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Der Israelit · 1922-09-21 · Heft 38 (21.9.1922) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 38 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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AI, September 1$22. _______ Ne ßugerib in religiösem Geistje zu erAehe». Dü den Schulen mutz staatlicher Religionsunter-, richt erteilt werden. Methoden, die dem Wesen unseres Religion zuwiderlaufen, dürfen nicht angewendet werden. Lehrer, die nicht im Geiste der Thora leben, sollen keine Fächer ertetleu, die mit bem spezifischen jüdischen Geiste und Leben verwachsen sind. 2. Ms weitere Forderung verlangen wir eine Vertretung der Aguda in,/Jlewish Agency", damit wir in der Lage sind, das jüdische Leben in Erez Jsroel zu überwachen und an ihm käsig teilzunehmm. Zwar triumphieren die Zionisten, daß trotz, allen Anstrengungen der Aguda die „Z'ewish Agency" zu erweitern, sie trotzdem unumschränkte Herrscher geblieben seien. TtzD glauben sie wohl selbst kaum im Ernste daß die frommen Juden sich von den Zionisten mit Gewalt regieren und bevormunden lasien werden. Das wäre ein böser Irrtum und eine schsimm'e Verkennung der Kraft und des eigenartigen Eharakters des Mischen Volkes. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der das jüdische Volk feit seiner Bildung und Entstehung für die Erhaltung der Thora gerungen hat, mit derselben, Zähigkeit wird es auch weiterhin sich gegen die Zerstörung zu wahren wissen und Wird den Kamps weiterhin ausnehmen, selbst! wenn es gegen den eigenen Bruder sein sollte. Für den rmm gibt es kein Kompromiß und keine Toleranz. Jü ihrem neuesten Appell weist die zionistische Exekutive auf ihre jüngsten Erfolge hin, daß Ne Schaffung einer nationale Heimstätte von allen Völkern bestätigt worden sei. Zugleich ruft sie alle Juden zur Mitarbeit auf. Mer zu welcher Mitarbeit? Doch nur zum Beitritt in die zionistische Organisation. Glauben denn die zionistischen Führer wirklich, daß alle andern Parteien und Organisationen sich ohne weiteres ihrem Diktat fügen müssen, nur weil ihr Name auf dem Mandat steht. Gewiß,, wir haben Wohl einstweilen, wie von vornherein zu erwarten war, politisch den kürzern gezogen, doch den Mut haben wir nicht verloren. . Vor allem Balten wir weiter an unfern berechtigten Forderungen fest. Noch ine irr der Geschichte hat es in eindm , Volke nur eine Partei oder Organisation gegeben, in der das ganze Volk restlos aufgegangen wäre. Noch weniger war das je bei den Juden der Fall, wo auf zwei Juden oft drei Meinungen kommen. Dagegen sollten sich gerade f bei uns alle Parteien bemüehn, über ihre Partei-! rrrteressen hinweg den Weg zu einer gemeinsamen j Lösung zu finden, damit der kranke Volkskörper j endlich, genesen kann. Wir sollten endlich unfern! Innern Frieden finden. Doch der Zugang zum 1 Friedenstor ist in zionistischem Besitz. Wir sind k stets zum Frieden bereit, haben unsere Bereitschaft mehrmals bekundet und warten nur darauf, daß die Zionisten alle Juden, die für Erez Jsroel arbeiten wollen^ für die „Jewish Agency" gewinnen. >3. Als weitere unumgängliche Forderung Müssen wir die Anerkennung! der Souveränität der Thora in allen öffentlichen Handlungen aufstellen und daß in keiner Mischen gesetzgeberischen Körperschaft Palästinas eine DisKlssion über die Abschaffung oder etwaige Aenderung wie» Gesetzes oder eines Gebrauches! in Frage kommen darf. Die Thoragesetze sind vor 3000 Jahren am Berge Sinai vom ganzen Mischen Volke durch tfötW) ntWtt fetfßelept soroen und dürfen keiner weiteren Abstimmung hier mehr unterstellt Werden. Um etwaige Reformen im geistigen Mischen Leben durchzuführeu, sind wieder die verschiedenen Rabbmate in Palästina^ noch irgend andere vereinzelte Thoragrößen kompetent, geschweige noch etwa der Waad leumi! Die eigentliche Berechtigung, religiöse Gesetze zu interpretieren oder nach Notwendigkeit zu entwickeln besaßen nur die ehemaligen Sanhedrin mrd Besdin hagodol, die uns heute und wohl noch auf läng hinaus fehlen. Da aber bei uns auch die zivilen Fragen und Gesetzt «in religiöses' Gepräge haben, sämtlich in der Thora enthalten Nr. 19 Sejtr S. sind, und nt rhr ^ußen, so dürfen auch diese keinem Mischen Parlament irgendwelcher Art oder einer modernen juristischen Körperschäft unterstellt werden, sondern nur einem rabbinischeNj vom Volke gewählten Kollegium, das sich völlig nach dem SchUlchan Aruch und nach den heiligen Vorschriften zu richten hat. ' Die Frage der Trennung von Kirche und Staat muß bei uns Juden ganz aus geschaltet werden, denn wir sind und wären kein staatliches Volk, sondern ein von Gott aus erwähltes Volk« ein VNP 'U. Die einstige Trennung von Kirche und Staat hatte die Trennung von Volk und Staat zur Folge und durch die Vernachlässigung des geistiger: Bodens wurde die Zertrümmerung des physischen Bodens herbeigefichrt; Religion und Nation sollen rächt getrennte oder feindliche Begriffe darstellen, sondern das eine soll die Ergänzung des arrdern sein. Palästina ist für uns rächt nur ein historischer^ sondern ein heiliger und geweihter Boden. Nicht bloß deshalb, weil unsere Väter dort lebtech erheben wir unfern Anspruch auf Palästina^ sondern weil cs dem Mischer: Volke von Gott bestimmt und verheißen ward. Wir streberr nach einem prophetischen Palästina, wo nicht nur Milch und Honig fließt, sondern von wo der Gottesgeist alle Tiefen und Finsterrrisse durchstrahlen und die ganze verirrte Welt zur reinen Wahrheit bekehren wird. Wir müssen uns stets vor Augen halten^ daß wiv zu Trägern der höchsten Erkenntnisse und zum Vorbild der ganzen Menschheit berufen sind. So wollen wir uns and), innerlich vorbereitend daß wir als ein spezifisch jüdisches Volk, als ein naan DJ? als ein Bock des Schrifttums und als Träger des' Offenbarungsgedankens nach Palästina gehen. Das Land, für | welches hauptsächlich die Thora bestimmt ivurde, muß wieder zu einem Lande der Thora werden und ihren Gesetzen unterstehen. Einen Schritt von der Thora abweichen, heißt zugleich vom Judentum abweichen; denn Judentum und Thora sind ein und dasselbe. Wehe denen, die ins Land der Thora ohne Thora zurückkehren werden! Es kann aber nicht nachdrücklich genug betont werden, daß die Thora nicht als reine Gesetzesreligion zu betrachten und daß wir nicht nur eine Religionsgemeinschaft bilden, sondern wir sind ein historisches, von Gott bestimmtes Volk und die Thora ist die Seele Und j der lebenspendende Geist des' Mischen Volkes, j Es ist daher also auch derjenige ein J'ude^ | welcher nur einen Teil dieser Seele, eine Spur! dieses Geistes in sich hat und nur einen Teil | des Mizwos erfüllt. Wer karrn denn behanp-! ten> er fei ein „Zadik", hat doch selbst RaM j Jochanan den Sackai vor seinem Tode die Bej fürchtung ausgesprochen 1)^1' \33'K { •»mit p2'?iv. I Es wäre daher grundsätzlich verfehlt und j von unabsehbaren Folgen, einen Unterschied f zwischen vollwertigen und nicht vollwertigen \ JNden zu machen. Jeder Jude, der an seinem j Volke hängt, muß als vollberechtigter JUde anj erkannt werden. Wir sollen vielmehr nach und > nach in allen Kreisen dahin wirken, die göttlichen \ Ideen der Thora zu verkünden und alle Abr trünnigen und der Thora Entfremdeten zum ] reinen Urquell zurückzuführen. Das, was der \ Misrachi längst verkündete, aber bis heute noch \ nicht erfüllte, das soll sich die gesamte Ortho- ' boxie zur Ausgabe' und zur Pflichtmachen. So wolle:: wir denn an alle diejenigen^ welche die Rückkehr zum Judenlande ials Devise auf ihre Fahnen geschrieben haben^ die Worte Josephs zurufen: j Dam n?» arrorr) aalirr ‘i -npa’ ■’a ">N1 j ^,Wenn Gott an euch denken wird, sollt j ihr meine Gebete mit euch hinauf nach Erez r Israel nehmen." » Wie einst unsere Vater die Gebeine Josephs j in sein Heimatland zurückführten, so wollen auch 1 wir heute, wo sich die Verheißungen des Pro- 1 pheten teilweise zu erfüllen beginnen und unsere * alten Träume allmählich zur Wahrheit zurückkehren wollet^ die im Galuth verlassene und vernachlässigte 2000'Jahre ausbewahrte Thora mit Ehre, Freude und Stolz nach Zion in ihre alte Herberge zurückbringen und das' zerstört« Jabneh wieder aufstellen. Frei von allen Hemmnissen^, die ihr im Galuth auferlegt, lvurden, sei es durch dief^2 nviVin N1X2 durch öts Gebote welche nur in Erez Israel durchgeführt werden können, sei es durch die schweren Galuthlasten uild Verfolgungen, wird sie sich in ihrer alten. Heimat wieder zu ihrer einstigen Größe erheben. ."pi? rrJUP a'27>ai cu lsbm Und die Völker werden in deinem Lichte wandern und die Könige im Glanze der über dir ausgeht. Jesaja Kap. 60, 3. Als König Salomo, so erzählt der Talmud. den herrlichen Tempel fertig erstellt hatte und mit dem Volke dessen Einweihrmg begehe» wollte, schlossen sich die Tore des TempelÄ plötzlich zu. Alle Anstrengungen des Königs^ sie zu öffnen, waren vergeblich. Erst als er Gott anslehte, im Hirtblick aus die großen Verdiertste seines Vaters David gnädig zu sein, taten sich die Toreaus (Sanhedrirr 107). Auch wir stehen heute vor den Toren unseres Heiligtums, vor Jsroel. Doch sie sind uns rwch verschlossen. Erst dann werden sie sich anftutl, irnntt Einsicht und Vernunft bei uns einkehren^ wenn wir uns von den Verhängnis^ vollen Parteikämpfen abwendeit und in gemeinsamer, machtvoller Anstrengung, durchdrungen vom Geist unsrer Väter und vom h e i l i g e n G l aP b e n an ein Aufleben Israels, urrd geführt von der göttlichen Vorsehung, als ein einzig Volk von Brüdern dem gemeinsamen Ziele zuftreben. ll'23 ’finil „denn ich will zu Zion das Heil geben, und in Jsroel meine Herrlichkeit." Jesaja 46, 13. Vorkonferenz der Agndas-Jisroel- Jngendorganifation. Kassel, 3. Septbr. In einer Ende Juli stattgehabten Vollsitzung des Orgamsationsvorstaudev der Jugendorganisation kau, die Leitung auf Grr:nd der vorliegenden Berichte zu der Ueberzeugung, daß das Gefüge der Organisation infolge der Nachwirkungen des Krieges stark gelockert sei. Um wieder eine straffe Organisation zu schassen, beschloß man schon vor der eigentlichen Delegierten-Tagung in Kassel eine Vorkonferenz abzuhalten. Eingeladen wurden: Delegierte der arbeitsfähigen Gruppen, sowie verschiedene einzelne Atitglreder. Der Vorsitzende des Organis.-Vorst., Herr Leo Munk-Köln, begrüßte die aus allen Teilen des Reiches erschienenen Delegierten. Er betonte besonders Zweck und Ziel dieser Versammlung. Man beschloß zunächst in eine Generaldebatte über die Lage der Organisation einzutreten. Eine Gruppe, als deren Sprecher .Herr I. Simonsohn-Breslau austrat, behauptete, die Notlage der Organisation habe ihre» Grund darin, daß rnan sich zubiel mit PolitizismuS beschäftigt habe. An Stelle der politischen Tätigkeit habe „kulturhaste Geistigkeit" zu treten. Als Ergebnis der Debatte über diesen Punkt wurde folgerlder" Antrag angenvmrnen: „Die A. I. J.-O. erklärt, daß sie politische Tätigkeit nur unter der Voraussetzung nuerkenut, daß sie der uottoendige Ausdruck krklturhaster Geistigkeit nach außen ist. Erst die Erziehung einer jungen Generation als eine thauro-kulturhaste gibt der A. .I. J.-O. die innere Berechtigung nach außen d. h. politisch zu Wirkelt —. Alle Kräfte der Ll. I. J.-O. siitd daher ohne Einschränkung in den Dienst einer Aktion zu stellen, die eilte geistige Vertretung eines zunächst ttcincn Kreises von etwa 20 jungen Leuten erstrebt." „Die A. I. J.-O. stellt zwei Herren für ö—10 Jahre an. Deren Tätigkeit dient dieseili Zwecke. Die Gruppen suchen 20 junge Leute zu gewillllerr, die sich für 1 Jahr bereit erklären, ihre Kräfte der eigenen Vertiefung urid geistiger Arbeit in der A. I. J.-O. zrr widmen. Ein halbes Jahr dient der geistigen Ausbildung. Das zweite halbe Jahr kehren die jungen Leute in ihre Gruppen zurück, uin in Wiedergabe des Empfangenen rmd eigener selbständiger Arbest wirksam tätig zu sein." Eine der wichtigsten Grundbedingungen ist es, daß orthodoxe Kaufleute die finanziellen Garairtien dafür schaffen, daß vor allem die beiden Führer in stets gesicherter Existenz ihrer Ausgabe sich widmen können. Dabei darf jedoch nicht urtterlasfen werden, die bisherige allgemeine Gruppenarbeit geistig zu iß iS: ’t ..M! 1 "i i

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