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Der Israelit · 1922-09-28 · Heft 39 (28.9.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 39 (28.9.1922)
Date
1922-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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no. S9. Seite 3. Der Mraeltk. 28. September 1823. dann, wenn er den Charakter dieser Umwelt genau kennt, nicht einmal den geringsten Grad der Freude, Simcha, geben. Gott möge die Welt so gestalten, daß die Zaddikim sehen und sich freuen können. Denn in der gegenwärtigen Wett müssen sie ein, vft auch beide Augen zudrücken oder am besten, gleich der „Justitia", sich Augenbinden zulegen. Sonst erleben sie nicht viel, worüber sie reine Simcha empfinden könnten. Die Unbeirrbar-Redlichen sind hierin etwas anders geartet. Bei der Leichtigkeit ihres Sichentscheidens zum Guten werden sie oft gerade im Ueberwinden der schlimmsten Hemmnisse des Diesseits eine Freude empfinden, werden diese aber mit Rücksicht auf die äußere oder seelische Not der tm Triebeskampfe ausgehenden Anderen niemals hervorkehren. Auch die D'TDn, die ja gern dem Hymnus ihres Tatenlebens eine Aeußerung in Worten, kaum gewollt, anfügen, werden in gegenwärtiger Welt kaum den Mut finden zu einem Sichhingeben an die laute Freude. Und darum beten wir: „Und so mögen strenge Gerechte mit offenen Augen Freuden erleben, unentwegt Redliche sich ihrer Psttchterfüllung offen zwischen Gleichen freuen können, dich Liebende auch der Freude sich vollen Mundes hingeben dürfen." In gegenwärtiger Welt weiß ja niemand zu so schönen, von Menschenliebe triefenden Worten den Mund weit aufzutun als die Unterjocher der Völker. Und nichts weiß sich auf Erden besser feftzusetzen als die ganz rücksichtslose, gesetzlose Schar der Gewalthelden (Rischa). Ja, selbst wenn sie ganz oder teilweise das Feld haben räumen müssen, so gedeiht auf Jahrzehnte hinaus nichts auf dem Boden, den sie verwüstet oder in dem Volke, das sie ausgeplündert hattenja selbst sogar dann, wenn ihre bösen Lüste nicht zu einer solchen verwüstenden Auswirkung gelangt sind, so drückt doch schon ihr bloßes Dasein gleich erstickendem Qualme auf das ganze Leben und Gemüt ihrer Zeit und ihres Landes. -Wer ist es denn, der das Aufkommen solcher Helden überhaupt ermöglicht? Das ist die schrankenlose H'errschgewält Einzelner, die von niemandem ihrerseits abhängig zu sein scheinen. Ihre Gewalt, „Memscheleth", kennt keinen Herrn. (— Als Josefs Brüder ihrem Vater erzählten, Josef sei „Moschel" in Aegypten geworden, fanden sie mit diesem Berichte keinen Glauben. Denn Jakob kannte seinen Josef zu gut, als daß er von ihm, bet allen Charakterfehlern, hätte annehmen mögen, er sei ein unumschränkter, gesetzloser „Moschel", Gewaltherrscher geworden. Hier sehen wir, was „Moschel" bedeutet.—)-Eins gibt es, wovon gerade die „Moschelim", die Gewaltherrscher, mehr als sie selber ahnen, abhängig sind; das ist „Sadon", die eigene, übermütige Laune. Dies alles veranlaßt uns, zu beten: „— — — und Unterjochungskunst möge ihren beschönigenden Redeschwall nicht mehr versuchen dürfen, jede Gesetzlosigkeit aber restlos gleich verwehendem Rauche schwinden, indem du die schrankenlose Gewalt der den übermütigsten Launen unterworfenen Machthaber von der Erde beseitigen wirst." Wochennmdschau. Teure Moginr. Die Mark-Entwertung, die so tief in alle Lebensverhältnisse etngreift und zerrüttende seelische Wirkungen in fast noch höherem Maße ausübt als materiell-wirtschaftliche, hat auch der Festesfreude der gesetzestreuen jüdischen Gesamtheit diesmal einen schweren Schlag versetzt. Nicht jedermann wird beim besten Willen imstande fein, annähernd zweitausend Mark für seinen Feftftrauß zu erlegen, und mancher schwer ringende Rentner oder kleine Beamte wird in wehmütiger Erinnerung an bessere Tage mitten in dem Jubel der Hallel-Hymne die schwere Kunst erlernen müssen, ohne Palmenrauschensich zu freuen vor Gottes Angesicht, auch wenn die Zeiten noch so schwer sind. Im Publikum wird man vielfach geneigt sein, von Preiswucher zu sprechen und den Esrogim-Großhandel ungebührlicher Bcreicherungsabsichten zu beschuldigen. Wir glauben nicht einmal, daß dieser Vorwurf berechtigt ist. Esrogim und Lulowim sind nun einmal ein reiner Importartikel und müssen in italienischen Lire bezahlt werden. Eine frühe Eindeckung der hierfür nötigen Devisen wäre zweifellos eine Spekulation gewesen, die im Falle eines Rückganges (die Ergebnislosigkeit der Londoner Konferenz konnte niemand mit Sicherheit voraussehen) die Händler ihr Vermögen kosten konnte. Denn cs wären dann selbst vorher vereinbarte Preise gegenüber der Konkurrenz von außen nicht zu halten gewesen. Trotzdem sollte unsres Erachtens für die Zukunft — falls die Verhältnisse sich nicht völlig ändern — wiederum eine gemeinnützige Stelle geschaffen werden, die, wie es im Kriege söitens der Freien Vereinigung und ihrer Einfuhrstelle geschah, zum mindesten den Handel kontrolliert und dem Publikum die Sicherheit gibt, daß es keine Uebervorteilung erleidet. Alte Schul, die vor einigen Jahrzehnten auSgkgraben und die weltberühmt wurde durch die in ihr befindlichen Genifa. Auf einer Tafel an der Außenmauer find die folgenden Worte zu lesen: '2 ivn wiri 'ö2 msK rm bhtp n?n oipon nrr>v -?vp rws mpvn by W»n») ryn »» n» nvo xrm Ob es historisch gegründet oder nur fromme Legende ist, daß der Prophet aller Propheten vor 4068 Jahren gerade auf diesem Platze gebetet hat, ist einerlei, der Eindruck ist der gleiche. Uebrigenshat diese älteste Synagoge, die den Namen „Esra" (wohl richtiger „Eben Esra") trägt, am Wochentage kein Minjan mehr, da sie sehr wett von der Stadt abgelegcn ist. Eigenartig mutet es an, daß die Thorarolle in dieser Schul bei Vorlesung nicht auf das Pult gelegt, sondern aufgestellt wird. Es wird dort auch eine Thorarolle gezeigt, die von Esra herstammen soll. Selichsuslsge in Aalien. Soeben verläßt der Simplon-Expreßzug den größten Tunnel der Welt — den Simplontunnel — und schon grüßt uns in früher Morgendämmerung die erste italienische Grenzstation „Istelle di Trasquera", deren kleiner Bahnhof mit dem originellen flachen Dache und grünen Läden schon einen ganz südländischen Eindruck macht. Nach Erledigung diverser Grenzsormalitäten saust der Expretzzug weiter nach Süden an mächtigen Bergketten vorbei, hinter denen das Morgenrot sich langsam erhebt und deren Gipfel aus dem Halbdunkel majestätischhervorleuchten. NachdemDowod'Ossola passiert ist, winkt uns der an Pracht und Großartigkeit alle übrigen Seen übertreffende und zum Teil spiegelglatte „Lago-Maggiore" mit seinen wunderbaren Uferdekorationen. Nicht wie bei uns ist der Horizont in dieser herbstlichen Jahreszeit mir dem bekannten „SeHchans-Nebel" verhüllt, sondern klarer, blauer Himmel allüberall. Vom Fenster des Stmplon« Expreß-Zuges aus sehe ich dem Emporsteigen der Sonne aus dem „Lago Maggiore" zu. Ein überwältigender Anblick, der den Ausspruch abnötigt: rw nasm e*?o '■? ^rr>pv na. Es war gerade der dritte Seltchaustag und als ich an den Pismon kam: njwn W)2 tone», da klangen die Nigunim der Frankfurter „Grotzschul" in meinen Ohren wider und in diesem Gottestempel der Natur stiegen in mir lebhafte Erinnerungen an das Selichausbild in der Synagoge auf, mit der ich mich im Expreßzuge am Ufer oes Lago Maggiore ganz vereint fühlte ... Drüben am jenseitigen Ufer erscheint der schönste Punkt am See — Pallanza —, in dem das südliche Leben in all seinem poetischen Retz, aber auch in seiner ganzen Urwüchsigkeit floriert. In der Mitte des Sees die drei berühmten niedlichen Inseln, deren schönste „Jsola Bellaist. Die Inbrunst und Andacht des Gebetes wird beim Anblick dieser großen Allmacht Gottes noch gesteigert. Der Zug ist inzwischen am Ende des Sees bei Ar on a angelangt und fährt weiter in -er Richtung nach Mailand, der Metropole Ober- Italiens. Nachdem ich hier einen halben Tag verbrachte und dort viele sehenswerte Kunstwerke bewundert halte, führte mich der Weg weiter nach Genua, wo ich zum ersten Male Gelegenheit hatte, über das wirkliche bntn die zu sprechen. Ich suchte noch am selben Abend eine mir befreundete, durch ihre «große Für dieses Jahr bleibt nur eines: Jede Gemeinde muß es als ihre hei lige Vfficht vetrachten, eine Anzahl Exemplare von Ar6a Minim für den allgemeinen Geöranch anzuschaffen und Ltteitzusiellen, damit auch diejenigen die Mlzwo erfüllen können, .die auf den Erwerb eigener Arba Minim zu verzichten gezwungen sind. Wir sagen mit Vorbedacht: „gezwungen sind!" Denn daß nur der Zwang der wirtschaftlichen Not, die Rücksicht auf ausreichende Ernährung und Gesundheitspflege und die hierfür notwendigen Ausgaben, von der gewohnten Wc ise U n v e r k ü rz t e r Mizwofreude dispensierend, — maman nx msra masa ’tw - haben wir erst vor kurzem hervorgehoben. Me Ausweisung-politlk In Ungarn. Entgegen den Vertuschungsvrrsuchen des ungarischen Innenministers besteht doch der A n s w e i - sungsbefehl für die Juden zu Recht und wird von den unteren Organen auch ausgeführt. So veröffentlicht das in Groß Kanizsa erscheinende Blatt „Zala" in seiuer Nummer vom 19. d. einen Aufruf des dortigen Polizeipräsidenten, der folgendes enthält: ,^Jch fordere hiermit die auf dem Gebiete der Stadt wohnenden Personen, die zur jüdischen Rasse gehören und nach dem 1. Jänner 1914 hierher übersiedelt, bezw. eingewandert sind, auf, sich binnen 48 Stunden am 18. und 19. ds., vormittags in der Stüdthauptmannschaft zu melden. Meldungspflichtig sind auch diejenigen nach der oben bezeichneten Frist eingewanderten Personen jüdischer Rasse, die eine Niederlassungsberechtigung erworben haben oder aus dem Judentum ausgetreten oder getauft sind. Zur Meldung haben die Betreffenden auch ihre etwaigen die ungarische Staatsbürgerschaft bezeugenden Dokumente mitzuöringen. Die Kontrolle über die Erfüllung der Meldepflicht werde ich durch Abgehen der Häuser durchführen lassen und diejenigen, die ihrer Meldungspflicht nicht Nachkommen, samt allen ihren Familienmitgliedern zum Zwecke der Internierung in Haft nehmen usw." Der Polizeipräsident von Groß-Kanizsa hat diesen Weg gewählt, während, wie aus verschiedenen Städten mttgeteilt wird, die Poltzeileiter anderer Ortschaften den Ukas des Ministers in der brutalsten Weise durchführen. Und gerade jetzt wurde Ungarn in den Völkerbund ausgenommen, unter der Voraussetzung, daß es sich nach innen und außen bessere und seinen internationalen Verpflichtungen Nachkomme — Gastfreiheit bekannte Frankfurter Familie aus, wo ich in jeder Beziehung außerordentlich schöne Stunden, deren ich stets in großer Dankbarkeit gedenken werde, Um mn'72 mit Minjan zu sagen, hat man in Genua leider keine Gelegenheit. Am vierten Tage nachmittags machte ich von Genua aus noch einen Abstecher nach der „Riviera" — San-Remo und Bordtghera — wo jede Palme in ihrer Mannigfaltigkeit und in ihrer üppigsten südlichen Vegetation die Allmacht Gottes verkündet und das Mittelländische Moor mit seinen schäumondon Wogen sein Amen dazu ruft. Als ich vom liebreizenden San-Remo in der Dämmerung Abschied nahm, sah ich noch den einer feurigen Kugel gleichenden Sonnenball in die Tiefe des blauschimmernden Mittelländischen Meeres schwinden und am anderen Morgen befand ich mich auf dem Heimwege, der übec Genua-Mailand-Tessin-Gotthardt- Zürtch-Basel führte. Bei der Rückreise mit der Gotlhardtbahn weideten sich meine Augen noch an dem erhebenden Anblicke des „Vierwaldstätter Sees", der bekanntlich bet Flüelen feine größte Pracht entfaltet, und am nächsten Selichausmorgen stand ich wieder mitten in der Heimatgemetnde, das Bild von „Lago-Maggiore" noch deutlich und ewig unverwischlich vor der Seele. A. W. Ser Ankläger und die Ankläger. (Aus ungedrucktem Manuskripte des ILD 270). In uate uo.x beten wir einmal, daß der Ankläger vollkommen 'oi is bz n*?D schwinde, ein anderesmal nur, daß ihm der Mund gestopft werde, 'oi rwv airo. Außerdem heißt es im zweiten Fall.'„Unsere Ankläger usw". Es gibt nämlich zweierlei Ankläger, einen

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