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Der Israelit · 1922-08-24 · Heft 32-33 (24.8.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 32-33 (24.8.1922)
Date
1922-08-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Geile 4. Nr. 82 u. 83 _ kenntnifse des Alters, das an seine Jugend zurückdenkt.?Aber wenn wir die Begriffe Jugend und Mer in einem andern Sinne fassen, lärmen wir jenen Sprüchen, ohne daß ihre Wahrheit leidet, auch die umgekehrte Form geben: „Heil unserer Jugend, die unser Alter beschämt." „Heil unserem Alter, dem unsere Jugend Sühne bringt." 7. Die Vergeltung. Ps. 91. 8 heißt es pn „Nur mit Deinen Augen wirst Du es schauen und die Vergeltung der Frevler sehen." Nach der Lehre unserer Weisen enthält jedes Die Andeutung, daß etwas auszuschließeu sei (Gen. rabba 1). Was bedeutet nun hier die Hervorhebung: „Nur mit Deinen Augen"? Das „nur" will den Gedanken ausschließen, die Vergeltung der Fremler mit dem Herzen, mit Rachegefühlen zu sehen, wie es heißt: „Wenn Dein Feind fällt, freue Dich nicht, unö wenn er stürzt, jubele Dein Herz nicht." (Spr. 24. 17.) 8. Die Märtyrer. Tie jiidischen Märtyrer beweisen an sich noch nicht die objektive Wahrheit des Judentums. Das ist Sache der jüdischen Religionsphilosophen. Die Märtyrer haben viel mehr getan: Sie haben bezeugt, daß die Wahrheit des Judentums höher steht als das Leben. Und solche Wahrheitszeuglllsse sind wirksamer als scharssinnige Beweise gelehrter Religionsphilosophen. 9. Das rechte Gebet. Wir sprechen es im Gebete aus: „Die Augen des Herrn sind aus die Gerechten gerichtet und sein Ohr aus ihr Flehen." (Ps. 34.. 16.) Gott hört nicht nur den Beter, er sieht ihn auch. Er. prüft, ob sein Verhalten im Leben seinem Gebet entspricht, ob das, was man ihn tun sieht, in Uebereinstimmung ist mit dem, was man ihn beten hört. So haben wir auch das Gebet zu verstehen: „Habe Wohlgefallen, o Herr, an Deinem Volke Israel und an seinem Gebet." Dem Wohlgefallen an dem Gebet Israels muß erst das Wohlgefallen an dem Zustand des betenden Volkes vorangehen. In diesem Sinne werden wir auch den Satz erfassen, mn n£ 'fr »jki „Ich aber mein Gebet komme vor Dich zur Gnadenzeit." (Ps. 69. 14.) Das Ich, die Persönlichkeit des Beters durch das Gebet erhoben und geläutert mögen gleich seinem Gebet Gnade vor Gott finden. 1v Das Licht. Die Jozerot-Piutim werden durch den Satz eingeleitet nm« D”n im nach den Ländern am kaspischen See als Gefangene geführt worden seien und dann weiter nach Westen «änderten, um schließlich aus den fernen britischen Inseln zu landen. Das Wort „Saxon" soll — eine erheiternde etymologischeMptelerei — aus I - s a a k. s o n entstanden seindas Wort „Britain" aus dem hebräischen »Brtth* abgeleitet werden. Die Geschichte wird dann noch viel abenteue licher, indem der Offizier zu erzählen weiß, daß der Prophet Jeremijas auf göttlichen Befehl mit seinem Mündel, der Prinzessin Tamar, der Tochter des Königs Zidkijahu nach Irland atng, wovon ftt verschiedenen irischen Chroniken die Rede sein soll. Noch heute befindet sich im Gerichtsgebäude von Dublin ein sonderbar geschnittener Stein, der den Namen führt; DasMedaillon des Jeremijas, und der vielen Gelehrten als ein Markstein auf dem Wege der Israeliten zu dem Reiche der Angelsachsen gilt. Der Offizier schließt seine Enthüllungen wie folgt: „In den Händen der Kinder Israels liegt bte Sicherheit der Welt, die Heraufführung jenes Weltfriedens, der nach der biblischen Prophezeiung der Welt zuteil werden solle, tausend Jahre lang nach jener großen Schlacht, die im heiligen Lande, zwischen den Kräften der Anarchie und der organisierten Regierung während der Jahre 1928 bis 1936 stattfinden wird". Die biblische Prophezeiung habe sich in vielen Fällen während des großen Krieges als wahr erwiesen, wunderbarerwetse auch in der Einnahme von Jerusalem durch General Allenby. Der Offizier behauptet weiter, daß die herrschende Raffe in Japan, die Samurai, ebenfalls „Kinder Israels" find, indem sie von demjenigen Stamme herrühren, der ostwärts nach dem Stillen Ozean wanderte, während Ephraim und Menaffe nach Westen an den Atlantischen Ozean gerieten. Aus dieser gemetnsammen Abstammung.erkläre I __ »er JSraeltt. vn -rv8, „Ewiges Licht ist im Schatze des Lebens verborgim, Lichter rief er aus der Finstersternis und es ward." Was bedeutet dieser dunkle Satz? Derselbe beruht auf einer talinudischen Haggada, auf die aber hier nicht eingegangen zu werden braucht. Es genügt, wenn wir ihn aus sich selbst heraus zu verstehen suchen. Wir können ihn folgendermaßen auslegen: Es giebt eine sichtbare und eine unsichtbare Welt, eine materielle irdische und eine geistige göttliche. Dije sichtbare, von Sonne, Mond und Sternen beleuchtet, und die unsichtbare, die nur von dem inneren Auge erschaut werden kann. Beide sind Wirklichkeit. Aber die eilte ist eine vor Augen liegende, und die andere eine verborgene Wirklichkeit. In der ersteren giebt es einen Wechsel von Licht und Finsteriris, in der letzteren nur Licht, wie es heißt: „Licht ist gesäet dein Gerechten." (Ps. 97. 11.) Es ist Sache des inneren Auges, das ewige Licht, das in den Tiefen des Lebens und der Welt verborgen ist, zu empfinderi. Die erleuchteten Gottesmänner und Propheten waren durch die göttlichen Offenbarungen fähig, das göttliche Licht, dessen Welt und Leben Voll ist, zu sehen, wie es heißt: „Auch wenn ich in Finsternis sitze, so ist Gott mir Licht." (Micha 7. 8.) Diese Fähigkeit des Schauens war eine vorr dem Grade der prophetischen Kraft abhängige gottverlichene Gabe, wie das aus bett Worten Elias an Elisa hervorgcht: „Wenn Du siehst, wie ich von Dir genommen werde, so wird Dir also werden, wenn aber rricht, so wird es nicht werden." (2 Kön. 2. 10.) Wir bekennen uns in dem Gebete zur Gewißheit, daß auch unsere dunkle irdische Welt ein lichtes Gefäß Gottes ist und in ihren Tiefen Ewigkeitslicht in sich birgt, daß „ewiges Licht im Schatze des Lebens verborgen ist" und daß, wie die irdische Schöpfung des Lichts aufstrahlte, als das göttliche Wort sein „Werde" rief, so auch das uns noch verborgene Licht einst siegreich durchbrechen wird, wenn die Zeit sich erfüllt und der Menschheit die Augen geöffnet werben. .(Forts, folgt.) Aus len Lebknseririnerritigell eines Mischen pvlMers. (Schluß.) Am 21. Oktober 1885 erschien in der amtlichen „Wiener Abendpost" und in sämtlichen Tagesblätterrr folgende Mitteilung: „Prozeß, Rohling contra Bloch: Nachdem das Abgeordnetenhaus die Aufhebung der Immunität für den Abgeordneten Dr. Bloch in dem gegen ficv die Uebereinstimmung zwischen den politischen und moralischen Ideen Japans, Englands und'Amerikas. (Einst und jetzt). Wehmütig stimmen die folgenden von der „Berliner Boikszeitung" aufgestellten Vergleiche: Als einstmals Ahlwardt, der „Rektor aller Deutschen" die Behauptung ausstellte, daß die Firma Löwe die sogenannten „Judenflinten" an die deutsche Armee geliefert habe, damit in einem Kriege gegen Rußland das deutsche Heer besiegt würde, äußerte BiSmarck zu Gersdorff: Nur ein politischer Tertianer könne glauben, daß die deutschen Juden ein Jnteieffe an einer Niederlage Deutschlands hätten, genau das Gegenteil sei richtig! Und, wie sich jeder sagen wird, hatte ja auch niemand mehr von einem Siege Deutschlands zu erhoffen als des Zaren „liebe Juden". Der „Kladderadatsch" kennzeichnete die Ahlwardischen Räuberpistolen in bezeichnendster Weise. In seinen Jahrgängen 1898 und 1899 hat das damals noch vielgelesene satirische Wochenblatt den raffeverhetzenden Elementen immer und immer wieder den Spiegel vorgehalten und den Antisemitismus als die moralische Berlumpung .gebrandmarkt, die er nun einmal ist. Heute schwelgen seine Flöten, wo andere Ahlwardts Ungereimtheiten nachkauen und sich auf den antisemitischen Rummelplätzen die Ahlwardt- Deutschen, wie man mit vollem Recht die Alldeutschen nennen darf, gegenseitig überschreien. Als Stöckers antisemitisches „Volk" in große pekuniäre Bedrängnis geriet, schrieb der „Kladderadatsch" (1888, Nr. 50): „Da wird am Ende doch nichts anderes übrig bleiben, als bei den Mitbürgern jüdischen k Glaubens mit der Sammelbüchse herumzugehen", l Wer denkt da nicht unwillkürlich an die Geschäfts- | Praktiken des schlagringgemaltigen Etnppenhelden von - Gardelegen, Knüppelkunze? ____24 August 183» ihn durch Professor Rohling angestrengten Ghienbeleidigun gsprozesse beschlossen hat, so hat das Wiener Landesgericht nunmehr endgültig in dem seit mehr als zwei Jahren anhängigen Prozesse die Verhandlung anberaurnt. Die Verhandlung, welche vor dem Schwurgerichte in Wien stattfindet, wird am 19. November d. I. beginnen und soll bis Ende des Monates dauern. Den größten Teil der Verhandlung werden die Sachverständigen in Anspruch nehmen, welche über mehr als hundert Fragen ihr Votum abzugeben haben." Da tratz. plötzlich, eine Wendung ein, welche ganz Oesterreich verblüffte. Zunächst versuchte der Herr Professor durch Drohungen Wiener Juden einzuschüchtern, damit man mich zu einem Ausgleich veranlasse. Durch die geplante Gerichtsverhandlung werden die Gemüter der Wiener Bevölkerung gegen die Juden aufgereizt werden, die Folgen für das Judentum könnten bloß schlimme sein', so schrieb der Prager Biedermamt nach Wien, um mich zur Nachgiebigkeit zu veranlassen. Als diese Kunstgriffe indessen nichts halfen, ich weder den liebreichen Mahnungen aus Prag, noch den übereifrigen Besorgnissen jüdischer „Freunde" Gehör gab, trat Rohling im Monate Oktober 1885, unmittelbar nachdem die Schlußverhandlung ausgeschrieben war, an die Unterrichtsverwaltung mit der Bitte heran, ihm einen einjährigen Urlaub — zu Stndicnztvecken zu bewilligen. Das Unterrichtsministerium beeilte sich durchaus nicht, diesem Wunsche nachzukommeu. Er sollte vielmehr erst feinen Prozeß mit Dr. Bloch zu Ende bringen, sich von den schweren Anklagen reinwaschen. Und was geschah? Herr Professor Rohling schreibt an das k. k. Landesgericht zu Wien, daß er von der erhobenen Anklage gegen den Reichsratsabgeordneten Dr. Bloch zurücktrete! Gleich jenem Delinquenten, der in namenloser Angst vor der öffentlichen Justifizierung in der einsamen Zelle sich erhängt, so hat Professor Rohling, um der moralischen Hinrichtung vor dem Schwurgericht zu entgehen, selber das Urteil au sich vollzogen. Das mir zugestellte Erkenntnis des k. k. Landesgerichtes Wien lautete wörtlich: Das k. k. Landesgericht zu Wien in Strafsachen . Zahl 38.149. An Herrn Dr. Josef Samuel Bloch Reichsrats ab g eordn eter Wien. Ueber die Erklärung des Privatauklägers Dr. August Rohling, daß er von der am 18. März 1884, Z. 10.360, eingebrachten Nicht sämtlicher ist der alte „Kladderadatsch" mit 1 dem Grafen Pückler, dem antisemitischen Drefchgrafen von Klein-Tschirne. umgegangkn. Und über Ahlwardt, den Rektor der Alldeutschen, schüttete er die Lauge seines Spottes in zahllosen Varianten aus. Hier nur eine Prophezeiung des Schäfers Thomas für das Jahr 1899: „Ahlwardt gerät auf einer Agitationsreise durch Zentralafrika in die Hände der Menschenfreffer, wild aber von ihnen nicht qefreffen". ß sEs ist bedauerlich, feststellen zu muffen, wie geschwind einzelne der alten satirischen Wochenblätter umgelernt haben. Der „Kladderadatsch" ist nicht das einzige, das ins Heilo-Jahrwaffer hinübergeschwenkl ist und keine Silbe mehr findet über die Bloßstellungen, urteilslosen Redereien und grotesken Ungeheuerlichkeiten, mit denen sich die ganze „völkische" Bewegung seit Jahr und Tag stündlich bei uns dem Fluche der Lächerlichkett preisgibt. (Radtour Berlin-Jerusalem). Eine Radtour von Berlin nach Jerusalem unternahm Jakob Strossalski. Der Weg von Konstantinopel aus, den er am 2. Jul! verließ, ging nicht ganz glatt. In Js mir wurde er verhaftet und hatte es nur dem Eintreten eines angesehenen französischen Generals zu verdanken, daß er nicht als „Spion" erschossen wurde. Hie und da muhte er in Begleitung von Wachmannschaften die Reise zur See machen. Am Sabbat hielt er stets Rast Den Weg von Beirut nach Haifa machte er per Rad in einem Tage. Von dort radelte er Tags darauf nach Telabtb in Jaffa in knapp zehn Stunden. Am Dienstag früh langte er mit seinem Rade in Begleitung von sieben Nadlern, die ihm von Jaffa aus folgten, in Jerusalem an, wo ein Komitee ein Fest zu Ehren des kühnen Touristen gab.

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