Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Hlummer IS. — 21. Keptemver 1S22. : VIII. J«hrg«mg 28. tzwk 5682. heraus gegeben vom Gruppenverbund, der ^ulästmu-Aentrale und der Jugend-Organisation der Agudus ^isroel für Deutschland. Inhaltsübersicht. Ein Rosch-haschana aus heiligem Boden. — Ist die Fortsetzung der Hilfsaktion für die Ukraine notwendig? — Betrifft ZiziSversandt der Agudas-JtSroel Jugendorganisation. — DaS Jerusalemer Landesrabbinat. — Vor den Toren Erez Jisroel. — Aus der Bewegung. — Nachrichtenstelle der Schweizerischen Landesorganisation der „Agudas Jisroel". — Personalien. — Spendenlisten. Sin Rosth-hiWansh auf heiligem Soden. -p22 Er sei gesegnet 1'21L22 138?2p 28?« der Sein heiliges Wort an uns gerichtet und mit jeder Pflicht, deren Erfüllung Er von uns fordert, zur Heiligung uns aufruft! Gesegnet sei Er, der von uns fordert, 2218? 21p V12V2, die Stimme des Schofars zu vernehmen. Er sei gesegnet! Denn was wäre unser Leben, wenn Sein Schofarruf uns nicht wäre, wer gäbe den Mut uns zum Leben, wenn sein Schofarruf ihn uns nicht brächte, was wären unsere Hoffnungen, wenn der Gottesruf ihn uns nicht weckte! Gottes Schofarruf aber ist allmächtig. Denn sein Schofar rief zum Sinai. Sein Schofar lud als *521' 2218? die Enterbten und Geknechteten, sein Schofar sammelt die Zersprengten und schüttelt einst Grabesnacht von den im Staube Schlummernden. — -p22 Laß uns Gott segnen, der solchen Schofarruf auch an uns richtet, daß wir teil haben an der Seligkeit, die er allein zu spenden vermag! Dann aber ist Rosch-haschana, im Zeichen des göttlichen Schofarrufs erlebt, nichts anderes als ein heilig großer Tag der 2212.2 2«'2P, als ein heilig großer Lag, der:, p228? ach, die Bielen im jüdischen Kreise Herausreißen will aus der Gedankenlosigkeit, in der sie ihr Leben verdämmern, hineintritt in ihre Mitte und sie aufruft, .abzustreifen erbärmliche Gedankenlosigkeit, die Menschenleben verspielt und verträumt, abzuschütteln unwürdige Genußsucht, die keinen Sinn hat für das, was Menschenleben erst Inhalt und Würde verleihtp228? o, haltet inne, Gott ruft, auch an Euch richtet Gott seinen Ruf, ruft euch in seine Nähe, 8?21p «2p2 ruft euch zur Lebenshöhe, wo des Lebens wahre Seligkeit euer harrt. Der Gottesruf am Rosch haschana ist der Sehnsuchtsruf der Thora nach allen, in deren Herzen die Sehnsucht lebt nach dem Gotteswillen. Denn im Golteswillen besitzt Ihr Gottesnähe. Sehnt Ihr euch nach Gottes Nähe? Unsere heiligen Urkunden haben uns einen Bericht aufbewahrt (Nechem. 8) von einem Roschhaschana, den Esra, der unsterblich große Erneuerer jüdischen Lebens, im Kreise seines Volkes beging. Auf heiligem Boden sollte zum zweitenmal jüdisches Volksleben erstarken. Das war Esras Werk. Er lehrte sein Volk Rosch-haschana erleben. Nicht schreckten ihn die Hemmungen von außen. Sein Kampf galt der Gleichgültigkeit und Halbheit, der Mutlosigkeit und Schwäche, die auf der kleinen Schar der Heimgekehrten lasteten. Nicht umsonst hatte er in ihrer Mitte gelebt. Das zeigte sich am Rosch-haschana. Denn als Rosch-haschana kam, versammelte sich, so lesen wir, sein Volk wie ein Mann auf dem weiten Platz in Jeruschalaim, und sie sprachen zu Esra, daß er ihnen das Gottesbuch bringe und ihnen daraus Gotteswort vor lese. Und er las ihnen vom ersten Morgenlicht bis zum Mittag, las vor Männern und Frauen, deren Ohr dem Gottesbuch geöffnet war. Das ergreifende Bild einer Versammlung, in der die Sehnsucht nach Gottes Nähe sich in Sehnsucht nach Gottes Willen offenbart. Und da er hochragend in mitten seines Volkes stand, öffnete er das heilige Gottesbuch der 2212 und auf stand das Volk, und da er Gott segnete, sprachen sie olle Amen, Amen und streckten ihre Hände verlangend empor und beugten sich und warfen sich Gott zur Erde nieder. Das Amen ihrer Lippen strömte aus unaussprechlichem Hochgefühl, Gottes Willen zu besitzen und somit einzig möglicher Lebensklarheit teilhaftig zu werden. Diesem Gotteswillen galt ihre Sehnsucht, diesem Gotteswillen das Gelöbnis rückhaltlosen Gehorsams — ehe sie ihn noch vernommen hatten. Und er las ihnen aus Gottes Thora vor, ^28? 018?1 und es waren nicht leere, unverstandene Worte, die sie vernahmen, mit jedem Wort, das er las, floß Licht in ihre Seele, befruchtete er ihnen den darbenden Verstand, «"922 13'2'1 und je mdhr sie vernahmen, ein desto größeres Begreifen kam über sie. — Und da sie des Lebens göttlich große Forderungen vernommen hatten, DS?.2 l?2 2'212 .2212.2 '122 2« Di?28>2 flössen die Tränen der Erschütterten — er aber richtete die große, ewig hehre Mahnung an die Gebeugten: 1*52«22 2« 12211 2«1 trauert nicht und weinet nicht, 12^ n'P222 intirt d'Jöwö ft2K gehet heim und begehet in heiterem Genuß den Tag, 2132 1228?! 1^ |12i 1'«2 und lasset auch den Dürftigen teilhaben an einem Mahle, 13'312«2 Ö1',2 8?12p '2 denn heilig ist der Tag unserem Herrn! 2« 123tt?2 Und Ihr sollt euch nicht betrüben, 22iir?2 «'.2 'n nnn '2 denn die aus Gott euch fließende Frrude, sie ist ttttt Stärke. — In etnrm solchen Rasch-haschana verhaft Esra seinem Volke. Und wir? An die zersprengten Glieder des jüdischen Volkes ergeht alljährlich Gottes Schofarruf. Wer gäbe die Kraft eines Esra, in die Mitte der Gleichgültigen und Kalten zu treten und im Anblick der geöffneten Thora den Gottesfegen zu sprechen, der alle, alle mit sich fortriffe, mit Amen etnzustimmen und sehnsüchtig die Hände emporzustrecken, um Gottes heiliges Lebenswort in bereitwilliger Hingabe zu empfangen;— und Tränen würden fließen, und auch an sie richtete sich Esras große Botschaft: 2211V2 *02 'n 2122! Nicht tu der Zerknirschung, nicht in Tränen, und wären sie die echtesten, tief empfundenen, liegt die Aufgabe dieses Tages: DV.2 ttP2P 13'312«2! Der Herr ruft! 8?2ip «2p2 ist die Losung des Tages: in Gottes Nähe, zu der die entschlossene Verwirklichung des Gottesttüllens allein nur führt, winkt aber selige Freude. — 2'2' 228W2 2«-l8?^ 212 221p 2523 212 '522 2"21' 2j> 2"22 Was gestaltet, das fragt der Weise, diese zehn Tage, mit denen unser jüdisches Jahr anhebt, zur 'Quelle der seelischen Beglückung für Israel? Und die Antwort lautet: '5'22 2*080 1*52,28? 21222,2 228>J? 2532 Diese zehn Tage wecken das Gedächtnis an die 228?!?, 21222.2 die Israel am Sinai vernahm: Gottes Stnaischofar ruft auch uns, ruft einen jeden in Israel aufs neue zum Sinai, am Sinai aber findet Israel stin einziges Lebensglück. 2222« 225258? 215025 228?$? 2552 Diese zehn Tage mahnen an die zehn Prüfungen, von denen Abrahams Leber erfüllt war, 228? «8251 25122 in denen allen er sich bewährte. Gottes Schofar ruft auch uns. Seinem Ruf entsprechen, heißt auch vor der größten Äkedo, die Gott von unserm Leben fordert, nicht zurückschrecken, vielmehr in der rückhaltlosen Bereitschaft, dem Gottes- Willen zu entsprechen, des Lebens einzig wahres Glück empfinden. 15'2« 2P2' 28? 1222 2J32 Diese zehn Tage mahnen aber auch an die Liebe, die Vater Jakauw Gott entgegenbrachte, 2VV2 802225 222 der seinem Gotte gelobte, )22 28?« 221 1*5 1528?5?« ivj? '2 alles, alles, was Gott ihm gewähre, Gott zu verzehnten. Gottes Schofar ruft auch uns. Seinem Ruf entsprechen aber heißt, alles was wir von Gottes Liebe erhoffen, was seine Güte nnserm Leben verleiht, für immer Gott geweiht zu halten. Zu erneutem Sinaischwur, zu freudiger Akedoberettfchaft und heiliger Lebensweihe lädt Gottes Schofarruf am Rösch Haschana. Dröhnend trifft er das Ohr all derer, deren Herz noch empfänglich ist für jüdische Zukunftshoffnung, und deren Herz in unendlichem Weh sich zusammenkramp ft im Anblick des trostlosen Jammers und gräßlichen Leids, von denen die zerfetzten Glieder des Gottesvolkes heimgesucht sind. N!cht eher schlägt die Stunde der endlichen Erlösung, nicht eher ruft Gottes Schofar zur Heimkehr, bis nicht ein Gottesvolk auf heiligem Boden reif ist für Esras Rösch Haschonobotschaft, die ewige Lebensfreude aus Gottes Nähe holen heißt 221122 *02*2 nOft und unter Gottes wundervollem Beistand jene geheimnisvolle Stärke gewinnen lehrt, die Menschen befähigt, allen Stürmen des Lebens zu trotzen und mit einem Herzen voll unversiegbarer Freude auch die schwersten Schickungen zu überdauern. I'. Br. Zfi die Fortsetzung der Hilfsaktion für die Akrsine notwendig? Tie politischen Zeitungen haben in der letzten Zeit mehrfach Notizen gebracht,- aus denen hervorzugehen schien, daß, die Ernte in Süd- Rußland befriedigend ausgefallen und daß deshalb Hungersnot und Hungertod in den weiten Gebieten der Ukraine im Weichen begriffen sei. Zwar sind diese Notizen kurz darauf wieder mehr oder minder dementiert und es ist vor allem darauf hingewiesen worden, daß, vom Hatni auf bem Felde bis zum Familientisch in der Stadt ein recht weiter Weg sei. Trotzdem dürste es nicht überflüssig sein, gegenüber jenen Nachrichten, die in manchen Kreisen die Kraftanstrengnug zur Rettung unserer unglücklichen Brüder iu gefährlicher Weise lähmen könnten,- von folgender Veröffentlichung amerikanischer Blätter Kenntnis zu nehmen: