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Der Israelit · 1922-08-31 · Heft 34-35 (31.8.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 34-35 (31.8.1922)
Date
1922-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ar. 3i u. 3ö «ettr s LI August 19N beim GÄet bedeckt ölerbe, was für die Frauen, die keine priefterlichen Funktionen hatten, in dieser Form nicht gilt. 22. Der wahre Legen. Wenn wir inr 132% 1?2rr-Gebet sprechen: „Unser Vater,- unser König, fülle unsre Hände rnit deinem Segen, Mle unsre Scheuern mit Sättigung," so sollen wir nicht nur an den Segen und die Sättigung denken, die wir ft'ir uns und die Unsrigen erbittet:, sondern auch an den Segen und die Sättigung, die aus unsrer Hand und' unserm Haus über andere konrmen, denen wir Segen und Sättigung sollen zuteil werden lassen. 23. Gerechtigkeit nnv Gnade. Zer. 17, 10 „Ich der Herr erforsche das Herz, Prüfe die Nieren und zu geben einem jeden nach seinen Wegen, nach! der Frucht seiner Taten." Was bedeutet das scheinbar in das Satzgefüge nicht hinenrpassende „und?" Dasselbe beweist, daß hier ein Zwischengedanke zu ergänzen ist. Der Satz spricht von der Gerechtigkeit Gottes, die jedem nach seinem Verdienst gibt. Wer wenn Gott nur Gerechtigkeit und nicht auch Gnade übte, wie würde der Mensch bestehen können; Dieser Gedanke schlummert hinter dem „und zu geben." Ist ihm ist angedentet, daß Gott, der das Menschenherz und dessen Schwächer kennt, auch Gnade malten läßt, die dennoch zugleich Gerechtigkeit ist. 24. Der Reichtum- „Siehe, ich lasse euch Brot vorn Himmel regnen . . damit ich es (das Volk) prüfe, ob es in meiner Lehre wandte oder nicht." (Ex. 16, 4). Zuströmender Reichtum kann zu einer schwerer Versuchung werden, der, wie die tägliche Erfahrung zeigt, die Menschen gar leicht erliegen. (Schluß.folgt.) Ad. Seelsorge und Krankenhaus. Bon Fr. in Fl. Es ist eine unleugbare Tatsache, daß der Krieg einen demoralisierenden Einfluß auf die Sitten und religiösen Prinzipien der Menschen geübt. Mebr denn je gilt jetzt für die deutschen Juden das Wort der Schrift TO2 72 HW „Jeder tut das, was er in seinen Augen für recht hält." Wohl scheuen sich unsere auf gesetzestreuem Boden stehenden Zeitungen nicht, die religiösen Mängel des Zeitalters zu geißeln und den Menschen den Spiegel ihrer Handlungen vor Augen zu halten. Jedoch geben wir uns keiner Täuschung darüber hin, daß die Mahnungen zumeist nicht beherzigt werden. Nach wie vor gilt das angeführte Wort. Auch der Einfluß unserer religiösen Führer, unserer Rabbtnen, ist im Sinken begriffen. Wenn früher ein 2*1 ein Genußmittel für “V5DK erklärte oder in seinen Predigten gegen irgend einen eingeriffenen Brauch zu Felde zog, so fanden seine Worte Gehör. Man hörte ihn andächtig an und richtete den Ermahnungen des 2-| gemäß seinen Lebenswandel ein. Und heute? Wer nimmt heute noch religiöse Belehrung an? Wenn der Prediger den Mut finden sollte, "lDID ^27 zu sprechen, verläßt der größte Teil des Auditoriums das Gotteshaus, um ja nicht die Wahrheit zu hören. Oker man hört die Predigt ruhig an und begleitet die Mahnung des sich ereifernden Predigers mit einem geringschätzigen Lächeln. Auch in den Chewraus möchte man nicht mehr an seine Pflichten gemahnt werden. Man langweilt sich, wenn der Lehrende dos Gebiet der Dinim, die Pflichienlehre re. behandelt, eher schon hört man einen Vortrag über Geschichte und Literatur oder über die Tagesfragem Jedoch eine Stelle gibt es, wo dem jüdischen Seelsorger ausgiebig Gelegenheit geboten ist, seinen alten Einfluß wieder zurückzuerobern. Im Angesicht des Todes ist erfahrungs- . Der HSraM. gemäß auch das härteste Gemüt leichter zugänglich als das sonst der Fall ist. Wie mancher verstockte Sünder hat sich nach einer überstandenen schweren Erkrankung vollständig umgewandelt. Die christlichen Geistlichen haben dies längst erkannt, und sind in den meisten Krankenhäusern Stunden festgesetzt, in denen der Geistliche die Patienten seiner Konfession besucht und dieselben an ihr Seelenheil ermahnt. Ein Bekannter von mir lag vor einiger Zeit in einem christlichen Krankenhause, in dem auch jüdische Patienten Aufnahme finden. Es kam regelmäßig der evangelische Pastor, der katholische Geistliche — doch der Rabbiner ließ sich niemals blicken, so daß sogar die christlichen Patienten sich hierüber alterierten. Es kann den betreffenden Rabbiner kein Borwurf treffen, weil eben die Einrichtung noch nicht besteht. Und gerade bet uns Jud-n ist es ganz besonders nötig, daß der zuständige Rabbiner sich um die zumeist in christlichen Krankenhäusern liegenden Patienten kümmert. Wie viele Patienten würden rituell leben, wenn eine Instanz vorhanden wäre, die sich der Regulierung dieser hochwichtigen Angelegenheit annehmen würde. Viele Kranken würden es als eine Beruhigung empfinden, wenn ihnen Gelegenheit'geboten wäre, in der Stunde ihrrs Leidens dem jüdischen Geistlichen sich anvertrauen zu können. Vor einigen Tagen wurde aus einem jüdischen Hrankenhsuse eine Frau entlassen, an deren Wirdergr» nesung auch der optimistischste Arzt gezweiselt hatte. Der glückliche Mann kaufte der zum zweiten Male gewonnenen Gattin neue schöne Kleider, Schuhe, einen Hut und wollte ihr auch eine Perücke kaufen, trotzdem in der dortigen Gegend solche vollständig „außerMode" gekommen. Die Frau, die keine Ahnung von der Wichtigkeit dieser Pflicht hatte, konnte sich trotz des ihr vom Allgütigen erwiesenen Beistandes hierzu nicht entschließen. Wie leicht war es hier einem Rabbiner, die sicherlich zugängliche Frau zu bestimmen, für öle Folge die Verletzung dieser Frauenpflicht zu unterlassen. Ich bin mir wohl bewußt, daß es den Rabbinern bei ihren ausgedehnten Amt»pflichten nicht leicht ist, auch diese Bürde auf ihre Schultern zu nehmen. Trotzdem halte ich es im Interesse der Erhaltung des Judentums für geboten, daß sich dieselben die oft einzige Gelegenheit, auf ihre Mitmenschen einzuwirken, nicht entgehen Lassen. Und wenn es jedem Rabbiner in seiner ganzen Wirksamkeit gelänge, auf dies m Wege nur eine einzige NQV2 vom Untergange zu retten, so wäre die aufgewandte Zeit und Mühe reichlich belohnt. L-mrp-naettrrn «. ffaedlicdten. Deutsches Reich. MM - jf. Die Nullösung des Seullcki-viMcken Sckubbundös. Werkln, 16. August. Durch Verfügung des sächsischen Ministeriums des Innern vom 5. Juli 1922 und des Polizeiamts Leipzig vom 10. Juli 1922 war der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund mit allen Bezirks- und Ortsgruppen in Sachsen aufgelöst worden. Gegen diese Verfügungen hatten der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund Hamburg sowie dessen Ortsgruppen Dresden und Leipzig beim Staatsgertchtshof zum Schutze der Republik Beschwerde eingelegt. Liefe ist auf Kosten der Beschwerdeführer o r.vorfen worden. In den Gründen des BZchlusseo wird eingangs betont, daß die Auflösung der erwähnten Verbände gerechtfertigt sei. Der Deutschvölktsche Schutz- und Trutzbund (Hauptsitz in Hamburg) habe nach seinen auch für alle seine Ortsgruppen geltenden Satzungen sich zur Aufgabe gemacht, die von dem jüdischen Teile der deutschen Bevölkerung angeblich drohenden Gefahren mit allen politischen, staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Mitteln zu bekämpfen, ohne daß eine Einschränkung dahin gemacht wird, daß die anzuwendenden Mittel auf verfassungsrechtlicher Grundlage beruhen müssen. Es sei ferner gerichtsnotorisch, daß der dringende Verdacht, die Ermordung des jüdischen Außenministers Rathenau verübt zu haben, gegen Männer begründet ist, die dem ausgelösten Bunde angehörten oder ihm zum mindesten nahestanden, und daß die gleiche Voraussetzung bet einer Reihe von Personen zutrifft, die wegen dringenden Verdachts der Begründung oder Mitwissenschaft in Beziehung aus jene Mordtat zur Verantwortung gezogen sind. Diese Besorgnis iverdr in erheblicher Weise dadurch verstärkt, daß der Bund tm engeren Zusammenhang mit dem gleichfalls unter schwerem Verdacht der Staatssetndltchkett stehenden Bund national gesinnter Soldaten und dem bereits in Preußen aufgelösten Bund der Aufrechten steht. Ludenöorff und die weisen non Sion. Werkin, 3. August. In der von Dr. Stresemann herausgegebenen volksparteilichenWochenschrift„DeutscheStimmen" beschäftigt sich Dr. Rudolf Schneider mit dem deutschvölkischen Machwerk „Die Geheimniffe der Weisen von Zion". Er zitiert eine Bemerkung Ludenöorffs in dessen Buch „Kriegführung und Politik", der zum Beweis seiner Behauptung, daß während des Krieges „die Oberleitung des jüdischen Volkes mit Frankreich und England Hand in Hand arbeitete", die Leser aus die „Geheimnisse der Weisen von Zion" verweist. Das Exemplar, das Dr. Schneider vorliegt, stammt, wie er sagt, „aus demselben Kreise der dev/dte M§der^ ^athenauS angehörten". Inhaltlich sind die „Weisen von Zion", wie Dr. Schneider feftstellt, „eine Sammlung aller möglichen Notizen, Anekdoten, Zitate und Artikel aus der antisemitischen Literatur, wirres, teils bösartiges, teils putziges Zeug, vielfach schon bekannt aus der Kampfliteratur der siebziger Jahre, dann vor allem aus der Zeit Ahlwardts und den späteren Schriften von Theodor Fritsch, jenes Sammelsurium von Taldmudzitaten, Ritualmordgeschichten, von Bekenntnissen jüdischer Schlechtigkeit, die nach irgendwelchen Zeitungsnotizen irgend ein Rabbiner in Lettomtfchl auf dem Sterbebette von sich gegeben habe". Milde urteilt Dr. Schneider dahin, daß der Autor den Eindruck „eines sehr ungebildeten Geisteskranken macht, der vorher seinen Stil an der Lektüre von Kriminatgeschtchten und der Offenbarung Johannis geschult hat". Er zitiert noch eine Aeußerung der „Weifen" über das Haus Rathenaus, der zufolge auf den Feldern des Außenftieses Opserschalen mit abgeschnittenen gekrönten Häuptern angebracht sind und kommt zu folgendem Schluß: „Wir lenken also ausdrücklich die Aufmerksamkeit unserer Parteifreunde auf dieses Buch, auf seine Verbreitung, seine Wirkung, seine andächtige Leserschar. Wir möchten gern die Aufmerksamkeit aller Parteien darauf richten. Was ist es eigentlich mit dem deutschen Volke, mit unserer Schulbildung, unserer Kulturhöhe, der geistigen Verfassung unseres Volkes? Gottfried zur Beek verkauft eine Auflage nach der anderen, Herr Dinter vertreibt seine „Sunde wlder das Blut", Herr Wulle leitarttkelt, Herr Kuntze spricht. .. Eine Schlammflut steigt an l Soll man voll Resignation sagen: So ist ble Welt! Soll man ruhig zusehen? Nein, eine politische Partei hat die Ausgabe, zu kämpfen, auch aus die Gefahr hin, daß sie vergebens kämpft wie jene Götter. Und eine liberale Partei hat die doppelte Aufgabe, den Kampf gegen jene greulichen Gespenster der Dummheit und Bosheit auszunehmen. Man lese die Schriften genau und kritisch und erörtere sie öffentlich. Das mutz genügen, sie gründlich unschädlich zu machen. Wir haben hier genaue Proben und Zitate gegeben:

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