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Der Israelit · 1922-08-31 · Heft 34-35 (31.8.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 34-35 (31.8.1922)
Date
1922-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der JSraelit. Sette 4. Nr. 34 n. 35 Egypter die Kinder der Israel mit Strenge" (Ex- 1- 13) wird das Wort rotf'i/ sie kncch. teten, ohne Jod Keschrieben, so daß der Konsonantentext lautet wajaawdu. Dies enthält den Hinweis, daß nicht die Israeliten die wahren Knechte waren, sondern die Egypter, die sich selbst durch ihre Grausamkeit zu Knechten erniedriglten. 12. Abraham und Jakob. Während Mram, als er den Namen 'Abraham erhalten hatte, fortab nur mit diesem Namen in der Schrift erwähnt wird, wird Jakob, auch als ec den Namen Israel erhallen halle, weiterhin mit beiden Namen genannt. Ties kann folgendermaßen erklärt werden.- Abraham mußte sich von seinein götzendienerischen Vaterhaus, das ihm den Wanten Vibrant gegeben hatte, loslösen. Aber Jakob sollte als Israel mit dem Gott seiner Väter verbunden seine Aufgabe erfüllen und beit '^egen des Vaterhauses verwirklichen. 13. Die Hände Jakobs. Bekannt ist die Auslegung des Satzes: „Tie Stimme ist Jakobs Stimme, die Hände sind Efaus Hände." (Gen. 27. 22.) Mag anch Esaus Kraft in den Händen, in der Gewalt, liegen, Jakobs Macht besteht in feiner Stimme, in dem Worte, dem Gebet, nicht in der Kraft feiner Hände. Aber dieser zum Gleichnis gewordene Ausspruch muß noch in rechter Weise ergänzt werden. Erzählt uns doch die Tora weiter, daß Jakob, als er, um Esaus Rache zu entgehen, sein Vaterhaus verließ und nach Daran an den Brunnen der Hirten kam, allein den Stein wegwälzte. (Gen. 29. 10.) Die helfenden Hände waren Jakobs .Hände. Als es galt, deu schweren Stein von der Brunnenöffnuug zu heben, da waren Jakobs Hände stark. 14. Josef. Als Josef deni Pharao die Träume gebeutet hatte, sagte dieser: „Könnte wohl ein' Mann gefunden werden, wie dieser, in dem der Gierst Gottes ist?" (Gen. 41. 38.) Was war e^, das selbst einem Pharao die Ueberzeugung beibrachte, daß in Josef sichtlich der Geist Gottes lebte? Weil Josef sich nicht damit begnügte, die Träume zu deuten, sondern gleichzeitig praktische Maßnahmen vorschlug, um der kommenden Not zu begegnen. Der wahre Gottesgeist zeigt sich durch die Tat. Nicht das Lernen ist die Hauptsache, sondern das Tun. So haben auch die Propheten nicht nur von kommenden Dingen geweissagt, sondern sie suchten vor allem auf den Willen des Volkes einzuwirkeu und die Anwendung Der Lehre auf das Leben herbeizuführen. 18. Moses. Zu dem Satz, Ex. 2, 2 „Und es sah ihn die Frau, daß er gut roar" bemerkt die Gemara Sota 12 a, hierin liege die Andeutung, daß Moses nnü3 Hierzu bietet, worauf mich der verewigte Rabbiner N. A. Nobel s. A. aufmerksam machte, der Sohar die schöne Er- - klärung, daß die Andeutung in dem Worte irrta liege, nämlich: Sie sah „sein Zeichen" d. h. die rrr»- , 1« Die Frommen Wir beten im Halle!: „Kostbar ist in den Augen des Herrn, der Tod seiner Frommen". (Pf. 116, 15) Aber ist denn nicht auch das Leb en der Frommen kostbar in Gottes Augen? Genuß. Aber erst der Tod der Frommen vollendet und verklärt ihr Leben, sodaß aus der zerstörten Form das von den irdischen Schlacken befreite eigentliche Wesen hervortritt und wahrhaft für Gott' wirkt, sodaß das Andenken des Gerechten zu in Segen bleibt, denn „größer sind die Frommen in ihrem Tode als in ihrem Leben." 17. Das Vertrauen. Jln Hatlel beten wir ferner: „Besser ist seine Zuflucht bei dem Herrn suchen, als auf Menschen vertrauen". (Ps. 118, 8) Zu den Menschen gehört doch auch der Beter selbst. Soll er nicht auf sich selbst vertrauen? Nun, Gottvertrauen und Selbstvertrauen fiitb keine prinzipiellen Gegensätze. Auf das Göttliche in sich selbst' vertrauen gehört mit zum Gottvertrauen. So ist es auch ein Teil des Vertrauens auf Gott, daß nur Vertrauen haben zu den Menschen. Wer ihnen grundsätzlich mißtraut, beut fehlt es auch an. rechtem Vertraue» auf Gott. Wovor der Sänger der Psalmen warnt, ist das Vertrauen auf Menschen, sei es auf sich oder auf andere, das sich nicht auf das Gottvcrtrauen gründet. 18. Das Gebet. Eilt weiterer Satz aus Hallet: „Ich liebe, denn der Herr erhört meine Stimme, mein Geber." (Ps. 116, 1) Liebt der Fromme bas Gebet nur, wenn Gott es erhört? Nicht dies ist der Sinn, sondern: Der Fromme liebt das Beten, denn er weißi, daß Gott es immer erhört, auch dann, wenn er nicht ersüllt, worum er betet. IS. Der Arme und der Fürst. Ex. 22, 24 lautet: „So du Geld leihst meinem Volke, dein Armen bei dir." Einige Verse lvciter heißt es: „Einem Fürsten unter deineln Volke sollst du nicht fluchen." Von dem 'Armen sagt Gott, er gehört zu meinem \ ' _31 August 163S Volk, von dem Fürsten, er gehört zu deinem Volk. 20. Ausdeutungen des Buchstaben Mem. I. In dem Satz Jes.. 56, 5 „Ich werde ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkrnal und einen Namen stiften N132L1 heißt zwar letzteres nach seinem Zusammenhang „besser als durch Söhne und Töchter". Aber aus seinem Rahmen gelöst kann es in freier Deutung catd) übersetzt werden „gut durch Söhne und Töchter." Dem Namen der Eltern wird im Hause Gottes das schönste Denkmal errichtet durch Kinder, die Zeugnis für die Eltern ablegen. II. Spr. 16, 32 -N2)I2 D’SK ‘pK 212 „Besser ein Langmütiger als ein Starker." Dem Satz kann aber auch der Sinn beigelegt werden: Gut ist Langmut aus Kraft. Wer langmütig ist, lveil er "nicht die Macht hat zu strafen, dessen Langmut verdient nicht diesen Namen. Diewahre Langmut ist die, welche verzeiht, obwohl sie die Kraft hätte, Vergeltung zu üben. III. Nach gleicher Methode kann Kohelet 7, 1 gedeutet werden Hb in .men DV1- Der Tag des Todes beginnt min DVD vom Tage der Geburt an. Und es ist gut, wenn inan sich das vor Äugen ' hält. 21. Das Bedecken des Hauptes. Während es für uns Vorschrift ist, beim Gebet eine Kopfbedeckung zu tragen, entblößen die Andersgläubigen beim Beten das Haupt. Der Grund für diese Verschiedenheit dürfte folgender sein: Das Entblößen des Hauptes gilt bet den Andersgläubigen. deshalb als Zeichen der Ehrerbietung, weil die Kopfbedeckung, der Helm, ein Teil der Waffenausrüstung war, und der Untergebene, der vor seinen Herrn, der Besiegte, der vor seinen Sieger trat, seine Waffen, also aud); den Helm, ablegen mußte. Das Äb-- nehmen des Helms war ein Zeichen, der Unterwerfung. Und so bildete sich die Sitte heraus, beim Grüßen und beim Beten das Haupt zu entblößen. Daher kommt es auch, daß für Frauen, die nicht waffenfähig waren, diese Sitte nicht besteht. Das Atmehmen des Hutes beim Gebet erinnert also an Waffengebräuche. Anders bei den Juden. Die Vorschrift, beim Gebet bas Haupt nicht zu entblößen, ist in Zusammenhang zu bringen mit Einzelheiten der Priesterkleidung, zu der anch ein Kopfbund gehörte. Da der Gebetsdienst den Opferdienft vertritt, so erwuchs daraus die Vorschrift, daß das Haupt statiert werden, daß die Karaiten wenig Lust empfinden, Annäherung zum jüdischen Volke zu suchen und dessen Schicksal zu teilen. ttnfere Großen im Vi'ld. Eine überaus interessante Kollektion von Ansichts. karten liegt vor unS. Zwölf Portraiis darstellend die Heroen der ralmudischen Gelehrtenwelt des Mittelalters. Der Wiener MalerM.Kunstadt hat dieselben nach mühevollen Forschungen in den verschiedensten Bibliotheken und Privatsammlungen rekonstruiert und die Ergebnisse dieser — man kann sagen Entdeckungen — in zwölf Ansichtskarten niedergeleat. Da sind Jsak Alfast G"'l), Salomo Jizchaki (»"an), Jakob b. Meir (dji M21), Maimonides (v"2vi), Moses b. Nachman is»2vch, Ascher b. Jechiel (8>"*n), Jakob b. Ascher hltt), Josef Caro (sjm» ri>2), Moses Jfferles (k*ö*i), Sabbatat Kohen n"B9, David Halevi (t"0), Abrah. Gumbtnner (k"ö). In tiefer Demut saugen wir die von reinster Heiligkeit durchstrahlten Gesichlszüge dieser Männer in uns auf und freuen uns, nun auch Gelegenheit zu haben, sie auch unserer Jugend, die auf dem Wege sind in deren Abglanz sich zu sonnen, und unseren Alten, welche sich an deren Geisteshauch schon erwärmten vorzuführen. Man mutz dem Künstler Dank wissen für feine Leistung, die zum Unterschiede von anderen Ansichtskarten einen dauernden Wert haben dürfte. AWdische Mwaffnurigsgeschichten. Die sozialistische Rundschau „Der Firn" stellt fest, daß die Abrüstungsmethoden der Entente nicht ganz so einzigartig seien, wie manche heute denken. Sie baben historische Vorläufer in der an unerträglichem Druck so reichen alljüdischen Geschichte. Als die Juden sich zu Anfang des 6. Jahrhunderts vorchristl. Zeitr. zum ersten Male gegen die babylon! che Herrschaft aufgelehnt hatten, ließ Nebukadnezar besonders Jerusalem gründlichst entwaffnen. Nicht allein alle Kriegsleute wurden deportiert, sondern, „um die Stadt noch vollständiger zu entwaffnen, wurden auch die Eisenarbeiter, die Schmiede und Schlosser abgeführt". Zur Zeit der Freiheitökämpfe gegen die Philister haben diese solange sie die Oberhand hatten, Israel unmöglich zu machen, eine systematische Entwaffnung vorgenommen. Dabei waren sie nicht mit der Auslieferung der Waffenvorräte zufrieden, sondern juchten auch jede Neuanfertigung von Kriegsgerät unmöglich zu machen. Hier gingen sie soweit, keinen Schmied mehr im Lande zu dulden mit der Begründung, die Hebräer könnten sonst Schwerter und Spieße Herstellen. Daher kam es dann soweit, daß die Söhne Israels in die Städte der Philister hinabgehen mußten, wenn Ackergerät auszubessern oder zu schärfen war. Die Bibel erzählt auch, daß die Schneiden an den Pflugscharen, Beilen und Hacken stumpf geworden, die Gabeln verbogen waren. „Jedenfalls", schreibt das Blatt zum Schluß, „erscheint aber das Verhalten der Juden insofern vorbildlich, als sie sich durch die Entwaffnungsmethoöen der Philister nicht zur Selbstausgabe bringen ließen, sondern im Stillen an dem Gedanken festhielten, daß der Freiheitswille schließlich auch einen gangbaren Weg findet) ihr gesundes Nationalgefühl war nicht zu entwaffnen". Sabvat-Mfang and Ausgang. . wen -o row- Ortr Anfang UhrlMin. Datum 1822! 5882 If III Frankfurt a. M. 6 30 2. 9. 7 55 Berlin .... 6 58 Sept. Elul 7 39 München . . . 6 30 7 34 Cöln. 6 45 8 05 Stuttgart. . . 6 45 7 47 Breslau . . . 6 17 7 17 Nürnberg... 6 30 7 37 Ottritee« . . . 6 53 7 53 Aamlliermachrichten. Geburten Eine Tochter: Simon Ansbacher und Frau Selma, geb. Obermayrr, Würzburg. Barmizwohfeier. Manfred Heinemann, Sohn des Herrn Max Hetnemann, Karlsruhe i. B. Verlobte. Lina Flamm, Neuzenheim, -mit Adolf Bach, Acholshausen.

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