden. Die Pflichten reduzieren sich nämlich vom ersten bis zu den letzten Festtagen in folgender Weise: Am ersten sind es drei Pflichten: Lulaw, Sukkoh und „Simchoh", am zweiten usw. schaltet von Thora wegen (xfinixiv) Lulaw aus, bleiben nur Sukkoh und „Simchoh". Wenn nun an den letzten Tagen auch Sukkoh ausscheidet, so bleibt von den drei Pflichten nur noch die der „Simchoh" übrig. So mutz die Vorschrift nvL> 7 rwn sich aus einen Tag an dem von allen anderen Pflichten nur noch die „Freude" waltet, also aus den letzten Tag beziehen. Aus dstse Weise steht der des Talmud .ii-.vvH sn bw p'nx wyfr nvV “jx rrcn aufrecht, ohne daß damit dem Lip'v-Charakter des 7 Abbruch getan wird. Die guten Drei. Von Dr. Felix Wertheimer in Düsseldorf. Ein bekanntes Sprüchlein lautet: „Alle guten Dinge sind drei". Im Talmud (Schabbos 88) heißt ein Spruch: ,/xr>^n oy1? ’xtv^ji fxmx nnn ruvni *p2 'xwvv xm'2, ’xn^n Oi'2, 'xwvfi N' bv." „Gepriesen sei Gott, der erteilt hat seine dreifache Lehre, welche aus Thora, Propheten und heiligen Schriften i-j"2Mbestehteinem dreifachen Volke, welches aus Priestern, Leviten und Israeliten besteht-durch eine dreifache Hand, durch Moses, Ahron und Mirjamnach drei Tagen der Absonderung und Selbstheiltgung im dritten Monar". Die Wichtigkeit, welche in unserer Religion der Dreizahl beigeiegt wird, erstreckt sich auf verschiedene Gebiete. Die ganze Natur umschließt eine Dreizahl: Tier-, Pflanzen- und Mineralreich, alle drei sind eng miteinander verbunden. Der Erdkörper nährt die Pflanzen, diese erhalten die Tiere und alles dient dem Menschen zum Zwecke. Mit ihnen stimmen unsere drei historischen Hauptfeste zusammen (2'^2i Das Psflachsest erinnert an daS Opferlamm aus dem Tierreichedas Schowuosfest erinnert an die Vandestafeln aus dem Steinreichedas Sukkvsfest mit der Laubhütte, dem Feststrautz mit den 4 Fruchtgattungen, erinnert an das Pflanzenreich. So wird die ganze Natur in den Dienst der Religion hineingezogen. Auch beim Menschen ist die Dreizahl nach ihrer wichtigen Bedeutung wahrzunehmen Der Mensch besteht aus drei Hauptteilen: Kopf, Leib und Gliedern. Der Kopf ist die Werkstätte des geistigen Lebens, der Leib ist die Werkstätte des irdischen Lebens und die Glieder sind die Arbeiter dieser beiden Werkstättenauch diese stehen in enger Verbindung zu einander, können einander nicht entbehren. Drei, sagt der Talmud, hüben Anteil am menschlichen Leben: Vater, Mutter und Gott. Jeder, der die drei folgenden Eigenschaften besitzt, gehört zu den Schülern Awrohoms; gutes Auge, bescheidenen Sinn und anspruchslose Seele. Das dretfache Gegenteil kennzeichnet die Jünger Bileams. Drei Kronen unterscheiden unsere Weisen: die Priesterkrone, die Käutgskrone, die Krone des guten Namens (welch letztere die beiden ander« übertrifft). Dem