Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 34-35 (31.8.1922)
- Date
- 1922-08-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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81. August 1922__ stützüng erforderten Anzahl der Gesamischüler in Abzug gebracht werden soll, werden hierdurch viele jüdische Schulen nicht die hierzu erforderliche Anzahl von Schülern aufweisen können und daher -er staatlichen Unterstützung verlustig werden. Damit werden dann zwei Fliegen mit einem Schlage getroffen: man schließt damit die Möglichkeit aus, daß nichtjüdische Kinder die jüdischen Volksschulen besuchen und man erschwert materiell die Ausrechterhaltung der jüdischen Schulen. Ein Kommentar ist wohl überflüssig. Die Rumänenfrage in Ungern. Budapest, 1. August. In der Anfangs Juli vor dem Budapests Militär-Strafgerichtshofe ftattgehabten Schlußverhandlung gegen die Mörder und Plünderer der Jzsaker. "Juden Johann Zbona und Genoffen — der bekanntlich mit der Verurteilung der Angeklagten wegen Raub endete — spielte die sogenannte Rumänenfrage eine große Rolle. Hatte doch Zbona von seinem Vorgesetzten Ivan Hejas den Befehl zur „Justifizierung der drei Juden" — ein Befehl, der ihm und seinen Genossen die Straflosigkeit wegen Mord sicherte, weil sie nach der Motivierung des Urteiles „unter großem geistigen Zwang nur einen Befehl . ihres Vorgesetzten erfüllt hätten — nur deshalb erhalten, weil es von diesen armen jüdischen Dorfkaufleuten hieß, sie hätten die Rumänen durch Bestechung zur Verlängerung der Besetzung des Gebietes veranlassen wollen. Die Schluß-. Verhandlung hat die Nnhaltbarkeit dieser Beschuldigung klar erwiesen. Die Begründung des militärgerichtlichen Urteiles hob hervor, daß die Verhandlung „keine prozessualen positiven Beweise gegen die Hingerichteten Juden" dafür ergeben habe, daß sie die Rumänen mit anderthalb Millionen bestochen hätten. Die Behauptung, daß die Judenschaft die rumänischen Truppen nach dem Sturz des Bolschewismus ins Land gebracht und ihren Aufenthalt hier und besonders in Budapest verlängert hätte, spielte unter den Beschuldigungen der antisemitischen Presse eine hervorragende Rolle und es kann deshalb wohl als Tat betrachtet werden, daß Abgeordneter Paul Sandor diese Frage in der Nationalversammlung aufwarf und die Regierung aufforderte, die Frage zu untersuchen und vor die Nationalversammlung zu bringen, wer eigentlich die Rumänen gegen den direkten Befehl der Entente nach Ungarn gebracht habe. Wie konnte man — sagte der Abgeordnete unter anderen — eine ganze Konfession dessen verdächtigen, wie darf man eine ganze Religionsgemeinschaft anschwärzen und von ihr behaupten, daß sie die Rumänen hieher gebracht habe?" Die Klärung dieser Frage bildet — wie Redner weiter ausetnandersetzt — nicht nur ein Interesse des Judentums, sondern auch des früheren Kurses selber, da doch ganz offen die Namen von neun hervorragenden Politikern, Gründern und Unterstützern des gewesenen Kurses genannt werden, von denen behauptet wird, daß sie die Rumänen nach Budapest gebracht hätten. es—, Tf rherho-Monraker. öioniftifche Jahreshonferen? Kartsvad, 27. August. Im Kurhause zu Karlsbad wurde am Freitag die Zionistische Jahreskonftrenz mit einer Rede Sokolows eröffnet, die sich, wie die darauf folgende Rede Weizmanns, natürlich ganz unter dem Gesichtspunkte des Mandatserfolges bewegte. — Weizmann sagt über die „Jewish Agency", daß es der Wunsch der Zionisten sei, sie zum Gemeingut des ganzen jüdischen Volkes zu machen. Alles, was im Judentum lebt und sich regt und den Aufbau Erez Jisroels will, würde und müßte seinen Platz und seine Vertretung in der Jewish Agency finden und es sei Aufgabe dieser Konferenz, in der Diskussion Mittel und Wege sestzustellen und der Exekutive die notwendigen Aufträge zu erteilen, um dieses hohe Ziel zu erreichen. Das Der Israelit. A. C. gedenke mit den großen jüdischen Organisationen, Gemeinden und Persönlichkeiten und Par!eien zu verhandeln, um ihre Kraft für den Aufbau Palästinas zu gewinnen und eine gemeinsam Plattform zu schaffen. Weizmann hofft aus Schaffung einer Organisation und das Inslebeutreten eines Allgemeinen jüdischen Weltkonkresses für den Ausbau von Erez Jtsroei. Das jüdische Heim soll nicht gegen die Araber, sondern mit den Arabern aufgebaut werden und einen Aufschwung auch für diese bedeuten. Es nahmell dann das Wort zur Begrüßung die Teilnehmer des ersten Konkresses vor 25Jahren: Ussischkin, Motzkin, H. Farbstein, Tr. Wilenski, Dr. Schallt, David Nell in u. v. m. Ins Präsidium der Konferenz werden auf Vorschlag des A. C. gewählt: Oberrckbblner Chajes, Dr. Schwarja Lew in, Meier Berlin, L. Ltpski und Mellt rr. Es wurden Begrüßungstelegramme abgesand: an Nordau, Baron Edmund v. Rothschild, Lord Balfour und an den Präsidenten der tschechoslowakischen Republik. In der Nüchmittagssitzung vom Freitag er-, griff nach kurzer hebräischer Rede des Vorsitzenden Rabbiners Dr. Chajes, Weizmann das Wort und ließ sich besonders über das Weißbuch aus, das dir Zionistische Exekutive zusammen mit den damals erreichbaren Mitgliedern des A. C. nach langen und schweren Beratungen mit der englischen Regierung und dem High Commissioner angenommen hat. Das Weißbuch enthalte einige Punkte, die Bedenken und Befürchtungen Hervorrufen können. Der Hauptpunkt derselben sei nicht die Definition ins jüdischen Nationalheims, wie sie dort gegeken ist, sondern die Politik der jüdischen Immigration. Diese ist dort zweimal eingrschlänkt. Einmal ist bestimmend für die Einwanderung die ökonomische Aufnahmefähigkeit des Landes, zweitens aber eine Kontrolle der so durch objektive Faktoren eingeschränkten Immigration. ES sei zu fürchten, daß diese Kontrolle manchmal zu einem Obftrukttonsorgan werden und der Gegenstand heftiger Kämpfe gegen unser Recht zur Immigration werden können. Der einzige Weg sei die Stärkung der jüdischen materiellen und moralischen Interessen. Wenn Mittel genug da sind, um Arbeit für soundsoviel Einwanderer zu l beschaffen, wird uns keine Macht der Welt i davon abhalten, die notwendige Zahl der Jmrulgranten ins Land zu bringen. Die Sache steht so, daß nicht der Immigrant vor dem Geld kommen muß, sondern das Geld vor dem Immigranten. Es soll jetzt die Hauptaufgabe der Exekutive sein, diese Frage zu einer Regelung und befriedigenderen Lösung zu bringen. Zur arabischen Frage sagt Weizmann, daß man mit der arabischen Delegation in London zu keiner Verständigung kommen konnte und zwar, weil hinter derselben mächtige, besonders im Londoner Milieu einflußreiche Faktoren arbeiteten. Anfänge seien aber bereits vorhanden, die einen Kern für die Zusammenarbeit mit dem arabischen Volke schaffen. Sokolow macht noch einige ergänzende Mitteilungen über die Errreichung des Mandats Und nachdem noch einige Redner zu Worte gekommen waren, werden die Verhandlungen des Sabbats wegen abgebrochen. ©nßlcmfc. Öle Tätigkeit 8es Nsnsen'lklien Slüchtlingskomitees. London, 25. Juli. Das Join^ Foreign Committee veröffentlicht einen von Lucien Wofff erstatteten Bericht über die dritte Tagung des dem Oberkommiffar Nansen beigegebenen beratenden Komitees, die Ende Mai in Genf stattfand. Das wichtigste Ergebnis der Tagung ist Annahme einer von Lueien Wolff vorgeschlagenen Resolution, die von der richtigen Erkenntnis ausgeht, daß den Nr. 34 u. 86 Sette 7 . ---— - nwrw ->—r -t—r* - * -—* r y ->* ■ in den russischen Randgebieten angesammelten Flüchtlingen wirksam nur geholfen werden könne, wenn die großen Einwanderungsländer des Westens, insbesondere die Vereinigten Staaten von Nordamerika, eine weniger engherzige Einwan derungspvlitik betrieben. Gerade der Völkerbund wärp, obgleich ihm Amerika leider noch nicht angehört, berufen, auf d'e öffentliche Meinung dieser Länder aufklärend zu wirken. Die Resolution lautet: Das dem Oberkommissar tfir russische Flüchtlinge beim Völkerbund bekgegebene beratende Komitee, das alle an dem russischen Hilfswerk beteiligten führenden Vereinigungen vertritt, hat mit tiefer Enttäuschung von dem bisherigen Mißlingen aller Anstrengungen Kenntnis genommen, d'e gemacht worden sind, um den Flü'kblllngrn einen umfassenderen Zugang zu den großen überseeischen Einwanderungsländern zu verschaffen. Di-ser Mißerfolg droht das Hauptwerk des Oberkommifsariates ernstlich zu kompromittieren und erschwert aufs fu^chibmsie das Problem deS mensch« lichen Leidens unter den Flüchtlingen. Aus diesem Grunde appelliert das Komitee an die öffentliche Meinung in den großen überseeischen Ländern, milder Bitte, Europa bei der Lösung des JlüchtlingsproblemS zur Hilfe zu kommen. Europa har schon die größten Opfer der der Aufnahme vor vielen hunderttausenden dieser Flüchtlinge ln seine überfüllten und in schlechter Lage befindlichen Arbeitsmärkte gebracht, ebenso wie durch große Geldausgaben für die Unterstützung der» jcnigcn, die zusammengedrängt noch immer in den! breiten russischen Rundstaaten verharren müffen. Die großen Immtgrotionsiänder werden ernstlich gebeten, an diesen Opfern teilzunehmen durch eine Erleichterung ihrer EivwanderungSbeschränknng in dem Sinne, daß ein wesentlicher Teil dieser Flüchtlinge in ihrer Mitte sich ansiedeln muß, wobei die Ziffern, die Qualitäten und die andern Bedingrrnger' durch gegenseitige ttebereinkunft festgelegt werden können. Sowohl das Sekretariat des Völkerbundes, als auch das internationale Arbeitsamt haben versprochen, im Sinne dieser Resolution tätig zu sein. Das Oberkommissariat beabsichtigt demrrächst eine Konferenz der beteiligten Staaten einzuberufen, um üher die Anfertigung von Personal-Ausweisen und Pässen für die heimat- und staatenlosen Flüchtlinge endgültige Beschlüsse zu fassen. Die'nächste Zusammenkunft des Komitees dürfte im September ftattfinden. Palästina. Befirafung eines iüöifchen Gendarmen wegen Die!iÜDerroeigerung am Sabbatgernfatm, 4. August. Ein jüdischer Angehöriger der palästinensischen Gendarmerie wurde mit 28 Tagen Gefängnis bestraft, weil rr sich geweigert hat, am Sonnabend Dienst zu tun. Bekanntlich wurde zur Zeit der Gründung der Gendarmerie mit dem Oberrabbinat Palästinas vereinbart, die jüdischen Angehörigen der Gendarmerie am Sabbat vom Dienst zu befreien. (J.C.B.) Der fiutomobilköRia Sord und die ruMdie’ Reaktion. Werv-York, 15. Auq. Die in New-Aork erscheinende illustrierte' Monatsschrift „Hearsts International" bringt in ihrem Juniheft sensationelle Enthüllungen,, deren Ricbtigkeit man bezweifeln würde, wennnicht wichtige Einzelheiten durch die photographische Wiedergabe beweiskräftiger Dokumente glaubhaft gemacht würden. Der bekannte große Automobilfabrikant Henry Ford, von dem die genannte Zeitschrift sagt, er sei in seinem Geschäft ein Genie, außerhalb aber geistig ein Kind, ist seit einigen Jahren ein wütender Antisemit. Man sagt, das „Friedensschiff", mit dem er sich im Dezember 1915 lächerlich machte und das ihn 800 000 Dollar kostete, sei ihm von einer Jüdin verkauft wordenjemand habe ihm eingeredet, das „Friedensschiff" sei ein „jüdischer Trick" gewesen, und seitdem hasse er die Juden. Wie dem auch sei, jedenfalls läßt er durch seine Wochenschrift „The Dearborn Independent" eine wüste antisemitische Hetze betreiben und beschäftigt außerdem in New-Aork ein Detektivbureau, das ihm Material gegen Juden und „Judengenoffen" liefert. Denn er begnügt sich nicht