Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 2. Kr. 19 rB I Ä;ti « fc,* 21. September 1kW Der Vertreter des amerikanischen I. D. E. in Odessa, Dr. Josef Rosen warnt vor einer falschen Deutung der ans Rußland kommenden günstigeren Ernteberichte. Man muß daran denken, erklärte Dr. Rosen, daß, wenn die Bauern in den ländlichen Distrikten ihr Korn haben werden, dies ohne Frage ihre Lago verbessert, aber Was hat die große Mehrheit der sirdischen Bevölkerung davon? Dre,e Leute leben dicht zusanrmengedrängt in den Städten und haben sogar dann kein Geld, um das Brot zu kaufen, wenn es an sich erlangbar ist. Außerdem ist ein großes Bedürfnis nach Meldern und Schuhen vorhandene 90 Prozent der indischen Bevölkerung lebt in Lumpen. Der ^'unsiche Winter ist streng und wenn nicht für Kleider gesorgt wird, so werden unsere Brüder diesen Winter nicht überleben." Dr. Rosen crittuect die Amerikaner inerter an die völlige Zerstörung der Wohnungen der -Inden in der Mraiiie. Geschäft oder Gewerbe, um den Lebensunterhalt.zu Verdienern existiert nicht. Im höchsten Grade bedauerlich erscheint, daß noch kein Weg gefunden ist, um Kleider und Schuhe ans Deutschland nach der Ukraine hinzubriligeu. Alan sollte^neinen, daß es doch im eigensten Interesse der lsowjetregierung läge, wenigstens einige Tropfen des großen Elends in ihren Bezirken lirldern zu lassen. Vetnfft Zizisversandt der Agudas- Zisroel Zugend»rganA1ion. Infolge plötzlich eingetretener Schwierigkeiten (Kündigung unserer bisherigen Bürokraft) ist es uns leider nicht möglich gewesen, einen Teil der auf unserer früheren' Offerte eingegangenen Bestellungen prompt zu erledigein Die Bestellungen werden der Reihe nach selbstverständlich zum alten Preise erledigt werden. Neue Bestellungen können jedoch nur tzu einem wesentlich höheren Preise angemnnmen werden. Wir behalten uns vor^ den Preis je nach der Teuerung zu bestimmen. Wir werden aber in der Lagee sein, die Zizzis' zu einem billigeren Preise als sie im & anbei erhältlich stnch zu liefern. Mit Agudogruß Agudas Jisroel-JugendorganisatioN) Köln, .tzändelstraße 19. Das Jerusalemer Laudesrahbiuat. Die „Jüdische Presse" in Berlin läßt sich aus Jerusalem folgende „Richtigstellung" verschreiben: 1) Es tzei eine glatte Unwahrheit, daß das LandeSrabbinat vom Waad hair und Waad leumi abhängig sei. Weder hat der Waad hair den Oberrabbiner Kuck gewählt, noch besoldet er ihn. Das gleiche gilt für den Waad lcumi. Oberrabbiner Kuck ist zuerst von den Jeschiwot gewählt worden, hierauf von der Lanbes-Rabbinerveksammlung. Sein Gehalt erhält er bis beute von den Jeschiwot. 2) Der tinmpf gegen ihn, rst im Wesentlichen em Kampf des Waisenhauses Diskin gegen eben diese Jeschiwot. Die Konkurrenz beim Geldsainmeln spielt hierbei eine große Rollo. 3) Das Oberrabbinat Sonnenseld hat höchstens 100 Anhänger. Bon diesen Richtigstellungen, die keineswegs von einen; Jerusalemer unbefangenen Historiker stammen können, ist blos soviel buchstäblich wahr, daß die Mtglieder des offiziellen Landesrabbinats in der Tat, weder vom Waad hair noch vom Waad leumi besoldet werden, nie besoldet wurden. Diesen beiden höchsten Instanzen der Jerusalemer Stadtgemeinde und der palästinensischen Judenheit ist es in der Tat gelungen, ihre gemeindepoliiische Herrschaft zu proklamieren, ohne sich zu irgend einer materiellen Gegenleistung vcrpslichtet zu fühlen. Zur besseren Beleuchtling dieses Fntbestattdes und der angeführten tendenziösen Richtigstcllungen, wollen wir blos einige Tatsachen gegeniiberstellen. Ad 1 und 2. Wie ist das Landesrabbinat entstanden? Im Jahre 1918 haben die Gabaim des Waad Hakloli zusammen mit den Gabaim einiger Jeschiwoth, . den Gabaim des Greisenheims und des Bikur Cholim / Hospitals, einen Rabbinatsbrics unterschrieben, durch : welchen Rabbiner Kuck, der damals in London weilte, \ als Raw nach Jerusalem berufen wurde. Es ist! bekannt, daß die Rabbiner Diskin und Sonnen-! f'elb und deren Anhang dieser Berufung nicht zusttmrns reu. Oberrabbiner Kuck erklärte auch bei seiner Ani kunst, er komme nicht nach Jerusalem als der zu- ' ständige Raw. In Würdigung der ihm bekannten Opposition, ließ er diese Frage offiziell in Schwebe. Erst nach einer Reihe von Monaten, als auch die Wahl von Oberrabbiner Sonnenfeld in sichtbare Nähe gerückt war, ist es seinen Anhängern gelungen, eine Erklärung des Rabbiners Kuck zu veröffentlichen, daß er nunmehr auch offiziell dem Rabbinatsbrics bei- Pflichte. Das offizielle Landesrabbinat ist eine spätere, alleinige und direkte Stiftung des >Waad leumi bezw. des Waad hair, die sich in ihren Intentionen sowohl als auch in ihren führenden Männern und rreibenden Kräften gegenseitig ergänzen. Nicht als ob diese beiden Instanzen nach einer Landes-Seelsorge eine unstillbare ideelle Sehnsucht hatten. Als unvermeidliche Notwendigkeit wollten sie aber in der allmählichen Entwicklung der Dinge auch diese religiöse Autorität als politisches Instrument ihrer amtlichen Hoheit unterstellt wissen. Die Gabaim der eingangs erwähnten Anstalten, die anläßlich ihrer ersten Berufung des Rabbiners Kuck an ein Landesrabbinat gar« nicht dachten, haben bei dieser Neubildung des Rabbinats keinerlei Gevatterdienste geleistet. Die neue Aufmachung entwickelte sich- Unter ganz anderen Auspizien. Ein provisorisches Komitee der Negierung hat eine elfgli ed erig e Kommission zm Durchführung der Landes-Rabbinerwahl cingeseyt. Diese Kommission wurde nach allen bewährten Regeln der Gesetzlichkeit und des Friedens aus den Vertrauensrnünnern bzw. Mitgliedern des Waad leumi und des Waad hair Zusammengesetzt. Um die Sache nach alter moderner Gepflogenheit auch „unparteiisch" zu machen, wurde auch von der Sonnenfeld-Gemeinde ein Mitglied in diese Kommission der Urwähler berufen. Die bekannten Friedensstörer der Sonnenseld-Gemeinde haben jedoch ihre Teilnahme an dieser Wahltechnik avgelehnt. Offenbar hatten sie Furcht vor ei^er immerhin möglichen Majorisierung. Die clfgliedrige Kommission hat nunmehr nach ganz eigenem Willen und Wissen eine rabbinische Wählerliste zusanimengestellt, eine Wahlordnung mit gewissen Richtlinien vorgezeichnet, auch drei sachverständige Laien zu rabbinischen Wählern ernannt und — um die absolute Gemeindeeinheit, bezw. den einheitlichen Charakter des einheitlichen palästinensischen Judentums äs jure Und de facto zu demonstrieren — wurden zWeiOberrabbiner und zwar Jacob Meir Vertreter der Sefardim und A. I. Kuck als aschken. Vertreter, in Amt und Würde eingesetzt. — Daß in den damaligen programmatischen Erklärungen auch davon die Rede war, daß man die jüdische Rechtspflege mit den Forderungen der Zeit in Einklang zu bringen hat — Oberrabbiner Kuck hat ein solches Ansinnen selbstredend energisch zurückgewiesen —; daß diese Oberrnbbinerwahl — wer weiß aus welchen Gründen — nur als eine kurzbefristete deklariert wurde; daß hinterher in dem von der Delegiertendersammlung genehmigten Gcmeirldcstatut, der Waad leumi als höchste Instanz auch für gemeindliche Konflikte der Kehilot, Moschnwot und deren Institutionen dekretiert erscheint, soll in diesem Zusammenhänge nicht nnerrvähnt bleiben, zumal der Richtigsteller es als glatte Unwahrheit unterstreicht, daß das Landesrabbinar von diesen Instanzen abhängig wäre. 'Was die große Rolle betrifft, die das Geldsammeln hierbei spielte, hat der Richtigsteller nur insofern recht, als die Galmim des genannten Kaulel und der übrigen angeführten Anstalten, in der Tat den Oberrabbiner Kuck seinerzeit auch ans dem Grunde berufen haben, weil sie in der schweren Zeit nach dem Kriege, als fast sämtliche Hilfsgelder durch den Kanal des zionistischen Waad Hazirim geleitet wurden, ihn als autoritative Persönlichkeit für das Kreditär ihrer Sammlungen benötigten. Deswegen bezieht auch Oberrabbiner Kuck sein Gehalt von diesen Anstalten, hauptsächlich vom Waad hakloli, zum kleinen Teil auch von Jeschiwat Ex Chaim und Bikur Cholim. Das soll keineswegs in geringschätzendem Tone aufgefaßt werden, wie cs der Richtig ste iler tut, indem er in diesem Zusammenhänge auch von Konkurrenz spricht. Zwischen dem Waisenhaus Diskin und den Jeschiwoth gibt es und gab es nie einen Kampf oder eure Konkurrenz. Die Rabbiner Diskin und Sonnenfeld standen von jeher und stehen noch heute an der Spitze der Förderer dieser Thoraanstalten. Das weiß man in Jerusalem und in der ganzen Welt. Nur der Gewährsniann der „Jüd. Presse" ist nicht im Bilde. Ad 3., Daß das Oberrabbinat Sonnenfeld höchstens 100 Anhänger zählt, ist nach alldem eine ebenso willkürliche Behauptung wie die anderen angeführten Richtigstellungen. Wenn die Gehaltsquclle als Gradmesser auch für diese Schätzung maßgebend wäre, dann hätte Oberrabb. Sonnenfew allerdings gar keine Anhänger, denn er bezieht kein Gestalt, weder von den Jeschiwotst noch vom Waad hakloli. Er hat es sogar zur Bedingung gemacht, daß er als Oberrabbiner auch vom Waad hair stoaschkenasi kein Gehalt annehmen werde. Es liegt aber noch eine mächtige Nebelwand über der Frage, ob der allgemeine Waad Hair oder der Anhang der Sonnenfeld'schen Gemeinde, also der Waad starr hoaschkenasi, ideell oder zahlenmäßig, ein größerer oder kleinerer i|t. Wenn man z. B. berechtigt wäre, nachher Zahl dcr erngetragenen Wähler zu Urteilen, so steht es Hst torisch außer Zweifel, daß die Zahl der aschkenafrschen Wähler der Sonnenfew'schen Gemeinde erne größere war, als die Zahl der aschkenasischen Wähler des allgemeinen Waäd hair. Bitte, so ist: es. Die Tendenz zum Gemeinde-Monopol ist in diesem Kreise ungemein stark und noch wachsend. Aber trotz der offiziellen Bevorzugung des Waad harr und des Waad leumi haben doch orthodoxe Anhänger der verschiedensten, Schattierungen die Anerkennung der Kompetenz des Waad leumi bisher grundsätzlich abgelehnt. Es ist sicherlich auch kein, poetischer Zufall, wenn der auch wegen feiner FrlödsrrZliebe hochgeschätzte High-Kommissionar, Sir Herbert Samuel das Gemeindestatut bis zur Stunde noch Nicht sanktionierte. (Ist inzwischen erfolgt. Anm. d. Red.) Ueber die selbstgefällige parlamentarische Zusammensetzung dieser bereits historisch gewordenen Instanzen — der zionistische „Doar Hahom" apostrophierte neulich die Wahlmethode des Waad höir mit r — wollen wir eingehender referieren, wenn der Gewährsmann der Jüdischen Presse mich widerlegt haben wird. Die ziffernmäßige Mehrheit der Anhänger dieses Waad hair kann daher durchaus, nicht als absoluter Gradmesser für die wirkliche Orientierung der beiden Genieinden gewertet werden. Allein wre dem auch sei, die lächelnde Stunde täuscht rrnd verleitet zu Trugschlüssen. Das bekannte “nnn hfi: bewirkt aber zuweilen eine wahrhafte Richtigstellung auch fet der jüdischen Gomeindepolitik. Vor den Toren Grez 3-raels. Bvn E. Botschko in Montreux. (Schluß.) Jetzt, nachdem die politische Entscheidung | über Palästina gefallen ist und wo wir alle j praktische Arbeit leisten wollen, entsteht nun die i Frage: Was ist und soll Erez Israel uns sein? Es gilt aus diese Frage eine eindeutig^, absolut klare Antwort zu geben. Wir müsse» unsere Stellung zu ihr klar darlegen und darum unsere Postulate aufstellen, an denen dann unter kernen Umständen mehr gerüttelt werden darf. 1. Das Minimum unserer Forderung, gewissermaßen die conditio sine qua non ist die Anerkennung der Souveränität der Thora. Wir sagen wie Abraham zu Lot: Wenn dir links gehen willstso laß mich rechts gehen. Ihr dürft leben nach eurem Belieben^ aber greift nicht hinein mit todbringender Hand in die Seele unsres Lebens. W agt rricht öffentlich und gesetzgeberisch an unsrer heuigen Thora zu rütteln, dann können wir friedlich miteinander und nebeneinander leben. Wir wollen niemanden die Thora aufzwingen, verlangen aber für uns gleiches Recht und können uns ebensowenig etwas aufzwingen lassen. Alles, was in unsrer Thora nieder-- geschrieben ist und von unsren Weisen bekräftigt wurde, muß und soll auch als einzige Richtschnür in unserm zukünftigen Staatsleben dienen, gerade wie es in unsrer 3000 jährigen Vergangenheit der Fall war. 'In erster Linie müsserr wir positiv^ Zugeständnisse verlangen. Wir können uns niemals mit dem Konrpromiß des Oberrabbiner iChajes und dem des Misrachi an der Karlsbader Konferenz einverstanden und zufrieden erklären, wonach im öffentlichen Anstalten die Thoragesetze nicht öffentlich verletzt werden dürfen. Wenn in den Schulen die Kinder von frühester Jugend auf in einem thvrafremden und entgegengesetzten Geiste erzogen werden, dann rrützen später selbst drakonische Maßjnahinen gegen öffentliche Entweihung der Thora nichts mehr. Die Proteste des Oberrabbinats oder des Misrachi können bei einer solchen Jügend auch nicht das geringste Gehör mehr finden. Auch sind wir der papiernen Proteste bereits allzumüde geworden. Wir wollen, daß unsre Jügend, aus der uusre Zukunft und die Zukunft unseres Landes ruht, nicht weiterhin von dieser epidemischen Freigeisterei verseucht und innerlich angefault werde und ihres reinen jüdischen Wesens verlustig gehe, sondern daß sie in sich eine sittlich,e und religiöse' Kraft bewahre, um den äußeren Anstürmen standzuhalten und so weiterhin den gesunden Kern und den frischen Urquell unsres Landes zu bilden. Wir müssen ihr eine geistige Nahrung Mtgeberr, aus der sie immerfort neue geistige Lebenskraft schöpfen kann. Dieses bedeutet abdr