Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1922)
- Date
- 1922-09-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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38. September 1923 Der Israelit. Am Rüsttage zum Elulanfcmg war hier vom Rabbinate ein Fasttag angesetzt. Viele Tausende find der Verordnung nachgekommen und verbrachten den Tag in Gebeten in den vielen Synagogen wie an der Westmauer. Auch find nomhafte Spenden für die jüdischen Opfer des Hungers in Rußland an diesem Tage geflossen. Die Ueberfülle der Araber bet Tel Abib, von den bereits berichtet wurde, wirken geradezu erschütternd. Die Tatsache, daß die Araber selbst in diesem jüdischen Zentrum vor Bluttaten nicht zurückschrecken, zeigt deutltck, mit welch grimmigem Feinde man es hier zu tun hat. Die Mörder find immer noch nicht ausfindig gemacht und die jüdischen Zeitungen werfen der Regierung und den zuständigen Behörden Lässigkeit und Gleichgültigkeit in der Führung der Untersuchung vor. In einem neuerdings vom Justlzkanzler ergangener Erlaß werden alle Verwaltungsrechte in den gemeinnützigen jüdischen Anstalten dem Rabbinate übertragen. Prozesse und Klagen gegen die Anstalten oder innerhalb derselben können nur bet Einwilligung beider Parteien vor die allgemeinen Gerichte gebracht werden. Profelyfen nach Palästina Jerusalem, 15. September. Aus Podolien wird nach Jerusalem berichtet, daß sich zehntausend russische Bauern und Handwerker aus der Gegend von Minkowci, nachdem sie regelrecht zu Judrntum übergegangen find, auf dem Wege nach Palästina befinden. Sie besitzen olle Dokumente, die ihre Aufnahme ins Judrntum bezeugen und haben, vom Glauben an die nahende Erlösung geleitet, den starken Willen, an dem Aufbau Palästinas mitzuarbeiten. Die Uerftünöung des Mandates. Jerusalem» 12. Sep»-. Das Pal ästina Mandat ist am Montag;3V-> Uhr nachmittags feierlich verbindet worden. Sir Herbert Samuel leistete gleichzeitig den Eid auf die Verfassung und die königliche Verordimng. Samirel feierte in längerer Rede den Augenblick und sprach die Hoffnung aus, daß für das heilige Land unter dem Schach, imb Schirme des britischen Reiches eine glückliche Periode des Wiederauflebens mit diesem Tage beginnen werde. Warme Begrüßnngsworte widmete der Oberkommifsar insbesondere den als Ehrengästen anwesenden Lord Allendy,. dem Eroberer Palästinas, sowie dem Emir Abdul la von Trans jo rd anien. Der Präsident des arabischen Kongresses hat auch diesen Tag nicht vorübergeh'en lassen, ohne im Namen der paläftinenfischeir Araber gegen die neue Verfassung zu protestieren. liebet fälle in Palästina. Jaffa, 1. Sept. . Zu den Ueberfällen der Letzteren Zeit komntt ein neuer hinzu, der die Bevölkerung von Tel Mb in größte Erregung versetzt hat. Ganz in der Nähe dieses Stadtteiles in New eh Schaanan nmrbeu gegen fünf jüdische junge Leute, die friedlich ihres Weges gingen, plötzlich von Arabern eilt lvahrer Kugelregen eröfstret. Einer der Angegriffenen, War di, fiel sofort tot zu Boden, ein anderer namens S'chimoni wurde schwer verletzt. Die Schiehierej dauerte eirce ganze Weile uttd es gelang den Arabern, trotz herbeigeeilter Polizei zu entkommen. Personalien. Berlin, 20 Sept. Herr Rabbiner Dr. Vetttto Cohen, bisher Rabbiner der Israelitischen Religtonsgesellschaft in Heilbronn, ist an die Jsraelittsch-Sephardtsche Synagoge in Berlin, Lützowstraße, berufen worden und wird sein neues Amt am ersten Sukkothtage antreten. Mastbach (Untersr.), 17. Sept. Am Freitag, den 1. September, feierte Herr M. A. Marx dahier, ein in den orthodoxen Kreisen ganz Deutschlands nicht unbekannter Mann, seinen 70. Geburtstag. Herr Marx ist Vermischtes. Inhaber einer Metzgerei und eines WurstwarenversandpeschäfteS und überzeugter Jehudt. Das Kisfinger Rabbinat würdigte seine Verdienste um die religiösen und profanen Institutionen der Gemeinde, deS Distrikts und der gesamten Judenhett durch Verleihung deS irnTitelS. Herr Marx ist Ausschußmitglted deS bayerischen RateS und diverser anderer Bereinigungen zur Förderung und Erhaltung deS traditionellen Judentumes. Seit jungen Jahren übt er die Funktionen eines Mohels unentgeltlich aus. Entbehrungen vieler Art war er dadurch ausgesetzt, aber er scheute Wind und Wetter nicht, Verluste pekuniärer und ideeller Art, um diese Mizwoh zu erfüllen. Wohl 600 oder noch mehr Knaben wurden von ihm in AbrahamS Bund eingeführt. Seit fünf Jahrzehnten versteht er vnknigettlich das Amt eines Chaian an den in prachtvollster Weise, ebenso das Amt eines Bal- Tokeah. Als infolge der geringen Kinderzahl die bayerische Regierung die bestehende Elementarschute aufhob, war er es, der unermüdlich dafür sorgte, daß Maßbach nicht ohne jüdische Lehrer blieb. Die Anlegung eines p'70 in Matzbach ist sein Verdienst. Prüfungen mancher Art waren ihm auferlegr. Sein unerschütterliches Gottvertrauen lietz ihn göttliche Fügung hinnehmen und hielt ihn aufrecht. Möge e8 dem Jubilar vergönnt fein, noch viele Jahre in gleich geistiger und körperlicher Frische wie heute im Kreise seiner Enkel zum Segen seiner Familie, der Interessen der jüdischen Gemeinde Matzbach und des Distrikts und der gesamten Judenhett zu verbringen. London, lö. September. Die Mutter Lord Readings, des Viz"-Köntgs von Indiens, Mrs. I. M. Jlaacs, ist vorige Woche in dem hohen Alter von 88 Jahren gestorben. Antwerpen, 25. Sept. Direktor S. M.Slagter von der Israel titschen Knabenschule Jesaudei Hattauroh Hierselbst, hat einer Berufung nach seinem früheren Wirkungskreis Folge geleistet und übernimmt die Leitung der Israelitischen ReliaionSschule zu Rotterdam. Janoshaza (Ungarn), 25 Sept. Am 26. Elul wurde der neugewählte Oberrabbtner Josef Rubinst ein eingeführt. Eine Deputation seiner bisherigen Gemeinde Kccskemat, sowie Herr Oberrabbiner B. Fuchs aus der Großwardeiner orthodoxen Gemeinde, begleiteten ihn in seinen neuen Wirkungskreis. Aus der Bahnstation wurde der Oberrabbiner von einer Herren- und die Rabbinerin von einer Damen- Deputation empfangen In dem geschmückten Wagen der Stadt fuhr der Obberrabbiner zum Tempel, wo er von einer begeisterten Menschenmenge erwartet wurde. Die städtische Polizei und Feuerwehr bildeten Spalier. Nachdem Gemcindepräsetz Sander Spitzer den Herrn Oberrabbiner begrüßt hatte, bestieg dieser die Kanzel, um in einer formvollendeten Rede für den Empfang zu danken und entwickelte sein Programm, die Gemeinde in traditioneller Weise zur Treuen zur Religion, zur Treue zu Stadt und Land anzuetfern. Hieraus folgte der Empfang der Deputationen. Die Stadt schickte eine Depukarion unter Führung des Richters, die evangelische und die römisch-katholische Gemeinde unter Führung ihrer Vorsteher. Alle betonten, datz die Stadl und das ungarische Land nur dann zur Ruhe und Blüte gelangen können, wenn Frieden und Eintracht unter den Bürgern herrschen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses. Zu Ehren der Gäste gab die orthodoxe Gemeinde ein Bankett im Gemetndesaale, bet welcher Gelegenheit schöne Thoraworte gesprochen wurden. ES sprachen ernst oder humoristisch die Herren Oberrabbtner B- Fuchs, Grotzwardein, der Rabbinerverweser von Celldömölk A. Grünberger, Oberrabbiner Josef Rubinftetn, Gemeindepräses Sandor Singer, Hermann Lövy auS Nove Zamky. Telegraphisch gratulierten. Die orthodoxe LandeSkanzlei Budapest, die orthodoxen Gemeinden Grotzwardein und Nove Zamky, Rabbinat Grotzwardein und viele andere. Diese Feierlichkeit hat abermals die Tatsache bewiesen, datz das ungarische Volk in feinem Kern liberal ist und gerne in Frieden mir seinen jüdischen Mitbürgern lebt, solange nicht selbstsüchtige Agitatoren von auhen mit ihrer Hetze kommen. Leipzig, 17. Sept. Unter großer Teilnahme der jüdischen Bevölkerung fand am Sonntag die feierliche Einweihung der neuen Synagoge des Talmud- Thora-Berelns an der Otto Schillstraße statt. Schon lange vor Beginn der Feier war das prächtige Gotteshaus von einer andächtigen Gemeinde erfüllt und immer neue Scharen begehren Einlaß. In den Reihen der erschienenen Ehrengäste bemerkte man den KreiShauptmann, Vertreter der städtischen Behörden, des Stadtverordnetenkollegiumtz und der Israelitischen Gemeinde. Rach feierlichem Chorgejang und Gebet dankte der Baumeister der Synagoge, Architekt Pflaume, zunächst dem Stifter des Gotteshauses, CH. Eitingon für das lebhafte Interesse, das er dem Vau cntgegengebracht habe und die Gebefreudigkeit, durch die es einzig und allein möglich geworden sei, das Werk auch in dieser schweren Zeit zu vollenden. Er dankte weiter seinen Mitarbeitern, die zum Gelingen durch nimmermüde Arbeit beigetragen hätten und übergab das Haus dann dem Verein mit dem Wunsche, daß es den Mitgliedern gefallen und Gott seine schützende Hand darüber halten möchte. Nachdem ein Vertreter des Vorstandes die erschienenen Gäste und die Gemeinde- » Nr. 39 Sette 7 Mitglieder begrüßt hatte, brachte Bürgermeister Dr. Weber in Vertretung des Oberbürgermeisters dem Talmud-Thora Verein herzliche Wünsche dar und sprach die Erwartung aus, daß zwischen dem Verein und der Stadt, die mit ihren Besitzungen an die Synagoge grenzt, immer freundnachbarllche Verhältnisse bestehen möchten. Im Namen der Israelitischen Gemeinde ergriff deren erster Vorsitzender Herr Rosenihal das Wort. Die Gemeinde begrüße es mit Freuden, daß der Tatmud-Thora-Veretn nunmehr für seine zahlreichen Mitglieder ein würdiges Gotteshaus habe. In ähnlichem Sinne sprach Gemeinderabbtner Dr. G v l d m a n n, der die Errichtung des Gotteshauses als eine Kulturtat bezetchnere und wünschte, daß es ein Haus wahren jüdischen Lebens und wahren Friedens sein möchte. Die Weiher ede hielt daraus Herr Rabbiner Dr. Carlebach. Nach sinniger AuS. deulung vieler Bibel- und Talmudworre, dankte er dem Stifter des Hauses sowie seinem Erbauer und ließ seine Ansprache in den Wunsch auSkltngen, datz das Haus eine Stätte der Erbauung und Belehrung lein möchte. Unter Gesängen deS Vorbeters und Chores wurde hierauf die heilige Lade geöffnet und Sie feierliche Aushebung der Thorarollen vollzogen. Dem Umzug durch das Gotteshaus und der Aufstellung vor der heiligen Lade folgte die Entzündung der ewigen Lampe durch das älteste Gemeindemitglied, einen 85 jährigen Greis. Hiermit war die eigentliche Weihe vollzogen. Mit einem Gebet für die Regierung und Cyorgefang fand die Feier ihren harmonischen AuSklang. Dieburg, 3. Sept. Vor wenigen Wochen waren es 50 Jahre, daß Frauen- und Männer-Chevro hier gegründet wurden. — Der (Gedenktag wurde in ein-' jacher und würdiger Weise begangen. Die Chevro fastere n"->p, ging zum jv? und am darauffolgen. . den Sonntag vereinigten sich beide Chevros niit noch andern Gemeindemitgliedern und Gästen im „weißen Roß", mit bei Kaffee und Kuchen einige Stunden, gemütlich zu verbringen. ES war eine stattliche Zahl von Teilnehmern erschienen und in dein freundlich geschmückten „großen Saal" entwickelte sich ein lebhaftes Treiben. Der Porst eher der Ehevro H. A. M. Loeb begrüßte Mitglieder und Gäste mit herzlichen Worten und erteilte alsdann Herrn Lehrer Kaufmann das 28ort zu einer Rede. - Herr Kaufmann verstand es in sehr zutreffenden, zu Herzen gehenden Worten die Bedeutung der Feier zu schildern und gedachte der entschlafenen Mitglieder. — Später ergriff Herr A. M. Loeb das Wort, nur über die vergangenen 50 Jahre einen Rückblick zu werfen und auch des Mannes zu gedenken, durch dessen Initiative die Chevro gegründet wurde, seines Vaters Kaufmann Loeb n"y. — AlSdann sprach Frau Stadtrat Lehmann für die Frauenehevro und .übeneichte in einer herzlichen Ansprache der Gründerin derselben, Frau Kaufmann Loeb Wwe., die 50 Jahre im Vorstände wirkt, einen reizend geschmückt! und wohlgesullten Delikatessenkvrb. — Frau Loeb - tief ergriffen dankte für die erwiesene Aufmerksamleit und versprach, soweit es ihre Kräfte gestatten, sich nach wie vor der Chevro zu widmen. - Herr Lehrer Bär aus Buer (Wests.) als Gast anwesend, verlieh seiner Freude über die würdig und gelungen verlaufene Feier, in herzlichen Worten, lebhaften Ausdruck. — Die Zwischenpausen wurden durch ernste und heitere Gesangsvorträge und Recitationeu auSgefüllt und gab eS ganz prachtvolle Leistungen. - ES zeichneten sich besonders aus die Damen: Frau Joses Heil, Frl. Martha .Krämer, Bertel und R'ösel Schilklaper. — Das Benschen wurde amerikanisch versteigert und brachte 1836 Mk. ein, die der Palästina-Centrale überwiesen wurden. Sv vergingen in schttmann-I Theater 1 Die große Modenschau mit dem neuen internationalen Varieieprogramm Sonntag, 3 Uhr: Große Fremdenvorstellung Gross-Frankfurt Weinklause. Tanzpalais. Das führende Kabarett Das vornehme Westdeutschlands. ABENDLOKAL. Wiener Kaffee Ungarische Kapelle. Eigene Konditorei.