Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 34-35 (31.8.1922)
- Date
- 1922-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gelte 2 Nr. 84 u. 35 Der KSrnettl. 31. August IMS. als die Sorge ums Brot, es die geistige Not, die religiöse Vergewaltigung, die Sorge um die dieser Atmosphäre rettungslos LusgksetztenKinder es war, die sie zur grfahrvollcn Flucht veranlaßt hätte. In der Tat erinnert die Massenflucht aus Rußland all die Austreibungen aus Spanien unter Ferdinand, mit dem Unterschiede freilich, daß damals innerhalb eines gewissen Zeitraumes den AusgeÄlebenen freie Passage gewährt war, Während sie jetzt, im Paragrafennetze des Auswanderungsgesetzes gefangen, auf dornigsten Leidenswegen sich wie Verbrecher aus dem Lande schleichen müssen, vom Einwanderungslande, selbst wennes die alte Heimat ist, nicht grade mit offenen Armen empfangen. Uebereinstimmend sehen die Flüchtlinge den völligen Untergang des religiösen Judentums in Rußland voraus, falls nicht noch rechtzeitig de.n gegen den Himmel gerichteten Terror von außen Halt geboten w'rd. Denn der jungen Generation werden mit Gewalt, und natürlich nicht ohne Erfolg, alle jüdischen Gefühle, Eindrücke und Erinnerungen aus dem Herzen gerissen. Was kann dagegen geschehen? Die Abhilfe ist vielleicht nicht so arrssichtslos wie dies im ersten Augenblick erscheint. Ginge auch die Religionsverfolgung allein von der' bolschewistischen Regierung aus, so wäre man um Gegenmittel nicht verlegen. Die Sowjetregierung buhlt um die Sympathien Europas, strebt nach'Ratifizierung und Abschluß von Handelsverträgen. Ta müßten die Herren "von Europa, das doch heute weniger wie sonst den aufbaueuden Faktor der Religion missen kann belehrt werden, daß man mit Niederreißen und himmelstürmender Jpkobinerpolitik der gesitteten Welt nicht mehr mipouieren kann. Es muß aber leider festgestellt werden, daß das fanatische Wüten gegen die jüdische Religion weniger von der Moskauer Regierung als solcher, vielmehr v o n d e n jüdischen Kommissaren in ihrer Mitte ausgeht. Diesen gegenüber wäre doch vielleicht schon mit einer einheitlichen Willenskundgebung der Judenheit, besonders in den Nachbarstaaten Polen, Litauen usw. beizukommen. Freilich müßte der Protest so laut und einheitlich und eindringlich sein, daß er von der Welt gehört wird und wie der Schmerzensschrei aus der gequälten jüdischen Seele empfunden wird. Dieser Protest würde noch insofern sein Gutes haben, als er in aller Welt kundtun wird, wie wenig jene Religionshasser, die uns in die Siuhe geschoben werden/? mit Juden und Judentum grniein haben, ja daß sie unsere bittersten Heinde und Widersacher sind, die Hand an die Wurzel unseres Lebensbaumes anlegen. Im Warschauer „Jud" wird als erste Ak- Vom inneren Kampfe-. Einige Elulgedanken. Auch die laufenden Thoraabschnitte werden von unseren weisen Erklärer« in den Bann des El ul ge« zogen, Ist wiederholt im vorletzten und diesrvöchentlichen Abschnitte vom Kampf die Rede, naabo1? 83tn *2, so ist damit über den Wortsinn hinaus der innere Kampf gemeint, das Ringen mit dem Triebe, dem jnn -tt«, gegen den wir im Elul all die guten Geister unseres besseren Ich mobil machen. Selbst die v'2!2wl unttw weisen aus die Richter in uns, 'jb jm, die uns in Herz und Gewissen gesetzt sind und uns sagen, was gut ist und was böse Wehe, wenn wir deren mahnende und warnende Stimme in des Lebens wildem Gewirre verhallen und untergehen taffen! Es wird dabei aus „Sohar" zu „Wajeschew" zitiert, der aus Grund des Satzes “j^j mit’ '2 von den Engeln spricht, die als Zeugen, Begleiier, Beschützer, auch als Mahner, jedem Menschen auf seinen tion, die Einberufung von Protestversammlungen allerorts in Oft und West, in Frankfurt, in Wien, in London, in der Schweiz und in Holland uyd überall, wo sich Landesorganisalionen der Agudas Jisroel befinden, vorgeschlagen. In Polen, von wo aus der erste Schrei die Welt durchhallen soll, will die polnische Land.sorganisation der Aguda die Aktion mit Protestversaurmlungen etnleiten, auf denen geeignete Redner die Sachlage schildern rmd Pioiestresolutionen zur Annahme bringen, die als Material der zuständigen Zentralstelle dienen. Vielleicht wird schon die Veröffentlichung .dieser Resolution n und die Erörterung der Angelegenheit in der großen Weltpresse die gewünschte Wirkung ausüben. — Wenn wir auch leider die opiimisttschr Auffassung unseres Bruderorganes vom Einstusse der jüdischen Proteste und Versammlungen auf diegeistigeAusrotmngspoMtkder heutigen Machthaber' in Rußland nicht teilen können, so sind wir uns darüber einig, daß wir nicht schweigen dürfen. An flammenden Protesten darf es nicht fehlen, aber darüber hinaus müßte man noch auf wirksamere Mittel und Wege sinnen, um unseren Brüdern in der „Not ihrer Seele" Hilfe zu reichen. Lassen wir es nicht darauf ankommen, daß wir einmal angesichts der eigenen Nöte uns gleich den Brüdern Josephs vorwerfen müßten: «*?i mx cajnnna 212L3 mac ir*n p bv p ♦'"Dl p Wocheilmndschau. Vom Mnchener Katholilenlage. Auf dem dieser Tage in München zusammengetreteneli Katholikentage nahm die Frage der Konfessionsschule die ihr gebührende Stellung ein. Senatspräsident Marx betonte, daß in keinem Punkte die Katholiken so einig wären, wie in dem Willen, an der Konfessionsschule festzuhalten. Dem möchten wir noch h'nzusügen, daß in diesem Punkte nicht nur die Katholiken unter sich, sondern auch w t r wie die Positiven'aller Konfessionen mit ihnen vollkommen einig gehen. Wenn Schulrat Langenberg, Reuß,in der Folge, entgegen dem Gerede von der Einheitsschule, die Bekenntnis schule als die wahre und einzige Einheitsschule hinsteüte.und zumindest die Gleichberechtigung der konfessionellen Schule forderte, so hat er damit auch der von uns seit jeher vertretenen Ansicht und Forderung Ausdruck gegeben. Wir sind mit ihm der Überzeugung, daß die „weltliche Schule Lebensweg mitgeaeben sind, vn n&stn tw 22 dp*th 'r'2 bws zhü ’b ne« »jn Iv'21 N23^ -pyy <b nwt '2,2v. 'i2i “^32 „Beim Aufstehen schon mahnen die Zeugen: „Halte deine Augen geradeaus gerichtet". Und gehst du aus, dann heißt es: „Wäge deine Schritte"! . . . Darum imtt' npn nb, laß dich nicht bestechen von des Bösen Blendelohn, den er hinieden dem Menschen in Form von Gewinn in den Schoß sLütlet, um ihn vom Großen und Ewigen, das den Lohn unsichtbar vorerst in sich trägt, abzulenken. Im fcii&K Hl^lp werden die Absichten des „Jezer Hora" mit dem Satze 3"'i8 2v8 aus der „Schiroh" für unsere Zeit doppelt treffend geschildert. Es spricht der innere Feind im Menschen: pjrpK, ich laß ihn, den Menschen, hasten und jagen, ich jage ihn und mit ihm nach Gold und Gut; 3-B>8, auch seine Wünsche erreichenbb& j^n«, ich lasse ihn Beute einheimsen, 'PES lü'Kbtsn, daß meine und seine Seelenwünsche ersüllt sind, dann '2212 p'28, zücke ich mein Schwert, "V >>vir"2in und er ist meiner Hand rettungslos ausgeliesert, daß ich itm ganz aufreibe . . . Die 2'pvw führen für den durch Schofar und „Selichaus" gegebenen Charakter des Elulmonars den Bibelsatz an: 82" «tz w 38P '^8 (Der Löwe schreit, wer wird nicht erschauern)! n'^sp hat im Worte n"'i8 gleich ein mnemotechnisches Merkwort für die Grenzzeitcn der Einkehr, und zwar: ^8 — 8 n:s?n s?82 — 2 tß!21B2n bv — ' 822 nwin — n Sind die 51 Tage von Elukansang bis Hoschanarabba Zufluchtstätte für die von des Lebens Brand ein Hirngespinst ist, Las mit den Wirklichkeiten des Lebens nicht rechnet, im Volke keinen Boden hat und sich nur auf dem Wege brutalster Vergewaltigung du Elternrechte verwirklichen läßt", was am besten durch eine Umfrage in Süddeutschland belegt ist. Diese hat in Baden, Bayern, Hessen und Württemberg zusammen 3290000 Unterschriften gegen die Einheitsschule und für die Konfessionsschule ergeben. Und wenn ferner etne Rednertn zum gleichen Kapitel sehr richtig sagte: „Es muß auch für die mittleren, höheren und Berufsschulen »der Satz gelten: „Staatsrecht breche nicht Natur- und göttliches Recht!", so machen wir uns diese Forderung ganz $u eigen auch bezüglich des Sabbatdispenses und der sonstigen. Rücksichtnahme auf religiöse Empfindung wie auf die Religionsbetätigung der jüdischen ’ Schüler in den Schulen aller Gattungen. Leider ist auf dem gleichen Katholikentage ein Wort gefallen, das weniger angenehm für jüdische Ohren klingt und jedenfalls zeigt, daß wenn auch in vielem unsere religiösen Interessen mit denen des Zentrums zujammenlaufen, sich manch hoher Würdenträger im Katholizismus sich von den Vorstellungen der Zeit über Juden und Judentum noch nicht ganz frei gemacht hat. Kardinal Faulhaber, München brachte in einer Propagandarede für die katholische Presse der Presse im allgemeinen und insbesondere der in München „das achte Gebot" in Erinnerung, das da lautet: „Du sollst nicht lügen." Hier in München könne man«mur Wahrheit brauchen, hundertprozentige Wahrheit ... Hier durste man erwarten, daß der Herr Kardinal das richtige Wort gegen die Münchener antisemitischen Hetzorgane und den berüchtigten „Miesbacher Anzeiger" finden würde. Aber ganz unerwarterter Weise nahm die Rede folgende Wendung: „Es gibt eine Figur des Moses in einer Kirche in Böhmen, die mir dem Zeigefinger auf das siebente Gebot seiner Gesetzestafeln deutet. Ich möchte diese Figur so um ändern, daß sie uns das achte Gebot zeige. Und da es ein Moles gewesen ist, der uns die Gesetze brachte, so gilt das auch von der jüdischen Presse. Ja, sogar für die jüdische Presse in Berlin und ihre Münchener Berichterstatter. Wir leben noch in der Zeit der Schutzgesetze und da wäre es gut, wenn wir ein Schutzgesetz ftn die Wahrheit bekommen würden." Es ist für uns nicht das achte, sondern das neunte Gebot, das hier in Rede strht und es lautet wörtlich: „Du sollst nicht wider deinen Nächsten aussagen als falscher Zeuge." Und objektiv bedeutet es einen Verstoß gegen dieses Gebot, wenn man liberale Blätter, die Bayern wegen seiner Stellung zum Reiche und seiner Duldung reaktionärer, öic und Glut bedrängte Seele, so betet der Jude in diesen Tagen mit Lot: 'Vt: »nm 8'n 2jttü 8?n 83 ntS7ö8 Laß mich in diesen 8“3 (51) Schutz und Rettung finden, es ist ein geringer Zeitraum von Tagen nur, aber er kann den Grundstein legen für das Leben, das bessere Leben meiner Seele! — — ’tPCJ ’nm 8',2 2p3ty 87.2. Eine halachische Frage. Zum Wochenabschnitre. Zum Kapitel von mini 22m p im Wochenabschnitte, das mit den Worten schließt: ijjdü" *?82B" S21 1822 bemerkt Raschi: 221 2 '23 2122.2 725^ J82ö. ES fällt auf, daß aus dem gleichen bei 82ED fpi gebrauchten Satze Raschi herauslernt, daß '121 2p 17 prnBö. Zieht man in Betracht, daß über die Frage, ob man ^32.2 2p wartet, eine uvri^d zwischen R. Jehuda und R. Akiba ist, dann ergibt sich, daß hier Raschi wie R.Jehuda (nicht warten) und dort wie R. Akiba lernt. Im Namen des V'Knnn wird von pd*? die Neigung RaschiS in Sachen des mitsi 22« p zur Ansicht R. Jchudas wie folgt begründet: Da das Alter des mim 22« ,2 sich nur auf drei Monate nach vollendetem 13. Lebensjahre erstrecken kann (s. Talmud „Sanhedrin" 48), so stehe zu befürchten, daß durch das Warten ^2.2 2p dieses Alter vom .22121 221b p überschritten wird, wodurch die Hinrichtung unmöglich werden müßte. Das wäre alles gut und recht, wenn eS nicht nach Talmud „Sanhedrin" 70, 2, ohne jegliche Einwendung feststehen würde, daß I3"i 2DMPf 2H87 nw..miDT 2210 p '121 312.22 n".2 13>2 22330 }V>2tt> s'pl.2 l'?'b8. In diesem