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Der Israelit · 1922-09-14 · Heft 37 (14.9.1922) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 37 (14.9.1922)
Date
1922-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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L e L YZ\Z 330918 -es Bundes gesetzestreuer jüdischer Kehrer D Verein „Zeschunm". Trotz Aufforderung sind noch mehrere Mil- Micher mit Entrichtung des Jahresbeitrags Pro 1922 im Rückstände. Um Einsendung desselben an Lehrer a. D. I. Spiro, Fulda, Postscheckkonto 82 653 des Postscheckamts Frankfurt a. M., wird ersucht. Ferner bitte ich, anläßlich des Jahreswechsels unrer Kasse zu gedenken, wünscht I Gans-Niederauta .EehrerhiWkffe Wra." Bankkonto Ksra, Kess. Wankvernn A. H Gasset, Wr. 1V38, Postscheckamt Iranksnrt am Maintt llterftützullgsgesuche hilfsbedürftige r Lchrer, Lehrerwitwen und Lehrerwaisen int Reg.- Bez. Cassel, Waldeck und Kreis Biedenkopf find an den Unterzeichneten oder an die Geschäftsstelle, z. H. des Herrn Lehrers Neumann, Cassel, Schillerstraße 23, zu richten. B Perlfteirr-Gu-errsberg. Zur Methodik des Talmudunierrichies. Bon Dr. M. Lcwirr in Hamburg. (Fortsetzung.) Vielleicht darf ich, um meine Meinung klarer zur Anschauung zu bringen, diese an einigen Proben noch deutlicher zeigen. Im allgemeinen vermutet nmn in dem „Meere des Talmud" Strömungen ordnungs- und systemlos aneinandergereihter Stoffe. Man glaubt hier, abgesehen von den zusammengeschlos'senen „Ordnungen" und „Traktaten", jede Disposition, jedes- Schema zu vermisseil. Dem Anfänger zumal erscheint eine talmudische Abhandlung als ein mahllos, beinahe ohne jeden inneren und äußeren Zusammenhang nnedergegebenes Konglomerat voll Gedanken reihen. Da ist es wichtig', daß dem Lernbeflissenen doch immer, wo es irgend angängig, eine bestimrnte Gednnkenfolge des Targebotenen gezeigt wird. Häufig ist allerdings der Zusammenhang ein loser, liegt die Verbindung nur in der Tatsache, daß die verschiedenen Aussprüche deliselbeli Alltor haben. Man darf es da aber nicht verabsäumen, darauf hinzuweisen, dann: der Schüler wenigstens einen üußerell Zusammenhang in der dargebotencn Materie er- . kennt. Wirksamer wird der Inhalt, wenn es! gelingt, eine ordentliche Disposition heransznj schälen. Denken wir z. B. an Pesachim 108a I Stichwort: "Ul 22*' rr??*nw,,2¥ . j Wieviel Leben gewinnt diese Stelle, wenll wir diese ganze. Abhandlung etwa wie folgt zerlegen: A. Anlehnung. 1. Bei welcher! Genüssen ist erforderlich. 2, Was heißt H2W? Wer braucht sich nicht anzulehnen? 8. Die vier Becher nsw. — C. Die kleinen Kinder bei der Sederfeier. — — Eine solche Disposition läßt sich sehr oft Nachweisen und erleichtert nichts nur die Behandlung, sondern verbürgt auch, daß der Schüler die fragliche Stelle besser und sicherer behält.' — Nicht gering darf es bewertet werden, wenn den Schülern gezeigt werden kann, daß die Lehrer des Talmuds nicht nur Meister iu der Beherrschung und Behandlung des Bibelwortes waren, sondern auch sich als lebenskluge, mit reichen Erfahrungen ausgestattete und auch mit profanem Wissen begabte Männer bewährt.«. Was der Talmud an diätetischen Lebensregeln, astronomischen Beobachtungen und philosophischen Gedanken enthält, bietet dem kundigen Lehrer Anknüpfungspunkte und wird, wenn richtig verwandt, die stärksten Gefühle der Bemundenrng und Verehrung für unsere alten Lehrer anslösen. Ich möchte z. B. sehen, ob nicht jeder, der das Wesen einer geometrischen Reihe kennt, mit Freuden den Hinweis entgegennehmen wird, daß in msna 4 a eine solche sich in dem Satze fitt det: pmio "'btt btt' ^i nrwn butm wn N22V2 »“nöi Auf demselben Blatte findetsich eine geistvolle Erörterung über TIT? N2NN, das wir an jedem Tage dreimal sprechen. Offenbar will der Talmud zeige«, warum aus dem reichen Psalmenschatze gerade dieses Kapitel gewählt ist. Der formale Grund, daß es als Akrostichon erscheint,' dessen Zeilen mit dem Buchstaben des Alphabets beginnen, gilt nicht als ausschlaggebend, ebenso wenig der Inhalt desselben, weil auch das 2njn bbrt des Herrn unendliche aUumfasseude Liebe besingt. Eich das Zusammentreffen beider Gründe, daß der schönen Forrn der erhabene Inhalt entspricht oder besser umgekehrt, hat für die Wahl eben dieses Psalms entschieden. Bewegt mau sich bei unserer Stelle in den hier angedeuteten Gedankengängen, so erfährt jene eine außerordentliche Bereicherung, und man kann den Schülern mit Leichtigkeit die lleberzeugung beibringen, daß auch die Talmudweisen in der hebräischen Literatur Form und Inhalt auseinander zu halten und zu beurteilen verstehen. Was ich also verlange, ist ein sorgfältiges Eingehen auf jede behandelte Stelle. Nicht nur daß wir diese erklären und ihrem wahren Sinne nach erschließen, wir müssen auch auf die Form der Darstellung achten und möglichst Verwandtes aus anderen Gebieten heranziehen. Dadurch gelingt cs uns, immer wieder die echte Weisheit und umfassende Bildung unserer Rabbiner ins rechte Licht zu setzen und Liebe zu ihrem Lebenswerke einzuflößen. Dies soll, wenn auch nicht als einziges, so doch als ein bedeutsames Ziel einer« jeden Lehrer beim Talrnnduttterrichtlc vorschwebeu. Die Rehabilitierung eines Vaterlandsliebes. Von A Mannheimer iu Dettelbach. „Alles ist den Schicksalssternen unterworfen, selbst die Thorarolle im heiligen Schrein/ behaupten die Talmudweßen. Warum soll dies nicht auch für die Lieder zutreffen? Sind doch Lieder so enge mit dem menschlichen Leben verwachsen, begleiten sie doch unser wechselvolles Dasein von der Wiege bis zum Grabe. In ihnen klingt und schwingt nach, was uns im tiessten Innern bewegt, Freude, Schmerz Hoffnung, Sehnsucht, Dankbarkeit, Liebe, Trost, Kampfesmut und stolzer Trotz, die ganze Skala menschlicher Gefühle. Das ist so seit grauester Borzeii. Möses stimmt am Meeresufer ein Siegeslted an, seine Schwester schlägt die Pauke wie später in bedeutungsvoller Stunde Debora, die männlich starke Richterin. Einen König David können wir uns kaum vorstellen ohne feine Harfe, bald in den heitersten Tönen erklingend, bald zu den düstersten Akkorden gestimmt. Jede Nation besitzt einen eigenen Liederschatz, der ihr als Heiligtum gilt, namentlich sofern sich darin Volkscharakter und Bolkesschlcksal miede, spiegelt. Das Nationattied gehön mit zum eisernen Bestand patriotischen Fühlens und Denkens, es ist das gewaltige Sammelbecken heißester Liebe zu Volk und Vaterland. Und kommt die Stunde der Gefahr, so ziehen unter feinen Klängen die gewappneten Scharen stolzen Mutes, dahin, Tod und Gefahr verachtend, die Brust geschwellt, das Auge erleuchtet und den Arm gestählt zu Heil und Ruhm des Vaterlandes. Das Lied wird zur Großmacht. Wo die physische Kraft erlahmt und die Geisteskraft zu erschlaffen droht, da setzt das Volkslied ein und bringt alles wieder hoch. Die Macht des Liedes über das menschliche Herz birgt aber zugleich die Gefahr der mißbräuchlichen Anwendung desselben in fich. Das Erhabendste kann in den Staub gezogen werden und als Waffe der Niedrigkeit dienen. Gemeinheit, Böswilligkeit und Lüge griffen stets nach den wirksamsten Mitteln, um ihre unsauberen Ziele zu erreichen. Auch des Liedes Macht ist ihnen hoch willkommen. Der Antisemitismus hatte zu seiner Entfaltung Wort und Bild, Presse und Bühne benützt, um ln jeder nur möglichen Form die Volksseele zu vergiften. Cr hat auch seine eigene Lyrik, „Geistesblüten" echtdeutscher unsterblicher Poeten, solange eS noch eine — Pamphleiistik gibt. Unter seine Spreu mischte er auch das edle Deutschlandölted Hoffmanns v. Fallerslebens. Ohne daß die breiten Massen es merkten oder ahnten, vollzog sich der Unterschletf. DaS Lied war von der reinen Sphäre hoher Ideale in den Dienst und Dunst der deutschantisemitifchen Spelunke gefunken, ein Kind adeliger Herkunft unter das Slratzenvolk geraten Es verlohnt sich schon, Zeit und Ort der Geburt dieses Kindes näher anzuschauen, um es schätzen zu lernen. Nach dem Wiener Kongreß 1815 rangen die einzelnen Länder mit ihren Regierungen um die Beseirigung "reaktionärer Zustände, um Einführung landständischer Befassungen, wie sie Artikel 39 der Bundesakte in Aussicht gestellt hatte. Nur wenige Bundesstaaten kamew dem gerechten Verlangen nach, andere nur ungenügend! Es gärte bald überall. Unter der U.ioersilätSjugend entstanden Vereine, die sich mit

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