Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 34-35 (31.8.1922)
- Date
- 1922-08-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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£tac &ftraeil . Nr. 34 u. 35 Sette 8 G E G Ri <1 ft/I B B R l4lVN S P Ä NO AUE RSTRASSE Wäsche-Aussfallungen Damen-, Herren- und Kinder-Wäsche Anfertigung in eigenen Werkstätten Wohmmgs^Einrichtungen Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer von einfacher bis zu vornehmster Art Vier Stockwerke Möbel Gardinen ♦ Möbelstoffe ♦ Teppiche . Beleuchtungskörper 31 August IVA. _ deutsche Reichseinheit gefährdender Strömungen etwas unsanft anfassen, als die jüdische Presse dahinftellt, gegendie nun Moses und die Propheten Heraufbesch woreu werden. Auch gegen solche Vorstellungen und Aeußerungen möchten wir das von Kardinal Faulhaber angerufene „Schutzgesetz für die Wahrheit" in Anspruch nehmen. Zm Lande der Horthy und Hejjas. Das gerichtliche Nachspiel zur Tragödie La ndau endete mit der Verurteilung der Angeklagten Rusiczka, Dobe und Sipos zu Zuchthausstrafen von 2»/,. tzezw. 5 Jahren. Die Mitangeklagten Becker und Troth kamen „wegen Mißbrauches der Gewalt" mit einigen Monaten Gefängnis davon. Was diese Menschenbestien getan haben, könnte auch kein Galgen sühnen, darum rufen wir auch gar nicht danach. Sie haben unschuldige Menschen, die,- weil Juden, Freiwild in ihren Augen waren, auf Veranlassung hinter Hnen stehender Erpresser verhaftet und mit "sadistischer Wollust die Hilflosen wochenlang Martern ausgesetzt, deren ihre Lustmörderphailtasie täglich neue erfand, bis zum langsamen Tode der Unglücklichen. Einzelheiten, die die Verhandlung an den Tag brachten, lassen den menschlichen Genius in Scham und Schmerz das Gesicht verhüllen. Und dennoch würde man darüber, handelte es sich nur um die Schandtaten Einzelner, aus allen sittlichen Fugen Geratener/ schweigen, stände nicht dahinter ein System, das „erwachende Ungarn", Horthy und Hejjas! Und ein wenig weiter hinten steht das internationale Verbrechertum der sog. „Völkischen" überall, an der Wolga, an der Elbe, an der Donau und in der übrigen Welt. Ist doch Iwan Hejjas (ein neuer Iwan der Gräßliche), von dem die Parole zur Drangsalierung und Ermordung von Juden ausgeht, aus Anlaß seiner Enthaftung von dem inzwischen aufgelösten „Deutschen Reichsverbande nationalgestnnter Soldaten" mit der Medaille des Verbandes am schwarzweißroten Bande usw. ausgezeichnet worden. Andere Heroen dieses Geistes wurden in Budapest mit allem Pomp zu „Rittern geschlagen". Horthy regiert nach wie vor, und der Fall Landau, der ein paar Wochen die Nerven der Budapester Gesellschaft attakiert hat, ist nur einer von vielen, Ausfluß eines Systems, das vom Budapester Urteil nicht im mindesten berührt wirkst Sinne entscheidet auch in v'ivv Abschn. 7 Halacha 9. Damit fällt doch die Befürchtung des von |ön *vdim nöb> weg. Was zwingt nun Räschi, hier bei ms im Gegensätze zu p im Sinne von R. Jehuda aus wvi wüL" zu folgern, daß p ri'an nrarr -p3t undvom iv p'nvv abzusehen? Vielleicht können n-.in . unter den Lesern darauf Antwort geben? Rabbiner H. Ehrsohn, zur Zeit in Frankfurt a. M., Langestrahe 57. Kleines ZeMeion. Sie Matten in Mlna. In ganz Litauen und Polen gibt eS nur noch drei Karaitengemetnden und zwar: Halitz, Galizien, das nach einigen Tausenden zählende Zentrum in Trok bei Wilna und die kleine Kolonie in Wilna selbst. Der einzige Treff- und Sammelpunkt der Wilnaer Karaiten Ift ihr kleines Beihaus im Stadtviertel Wertnev. Es ist ein bescheidenes kleines Gebäude im maurischen Stile und könnte für eine kleine mohammedanische Moschee gehalten werden. Ein Besucher schildert einen von ihm miterlebten AbendgotteSdienst am -weiten Peffachfeste. Das Haus ist von den wenigen. Tasgkorzen schlecht beleuchtet, der Besuch ist schlecht. Etwa zehn junge Männer und vier Frauen, die ersieren sehr kräftig gebaut, die letzteren brünett, echt jüdische Typen, sind zum Gebete im gleichen Päume versammelt. Der Vorbeter steht auf Me lange noch ' Bon Hermann Seckbach. Der Damm ist am Stürzen. Schon ergießen sich die Fluten über einzelne offene Stellen hinweg in ehemals blühendes Gelände unh zerstören unersetzbare Werke von Jahrzehnten. Das ist bildlich gesprochen, jetzt eine traurige Tatsache, die jeder Einzelne kennt und die jeden zwingt, für die eigene Scholle zu bangen. Aber welche entsetzliche Not hierdurch den Aermsten der Armen droht, die zur Zeit in unseren vor dem Zusammenbruch stehenden jüdischen Anstalten sich befinden, kann nur der ermessen, der Gelegenheit hat, Einblick zu nehmen. Man höre und erlebe es, wie kranke, hilflose Menschen, die sich mit ihrem schweren Leid abgefunden und seit Jahren geborgen fühlten, Tag und Nacht sich mir denk qualvollen Gedanken abringen, was mit ihnen geschehen wird, wenn das schützende Dach zusammenstürzt. In der Tat ist der Zustand ein trostloser. Abgesehen von der Lebensmittelversorgung, die für sich ein kaum mehr lösbares Problem dar-" stellt, ist die medizinische und chirurgische Versorgung unserer jüdischen unbemittelten Kranken wegen der Kostenfrage kaum mehr durchführbar. Hierzu kommen noch die ins Unendliche gehenden Ausgaben für den technischen Betrieb (Koks, Elektrizität, Gas :c.) tinev kleinen Tribüne vor der künstlerisch geschnitzten : Lade und zelebriert im monotonen Singsang eines russischen Popen. Man versteht hier und da einen hebräischen Satz in der sephardischen Aussprache und manche Berse werden von der Gemeinde im Chore wiederholt. Immer und immer wieder ertönen die Worte „Zion" und „Jerusalem", die Tefila schtieht mit dem Worte ,.CHasack". Nach dem Gottesdienste wird-der Besucher ins Nebenzimmer geladen, eine Art Gesellschqstsklub, in dem nicht.einmal das Klavier fehlt. Nach Ueberwindüng von einigem Mißtrauen werden die Karaiten etwas offener und gesprächiger. Sie erzählen, daß morgens der Jestgottesdienst von 50 Betenden besucht war. der G>uud für den jetzigen schwachen Besuch liege darin, dah der zweite Abend schon zum Halbfeiertag zählt. Die Karaiten-Gemeinde in Wilna zählte vor dem Kriege 300 Seelen, jetzt nur noch die Hälfte. Ihre materielle Lage ist günstig. Biele sind als Tabakhändler zu Reichtum HrMngl. Unter den Wilnaer Karaiten gibt es keinen einzigen Analphabeten. Auf Befragen des Besuchers erklärten zwei junge Karaiten, daß die heutigen Karaiten mit dem Judentum nichts gemein hätten und keine Beziehungen zu ihm pflegen möchten, was nicht ausschttetzt, daß sie unter den Juden viele Freunde hätten. „Und wie stellt ihr euch zu den Verfolgungen, zu den jüdischen Leiden, zu den Pogromen der letzten Jahre"?, fragte der Gast. „Uns hat man in Ruhe gelassen", lautete die kalte Antwort, „darum zogen wir es vor, uns nicht oinzumischen. Es wäre sonst undankbar von uns gewesen". „Und wie steht ihr zu Palästina und zu den Hoffnungen des jüdischen Volkes"? Sie erklärten, daß trotz der Worte „Zion" und > Aber trotz alledem! Die jüdische Allgemeinheit darf und wird diesem krassen Elend, welches sich um uns herum abspielt und wodurch eine große Zahl jüdischer Seelert gefährdet ist, nicht tatlos gegrnüberstehen. Man lese die Anträge, die von nichtjüdischer Seite zur Linderung der bevorstehenden grausamen Not des Winters gestellt werden. Ich appelliere an unsere jüdischen Führer, an unsere Rabbiner und an all die Stellen, die berufen sind, helfend etnzugreifen. •r Tretet zusammen und sorget, soweit möglich, daß jüdische Brüder und Schwestern, die sich in Euerer allernächsten Nähe befinden, wissen und empfinden können, daß man mit allen Mitteln bereit ist, wenigstens die Seelenqual von ihrem Krankenlager fernzuhalten. Das zu erreichen, muß der Wille ullserer jüdischen Gemeinschaft sein. Ms groß diese Mizwoh uitfere Weifen anrechnen, sagen sie in ihrem Ausspruch: „Wer nur eine Menschenseele rettet, hat damit gleichsam einem ganzen Menschentum geholfen!" Jüdische Gedanken. ~ Bon Rabbiner Dr. S. Kaatz in Hindenburg O.-S. (Fortsetzung.) 11. Die Knechte. In bem auch von der Pcß-ach-Haggada zitierten Satz: anxo rran „Und es knechteten die : „Jerusalem" in ihren Gebeten, ihnen die Hoffnung ans Wiederkehr nach Zion fremd und fern sei Auf die Frage, zu welcher Nationalität sie sich zählten, zuckten die Alten mit den Achseln, die Jungen aber bekaunten sich zur lartarischon Nationalität und bezeichneleu als ihre eigentliche historische Hetma, die Halbinsel Krim. Ihre nationale Sprache ist, obwohl sie rm gewöhnlichen, Russisch sprechen, ein tartartscher Dialekt. Sie behaupten, von den Chasaren abzustammen, was natürlich keineswegs zutrifft. Die Chasaren waren im 8 Jahrhundert zum vollen Judeutume übergegangen, zur gleichen Zeit ungefähr als Anan aus gekränktem Ehrgeiz vom rabbtntschen Judentums abgefallen ist und die Kcnaitensekte gegründet hat. (Stehe Schachnowitz: „Im Judenstaate der Chasaren"). Die Karaiten berufen sich viel aus ihren Historiker Pirkowitsch und sprechen davon, daß eine Geschichte ihrer Entstehung u< d Entwicklung in Vorbereitung sei. Wünsche nach der Richtung einer Autonomie aloich anderen Minderheiten haben sie nicht. Sie begnügen sich damit, in Ruhe ihre Bürgerrechte zu genießen. Auf die Frage über ihre hebräischen Kenntnisse und ihre Stellung zur hebräischen Literatur erklärten sie, daß sie das Hebräische nur soweit erlernen, daß sie notdürftig beten könnten. Außer dem Chacham kann keiner die hebräischen Gebete übersetzen. Ueber ihre Entwicklltng und Zukunft sind die Karaiten selbst nicht sehr optimistisch. Ihre Zahl verringert sich von Jahr zu Jahr. In Wtina wurde in den letzten zwei Jahren nur eine Ehe geschloffen, im größten Zentrum in Trok nur vier. Mischehen kommen nicht vor. An das Aussterben der Sekte glauben sie trotzdem nicht, obgleich sie die Angst vor völligem Ausgehen auf dem Wege der Assimilation > nicht unterdrücken können. Im Allgemeinen muß kon»