Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1922)
- Date
- 1922-10-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centralornan ISr das orthodoxe Mnliim [ff gaBsg Segrflndef oon Dr. Lehmann in ütoinz tassaa ulWrF/1 r 63. Jahrgang. ö^^ranhfurt a. IN.. Sen —Achü 8683^®®® M 40 u 41 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland für das vierte Quartal — vorbehaltlich monatlicher Teurungszuschläge — M. 60.— Grundgebühr. Oktober M. 30.— Teurungsznscklag. Lfchecho« Slowakei Kr. 16.—. Ungarn Kr.160.— Viertels., Deutsch-Oesterreich M. 180.—, Pole« (nur in deutscher Reichsmark) M. 160.— viertelt., Rumänien 18 Lei, Holland fl. 1.25, Skandinavien Kr. 2.50, Schweiz fs. 1.80, Frankreich uud Belgien Fr. 6.—, England 1 »h. 9 p.. Amerika 0,50 Dollar vierteljährlich. Eiuzelnummer 8.— Mk. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate Mk. 18.—, für Stellensuchende Mk. 12.—, für die sechsgesp. Col..Z. elnschl.Teuergszschl.r Ausl.,Jns. M! 60.- pro Zeile. Rav. n. Tarif. Bei lauf.Jnseratauftt.larifw. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt a-M., Gr. Eschenheimerstr. SS, Del. 5842, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des Innnd Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19802 - erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 79 605 Postsparkgffengmt Budapest No. 18424 Postscheckamt Zürich 3Sr. VIII 7254 Postscheckamt Amsterdam No. 24 869 Böhmische Unionvank in Prag Banen Sfarmarosch Blank & Co. in Bneareat Filiale des Wiener Bankvereins in Agram Der Ilatfiörucfe Oer Nttlkel und Correfpofitfen^n des „Israelit“ ii! nur unter genauer Quellenangabe, uns. soweit es flcfi um größere Hufföfte hanSelf, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet- 1. Leitartikel: A. W. Heller: Furcht und Freude. — 2. Homiletik: Zwei Worte vom Wilnaer Gaon. — Felix Wertheimer, Düsseldorf: Die .outen Drei. — 3. Kleines Feuilleton: Leinen-Lei(e)nen. — Hut auf! — (Einneues Palästina-Quartett). — 4.Wochenrundschau: Die Notlage der Rabbiner. — Sabbat und Zwangsschule. — 5. Aufsätze: Ed. Bteberfeld, Berlin: Ein vergessenes Jubiläum? — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Die Berliner Gemetndewahlen). — Leipzig (Gegen die Schulerlaffe des sächsischen Kultusministers), — Warschau (Intervention in Sachen Kattowitz). — Warschau (Das ostgalizische Autonomiestatul). — London (Die Einwanderung nach Palästina). — Moskau (Die Kampagne der jüdischen Kommunisten gegen die religiösen Feiertage und Schulen). — Paris (Das große Sterben in Odessa). — Paris (Bom Schicksal der Juden in Smyrna). — New-York (Ein Hilferuf der Juden in Anaora). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Briefkasten. — lO.FrankfurterBerichte. — 11. Familiennachrichten. — 12. Vereinskalender.— Gebetzeiten. — 13. Feuilleton.Beilage: Die zwei Zeugen. — Die Thorarolle des Rabbi Abuhab. — Litauen. — (Messe und Thoralernen). — (Religiöser Menschheitsbund). — (Reue Ausgrabungen in Italien). — (Konfessionsstatistik in Deutschland). — 14. Kinderecke: Aus den Kindheitstagen eines Grossen. — 13. Literaische Warte: Das Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft XIV. - Das nächste Programm der Gesellschaft Mekize Nirdamiw. — Bibel und Wissenschaft. — Bücherbesprechungen. — Literarische Notiz. — Eingegangene Bücher. — 16. Erziehung und Lehre: Betrachtung zu urinöP ivi. — Aus Nah und Fern. — 17. Blätterbeilage. Furcht und Freude. Bon A. W. Heller. Kirr Kapitel aus der Mischen KtM. Die von Rabbiner I. S. Dvorecs in Kamai trefflich redigierte hebräische Monatsschrift „Twunoh" hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere den Geist und die Lehre Rabbi Israel Salanters s. A. in lebendiger Fortentwicklung weiter zu pflegen, und ihn in glücklicher Syntese mit neueren agudistischen Gedankengängen zu verschmelzen. Wir veröffentlichen im Folgenden die Uebersetzung einer kleinen ethifch-reltgtösen Studie, die ein gutes Bild der Eigenart der ganzen Richtung gibt. Wir sind an den Gedanken gewöhnt, ja wir betrachten es als ein unbestreitbares Axiom, daß Furcht und Freude zwei weit von einander geschiedene Begriffe sind, Gegensätze, die nicht beieinander wohnen können. Der von Furcht Erfüllte kann nicht heiter sein, und der Frohsinn verdrängt die Furcht. Wenn wir jedoch die Betrachtungsweise der Thora anwenden, so erscheinen uns die Dinge in anderen Formen und Gestalten. Wir erfahren dann, daß Furcht und Freude sich nicht nur nicht ausschließen, sondern daß sie zuettzandergehören und einander ergänzen, und daß die eine nicht ohne die andere bestehen kann. Eine Mizwah enthält die Thora, deren innere Begründung ausdrücklich hinzugefügt ist: es ist die Pflicht des zweiten Zehnten (Maaser scheni). Sie besagt, daß jeder Jude verpflichtet ist, den zehnten Teil seines jährlichen Einkommens an Feldertrag abzusondern und über diesen Zehnten nicht an jedem beliebigen Orte zu verfügen, ihn vielmehr ausschließlich in Jerusalem zu verzehren. Zu welchem Zwecke? Das Gotteswort sagt es selbst: „Damit du lernest, Gott deinen Gott zu fürchten alle Tage." Das bedeutet also, daß der Mensch, während er den zweiten Zehnten in Jerusalem verzehrt, sich Gottesfurcht aneignen werde an dem Orte, der dazu erwählt ist, dem Orte, an dem die Gottesherlichkeit ruht, und die Heiligkeit über Israel ausströmt. Nach unseren Begriffen von Gottesfurcht würden wir annehmen müssen, daß der Mensch, wenn er nach Jerusalem heraufkommt, um die Gottesfurcht zu erlernen, sich selbst in Sorge urd Schmerz, in Zagen und Beben versetzen müsse — daß Jeruscholajim, als die 'eigentliche Stätte zum Erlernen der Gottesfurcht, Ernst und Schwermut in ihren Mauern berge, daß tausende von Menschen dort alle Beziehungen zum Diesseits und zum irdischen Leben von sich abschüttelten, mit durchfurchtem Antlitz, in Gedanken bitteren Weltschmerzes gehüllt, einhergingen und eine Atmosphäre der Entsagung und der Trauer um sich herum schüfen, die Leben und Lekenssucht ertöten muß. Wie könnte es denn anders sein, in diesem eigentlichen „Lehrhaus der Furcht." Wie erstaunen wir, wenn wir in diesem Thoraabschnit ein paar Zeilen weiter lesen: „Und du verwendest das Geld, zu allem, wonach deine Seele gelüstet, für Rinder — für Wein — und du freust dich, du und dein Haus und genießest vor Gott deinem Gotte." Die Freude — was soll sie? FamiUen-Mahlzeiten, Essen nnd Trinken, und alles dies, damit du „lernest Gott deinen Gott zu fürchten?" Nnd nicht nur dies allein, daß jedes einzelne Individuum, wenn es nach Jerusalem kam, um die Gottesfurcht zu erlernen, die Pflicht hatte, sich zu freuen und seinem Hause, seiner ganzen Umgebung Freude zu stiften — Jerusalem als Ganzes sollte die „Wonne des ganzen Landes" se*!n. Jerusalem sollte es sein! Nicht zufällig ward es zur Stadt der Freude, nicht als Residenzstadt und Weltstadt war es von Jubel erfüllt, sondern seiner Bestimmung nach sollte es die Wonne der ganzen Erde sein, sodaß man sich um deswillen bemühte, jeden Anhauch des Schmerzes und des Unschönen von ihr fernzuhalten. Rabbi Jochanan sagt: „Eine Stätte der ernsten Prüfung und Abrechnung befand sich außerhalb Jerusalems und wer sich ernsten Gedanken hin geben wollte, der ging dort hinaus." Warum? Damit „er nicht in Jerusalem selbst sich schwermütigen Gedanken hingeben weil die Stadt die „Wonne der ganzen Erde" heißt. (Midrasch rabba , Abschn. Pekude.) So lebendig also und alles durchdringend war das Gefühl der Freude in Jeruscholajim, daß sie auch nicht den Schatten eines Gefühles des Unbehagens ertragen konnte! Und wegen der Unzufriedenheit irgend eines Einzelner:, der über dem Buche seiner Rechnungen sitzt und Schmerz empfindet, weil die Rechnung nicht restlos aufgeht, wegen dieser kleinlichen, unbedeutenden Schmerzempfindung bereitete man eine besondere Stätte außerhalb der Stadt, um auch diese leise Freudentrübung ferrzuhalten! In das große Meer der Freude Jeruscholajims durfte sich auch kein Tröpflein von Bitterkeit mischen, ihr Himmel sollte in kristallklarer Reinheit leuchten, kein leises Wölkchen den Sonnenstrahl verdunkeln und in vollen Zügen sollte der Mensch in Jeruscholajim die jauchzende Schönheit der „Stadt der Wonnen" in sich saugen. Und warum alles dieses? Weil Jerusalem heilig und göttlich sein sollte, vollvon Thauro und Jiras schomajim, deshalb mußte sie voll Leben und unvergleichlicher Freude sein und jede Verdunkelung dieser Freude bedeutet eine