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Der Israelit · 1922-08-31 · Heft 34-35 (31.8.1922) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 34-35 (31.8.1922)
Date
1922-08-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©tUe 8 Ho. 84 u. 85 Der Jsrneltt. 31. August 1923, damit, die Juden zu verfolgen, sondern alle li beraten Amerikaner werden von seinen Leuten zu Judengenoffen gestempelt. Zu ihnen zählt er beispielsweise auch Colonel House, Herbert Hoover und selbst den friiheren Präsidenten Wilson. Diese antisemitische Schwäche des Geldmagnaten hat nun ein Agent der russischen Zarenpartei, namens Boris Brosol, ausgenutzt, um ihn und seine Dollars in den Dienst der russischen Reaktion zu stellen. Brafol, der im Jahre 1913 als russischer Beamter an der Durchführung des aufsehenerregenden Rttualmordprozesses Beilis in Kiel beteiligt war, wurde nach dem Zusammenbruch des Zarenreichs in Amerika Vizepräsident des dortigen „Vereins russischer Offiziere." Dieser Brasol ist Mttarbeiter an Fords Verlagsunternehmungen und rühmt sich in einem Brief, den Hearsts International veröffentlicht, daß zwei 'von ihm im letzten Jahre geschriebene Bücher den Juden mehr'Schaden getan hätten als zehn Pogrome. Hinter allen diesen Treibereien aber steht nach der genannten Zeitschrift der führende rohalistische Kandidat für den russischen Thron, Großfürst Cyrill aus dem Hause Romanow. Die Enthüllungen der amerikanischen Zeitschrift zeigen von neuem, in wie engem Zusammenhang Antisemitismus und internationale Reaktion stehen. Personalien. Geisa, 24 Aug. In Nr. 195 der „Allgemeinen Thüringischen Landcszeitung Deutschlands in Weimar" findet sich ein von Herrn Oberlehrer Dr. O. Re uterin Weimar verfaßter Bericht über eine am Sourlag, den 16 Juli, stallgefundene Gedenkfeier für den leider so früh verstorbenen Rhönfloristen Moritz Gold« schmidt, indem mir unter anderem folgende ehrende Worte lesen: „Moritz Goldschmidt war uns allen Lehrer und Freund, er war uns wahr: ein Führer durchs Leben, ein leuchtendes Vorbild. Von feiner Wiflenfchaft braucht nicht geredet zu werden, sie ist bekannt; wer einen Hauch von ihr verspüren will, lese seine Abhandlung über die Rhönflora ln Schneiders vorbildlichem Rhönsührer. Goldschmidt mar wehr als rin Wissenschaftler: ein Mensch edel, hilfreich und gut, ein Mensch fast ohne Jehl, der bis zu seinem Tode an seiner Vervollkommnung arbeitete, der das ganze Weltall mit Liebe zu durchdringen bemüht war, eine Jührernaiur im edelsten Sinne, die unserer heutigen Haßzerrüttelen Zeit tn allen Ecken fehlt." Matzbach, 27. Aug. Vorigen Woche feierte Herr M. A. Marx tn voller Rüstigkeit und Arbeitsfreude seinen 70. Geburtstag. Herr Marx ist dank seiner steten Pflichttreue und seines unbedingten Festhaltens an den Lehren von p"mn seiner, wenn auch kleinen Gemeinde, ein echt jüdisches Vorbild in althergebrachtem Sinne. Er ist auch darüber hinaus eifriger Förderer edler Bestrebungen und hat es verstanden, durch seine Gewissenhaftigkeit sich großes Ansehen und Verehrung auch bei den nichtjüdischen Mitbürgern zu erwerben. Als mstts ob»1? 7niD genießt Herr Mmx einen Ruf überfein Bayernland hinaus. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange in unserer Gemeinde zu wirken. Vermischtes. Berlin, 11. August. Die antisemitische Verlagsgesellschaft „Deutscher Herold", Berlin, teil mit, daß eine Wetterführung der bisher in ihrem Verlage erschienenen Blauer: '„Deutsches Abendblatt", „Deutsches Tageblatt" usw. a u s g e s ch l o s s e n ist, sie hat allen Angestellten und Mitarbeitern gekündigt. All' diese Blätter dienten der wüsten antisemitischen Hetze. Berlin, 37. Aug. Nach den letzten Mitteilungen, die derZentralwohlfahrtSstelle der deutschen f uden zugegangen sind, leben tn Deutschland zur eit 13 jüdische Kriegsblinde. Ein Kriegsblinder ist in feiner Heimat, die an Polen abgetreten wurde, verblieben. Von den 13 Kriegsblinden ist nur ein kleiner Teil bedürftig. Zur Zeit stehen außer den Militärrenten und dem KricgsblindenfondS für Heer und Marine ein größerer Betrag vom Bund erblindeter lüdlscher Krieger, dem Herr Sanitätsrai Dr. Fetlchenselb, Berlin, als Vertrauensmann des StaatökommiffarS beigegeben ist, zirka 18.000 Mk. beim jüdischen Bltndenverein in Sieglitz, endlich noch Sonderfonds bei einzelnen jüdischen Gemeinden zur Verfügung. Um auch aus diesem Gebiete die vorhandenen Mittel bestmöglichst auszunützen, werden die Gemeinden, die Blindenfonds besitzen, gebeten, Auskunft hierüber an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin C. 2, Rosenstraße 24, zu erteilen, damit für den Etnzelfall genügend Mittel verfügbar gemacht werden können. Leipzig, 17. Aug. Wir lesen in den „Leipziger Neuesten Nachrichten": Prof. AlbertEinstein hatte zugesagt, auf der Hundertjahrfeier der Gesellschaft deutscher Naturforscher.'und Aerzte tn Leipzig am 18. September einen Vortrag über die Relativitätstheorie zu halten. Kurz nach der Ermordung Rathenaus teilte aber Einstein dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Geheimrat Planck, mit, daß er seine Beteiligung an der Jahrhundertfeier absagen müffe, weil er für mehrere Monate inS Ausland gehe. Diesen plötzlichen Entschluß faßte Einstein, als er erfuhr, daß auch sein Name auf der Liste der Opfer stehe, die von der Mörderorganifation beseitigt werden sollten, der schon Rathenau zum Bpser gefallen ist. Der Entschluß Einsteins, unter diesen Umständen auf längere Zeit ins Ausland zu gehen, war vollständig zu begreifen. Inzwischen hat sich durch das tatkräftige Eingreifen der Regierung die Lage im Reich erfreulicherweise bedeutend gebeffert. Die Mörderorgantsation ist aufgedeckt, alle Schuldigen und Verdächtigen sind in Gewahrsam gebracht worden, so daß nun hoffentlich dem schändlichen Treiben dieser Kreise ein für allemal ein Ende bereitet worden ist. Der Vorsitzende der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte hat nun den Versuch unternommen, Einstein zur Rückkehr nach Deutschland und zur Teilnahme an der Leipziger Jahrhundertfeier zu bewegen, und er bedauert sehr, daß es seinen Bemühungen bisher noch nicht gelungen ist, Einstein zur Rückkehr zu bewegen. — Daß ein Mord gegen eineu Mann wie Einstein auch nur geplant werden konnte, ist ein Zeichen für den erschreckenden Tiefstand, auf den ein Teil unseres Volkes herabgesunken ist. Im Jntereffe der Mistenschüft, wie auch unseres deutschen Volkes hoffen wir, baß dieser Fieberherd am Volkskörper so rasch wie möglich geheilt wird. München, 16. August. Das bayrische Ministerium des Innern hat den „Völkischen Beobachter", das Organ der Antisemiten nnd Nationalsozialisten auf acht Tage wegen Beschimpfung der bayrischen Regierung verboten. Außerdem schwebt, wie uns aus München gemeldet wird, ein staatsanwaltschaftlicheS Verfahren gegen den Redakteur dieses Blattes, weil er bei einer vaterländischen Kundgebung den Minister des Innern durch einen Zuruf beleidigt hat. Breslau, 2S. Aug. Die 'Beschwerde der Ortsgruppe Breslau des Deutfchvölktschen Schutz- und Trutzbundes gegen die Aufiösungsoerfügung des Oberpräsidenten ist kostenpflichtig verworfen worden. Briefkasten. R. H. in M. O. Dr. Heinemannsches Institut von Frau Amalie Rosenthaler, hier, Tyeobaldstr. 5 und Institut Martha Markus in Baden-Baden. Sprechsaal. Noch einmal: Tie jüdische Heilstätte in Davos. Tie verschiedenen Artikel über die Jüdische Tuberkulosenfürsorge" in den letzten Nummern des „Israelis, dürsten Wohl kaum unbeachtet geblieben sein, da dieser Gegenstand ja leider zu den Hauptfragen der Gegenwart gehört. Trotz aller Aufklärung auf diefem Gebiet ist es nicht möglich, Laien von dieser verheerenden und Leid bringenden Krankheit ein richtiges Bild zu geben. Wer nicht selbst aus diesem Becher des Elends gekostet oder längere Zeit in der Umgebung dieser vom Schicksal hart betroffenen Menschen geweilt, wird niemals die Tragweite dieser Krankheit und das Los dieser Heimgesuchten ermessen können. So höret denn Ihr, die Ihr Gott nicht genug für Euere Gesundheit danken könnet, Ihr, von denen, nur die Wenigsten das Kleinod der Gesundheit zu schätzen wissen, was einige aus dem Munde Tausender und Abertausender, die den Wert einer „Jüdischen- Heilstätte" kennen gelernt, zu Euch sprechen. Lastet diese Worte nicht ungestört an Eueren Ohren -und unberührt an Euerem Herzen vorüberziehen! Die praktischen Erfahrungen, die wir in den Monaten und Jahren unseres Krankseins erworben haben sind viele. Einer dieser Hauptfaktoren ist die schon lange feststehende Tatsache, daß gerade die Psyche bei Lungenkranken eine bedeutende Rolle spielt. Daher ist es leicht verständlich, daß wir Juden uns in einem jiidisch-en Milieu weit behaglicher fühlen, als wenn mir durch Umstände gezwungen wären, unseren Aufenthalt in einer christlichen Anstalt zu nehmen. Me schön ist es doch in unserem Hause, der „Etania", wenn an den Sabbaten und Feiertagen sich alles in dem Speisesaal versammelt und in feierlicher Stimmung dem „Kiddusch' lauscht. Aber auch welche Sehnsucht nach den Lieben zu Hause kann man gerade in diesem Augenblick von manchem Gesicht abtesen. Nur das Zusammengehörigkeitsgefühl der Patienten untereinander, was auch zum größten Teil wieder durch die jüdische Atmosphäre bedingt ist, verstärkt durck das Band gemeinsamer Leiden, läßt auch diese wehmütigen Schatten weichen und durch Zurückstellung des eigenen „Ich" nnd durch Teilnahme für den Leidensgefährten, versyM man sich gegenseitig Trost und Mut zuzusprechem, — deyn man befindet sich doch m dem gesundheitsversprechenden Davos — Und gelangt allmählich wieder in heitere Stimmung. Man gestaltet sich sein Leben nach bestem Können, unterstützt durch die Leitung des Hauses, so angenehm als möglich. Aber nicht darf man vergesten, daß alle diese Annehmlichkeiten und Erleichterungen, die dem Kranken in der „Etania" erwachsen, einzig und allein ihren Ursprung in der Tatsache finden, daß diese ihrer Art nach einzige Institution in diesem hervorragenden Klima besteht. Dieses Haus, das im Jahre 1919 erst gegründet wurde, das, wie statistisch nachgewiesen glänzende Erfolge aufweist, das kein Patient verläßt ohne das größte Tankgefühl gegen diejenigen zu empfinden, die es ins Leben gerufen und unterhalten, in dessen ganzem Leben diese Periode unvergessen bleiben wird., dieses Haus unterliegt jetzt infolge der schweren Zeiten einer finanziellen Krisis, so daß wirtschastlrche Einschränkungen erforderlich sind. Selbst Kinder, die heute mehr denn je von der Tuberkulose befallen werden oder ihrer Gefahr ausgesetzt sind, können aus dieser» -Grunde — wie bereits berichtet — kerne Ausnahme dort finden. Hättet Ihr sie gesehen, diese schon so früh zum Leiden bestimmte Kinder, wie sie schon nach kurzer Zeit sich körperlich und auch demzufolge geistig entwickelten, wie die Knaben über „Chummisch' und „Mischnajoth" gebeugt mit Interesse und Verständnis den Worten 8es Lehrers lauschten, hättet Ihr gehört, wie fröhlich ihre Lieder vom LiegestuiM in die herrliche Natur erschallen, es hätte nicht eindrucksws an Euch vorübergehen können, und Ihr würdet alle Euere Kräfte aufbieten, dafür zu sorgen, daß diese Zeit wiederkommt, um die der Heilung harrenden Kinder nach Davos schicken zu können, um Eltern das Glück zu bereiten, ihre Kinder der Todesgefahr zu entreißen, um manches Leben, das jetzt schon Talente Und Intelligenz in sich birgt, und darum heute schon ein für die Menschheit nützliches und heilbringendes Glied zu werden verspricht, zu erhalten. Wer sollte sich ihrer nicht erbarmen! Es ist nicht mit Worten zu schildern, welcher Jammer heraufbeschworen werden würde, wenn die „Etania" aus Mangel an nötigen Geldmitteln ihre Tore schließen müßte, wenn dieser Hoffnungsschimmer gleich einem Sonnenstrahl am trüben Himmel erlöschen w ürde, d er so manchen Kranken noch aufrecht erhielt, da er wartet und wartet, bis daß er ausgenommen werden könnte, Um dort seine Heilung zu finden, wenn die Patienten der „Etania" das in Davos zu ihrem Heim gewordene Haus verlassen müßten, und alle Hoffnung und Mut, die sie aus ihr geschöpft, nunmehr sich in ein leeres Nichts verwandelt. Denn was sollten sie beginnen, wohin fällten sie gehen '. Kein Ort, sei es im Schwarzwald oder im bayerischen Hochgebirge, gibt ihnen die Garantien, die Davos dank seinem Welt- Gross Frankfurt Weinklause. Tanzpalais. Das führende Kabarett Das vornehme Westdeutschlands. ABENDLOKAL, Wienei* Kaffee Ungarische Kapelle. Eigene Konditorei. SOHUHANN- Theater Monat August 1922: Gastspiel Wilhelm Hartstein mit seiner Gesellschaft, außerdem ein erstklassiger Variete - Teil. ■UHaiiMwumuMnM)llvijmBiiwu.*«wn "" “ Kristall-Palast | Tanz und Variete 1 Telefon: Hansa 3844 ■ Der kolossale August - Spielplan 2 Ball-Orchester - Sonntags _ 2 große- Np« 1 Original American Maff J B Vorstellungen. JNCU1 Cowboy Jana Band JNeU! a Einlaß nach- HHtwocbn. Samstag Nachm. 4Uhr: ■ mittags 2% TflU7-Tpfi 5 _ abends 7'/, Uhr. 1 anz 1 mmm 9 ■aaaaa ■■«■■«■»■■saMmii «■■&■■■■»

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