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Der Israelit · 1922-09-14 · Heft 37 (14.9.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 37 (14.9.1922)
Date
1922-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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91t. 37 «eile 5 14, September 19& geplanten Maßnahmen erst in vollem Maße in den Ländern zeigen, die das Ziel der Auswanderer bilden. Denn von der Zahl der wirklich gelernten Arbeiter hängt das Gelingen der konstruktiven Aufbauversuche ab, an denen das gesamte Judentum im Jntereffe einer wirklich durchgreifenden Hilfe für die ihrer Existenz beraubten Flüchtlinge interessiert ist. Von der Berufsberatung der Flüchtlinge hängt also die Möglichkeit ab, sie unter ökonomisch günstigen Bedingungen ins Ausland zu bringen. Es müssen daher Lehrwerkstätten eingerichtet, Fortbildungskurse abgehülten werden — und die Mittel für die Anschaffung von Werkzeug und Material, für die Anwerbung von Lehrpersonal sind natürlich bei den heutigen Preisen und Löhnen nicht geringe! Dazu kommt als besonders gefährliches Moment, daß die augenblicklich vorhandenen Geldmittel durch die katastrophale Entwertung der letzten Wochen an ihrer Kaufkraft außerordentlich viel verloren haben. In diesem Jahre hat sich das Arbeiterfürsorgeamt mit der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmeufürsorge zu einer. Arbeitsgemeinschaft zusammengeschloffen. Dadurch stehen die gesamten Fürsorgeeinrtchtungen auch den hilfsbedürftigen ' deutschen Juden in. vollstem Umfange zur Verfügung. Der Appell des Arbettersürforgeamtes an die jüdische Oeffenilichkeit, ihm bei seiner Arbeit in wirklich großzügiger und erfolgversprechender Weise zu helfen, verdient daher vollste Unterstützung. WM AMI ’i’&M MW eokrerporl<le«rr« «. Nachrichten. Deutsches Reich, . TiBoa TDnb- IrankfirrL a. W., 8. September. Zu unserer Kenntnis gelangt ein Rundschreiben -er Mazzos Bäckereien, worin diese von der Kundschaft Vorauszahlungen auf Mazzos verlangen und sich bereit erklären, diese Anzahlungen zu verzinsen. Die Bäckereien haben offenbar übersehen, daß sie sich mit diesem Angebot eines Verstoßes gegen den JTO*") *T1DX schuldig machen und daß in gleicher Weise diejenigen, welche das Zinsangebot annehmen, ein religiöses Verbot übertreten würden. Sollte die Angelegenheit nicht in anderer Weise geordnet werden können, so müßten die Bäckereien in jedem einzelnen Falle den Kunden einen "iBty KpDtf zur Unterzeichnung übersenden. Die aufsichtsührenden Rabbiner würden wohl bereit sein, die nötigen Anordnungen zu treffen. Merlin, 15. August. Hakenkreuzlern, Rassenschnüfflern und anderem Gelichter sei^dle folgende Notiz behufs Anstellung der Ahnenprobe und Aufdeckung eines neuen jüdischen Verbrechens am deutschen Volk empfohlen : Auch in diesem Jahre hat sich in Holland unter Leitung des Rektors der Universität Amsterdam Pros. Dr. Wertheim Salomonson als Vorsitzendem, Dr. Stumpfs-Amsterdam als Schatzmeister und Pros. Laqueur- Amsterdam als Schriftführer ein Komitee, bestehend aus einigen Professoren, Aerzten und auch Laien, zur Unterstützung deutscher und österreichischer Aerzte und Studenten der Medizin gebildet, um ihnen eine Erholungskur zu verschaffen. Nachdem eine Reihe von Beträgen an 9 medizinische Fakultäten deutscher und österreichischer Universitäten und Aerziekammern vergeben ist, sind noch Mittel dem Leipziger Verband zur Wahrung wiffenschaftltcher _Der gSxaelti,_ Interessen zur Verfügung gestellt worden. Entsprechende Gesuche sind an diesen zu richten. Zentrum gegen flnfifemitismus. Werkln, 11. September. Nach dcm letzten Katholikentage in München konnte manch einer, besonders bei den scharfen Reden des Kardinal Faulhabers, cm der Haltung des Zentrums in der Judenfrage ein wenig irre werden. Nun hat der Vorsitzende der deutschen Zentrumspartet, Rerchstagsabgeordrreter Marx, auf die Bitte des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Stellung der Zentrumspartet der antisemitischen Bewegung gegenüber in einem Schreiben gekennzeichnet, das an Klarheit nichts fehlen läßt: „Es ist eine vielfach beobachtete Erscheinung, daß der Antisemitismus sich fast immer auch als eine Gegnerschaft gegen das Christentum, speziell gegen die katholische Konfession, entwickelt. Daß die starke Betonung des deutschen Volkstums in ihrer Anlehnung an den altdeutschen Götterkult immer mehr als eine anttchriftliche Bewegung hervortritt, kann ernstlich nicht mehr geleugnet werden. Die Katholiken lehnen jedenfalls den Antisemitismus als solchen grundsätzlich ab. Sie halten sich kraft ihrer religiösen Ueberzrugung für verpflichtet, den Haß gegen Mitmenschen, mögen sie auch anderer Ueberzeugung sein wie sie selbst, mit aller Entschiedenheit abzuweisen. Die Untersuchung wegen der Ermordung Rathenaus hat nach meiner Meinung nach den bis jetzt durch die Presse bekanutgewordenen Ergebnissen den Beweis erbracht, daß dieser Mord in engstem Zusammenhang mit den deutschvölkischen Bestrebungen und der antisemitischen Hetze steht. Der Mord beweist m. E. klar, daß eine mit derartigen Mitteln betriebene Volksaufhetzung, wie die. antisemitische Bewegung, schließlich auch überspannte Köpfe zu Mordgedanken und Mordtaten anregt." Wer die Traditionen des deutschen Zentrums aus den Zeiten von Windhorst und Lieber kennt, hat trotz gelegentlichen Entgleisungen Einzelner, nie an seiner ablehnenden Haltung der Partei der Volksverhetzung gegenüber gezweiselt. Litauen. „neutrale“ Progrome- Wilna, 3. September. Das Stäbchen Gedroiz liegt in der sogenannten „neutralen Zone" zwischen Litauen und Wilna. - In Gedroiz hält litauisches Grrnzmtlitär die Ordnung, im gegenüberliegenden Pustilok postiert polnisches Militär und gegenseitige Schießereien sind an der Tagesordnung. Am Sonntag den 27. August benutzen die Polen von Pustilok die zeitweise Abwesenheit der Litauer, um in Gedroiz einzudrtngen, wo sie sämtliche jüdische Häuser und Geschäfte ausplünderten und fast alte Juden, zum Teile sehr schwer mißhandelten. Erst bet Wiederanrücken der litauischen Grenzwache zogen die polnischen Hultgans mit ihrem reichen Plündergut ab. Der Schaden beläuft sich auf viele Millionen. Damit nichts davon in Wilna bekannt werde, hielten die Soldaten in den nächstfolgenden Tagen die .Grenze und alle Wege nach Wilna für die Juden gesperrt. So kam es denn, daß man erst heute nach 6 Tagen hier vom Pogrome erfuhr. Bezeichnet für die Zustände in dieser neutralen Zone ist noch die Art, wie sich nach wenigen Tagen die litauischen Soldaten revanchierten. Sie brachen ins Dorf Kraivaleizt aus polnischer Seite ein und plünderten ebenfalls — natürlich wieder in jüdischen Häusern. „Schlägst du meine Juden, so schlage ich deine l-u Noten. UeberfrM und HJiederhehr?um Judentum. Warschau, 5. September. Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, in denen getaufte Juden ober Christen von Geburt beim Rabbtnate mit dem Wunsche vürsprechen, sie ins Judentum aufbezw. wieder aufzunehmen. Ein 65 jähriger Greis aus der Gegend von Byalistok gab au, im Alter von 16 Jahren aus Ursachen, die er nicht mehr wiedergeden konnte, zur russischen Kirche übergegangen zu fein. Er habe dann Jahrzehnte mit einer russischen Frau in Sibirien gelebt, die jetzt gestorben sei, ohne ihm Kinder geschenkt zu haben. Nun wurde er von unwiderstehlicher Sehnsucht nach der jüdischen Rrltgion ergriffen. Da sich das Rabbinat von der Richtigkeit seiner Angaben überzeugt hatte, wurde er, nachdem er 45 Jahre als Christ gelebt hatte, wieder ins Judentuuk ausgenommen. Ebenso konnte dem Gesuche zweier Männer stattgegeben werden. Der eine hatte sich aus Liebe zu einem christlichen Mädchen, der andere um einen Regterungsposten zu erlangen, vor Jahren getauft und nun wollten beide aus Reue zum alten Glauben zurückkdhren. Dagegen mußte ein christliches Mädchen, das mit ihrem jüdischen Bräutigam erschienen war und unter Eiden versicherte, daß sie gute, fromme Jüdin an der Sette ihres Ehemannes werden wolle, vorerst zurückgewirsen werden. Das Paar wurde an die Krakauer Gemeinde verwiesen, deren Rabbtnat für die Sache zuständig sei, da sich die jungen Leute dort ansässig machen wollten. Neue Unruhen in Rsllowib. .Kosen, 12. Sept. In Kattowitz hören seit dem Pogrome die Ausschreitungen nicht auf. Am Samstag und Sonntag vergangener Woche kam es wieder zu ernsten Plünderungen. Obwohl jetzt die Unruhen mehr auf Lohnbewegungen und auf die Unzufriedenheit infolge der Einführung der polnischen Währung zurückzuführen sind, 'find doch die meisten Angegriffenen Juden und alle ausgeraubten Geschäfte tragen jüdische oder deutsche Namen. ReliöionsDßrfolgunsen in Rußland. Uiga, 18. August. In den ersten Tagen des August begann in Sluzk bei Minsk der Prozeß gegen eine ganze Reihe jüdischer Melamdim und Talmudlehrer, die beschuldig werden, entgegen dem Dekret der bolchewisttschen Macht Chedartm und Jffchtwaus unterhalten zu haben. Auf der Anklagebank saß auch der Ortsrabbiner von Sluzk, Melzer, und der Synagogenvorsteher. Der Vertreter der Anklage hielt Brandreden gegen die jüdische Religion und deren Verbreiter bei der Jugend und plädierte auf strengste Bestrafung. Der Verteidiger machte die Amnestie vom 13. Juli 1922 geltend. In der späten Nachtstunde von Freitag zu Samstag (ausgerechnet!) wurde das Urteil gesprochen. Alle Angeklagten mit Ausnahme des Vorstehers werden für schuldig befunden und zu Zwangsarbeit verurteilt, wovon aber die meisten durch die erwähnte Amnestie befreit sind. Drei Melamdim werden vom Genüsse der Amnestie ausgeschlossen und für einen, beziehungsweise zwei Monate in die Zwangsarbeit geschickt. Allen Angeklagten wird jede pädagogische Tätigkeit aus die Dauer von drei Jahre bet strenster Strafe verboten. — In der zaristischen Zeit konnte man in Cheder und Jeschtrvoh in Rußland ungestört lernen und lehren! — Ts rhecho-Slonrakei. öioniflifche Jahreshonferenj. Karlsbad, 7. September. Zu dem Berichte über die Jahreskonserrnz

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