Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 32-33 (24.8.1922)
- Date
- 1922-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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21 August 1923. Vrr ÄLrwÄt, 9 Nr. 32 u. 33 Vet-e 8 unserer Zeit nicht eine Folge der Hutlostgkeit, eher schon umgekehrt. Gebeffert hat stch darin durch die Ablegung -es Kopfschmuckes auf alle Fälle nichts und noch ist Europas entblößtes Haupt allem andern eher als der Sonne und dem Lichte zugekehrt ... Für uns aber handelt es sich um die Aufrechterhaltung einer alten -frommen Sitte, deren Verletzung naturgemäß zu weiterer Durchbrechung des von den Alten um unser jüdisches Sein mit so viel Liebe gezogenen Geheges führen muß. Darum lautet unsere Mahnung an Väter und Söhne, an Sradt und Land, sich nicht von diesem neuesten Unfuge der Zeit beeinfluffen zu lasten. Es sind genug -er Lehren des allgemeinen Anstandes, vor denen man „Hut ab!" rufen möchte.. In diesem Falle muß es aber laut und eindringlich heißen: „Hut aus!" An delei-Igungrprozeß. Wir berichten an anderer Stelle über einen Prozeßder vor dem staatlichen Gericht in Jerusalem von Seiten des Oberrabbinats gegen zwei Jeschiwa-Leute, Hofmann und Samnitzer, angestrengt worden ist und mit der Verurteilung der Angeklagten zu etwa zwei Monaten Gefängnis geendet hat. Wir kennen weder die Schrift gegen das Oöerrabbinat, deren beabsichtigte Veröffentlichung den Ausgangspunkt des Prozeffes bildet, noch die Verfasser. Sicherlich enthält die Broschüre schwere Beleidigungen des Oberrabbiners Kuk und seiner Kollegen, Beleidigungen, die den Tatbestand der strafbaren Injurie erfüllen und darum auch vom L-tandpunkte der jüdischen Ethik, die eine Schmähung von E'asri 2^2*1 noch viel schärfer verurteilt, in keiner Weise gerechtfertigt oder auch nur entschuldigt werden können. Dennoch scheint es uns tief bedauerlich, daß das Oberrabbinat sich zu einem Schritte hat hinretßen lassen, der fast beispiellos in der jüdischen Geschichte dasteht und von den gefährlichsten Konsequenzen für die Autorität des Rabbinats selber sein muß. Wir haben es bisher grundsätzlich vermieden zu den mannigfachen literarischen Aeußerungen des Herrn Oberrabbiner Kuk, die das Mißfallen, ja die Entrüstung fast der ganzen rabbinischen Welt erregt haben, Stellung zu nehmen/ wir tun das auch heute nicht. Aber soviel steht doch fest: daß die Opposition gegen diese besonderen Anschauungen Rabbiner Kuks nicht aus Purer Bosheit und Politischer Gegnerschaft erwächst, werden wohl auch manche objeketv denkende Parteigänger Kuks zugeben. Wir brauchen in dieser Hinsicht bloß an die Stellungnahme des Gerrer Rebbe zu erinnern. Ist dem aber so, dann durfte schon von vornherein eine Kampfschrift wie die Hofmann- Samnitzer'sche, wenn sie auch in der Form sicherlich viel zu weit gehen dürfte, unmöglich von einem Jerusalemer Oberrabbinat den 2'"12I zur Beurteilung übergeben werden. Im dunkelsten Golus haben sich 21FW' ^2*1, auch wenn sie noch so sehr auf ihre Ehre und die Ehre der Thora hielten, nicht dazu entschloffen, ihre hitzigsten Gegner ins Gefängnis werfen zu lassen, wenn auch nur die leisrste Möglichkeit bestand, daß diese Gegner von einer — vielleicht in die Irre gehenden — niK2SG 'n fiiOp getrieben waren. Hätte sich in Jerusalem oder tnder Gola kein unabhängigesrabbinischesGericht mehr gefunden, das einen n"n nnö der gebührenden Verurteilung zuführen konnte, ohne die tragikomische Schmach des als Ankläger vor einem nichtjüdischen Gerichtshof in der heiligen Stadt Jerusalem auftretenden jüdischen Oberrabbinats? Soll das die erste Errungenschaft des zionistischen „Nationalheims" sein, daß die nichtjüdische Macht zum Schutze der gefährdeten rabbtntschen Autorität aufgerufen wird? Fürwahr eine Tragikomödie der Autonomie! Uns dünktdas Oberrabbinat war schlecht beraten, als es diesen Prozeß in Szene setzte und wir möchten im allgemeinen jüdischen Jntereffe wünschen, daß er der letzte seiner Art bleibe. Der große Kampf der Weltanschauungen wird weder durch den Strafrichter, noch durch den Büttel entschieden werden, und wenn O’W und ffSiaPp über die Schnur hieben, so haben die Größen der Vergangenheit diese Auswüchse heiligen Eifers immer mit stolzer Gelassenheit ertragen. Sie Laten gut daran. Mische Gedanken. Von Rabbiner Dr. S. Kaatzin Hindenburg O.'S. 1« Erez Jisrael „Die Lust von Erez Jisrael macht weise" (B. Batra 158 b). Wie, haben denn die sieben kanaanitischen Völker, die vor den Israeliten im Lande wohnten, nicht auch die Luft Palästinas geatmet und sind dennoch nicht weise geworden! Es mußte doch also noch etwas anderes hinznkommen, was Palästina zum Lande Israel erhob, dessen Luft weise macht. 2. Die Schnldfrage Mischna Berachot IX 3 sagt: „Wenn mm über Vergangenes schreit, so ist das ein unnützes Gebet." Grollend einander die vermeintlichen oder wirklichen Fehler der Vergangenheit vorrechnen ist töricht und nichtig. Worauf es vor allem ankommt, und was allein uns helfen kann, ist, nach besten Kräften die Fehler der Vergangenheit beseitigen und aus aller Schuld und Verwirrung eine neue bessere Gegenwart und Zukunft schaffen. 3.. Das Jremdsern T-em Fremden ist neu, fesselnd, festlich, was dem, der es gewohnt ist, nüchterner Mltag ist. In solchem Sinne sich das Gefühl wahren „denn ein Fremdling bin ich bei Dir" (Pf. 39.13 ) heißt immer von neuem sich die Dankbarkeit lebendig erhalten ftir die göttlichen Gnadenerweisungen, für das Heilige und Große, das in Gotteslehre und Gotteshaus, für das Schöne und Herrliche, das in Natur, Menschenwelt und Leben uns zuteil wird, daß die Gewohnheit uns nicht abstuinpfe, und wir die Fähigkeit behalten, uns dessen immer von neuem zu freuen. 4. Das Gute. D>aS Leitwort des R. Nachum anS Gimso >"1212^ 1k 21 „auch dies zum Guten" lehrt uns nicht nur eine passive Ergebung in den Willen Gottes, sondern vermag! auch unsere Aktivität zum Guten anzuregen. Nicht nur die göttliche Fügung, die über den Menschen kommt, sondern der Mensch selbst soll zum Guten tuenden. 11 Ol ,Auch dieser" .*72 2“? „soll zum Guten wirken" Er soll nicht die andern allein das Gute tun lassen, sondern selbst tätigen Anteil daran nehmen. 5. Jude sein, Jude werden. '22U '*122 , Ich bin ein Jude". (Jona 1. 9.) Bist Tu es wirklich? Bist Du es schon? Ist Dir dieser Begriff nur eine Tatsache, die Tu konstatierst, und nicht auch ein Ziel, das Dir vor der Seele steht, die von Dir zu erstrebende Verwirklichung dessen, was dieses Wort in sich schließt? So Du ein Herz hast für das Hohe und Erhabene, das in den erlesenen und erleuchteten Geistern des Judentums als dessen wahrhaftes Bild lebte, wirst Du es fühlen, was Dir noch an dem Jude sein fehlt, und Du wirft demütig und freudig sprechen: ^2-8 '->2v „Ich will ein Jude werden." 6. Die Alten und die Jungen. Bei der Freudenseier des Wasserschöpfens am Hütlenseste stimmten, wie der Talmud (Sulla 53 a) berichtet, die 'N1U1 2'“i'Dn den Spruch an: „Heil unserer Jugend, die unser, Alter nicht beschämt", während die N21VO '"^52 sprachen: „Heil unserem Alter, das unserer Jugend .Sühne bringt." Diese Sprüche sind Bc- Haus kam) sagte: „Du mußt Naturforscher werden." Ein frommer Vorsteher der Gemeinde, Simon May seligen Andenkens, der sich zu seinem Vergnügen in seiner Villa ein chemisches und physikalisches Laboratorium eingerichtet halte, warnte mich vor dem Schneckengange, der mit dieser Karriere verbunden sei, und riet mir, einen anderen Berus zu erwählen. Ich wollte Ingenieur werden. Ich lernte Mathematik bei einem Engländer namens Dr. Georgeenglisch erlernte ich spielend beim Dolmetsch Casiuto. Da kam mein Vater zur Feier meiner Barmizwah nach Hamburg und beredete mich, Rabbiner zu werden. Ich kam also zu meiner weiteren talmudischen Ausbildung zum Rabbiner Stern seligen Andenkens, einem sehr braven Juden alten Schlagesüber da mir sein Unterricht wenig bot, warf ich mich selbst mit großem Eifer auf das Studium des Talmud, so gut eS ging. Rabbiner Stern hatte ein Privat-Seminar gegründet, von dem aus man -aS Abiturientenexamen machen konnte. Hauptlehrer an demselben war ein 48er Demagoge, Dr. Kleinpaul, ein einfältiger, aber enragierter Atheist, der uns Knaben mit seinen Theorien gehörig zusetzte. Ich bewältigte mit Leichtigkeit die lateinischen und die griechischen Schulaufgaben, aber mein Kopf war bei der Gemarah. Bald darauf kam nach Hamburg Rabbiner Dr. B. Lipschütz, der wegen seiner unbeugsamen orthodoxen Haltung aus Schwerin sozusagen vertrieben worden war. Das war ein hochbegabter Mann- Professor Trendelenburg nannte ihn den einzigen Philosophen unter den Juden seiner Zeit. Der Mann befriedigte mein Verlangen nach tieferem Wissen und da er nach Krakau gehen sollte und mich die furchtbare Degeneration der jüdischen Verhältnisse in Hamburg immer mehr amotderte, so entschloß ich mich, voraus nach Krakau zu gehen, — Das übrige j in meiner Lebensgeschichte ist Ihnen aus meinem „Chassidismus" verständlich." Kunst Ukid Kind. Dle ersten Erzeugnisse des Berlages „Omonuth", Frankfurt a.M., Moskau, Odessa. Es hat Zeiten gegeben — und sie waren in jüdischer Beziehung sogar die besseren —, da man für das jüdische Kind in Cheder und Jeschiwoh eines weiteren Anschauungsmittels neben dem heiligen Buchstaben des heiligen Textes entbehren konnte. Es ist darin anders geworden und es hat keinen Zweck, mit der Zeit zu hadern. Freuen wir uns, daß auf dem Gebiete des jüdischen Anschauungsunterrichtes, wenn schon, wenigstens echte Kunst für Auge und Herz des Kindes geboten wird. Und dies ist bei den ersten Erzeugnissen des Verlages „Omonuth", Frankfurt a. M., Moskau, Odessa (hergestellt bei M. Lehr, b erg er u. Cie., Frankfurt a. M.), in bisher nie ge. kanntem Maße der Fall. 1. Ein Olefbeth-Ausfchneidebüchlein sucht anmutig und spielend dem Kinde die erste Kenntnis der hebräischen Druckschrift und deren Zusammensetzung zu Wörtern zu vermitteln. 2. Ein prächtiges Btlder-Ausfchneidebuch für die Schule mit gründlicher Anleitung für den Lehrer ist von M. A. Beigel hergestellt. Die farbigen Bilder find aus dem Leben des Tages, zum Teil auch aus dem jüdischen Festkalender genommen. 3. Zehn Märchenhefte von wahrhaft herrlicher Ausführung sowohl hinsichtlich der farbenprächtigen, den Kindersinn bezaubernden Bilder, wie des schönen, in leichtem Reim und RhytmuS gehaltenen hebräischen r Textes, sind zum größten Teile von der Künstlergruppe! t Aftar, Mttzelm acher, Kraw;ow und Choner zum kleineren Teile von D. Mitroch in und A. Narbot hergestellt. Bet dieser Serie muß tus be. dauert werden, daß mit Ausnahme des einen Heftes P2'2v^, das dem Chanukafcste gewidmet ist, alle anderen sich Wort und Bild aus der indischen, arabischen und germanischen Sagenwelt holen. Als könnten wir nicht aus Eigenem, aus den Blumengärten unserer Agadaiiteratur alle Bilderbücher der Welt in weit schönerer und erhebenderer Weife versorgen. 4. Gut jüdisch und auf gleicher Kunsthöbe stehend ist da§ Gedicht, und Lesebuch N27p von Jakob Fich^ mann (Die Bilder stammen von der genannten Künstlergruppe). Uneingeschränktes Lob verdient auch die Einführung in die Naturkunde v2vn r>zn ri'Vni von M Zusmer und A. Chizoni. Sprache und Darslellungswetse zeugen auch hier ebenso sehr von Kenntnis der Materie wie Vertrautheit mit der kindlichen Seele. Durch das ganze Unternehmen weht ein Geist tiefer Liebe, der Liebe zu Kunst und Kind, zu Welt u.d Wissen. Me Theorie vom Mischen Arspriing der Angelsachsen. In einem amerikanischen Blatte äußert sich ein kanadischer Offizier, der sich viel mit der Frage des Ursprungs der Angelsachsen beschäftigt hat, über die bekannte, etwas romantisch klingende Theorie von der jüdischen Abstammung der angelsöchsi)chen Raffe. ES wird behauptet, daß bei der Eroberung des israelitischen Nordreiches durch die Assyrer ein Teil der! weggeführten Stämme Ephraim und Menasse zunächst