Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1922)
- Date
- 1922-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gelte 0 Nr. 87 Der ISraelit 14. September 1938 sei hier noch einiges über die Debatten in der Montagssitzung nachzutragen: Zunächst wird von Motzkin nach einem Referate über d ie Z uku n ft d e r Z io ni stisch'en Organisation zur Jewish Agency folgende Resolution eingebracht: 1. Die Zionistische Jahreökonserenz begrüßt mit Freude und Begeisterung die historische Tatsache, daß das vom Völkerbunde bestätigte Mandat Englands über Palästina in Anerkennung der historischen Verknüpfttzeit des jüdischen Volkes mit Palästina die Schaffung einer jüdischen öffentlichen Körperschaft, Jewish Agency, zur Vertretung des jüdischen Volkes festgekegl hat und mit der Ausübung dieses Rechtes und dieser Pflicht die Zionistische Organisation betraut hat. Die J-chreskonferenz begrüßt den ersten großen Schritt zur völkerrechtlichen Anerkennung der jüdischen Nation und erblickt dos wichtigste voltiische Instrument zur Schaffung der nationalen Heimstätte in Palästina in Artikel 4 des Mandates. 2 In Konsequenz der obigen Ausführungen ist die Vertretung des jüdischen Volkes für den Ausbau Palästinas durch die Jewish Agency durch einen für diesen Zweck speziell einberufcnen jüdischen Weltkongreß für den Aufbau Palästinas durchzusühren. 8. Der Weitkongretz für den Ausbau Palästinas sott aus demokratischen Wahlen der Juden aller Länder hervorgehen. Ein gewisser, noch zu bestimmender Bruchteil (nicht mehr als ein Drittel) soll sodann aus den Vertretungen verschiedener Zentralorganisattonen zusammengesetzt werden, welche am Aufbau Palästinas et» spezielles Interesse staben oder mit den wirifchaftlichen Rekonstruklionsarbeiten des jüdischen Volkes im allgemeinen sich befassen. 4. Die Exekutive wird beauftragt, alle Schritte zur Verwirklichung dieses Weltkongresses zu unternehmen und nach vorbereitenden Unterhandlungen und nach Durchführung einer Spezlalenquete Im Lause des nächsten Halden Jahres dem Aktionskomitee darüber zu berichten. Die Jahreskonsereuz ruft alle Zionisten dazu auf, die hohe Idee des jüdischen Weltkongresses für den Aufbau Palästinos in die breitesten Massen zu trogen und schon im vorbereitenden Stddium die größte Propaganda für den Palästinagedanken zu entfalten. 5. Bis zur Verwirklichung des jüdischen WsltkongreffeS für den Aufstau Palästinas ist die Exek-üve alS Leitung der Zionistischen Organisation zugleich das Organ der Jewish Agency. Sokolow beantragt folgende Aenderungen: Der erste Pnnkt müsse statt der pathetischen, eine mehr sachliche Form bekommen. Im übrigen sei der Eindruck zu vermeiden, daß der Weltkongreß als eine Bedingung gelte. Es müsse damit gerechnet werden, daß sich" seine Vorbereitung auf zwei Jahre erstrecken würde, in welcher eit die Zionistische Organisation aüein die ewtsh Agency darstellen würde. Es müßte vorher schon ein Weg gefunden werden, auch andere Faktoren, wie z. B. Baron Rothschild oder die JCA zur Mitarbeit heranzichen. — Ufsifchktn hält die lange Vorbereitung für den Kongreß für vermeidlich. — Rabb. Brod (Mtsrachi) plädiert für sofortige Verhandlung mit anderen Organisationen im Rahmen des Weltkongresses, da die zionistische Kraft aürin nicht ausretche, den jetzt erwünschten Aufbau zu vollführen. Ste reiche noch ‘ ntdit rin* mal hin, die eigene Organisation zusammenzuhalten, was mit dem bisherigen Mtnimal-Erfolg des Keren Hajessod am besten bewiesen ist. — Dr. Lewinsohn möchte unterscheiden zwischen einem Palästina-Kongreß und einem allgemeinen jüdischen Welt-Kongreß. Der erstere sei nötig, der zweite heute nicht aktuell. — Mereminsky von den Zeire Zion möchte mit der Einberufung des Weltkongresses abwarten, bis die Juden in den einzelnen Ländern ihre Autonomien in Sicherheit hätten. — Stricker- Wien meint, man könne nicht eher den Kongreß einberufen, als bis man selbst wiffe, was darunter zu verstehen sei. — Dr. Thon-Polen beantragt, die Frage dem nächsten Z i o nisten - Kongreß zu überlassen und diesen zu beauftragen, den Weltkongreß einzuberufen. Das Wählerrecht zum Kongreß gibt die Entrichtung eines Palästina-Schekels. Bis dahin solle sich der Zionismus nur getrost als berufener Führer des jüdischen Volkes fühlen. — Dr. Niemirower-Rumänien hat keinen großen Glauben an den Weltkongreß. — Rosenblüth-Deutschland setzt sich im Namen der brutschen Zionisten für eine Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten rin, im Vertrauen auf die Kraft des Zionismus, der alle anderen Strömungen in seinen Baun ziehm würbe. — Dr. Schmarjahu Lewin ist für den Weltkongreß, der aber keine Versammlung der No kabeln werden darf. Dafür hätte der Zionismus mit seinem demokratischen Geiste zu sorgen. — Dr. Alexander Goldstein sieht in dem Weltkongreß eine Verzweiflungstat und eine Liquidation der Zionistischen Organisation. In der Fortsetzung der Verhandlung um 9 Uhr abends rügt Neumann-Smyrna die falsche Bescheidenheit und die Mutlosigkeit der Organisation, die daraus spricht, daß sie die Verantwortung nicht allein tragen wolle. — K l e i n m a n n -Litauen meint ironisch, die A g u d a und einige Volkisten, die man mit dem Kongresse gewinnen könnte (?) bringen keine Mitgift und würden dagegen unerfüllbare Bedingungen stellen. — Dr. Margulis- Tschecho-Slowakei ereifert sich dagegen, daß man statt zuzupacken, die „Jewish Agency" sozusagen auf der jüdischen Gaffe ausbiete. Der Zioniften- Kongreß sei der beste jüdische Kongreß. Er geht dann auf die volksrechtlichen Eigentümlichkeiten des Mandates ein, welches dem Volke auf dem Wege bereits eine Art Souveränitätsrecht gibt. Die Zionistische Organisation als anerkannte Ber- Vertretrmg des jüdischen Volkes könne alle Anderen nur dann heranziehen, wenn sie zur Organisation kommen. Die Konferenz sei übrigens gar nicht berechtigt, ihr übertragene Rechte aus der Hand zu geben, das sei Sache des Zionisten-Kongresses. Rubaschow von den Poale Zion warnt vor Zusammenarbeit mit den jüdischen Organisationen, die bei der von ihm erhofften baldigen Umschichtung des ganzen jüdischen Volkes alle zusammenbrechen würden. Zur Arbeit heranziehen könne man heute schon das palästinensische Judentum, das amerikanische und das autonome Judentum Litauens.— Aellin wünscht für den „Waad leunü" Vertretung in der Jewish Agency. — Rabbi Schönfeld hält die Einberufung des Kongresses auch den Arabern gegenüber für wichtig, die behaupten, das Palästina-Mandat sei nicht Sache des gesamten Judentums. — Gronemann-Berlin setzt sich sehr warm für den Welt-Kongreß ein. „Wir werden im Kongreß den radikalen Flügel bilden und unseren alten radikalen Zionismus wieder vertreten." Die Notwendigkeit, geeinigt in den Kongreß zu kommen, würde die Einigkeit unter den Zionisten stärken und sie zwingen, die Führer nicht mehr so zu behandeln, wie es in dieser Debatte geschehen sei. — Sevttte* Polen fordert den Rücktritt d er Exekutive, die ihre Unfähigkeit für die Jkwlsh Agency gezeigt hätte. — Farbstein -Warschau tritt ihm entgegen und wünscht ritten Kongreß, den auch dteOrthodoxieohneBedenken mttmachen könnte. — Podlischew ski-Polen sieht die einzige Rettung im Weltkongreß, der den am Aufbau Palästinas interessierten Nichtzionisten die Gelegenheit gibt, mitzuarbriten. Gäbe es doch sogar viele in der Aguda, die den Willen zur Mitarbeit durch Zahlung des Keren HIeffobbeitrages bewiesen hätten . . . Die zionistische Organisation könne durch die Kongreß-Bewegung nur profitieren. — Im ähnlichen Sinne sprachen Dr. Nurok (Misrachi), Berlin und Dr. Chat es-Wien. — Es sprechen noch Motzkin und Dr. Weizmann. Rabbi Fischmann erhebt Anklage gegen das Diktat der linken Parteien in Palästina und fordert eine Vertretung des alten Jischuw in der Jewish Agency, wogegen Aellin dem Misrachi vorwirft, daß er jeden Augenblick seine Politik geändert hätte. Die Anträge werden in anderer bereits mitgeteilter Fassung angenommen. Japan. flnfilemitismus in Japan- Aerkln, 28, August. Aus Kobe wird geschrieben: Bor dem Kriege war der Antisemitismus in Japan wenig bekannt, jedenfalls zeigte man keinerlei Interesse dafür und seine Ziele und Zwecke waren unverständlich. Es gab und gtbt in Japan kerne Staatsbürger jüdischer Abstammung oder jüdischer Religion. Wenn die Japaner überhaupt einen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden gemacht haben, so mag er eher zugunsten der Juden ausgefallen sein, da die Juden mit dunklen Augen und dunklen Haaren den Japanern näher kommen als die Germanen, Angelsachsen und Skandinavier. Während des Krieges, insbesondere nach dem Waffenstillstand und dem Abschluß des Friedens, hat man in Japan angefangen, sich mit dem Proplem des Antisemitismus zu beschäftigen. Die Japaner lieben es neuerdings, das Gespräch auf die Judensrage zu bringen und lesen eifrig antisemitische Broschüren. In dm Auslagen der Buchhandlungen für fremde Literatur findet man eine reichhaltige Auswahl einschlägiger Schriften. Mtr wurde erzählt, daß ein japanischer Professor, der nach Deutschland reisen wollte, sich eifrig um Empfehlungen an deutsche Fachmänner des Antisemitismus bemüht habe'i Deutschland ist eine der Quellen, aus der die lernbegierigen Japaner die Kenntnis der ihnen bisher fremden Disziplin schöpfen. Auch unter den hier ansässigen Deutschen finden fich viele, die sich eifrig bemühen, die Söhne „T)at Nihons" in die Geheimnisse der antisemitischen Lehre einzuweihen. Eine weitere Quelle, aus der die Propaganda für den Antisemitismus unter den Japanern stammt, ist das zaristische Rußland. Die japanischen Offiziere, die bei militärischen Unternehmungen in Sibirien mit den Weißgardisten in freundliche Berührung gekommen sind, haben von ihnen den Begriff des Pogroms kennen gelernt. Unter den Semenowleuten war Parole, daß nur mit dev Ausrottung der Juden die Sowjettdee und der Bolschewismus vernichtet werden könne. Diese Schlagwörter sind von den in Sibirien stationierten Japanern nach Japan kolportiert worden. Der Antisemitismus ist also keine Japan eigentümliche Bewegung und ist in diesem Lande nicht bodenständig. Rassenhaß liegt dem japanischen Antisemitismus nicht zugrunde. Anch die anderen mannigfaltigen Motive, die in Deutschland und anderen Ländern Europas der Entwicklung der antisemitischen Bewegung Vorschub, geleistet haben, sind den Japanern fremd. In Japan und für japanische Interessen verbirgt ich hinter der antisemitischen Bewegung die Furcht vor den sogenannten „gefährlichen Gedar-ken". Die antisemitische Bewegung tu Japan ist keine judenfetndliche Bewegung, es ist eine antiradikale Bewegung, es ist die antibolschewistische Bewegung, die gegen Juden gerichtet zu haben, das Verdienst europäilcher, nicht zuletzt leider deutscher Hetzer ist. Süd-Afrika. ZoHarrrrksSurg, 20. August. (I. E.B.) Der südafrikanische Board of Deputies hat von dem Joint Foreign Committee in London ein Schreiben mit der Aufforderung erhalten, von der südafrikanischen Regierung eine zeitweilige Aufhebung der Jmmigrattonsbeschränkungen zu erwirken, damit ein Teil der jetzt heimatlosen Flüchtlinge nach Südafrika rinwandern können. In dem Schreiben wird mitgeteilt, daß unter den rund I V. Millionen Flüchtlingen in den verschiedenen Ländern Europas V« Millionen Juden sind. Personalien. Bad Oeynhausen. 10. September. Gestern beging ein verdienstvolles Mitglied unserer Gemeinde, Herr Joseph Spiro, der Sohn frommer Eltern und Enkel eines berühmten Rabbiners, seinen 60jährigen Geburtstag. Bor mehr als einem Jahrzehnt ijatte ihn ein schweres Nervenleiden gezwungen, hier seinen Aufenthalt zu nehmen, nachdem er sich zuvor in Berlin durch Herausgabe von Kunstwerken, wie der „Bilder aus der- Bibel" einen Namen gemacht hatte. Am hiesigen Orte erwarb er sich ein Verdienst, Indern er während der Kurzeit für regelmäßige Gottesdienste an Sabbaten und Festtagen sorgte; seine mit