Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 32-33 (24.8.1922)
- Date
- 1922-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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^Meite 8 No. 82 u. 33 Der Israelis. Berlin, 7. Aug. Der hebräische Schriftsteller David Frischmann, der seit einigen Jahren in Berlin wohnt, ist dort gestern mittag gestorben. Frischmann ist eine der populärsten und markantesten Figuren -er hebräischen jüdischen modernen Literatur. Nutzer Novellen, Erzählungen und poetischen Dichtungen hat Frischmann besonders das Feuilleton gepflegt. Zahlreiche Werke Frischmanns wurden ins Deutsche übersetzt, z. B. sein Gedicht „Der Messias" von Max Brod. Frischmann selbst war ein Meister der Uebersetzungskunft. Tr übersetzte die bedeutendsten Werke der Weltliteratur aus allen Sprachen. In der letzten Zeit erschienen z. B. Uebersetzungen von Werken von Rabindranath Tagore, Nietzsche, Schnitzler, Oskar Wilde u. a. Frischmann stand tm 57. Lebensjahre. Berlin, 14. Aug. Kurz nach der Bestattung Frischmanns starb im Atter von 62 Jahren der Gelehrte und Schriftsteller Sch. I. H u r o w i tz, der bekannte Begründer des Sinaioerlags und Herausgeber des ,Haatid". Hurw.tz ragte, da feine schriftstellerische Laufbahn schon früh begann, aus der alten Maskilimschule in die moderne national-hebräische Literatur hinein. Er war scharfer Denker und Meister des hebräischen Stiles, ging aber, obwohl in Vielem noch in der Tradition wurzelnd, im Ganzen seine ganz eigenen radikalen Wege. Mit Empörung wurden seinerzeit auch in vielen nationalen Kreisen seine Ansichten über den Stifter und dessen Lehre zurückgewiesen. Besonders Achad Ha am war es, der die ganze Gefährlichkeit dieser Methode zeigte. Hurwitz kam vor kurzem auS Rußland, wo er sich als Professor an der Petrograder Universität vorübergehend betätigte, nach Berlin zurück und hatte noch grosse literarische Pläne, denen jetzt der Tod ein Ende fetzte. Wiesbaden, 31. Juli. Am Montag, den 28. TammuS verschied hier nach längerem schweren Leiden na^lP '1 Berstein ein Enkel des berühmten wn 2VUD der galizischen Judenheit "> Herz Bernstein V*». Der Verblichene war ein würdiger Nachkomme seiner grossen Ahnen, des ,npn ntvyo, n'nx ’iö, pwn' 'Zv uw* nr^lp n, nn'py, dessen Namen er trug. Der Familientradition gemäss widmete er sich von frühester Jugend an zuerst in Lemberg und dann in Pinsk dem Lernen und eignete sich ein außergewöhnlich umfangreiches und tieseS jüdisches Wissen an. Im Gemeinöeleben der p"p Minsk nahm er infolgedessen als Führer der Orthodoxie und als Vertrauter des Minsker und Freund feines Nachfolgers des heutigen Minsker RawS '"J eine hervorragende Stellung ein. Um das kulturelle jüdische Leben in Nußland hat er fich unter anderem als ihm der berühmten Woloschtner ,N2Nr" verdient gemacht. Seine Lebensaufgabe war np-nr und n"ru zu üven. Stets stand sein Haus den Armen seines Volkes offen und so bedeutete sein Wegzug von Minsk für die dortige nb'np, insbesondere für die D’BTID Witwen und Waisen einen schweren Verlust. In den flW von hat er sich als uaa der Minsker iiphn-Gelder ein dauerndes Andenken gesichert. Die letzten Jahre verlebte er, seinem Milieu entrissen, von den wenigsten verstanden, hier in fast völliger Zurückgezogenheit. Bei der verstand es ein Freund des Verblichenen, Herr Zwi Kanel auS Moskau, in einem echljüdischen ivon das Leben dieses pN2 und seine Verdienste und die russische Judenheit und seine Familie insbesondere, dass er es verstand feine Söhne in der Fremde zu treuen Söhnen deS jüdischen Volkes und zu wahrer Liebe zu p"."M zu erziehen. st' iw2i. Pömbsen b. Nieheim i. Wests., 20. Aug. Am Tage vor Tischobeaw starb der Senior unserer Gemeinde, der zweitälteste Einwohner des Ortes, Kaufmann Isaak Rose, im 80. Lebensjahre. Der Entschlafene waltete seines Amtes als Vorsteher der Gemeinde und als Scholiach zibbur in seltener Weise bis an sein Lebensende. Wie ein Patriarch lebte er im Kreise seiner Familie und Verwandten und sein Name hatte weit und breit, bei Juden und Christen einen guten Klang. Von der allgemeinen Wertschätzung, deren er sich erfreute, gab die zahlreiche Versammlung Kunde, die fich ihm zu Ehren tm Gotteshause etnsand, an dessen Erbauung der Verklärte hervorragenden Anteil hatte. Ein Neffe, Lehrer Grünewald aus Beuthen a. S., zeichnete in ergreifender Weife sein Sabbal üvls«s uns ümgrsg. L'vvv roff- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrMin. i;>22 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M. 8 35 26. 3. 8 10 Berlin .... 7 10 August Elul 7 65 München . . . 8 45 7 48 Cöln. 7 - 8 2» Stuttgart. . . 7 - 8 03 BreSla« . - 8 33 7 33 Nürnberg. 8 50 7 53 Hamburg - - 7 10 8 10 Leben und Wirken und pries ihn als Lehrer der Jugend, die er leschem schomajitm im Hebräischen unterrichtete und als Vorbild der Gemeinde. Dann widmete ihm Lehrer Gold schmidt aus Dortmund als Freund der Familie des Verewigten, treue Worte des Gedenkens und dankte zugleich im Namen des Altersheims in Westfalen für die diesem überwiesenen Spenden. Hierauf wurde die sterbliche Hülle auf dem Gottesacker der Gemeinde in Nieheim beigesetzt, wo der Prediger Lehrer Stern nochmals den Entschlafenen in längerer Rede würdigte. b"3tt. Erwähnt zu werden verdient, daß der hiesige katholische Pfarrer den Gottesdienst extra verlegte —, die Trauerfeier nebst Beisetzung erfolgte am Sonntag, den 12. Aw, — um seiner Gemeinde die Teilnahme zu ermöglichen. Köln, 9. Aug. In Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiete der Meiall- und Hüttenindustrie, wurde am 30. Juli Js. dem Senior-Chef der Firma M. Lissauer u. Cie., Meno Lissauer in Köln, von der Abteilung Chemie und Hüttenkunde der Technischen Hochschule zu Aachen das Diplom Dr. ing. e. h. überreicht. Vermischtes. Frankfurt a. M.. 20. Aug. Der Privatdozent für Neurologie und Psychiatrie und Abteilungsvorsicher am neurologischen Institut der Universität Frankfurt a. M., Prof. Dr. med. Kurt Goldstetn ist zum ausserordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der dortigen Universität ernannt worden. Berlin, 29. Juli. Der seit seiner Kindheit erblindete Dr. phii. Ludwig Cohn aus Breslau, der auf dem Gebiete des Blindenwesens eine führende Stellung einnimmt, hat gestern auf der Universität Breslau auch den juristischen Doktor gemacht. Durch seine Dissertation „Der Blinde im Reichsrecht" lieferte er einen bedeutsamen Beitrag zur Blindenliteratur. Andere bereits erschienene Schriften von ihm auf diesem Gebiete sind: „Die Zukunft unserer Kriegsblinden", „Unsere Blinden", „Unterricht einer Taubblinden durch einen erblindeten Lehrer". Großes Interesse weckten seine im „Berliner Tageblatt" erschienenen Artikel „Wenn Blinde sehen" und „Die Ehe des Blinden". Durch seine umfassende wissenschaftliche und soziale Tätigkeit gehört Ludwig Cohn zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Breslau. Hamburg, 27. Juli. Für das von Herrn Hermann Cohn in Hamburg gestiftete Preisausschreiben belr. „Logisch-wissenschaftliche Begründung eines Monismus auf theisttscher Grundlage", sind 17 Arbeiten eingegangen, die zum Teil recht wertvoll waren. Der Preis wurde von den Preisrichtern Prof. Dr. E. Dennert in Godesberg, Prof. Dr. Ed. König in Bonn und Prof. Dr. Ludwig Stein in Berlin, der Arbeit mit dem Motto: „Ob nicht Natur zuletzt sich doch ergründe"!, zuerkannt. Als Verfasser ergab sich: Prof. Dr. med. K. Hasebroek in Hamburg. München, 30. Juli. Die antisemitische Presse, insbesondere der „Völkische Beobachter", kritisieren einen Erlaß der Staatsregierung gegen Auswüchse des Antisemitismus, der damit bekannt wird: „Die antisemitische Propaganda hat in letzter Zeit in verschiedenen Teilen des Landes, auch auf dem Lande, Formen angenommen, die einer friedlichen Entwicklung nicht zuträglich sind, vielmehr unter Umständen zu Bedenken für die Ausrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit Anlaß geben können. Man scheut bei dieser Propaganda selbst davor nicht zurück, in mehr oder weniger verblümter Weise zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden auszufordern. Namentlich in kleinen Orten und ans dem Lande kann diese Aufhetzung gefährlich werden. Wenn auch die Staatsregierung zu dem Antisemitismus als solchem keine Stellung zu nehmen hat, so ist sie doch verpflichtet, seine Auswüchse zu bekämpfen, soweit sie eine Gefahr für die öffentliche Ruhe Und Sicherheit bedeuten. Es ergeht daher die Anordnung, diesen Vorkommnissen besonderes Augenmerk zu schenken und, soweit veranlaßt, auch die Bezirkspolizeibehörden mit Weisungen zu versehen. Dre ernschlä-;igen Flugblätter und Plakate sind zu beobachten, ne Versammlungen geeignet zu überwachen. Soweit veranlaßt, ist auf Grund allgemeiner polizeilicher Bestimmungen gegen Ausschreitungen vorzugehen. Wenn anzunehmen ist, daß solche Versammlungen zum Zwecke strafbarer Aufhetzung dienen sollen, ist schon gemäß § 1, Abs. 1, des Reichsvercinsgesetzes in Verbindung mit Art. 102 Ausf.-Ges. z. StPO, das Verbot derselben zulässig. Ob im einzelnen Fall ein Verbot veranlaßt und zulässig ist, kann nur nach Maß^ gäbe der Lage und Stimmung an Ort und Stelle, namentlich auch an der Hand etwa früher schon am gleichen Orte oder in der Nähe insbesondere auch bei den gleichen Rednern gemachten Erfahrungen beurteilt werden. Wenn in den Versammlungen strafrechtlich bedenkliche AeußerUngen festgestellt werden, ist Sttafanzeige bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten, damit diese über die Möglichkeit der Strafeinschreitung entscheiden kann. Für die Ausrechterhaltung des inneren Friedens ist es weiter sehr erwünscht, daß den Auswüchsen der Propaganda auch durch Aufklärung entgegengetteten wird. Aufklärung in der Kirche und Schule und durch dir besonnene Presse tut namentlich an Orten not, 21. August 1922. wo durch die Hetzreden einzelner Agitatoren schon Teile der Bevölkerung irregeleitet worden sind. In dieser Hinsicht wird das Staatsministerium für Unterricht und Kultus um seine Mitwirkung ersucht werden. Die Amtsvorstände müssen es sich aber auch ihrerseits angelegen sein lassen, an Orten, wo sich infolge der antisemitischen Propagadatättgkeit etwa Gefahr für die Ruhe und Sicherheit zeigt, solche Gegenwirkung von sich aus durch die Inanspruchnahme einsichtiger Persönlichkeiten zur Erhaltung des inneren Friedens einzuleiten. gez. Dr. Schweyer" Dresden, 15. Juli. Der Verfasser des antisemitischen Buches „Die Sünde wider das Mut", Arthur Dinier, hatte den Redakteur der „Dresdener Bolkszeitung" auf Grund einer sehr scharfen Kritik seines Buches verklagt. Die Schriftsteller Thomas Mann, Dttomar Enking, Prof. Paul Schumann, Prof. Kummer und der Präsident der bayrischen Künstlergewerkschast Dr. Mertens erklärten gutachtlich das Dintersche Buch für eine antisemitische Tendenzschrtst ohne den geringsten künstlerischen Wert. Das Amtsgericht Dresden wies Dtnter kostenpflichtig ab, da die Grenze des Paragraphen 193 nicht überschritten sei. Dinters Beschwerde wies das Landgericht kostenpflichtig zurück. Pvag, 20. Juli. I» der Nähe von Polna wurde vor kurzem die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, die eine Verletzung am Kopfe und eine Schnittwunde am Halse auswies. Ein tschechisches Blatt benutzte den Fund sofort zur Anzettlung einer Ritualmord-Legende, die glücklicherweise durch die Verhaftung des Täters und die Feststellung eines Raubmordes kein langes Leben hatte. Wien, 25. Juli. Das Amtsblatt der Diözese Wien veröffentlicht eine UnterwerfungSerklärung des Universitätsprofessors derTheologie, Schlägel, dessen Bibelübersetzung von der römischen Jndexkongregation verboten worden ist. Schlögel zieht seine Uebersetzung der heiligen Schriften des alten Bundes zurück und proieslierl gleichzeitig gegen die Herausgabe des zweiten Bandes dieser Werke, ohne erzbischöfliche Prüfung durch den Verlag. (Schlögel hat sich bekanntlich durch eine auch in unserem Blatte gebührend gewürdigte schülerhafte und dabei von böswilligster Bibelkrittk strotzende TalmudÜber. setzung lächerlich gemacht. Wenn seine Bibelübersetzung nicht besser ist, als diejenige des Talmud, so hat die Jndexkongregation mit dem Verbote jedenfalls ein gutes Werk getan. Red.). Wie«, 16. Juli. Die Westukrainische Presseagentur meldet: Die Stadt Rzeszow (Westgalizien) und Umgebung ist von einer schweren Unglückskatastrophe heimgesucht worben. Das militärische Pulvermagazin in Powicznia bet Rzesow ging am 12. d. Mts. in die Lust. Da tm Magazin Geschosse schwersten Kalibers deponiert waren, ist das durch diese Explosion ver- Gross Frankfnrt Weinklause. Tanzpalais. Das führende Kabarett Das vornehme Westdeutschlands. ABENDLOKAL. Wiener1 Kaffee Ungarische Kapelle. Eigene Konditorei. SOHUHANN- Theater Monat August 1922: Gastspiel Wilhelm Haftstcifl mit seiner Gesellschaft, außerdem ein erstklassiger Variete - Teil. ■■■■■■■■MBB ■■■■■■■■■■■■ ■■■■■■■■■■ Kristall - Palast Tanz und Variete Telefon: Hansa 3844 Der kolossale August - Splelplan 2 Ball-Orchester Null I Original American M0I11 Weil S Cowboy Jan Band ^eu 1 Einlaß nachmittwoch n. Samstag Nacbm. 4 Ubr: mittags 21/*, mtmm Tfln7-Tpp mmm abends 71/* Uhr. 1 1 «V ■— Sonntags 2 große