Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-08-24 · Heft 32-33 (24.8.1922) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 32-33 (24.8.1922)
Date
1922-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450220--69960-2527184
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Israelit. 34. August 1922____■ Tag, daß sich die Feder sträubt, sie im einzelnen zu schildern. Es ist nachgewiesen, daß die beiden Landaus,Vater undSohn, 13 Tage lang andauernd gepeinigt und elfterer bis zum Tode gequält wurde. Den Landaus war Leine andere Schuld vorzuwerfen, als daß sie Juden waren. Für die Handlungsweise der Angeklagten lassen sich nur sadistische und Erpressungsgründe angeben. Die Verhandlungen werden in die Länge hinausgezogen. Vielleicht wird der Prozeß ein bischen reinigend auf die verpestete Luft in Ungarn wirken. Groß ist freilich die Hoffnung nicht, wenn man die Vorgänge in Budapest und in Süd Ungarn in Betracht zieht, wo am letzten Sonntag vor den Augen der Behörden Juden schwer mißhandelt wurden. — Auch aus Neuung arn kommen betrübende Berichte. Im Oedenburger Gefängnis wurde einem jüdischen Kaufmann, namens Julius - Grünbaum, der unschuldig verhaftet wurde, durch Prügeleien und Peinigungen grausamster Art ein Geständnis abgepreßt. Oldenburg liegt im Burgenlande, also in einem Gebiete, das vor kurzem Ungarn zugesprochen wurde. Ts Lherho-Slowatrei. Jüdifeh-Konfernatme Partei. Alraiislarra, 2. August. Die von der orthodoxen Landeskanzlei zum Zwecke der Zusammenfassung aller nicht-zionistischen, konservativ gerichteten jüdischen Kreise gegründete „konftrvativ-jüdische Partei" gibt seit Mitte Juli ein eigenes Wochenblatt unter dem Namen „Jüdische Zeitung" heraus. Hauptredakteur ist Herr Samuel Bettelheim, der bisher die „Jüdische Preffe" in Wien leitete. KuWrrnv. Verurteilung des kumeler Rabbiners Kiga, 16. Aug. (J.C.B.) Der Rabbiner Borischanski aus Homel wurde von einem revolutionären Tribunal wegen Widerstandes gegen die Verfügung der Sowjet- Behörde zur Schließung der Chadorim zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Natüstincr. Berber* Samuels Rü&hehr narb Jerusalem. — Sesiksnks an öls Jefcftimos. Sttttfafm, 13. Juli. Der Ober-Kommtffar Herbert Samuel ist gestern nach mehrmonatlicher Abwesenheit zurückgekehrt. Eine große Volksrmnge hatte sich in der Nähe der Eisenbahn versammelt, um den Oberkommissar zu empfangen. Die Polizei zerstreute die Menge jedoch, da jede Ansammlung z. Zt. verboten ist. Um 8 Uhr kam Herbert Samuel, begleitet von Zivil-Sekretär Windham Deedes im Automobil an. Ihm folgte ein Automobil, in dem sich Oberrabbiner Kuk befand, der Herbert Samuel eine Strecke Wegs entgegcngefahren war. Als die Automobile sich auf der Landstraße begegneten, ließ der Oberkommissar halten und verweilte eine Viertelstunde im eifrigen Gespräch mit Rabbiner Kuk, der dem Ankommenden gleich seine Glückwünsche zur eben erfolgten Geburt eines Enkels übermitteln konnte. — Der seit einigen Monaten hier weilende Vertreter der Brandeis-Gruppe, Sol Rosenbloom hat 4 verschiedene Jeschtwos mit je einer großen amerikanischen Talmud-Ausgabe, ähnlich dem Wilnacr Schaß, beschenkt. Dämpfung und Beruhigung. Iernfatew, 18. Juli. Gestern, am Tage der Ratifizierung des Mandates ließ Herbert Samuel den aus Juden und Arabern bestehenden „Rat" einberufen und hielt eine Ansprache, in der er alle von hetzerischer Seite an das Mandat geknüpften Märchen zerstreute. Es denke keiner daran, die Omer-Moschee, oder sonstige heilige Stätten den Mohamedanern zu nehmen. Auch werden nicht die englischen Fahnen zugunsten der zionistischen kiug'zogen. Es ändere sich durch das Mandat überhaüvt nichts. Es sei denn, daß eine aus freier Wahl hervorgcganqene Legislaturkörperschaft mittels einer in die Wege geleiteten Anleihe für den Aufbau und alle Bedürfnisse im Lande zu sorgen haben wird. JUaaö ieumi und HJaad hoir afchhenafi. Jerusalem, 4* Juli- Die palästinensische Regierung hat die Verfassung des Waad leumi (Narionalrai) sowie die damit in Zusammenhang stehende Verfassung der jüdischen Gemeinden Palästinas anerkannt und bestätigt. Gleichzeitig verlautet, daß die Sonnenfeld'sche Gemeinde (Waad hoir aschkenasi) volle Autonomie erhält, sodaß ihre Mitglieder dem Nationalrat weder Steuern zu zahlen haben, noch der Jurisdiktion des vom Waad leumi anerkanntenOb errabbtnats unterstehen. (Einzelheiten liegen noch nicht vor. Redakt.) Der Beleidigungs-Projeb gegen Samnifcer und Hofmann. Jerusalem, 28. Juli. Die wegen versuchter Veröffentlichung einer beleidigenden Schrift gegen Oberrabbiner Kuk auf Antrag des Oberrabütmrts in Anktagezustand versetzten Herren. Samnitzer und Hofmann lehnten es im Termine ab, sich vor dem staatlichen Gericht zu verteidigen. Sie seien lediglich mit dem jüdischen Recht vertraut, in dessen Sinn sie bei Abfassung ihrer Schrift gehandelt zu haben glaubten. Die klägerische Partei vertrat Dr. Eltasch, der das Gericht bat, auf das höchste Strafmaß zu erkennen. Auf die Frage des Richters, wer die Angeklagten zu ihrer Schrift veranlaßt habe, antworteten diese, sie selbst seien allein dafür verantwortlich und hätten lediglich d?r Empfindung weiter Kreise Ausdruck geben wollen. Jerusalem, 3. August (Telegr.) Die Rabbiner Samnitzer und Hofmann sind auf Antrag des Oberrabvinats verhaftet wordenes herrscht große Aufregung über diesen ungewöhnlichen Schritt. (Von anderer Sette wird gemeldet, das Urteil laute auf 50 Tage Gefängnis und 20 Pfund Geldstrafe. Red.) Der prv?eß Samnifcer-fioffmann. Jerusalem, 31. Juli. Die am Freitag vor Sabbatbeginn erfolgte Verhaftung der zu 50 Tagen Gefängnis verurteilten Opfer des Mtsrad harabanuth hat unbeschreibliche Aufregung in der ganzen heiligen Stadt hervorgerufen. Die Berhaftrten werden mit Sy»pcithiekundgebungen überhäuft. Selbst diejenigen Kreise, die hinter dem Oberrabbinat stehen und die übertrieben scharfe und respektwidrige Kampfesweise der Verhafteten verurteilen, empfinden jetzt das F u r ch tb a re des Augenblicks. Ein jüdisches Rabbinat, das sich nicht scheut, durch einen in der jüdischen Geschichte unerhörten Appell an die nichtjüdische Staatsgewalt, sich seiner Gegner zu entledigen, bedeutet eine Schande für das neue Erez Jtsroel. In den Synagogen und Lehrhäusern machte sich am Sabbat denn auch die schärfste Kritik am Oberrabbinat geltend, die sich in Gegenwart der Rabbinatsmitglieder bis zu dem bekannten Protestmittel der „Verhinderung der Thoravorlesung" verdichtete. In vielen Synagogen wurden besondere Mischeberach-Gebete für die Gefangenen gesprochen. Vor dem Gefängnis fanden sich Hunderte von Menschen ein, um sich nach dem Schicksal der Verurtelten zu erkundigen. Samnitzer und Hoffmann sind die ersten Juden, die seit dem Einzug der Engländer auf Anzeige von jüdischer Seite hin verhaftet wurden. Es blieb dem Oberrabbinat Vorbehalten, hier die erste Bresche in das uralte jüdische rVDny zu legen. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt. Nr. 83 u. 38 Sette 7 infernentlon Rabbi Jacob IReirs in der Sache Samnifcer- Jerusalem, ll. August. Der aus dem Auslande zurückgekehrte sefardische Oberrabbtner Jacob Meier hat Oberrabbiner Sonnenfeld besucht und ihm nahegelegt, einen billigen Ausgleich in der Sanmitzer-Affare herbeizuführen. Rabbiner Sonnenfeld erklärte sich hierzu bereit, sobald die ganze Angelegenheit den staatlichen Gerichtsbehörden entzogen und gänzlich den Bothe Drninr arrhsimgestellt werde. Line bedeutiame Rede So! Rofenblooms- Jerusalem, 11. August. Bei dem zu Ehren der Brandeis-Gruppe veranstalteten Abschiedsbankelt hielt nach einer längeren Ansprache des bekannten Hebraisten und Freidenkers Ben Jehuda der Amerikaner Sol Rosenbloom eine Rede, worin er ausführte, daß Erez Jisrorl nur durch den jüdisch-religiösen Geist, nicht durch materielle Mittel, auch nicht durch die hebräische Sprache erbaut werden könne, die nur der Schlüssel zum Tempelheiligtum sei. Ob Rosenbloom, der mehrere Schriften zur Univerfitäts frage veröffentlicht hat, auch jetzt, nach seinem mehrmonatlichen Aufenthalt in Erez Jisroel, noch glaubt, daß die künftige Jerusalemer Universität eine Stätte des von ihm gefeierten jüdischen Geistes sein werde, dürfte von besonderem Interesse sein. Rrabifcher Angriff auf eine Wische Kolonie in Palästina. Jerusalem, 4. August. Am Sonnabend wurde die jüdische Kolonie Jessod Hamaala in Galilä von Arabern angegriffen. Der Kolonist Friedman wurde getötet. Mehrere Stück Vieh wurden weggeschleppt. (J.C.B.) Die rrerndenkührerkurle. Jerusalem, 15. August. Zu der von uns veröffentlichten Notiz, wonach die neugeMndete Fremdenführer-Schule in ihrem Programm für S a b b a t und Sonntag Wanderungen zu Fuß, zu Pferde und zu Wagen ankündigt, schreibt uns Herr Dr.A.I. Brawer nach einigen Ausfällen gegen angeblich „tendenziöse" Berichterstattung folgendes: „Demgegenüber will ich feststeüen, daß wir am Saboat nur in Jerusalem oder in einer anderen Stadt, wohin wir uns am Freitag nachmittags begab-n, Spaziergänge und Besichtigungen vornehmen.*) Ausflüge zu Fuß öder mit Reittieren werden nur an Wochentagen, bis nun meist am Sonntag unternommen. Wenn unsere Hörer den Sabbat entweihen — es find meist freisinnige junge Leute — so geschieht das weder innerhalb unseres Programmes noch in Anwesenheit des Leiters oder eines Lehrers. Wir bedauern eS aufrichtig, daß sich aus den Kreisen der Aguda kein einziger Hörer für diesen Kursus gemeldet hat, der weder mit Parteipolitik, noch mit Apikorfes etwas gemein hat. Die Fremdenführung befindet sich bis nun ausschließlich in arabischen, meist judenseindlichen Händen. Die Fremden werden planmäßig verhetzt. Es wäre also selbstverständlich, wenn sämtliche jüdische Kreise Erez Jisroels unser schweres Borhaben unterstützen würden. Ich betone nochmals, daß seitens der Leitung kein Ausflug arrangiert wird, der zu Chilul Sabbat führt. Hiernach muß die Ankündigung der Schule zum mindesten höchst ungeschickt formuliert gewesen sein. Daß junge Leute aus orthodoxen Kreisen keine besondere Neigung zu dem Berufe des Fremdenführers haben, ist nicht verwunderlich. *) Unsere Hörer gehen tagsüber ihrem Erwerbe nach und sind meist nur am Sabbat hier. Personalien. Berlin, 20. Juli. Kommerzienrat Dr. Karl Leopold Netter, eine der führenden Persönlichkeiten der „I C 2(", des Hilsöveretns der deutschen Juden und vieler anderer gemeinütziger jüdischer Verbände ist gestorben. Der Verewigte verband ein warmeS Gefühl für die Interessen der vom Geschicke verfolgten Glaubensgenossen mit einer ungeheueren Arbeitskraft und großem praktischen Scharfblick, die ihn zu außerordentlich fruchtbarer Wirksamkeit befähigten. Netter hm lange Jahre auch dem Vorstande der Berliner Jüdischen Gemeinde angehört und erfreute sich großer Beliebtheit»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.