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Der Israelit · 1922-09-28 · Heft 39 (28.9.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 39 (28.9.1922)
Date
1922-09-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 39 Der Israelit Partei vertritt, entschloß sich nun, aus die Vollstreckung des Gerichtsurteils zu verzichten und schlug die Entscheidung eines Din Thora beim Rabbinate vor. Das Rabbinat in Lublin konnte in der Sache zu keinem Entschlüsse gelangen, da das formale Rrcht scheinbar auf Seiten des Klosters liegt. Er beantragte, daß von beiden Parteien Vertrauensmänner gewählt werden, die dann zu einer Vereinbarung gelangen mögen. Der Bischof erklärte sich mit diesem Bescheide einverstanden. Polnifdier Minöerlieitensckrub Warschau, 17. Sept. Das Warschauer Blatt „Nasz Kurjer" veröffentlicht einen Prot.-st jüdischer Schriftsteller geoen die Schließung von sechs Warschauer jüdischen Schulen. EDahlfcbmeim Warschau, 15. Sept. Der Aufmarsch der jüdischen Gruppen zu der Wahl des Landtages hat begonnen und die Meinungen platzen hart aneinander, Im „Jud" wie im „Neuen Haint" wird dem Gedanken des Blockes der Minoritäten warm das Wort geredet. Der „Moment" nimmt eine unsichere Haltung e n, da die ihm nahestehenden Volkisten gegen den Block sind. Dagegen sucht die bundiftische „Volkszeitung" in der ihr eigenen radikalen Welse den Block zu zersplittern. Bitter und sehr richtig bemerkt der „Jud", daß das Organ des Bundes, der darauf ausgrht, auf die Lügen der Gesellschaft hinzuweisen, doch selbst vor gröbsten Lügen zurückschrecken müßte im Kampfe gegen die anderen Parteien. Noch trauriger ist, daß die antisemitische Presse in dieser Beziehung der bundistischen eifrig zu Hilfe kommt. Mtlirrrn. Der lvalilkampl in ßilsuen. Kowno, 26. September. Die Larrdtaqs-Wahl-Campagne ist nun in vollem Gange. Unter den 19 Kandidatenlisten befinden sich drei jüdische: 1. die des „Achduth" (Aguda und Zeiere Israel), 2. der „Nationalen Autonomie" (alle zionistischen Gruppen) und 3. der „V ol kistis ch c n Partei". Andere kleine jüdischen Grüppchen kommen kaum in Betracht. Die Frage einer Blockbildung der genannten drei jüdischen Liften scheiterte schon in den Vorverhandlungen an den widerstrebenden Wünschen der Zionisten und Volkisten, so daß die Orthodoxie noch gar nicht Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu nehmen. Das litauische Ministerium hat scharfe Verordnungen gegen jede Art von antisemitischer Hetze erlassen. Hoffentlich werden sie auch von den Nnt rbeamten mit der gleichen Energie durchgeführt. Kilauisckie KehiKa - Sorgen. Kowuo, 12. Sep'ember. Auf der letzten Sitzung des Aktions-Komitees wurde d!e baldige Einberufung des Jüdischen Nationalrates beschlossen. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Vorschlag, den Gemeinden eme Abgabe von 10 °/o ihres"Budgets für die Erhaltung des Nationalrates aufzuerlegen, sowie die Einrichtung emes zentralen Btldungs- und Kultusorganes. An dieser Session sollen auch endlich Beschlüsse in der Erziehungsfrage gefaßt werden, zu denen man aus drm litzten Kehillaus-Kon grosse nicht gelangen konnte. Doch ist zu erwarten, oaß die Meinungen dieses mal noch schärfer aufeinanderplatzen, als auf dem genannten Kongreß. Es soll auch die Frage des jüdischen Ministeriums und der jüdischen Sprachrechte erörtert werden. Die tfdiedioIioDaKifchen Rabbiner und der Zionismus. Mratistava, 22. September. Hier fand am 19. Elul eine Plenarversarnmk lung der orthodoxerr Rabbiner der Tscheche. Slowakei statt,- um über Abwehrmaßregeln gegen die dem überlieferten Judentum vom Zionismus und Misrachismus drohenden schweren Gefahren zu verarm. Die grfaßten Beschlüsse sind vorläufig nicht bekannt,- doch dürfte es sich um recht einschneidende Maßnahmen handeln. KettLttnd. Die leMcken Kandlagswalilen- Httga. 15. Sept. Wie jetzt ftststeht, wird die' jüdische Bevölkerung in Lettland an den kommenden Landtagswahlen starken Anteil nehmen. Zionisten, Mis« rachi und Rat onal-Demokraten haben sich zu einem Block vereinigt Eigene Listen haben Agudas Jisroll, „Zeier? Zion" und Volkspartet. Vorerst sind die Aussichten nur für Block und Aguda sicher, für ersteren zwei und für letztere ein Mandat. Der Bund marschiert zusammen mit der lettländllchen Sozialdemokratischen Partei, da er prinzipiell keine „separate jüdische Politik" machen will. Für die Wahl-Agitation ist die jüdische Sprache in öffentlichen Versammlungen freigegeben. lieber die antisemitischen Strömungen in Negierungskreisen spricht folgender Fall Bände: Französische Kapitalisten erhielten von der lettischen Regierung die Konzession, am Rigaer Strand eine Spielhalle zu eröffnen. Im Vertrage machte aber die Regierung den französischen Unternehmern zur Bedingung, daß sich keine Juden am Unternehmen beteiligen. So sehr es zu begrüßen ist, daß Juden an diesen internationalen Spielhallen- und Höllen unbeteiligt bleiben, so ist doch die Tendenz, die zu diesem Ausschluß führt, darum nicht minder niedrig und gewiß nicht dazu angetan, das Vertrauen der Juden zur Regierung zu stärken. Schwei?. Die millfcQr in IDilna Genf, 15. September. In der Vormittagssitzung der Vollversammlung des Völkerbund-Z vom 15. September kam der litauische Protest gegen Willkürakte der polnischen Negierung im Gebiet von Wilna zur Verhandlung. Namens der Jnttiativkommission b-rlchte Hymans-Betgien über die geschäftliche B -Handlung der Frage. Litauen beklaae sich über alle nur denkbaren Willkürakte der Polen. Die Städte und Dörfer werden von polnischen Abteilungen geplündert, die weder vor christlichen Kirchen noch vor jüdischen Synagogen haltmachten. In Rodune sei am 22. Juli ein regelrechtes Pogrom von einem polnischen Ulanen-Negiment arrangiert worden. Das alles geschehe in einem Grölet, das Polen sich widerrechtlich angeeignet habe. Die litauische Delegation ersucht die Bölkrrbundversammlung, einen Protest gegen die Nichtinnehaltung der von Polen eingegangenen internationalen' Verpflichtungen zu erheben und eine Kommission zur Untersuchung der polnischen Verwaltung im Gebiet von Wilna zu entsenden. Der polnische Delegierte Askenasy hatte gegen alle diese Beschuldigungen seinerseits protestiert. Die Versammlung entschied gemäß dem Antraa Hymcms. daß sie sich nicht abermals mit dieser Angelegenheit beschäftigen könne, da keine neue Tatsache vorliege. Zur Frage der schlechten Behandlung der Bevölkerung beschloß die Versammlung, die litauischen Beschwerden an die sechste Kommission, die sich mit den Minderheiten beschäftigt, zu verweisen. NirMrrrrd. Die Kommuniflifdie Jugend gegen die jüdischen Feiertage. Moskau, 13. Sept. Nach Meldungen der Moskauer Zeitungen bereitet die jüdische kommunistische Jugend eine scharfe Campagne gegen die Abhaltung der bevorstehenden religiösen jüdischen Feiertage vor. (J.C.B.) ._ 38. September 1922 Das Toben der Sowjefaeridife. Aiga, 20. September. Mit gleicher Wut, wie alles Religiöse, verfolgt die Sowjetregterung auch alles, was jüdischnational ist. Ix Kiew standen, nach einem Berichte des Moskauer „Emmes" 37 Mitglieder der Zetre Zion-Organisation vor Gericht, dir beschuldigt werden, an einer illegalen Zeire Ziovk. Konferenz teilgenommen zu baden und vier Synagogenvorsteher, die die Versammlung in der Synagoge geduldet hatten. Nach mehrtägiger Verhandlung fällte das Tribunal folgendes Urteil: 11 der Beschuldigten, als die geistigen Führer und Mitgliedec des Merkas der Fraktion, nämlich: Fischer, Lurie, Dobrin, Towbin, Haluker, We nstein, Ltebermann, Schallmann, Salkower, Berl'nski und Borowa wurden zu zwei Jahren Zwangsarbeit bei strenger Isolierung verurteilt,- die übrigen Angeklagten teilte man in zwei Gruppen. Während die eine Gruppe, aus den jüngsten Angeklagten bestehend, ais „Verführte" freikamen, wurden die Angehörigen der anderen Gruppe zu Zwangsarbeit voa 1—2 Jahren verurteilt, wobei ihnen eine Bewährungsfrist zugestandrn wurde. Von den Religionsverkolgungen in Rußland- Warschau, 12. September. Rabbi Morde lat Etdelberg, Rabbiner zu Nckolai in der Ukraine, der zur Zeit in Warschau weilt, teilt haarsträubende Dinge über die Verfolgungswut der jüdischen Bolschewisten gegen olles Religiöse mit. In einer von amerikanischen Geldern unterhaltenen Volksküche zu Nikolai, war es mit den Kaschruß schlecht genug bestellt, doch konnte man sich damit trösten, daß jr ohnedies keine Fleischkost verabreicht. wurde. Doch wie groß war der Schrecken des Rabbi, als er am ersten Pesachtage des vorigen -Jahres beim Besuche der Anstalt gewahrte, daß die Gäste Weißbrot vorgesetzt bekamen. Zur Rede gestellt, lachten ihn de bolschewistischen Leiter der Küche aus und sagten, sie hätten aus dem amerikanischen Mchle wohl auch Mazzos gebacken, die sie sich aber gern selber schmecken lassen. Rabbi Eiüelberg richtet im Warschauer „Jud" einen dringenden Appell an die amerikanischen Wohltäter, doch fttts zu bedenken, in wessen Hände ihre Spenden fließen und dafür Sorge zu tragen, daß die großgedachte Wohltat nicht in ein Verbrechen ausartet an Seele, Gewissen und Leben der Hungernden. — Es wäre wahrlich Zeit, daß nach dieser R.chtung etwas geschieht. England. Sfld-Hfriha als £lnn>anderunas(an3- London, 15. Sept. Der Sekretär der südafrikanischen jüdischen Gesellschaft gibt bekannt, daß in Südafrika neuerdings sehr scharfe Einwailderungsbestinrnrungen erlassen worden sind, die es den metften ostjüdischen Auswanderern unmöglich machen werden, die Landung in Südafrika durchzusetzen. Es wird daher angesichts der langeil, mühereichen und kostspieligen Reise von Osteuropa nach Südafrika dringend davor gewarnt, die Auswanderung dorthin zu unternehmen, bevor die Interessenten sich über die. Sicherheit ihrer Zulassung vergewissert haben. Evtl, wolle mau sich an den jüdischen Board of Deputi.es m Johannisburg, 32, Neins Stockes Exchange wenden. Kalästina. Neues aus PalSINna- Jerusalem, 18. September. Dieser Tage ging in Sichern der arabische Kongreß zu Ende, der sich in der Hauptsache mit dem Palästina-Mandat beschäftigte. Es wurde beschlossen, Proteste gegen dos Mandat zu erheben und Missionen nach den Hauptstädten Europas zu entsenden, die dort die arabische Sache vertreten sollen.

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