Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1922)
- Date
- 1922-07-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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27. JuÜ 1923 sei. Tief erschüttert Über diese neue Untat vermied ich, meine Kolleginnen davon in Kenntnis zu setzen, da etliche von ihnen ein offensichtliches Zeichen ihrer Anhängerschaft für den Kampf gegen die andere Raffe (Hakenkreuz) tragen und ich mich nicht imstande fühlte, vielleicht in diesem Augenblick den Ausbruch irgend einer Stegerfreude über mich ergehen zu lassen. Nachdem ich einige Minuten wettergearbeitet hatte, trat plötzlich große Unruhe ein,- ich hörte Beamtinnen fragen, was los sei, wandte mich um und hörte Herrn Telegraphensekretär Willut in offensichtlicher Freude antworten: „Heute mittag gibt's Judenregen, meine Damen, Raihenau ist im Grunewatd ermordet". Da mich die beispielslose Roheit aufs äußerste empörte, machte ich, nachdem ich mich etwas beruhigt Halle, dem Ausschuß Mitteilung, der die Angelegenheit der Behörde zur wetteren Verfolgung übergab". Berlin, 19. Juni. Im März dieses Jahres kam es, wie erinnerlich, nach einer Demonstration im Lustgarten zu deutschvölkisch-antisemittschen Ausschreitungen im Berliner Westen. Es hatte sich ein Zug gebildet, der unter Borantragung einer schwarzwelßrvlen Fahne nach dem Kurfürstendamm zog und alle Passanten, die für Juden gehalten wurden, in der gemeinsten Weise anpöbelte. So wurde zum Beispiel eine Gruppe von Ausländern aus einem Balkanstaat, die man wegen ihrer schwarzen Haare als Juden ansah, in der schwersten Weise mißhandelt. Bei diesen Szenen tat sich ein gewisser Dr. Max Krym hervor, der durch fortwährende Rufe: „Schlagt die Juden tot", zu Gewalttaten aufreizte. Zwei jüdische Herren, die zufällig in den Demonstrationszug geraten waren, sahen sich ernstlich bedroht und als der eine von ihnen an jenen Krym herantrat, um ihn zur Rede zu stellen, wurde er in unflätiger Weise beschimpft. Der Beleidigte veranlaßte durch einen Schutzmann die Feststellung der Personalien jenes Rädelsführers, gegen den dann beim Landgericht I eine Klage wegen Aufreizung und Beleidigung eingereicht wurde. Obwohl für beide Vergehen mehrere glaubhafte Zeugen namhaft gemacht wurden, verfügte der Oberstaatsanwalt v. Clausewitz die Einstellung des Verfahrens. Er hält, wie es in der Motivierung dieser überraschenden Verfügung heißt, den Nachweis nicht für erbracht, daß die Aeußerungen des Beschuldigten den öffentlichen Frieden gefährden konnten. Er meint also offenbar, daß bei der Mißhandlung von Juden der Ruf „Schlagt die Juden tot", zur Besänftigung diene. Wegen der Beleidigung verweist der Oberstaatsanwalt den Klagesteller auf den Weg der Privatklage. Ba-ett b. Wien, 2. Juli. Die Zöglinge des Badener Aguda-Waisenhauses rekrutieren sich zumeist aus dem Kriegs- und Pogromgebiete, wodurch sie als Analphabeten in die Anstalt kamen. Schon im ersten Jahre machten sie zwei Elementarklaffen mit großartigem Erfolg, von der die Prüfung an der öffentlichen Schule am Freiing, den 30. Juni, beredtes Zeugnis ablegte, die Knaben erhielten durchwegs die besten Noten und konnten die Lehrkräfte der Schule nicht genug ihr Erstaunen zum AusdruH bringen, daß es gelang, Jargonkinder so rasch vorwärts zu bringen. Im kommenden Jahre werden die Zöglinge die 3. und 4. Klaffe der Volksschule absolvieren. Die Aguda sorgt nicht nur für die jüdisch-geistige Erziehung ihrer Kinder, sondern gibt ihnen auch Gelegenheit zur weltlichen, bürgerlichen Ausbildung. Jchenhansen, io. Juli. Eine wehmütig ernste Gedächtnisfeier zu Ehren ihrer im Weltkriege gefallenen Sühne, veranstaltete die israelitische Kultusgemeinde Jchenhaufen gestern Mittag in der Synagoge anläßlich der Enthüllung der beiden marmornen Gedächtntslafeln. Das Gotteshaus war mit Fichten und Lorbeerbäumchen geschmückt und mit Guirlanden verziert, die beiden Tafeln mit Lorbeerkränzen und Trauerschleifen umwunden. Herr Kuliusvorstand Krämer gab in einer kurzen Ansprache den Gefühlen der Wehmut , und der Trauer um den Verlust von 13 blühenden Mitgliedern unserer Kultusgemetnde, die als Opfer des Weltkrieges an heiliger Stätte verewigt wurden, sowie dem Gefühle des Tankes Ausdruck an alle, die sich zu diesem Akte der Pietät eingefunden hatten. Die eigentliche Gedächtnisrede hielt Herr Lehrer Blum, der in zu Herzen gehender Weise seine Zuhörer zu packen wußte. Für den Reichsverband jüdischer Frontsoldaten sprach zugleich tm Namen der Münchener Ortsgruppe dieses Vereins Herr Dr. Arthur Reichenberger. Der Synagogenchor, verstärkt durch die Mitglieder des Gesangvereins Zion, sang die Trauergesänge der Seelenfeier. Die schlichte Trauerfeier, an Gross Frankfurt Weinklause. Tanzpalais. Das führende Kabarett Das vornehme Westdeutschlands. ABENDLOKAL. Wiener Kaffee Ungarische Kapelle. Eigene Konditorei. Ker JSraelit. Nr. SS Sette 7 der eine Fahnenaborönung des vereinigten Beteranen- und Kriegervereins, die Stadtvertretung, Vertreter der Ktrchengemeinden, sowie zahlreiche geladene Gäste als Vertreter der Stadtgemeinde letlnahmen, hinter ließ einen liefen feierlichen Eindruck. Freiburg i. B., 23. Juli. Einem von Reisenden und Erholungsbedürftigen seit Jahren schmerzlich empfundenen Mangel ist durch die Bemühungen des kleinen Kreises gesetzestreuer Gesinnungsgenossen in unserer Stadt nunmehr Abhilfe geschaffen worden. Es ist gelungen, im Zentrum der Stadt, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, ein rituelles Speisehaus zu gründen, deffen Inhaberin, Frl. Henny Schmuckler aus Jerusalem, in wirtschaftlicher, wie in religiöser Hinsicht besonderes Vertrauen genießt, sodatz auf sachgemäße, erfolgreiche Führung des neuen Betriebes gerechnet werden kann. An Zuspruch wird es angesichts des starken Fremdenverkehrs in Freiburg gewiß nicht fehlen, sobald das neue Unternehmen in den Kreisen der rituell lebenden Glaubensgenoffen genügend bekannt geworden sein wird. Chemnitz, 18. Juli. Vergangenen Sonnabend beehrte Herr Oberrabbiner Fischer aus Sarwar (Ungarn), welcher bei seinem Schwager hier als Gast weilte, unsere Gemeinde Beih-Jsrael mit einer l 7« ständigen Predigt, die begeistert ausgenommen wurde. Vriefkafien. N S. 3 Ihr Abonnement ist für das laufende Jahr gedeckt. I. H. in Presow. Wir bedauern den gewünschten Prospekt nicht zu besitzen. Auch müssen wir zunächst wissen, ob Sie ein Knaben- oder ein Mädchen-Pensionat suchen. Rabbiner H. L. in S- Jüdische Gazetten, New- Hork; Diorntng-Jvurnal, 330 Henry Street, New-Aork. Der gewünschte Katalog geht Ihnen zu. Dr> K. in G. Wir haben betreffend des Bildes reklamiert und werden Ihnen sofort nach Antwort Bescheid zukommen lassen. Sprechfaal. Jüdische Tuberkulosen-Fürsorge. Die Betrachtungen in den beiden letzten Nummern des „Israelit", sowohl die von ärztlicher Seite, wie auch die von Herrn Seckbach, verdienen die Beachtung aller Juden, denen die Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden am Herzen liegt. Es ist klar, daß die jüdischen Kuranstalten in Soden und Nord rach bei weitem nicht ausretchen, die jüdischen Lungenkranken in Deutschland aufzunehmen, wie schon von ärztlicher Seite an dieser Stelle betont wurde. Es ist daher die Anregung des Herrn Seckbach, diese Anstalten auszubauen und neue Heilstätten zu schaffen, lebhaft zu begrüßen. Es wäre aber falsch, diese Anstalten in Deutschland aus die gleiche Stufe mir der Jüdischen Heilstätte tn Dav o s zu stellen, weil die Bedeutung der „Etania" darin liegt, daß sie sich in Davos, dem Weltkurort für Lungenkranke, befindet, wo Kranke aus allen Weltteilen Heilung ihres Leidens suchen und auch finden. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Lungenkranken, denen eine Kur nur tn Davos helfen kann. So befinden sich beispielsweise in unserer Heilstätte Patienten, die in Soden und Nordrach Kur gemacht haben und doch auf Anraten der Aerzte Davos aufsuchen mußten. Auch weist unsere Heilstätte viele Patienten von Frankfurt auf, wo doch Soden in der Nähe liegt. Dies auch ein Beweis, daß für viele Patienten nur Davos zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit in Betracht kommt. Bon diesem Gesichtspunkte betrachtet, ist die Jüdische Heilstätte „Etania" zu bewerten. Ich gestalte mir darauf hinzuwvisen, daß im Jahre 1921 mehr als hundert jüdische tuberkulöse Kinder aus Deutschland in der „Etania" Aufnahme gefunden hatten. Nur derjenige, der diese Kinder bei ihrer Ankunft und bei ihrem Wiederverlaffen unserer Heilstätte gesehen hat, kann den Segen ermessen, der von dieser Anstatt für die Jndenheit ausgeht. Auch die Gesuche an uns von jüdischen Wohltätigkettsanstalten in Deutschland, wie auch von Herrn Prof. Abderhalden in Halle, um weitere Aufnahme tuberkulöser Kinder, welchen wir leider aus rein finanziellen Gründen nicht entsprechen konnten, beweisen zur Genüge die Notwendigkeit der „Etania" auch für Deutschland. Für den gesetzestreuen Juden aber hat die „Etania" noch eine ganz besondere Bedeutung. Bet unseren SCHUMANN- Theater Monat Anglist 1922: Gastspiel Wilhelm Hartstein mit seiner Gesellschaft, außerdem ein erstklassiger Variete - Teil. Besuchen in DavoS vor der Erwerbung der Heilstätte haben wir die Wahrnehmung machen können, daß dort für die religiöfen Juden zu ihrem Leiden noch die seelische Not, rituelle Kost und ein jüdisches Milieu entbehren zu müssen, htnzukam. Bekanntlich üben gerade bei Lungenkranken diese psychischen Momente einen großen Einfluß auf den HetlungSprozeß aus. Die Juden der Schweiz haben ihren Opfermut bekundet, indem sie halfen, diese Institution zu er richten? diese nun unter der Ungunst der heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse zu erhalten, ist eine Ehrenpflicht aller Juden der Wett. Man kann heute nicht genug auf die Tuberkulosegefahr, die weiteste Kreise des jüdischen Volkes befallen hat, Hinweisen. Es gilt, ganze Generationen vor dem Untergange zu retten und, wie der Talmud sagt: „Wer ein Leben dem Judentum erhält, erhält eine ganze Weit". Diesen kurzen Ausführungen möchte ich eine Bitte an alle in Betracht kommenden jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen ansügen: Schließet in Eure Hilfstätigkeit auch die „Etania" tn Davos ein! Schaffet auch eine spezielle Hilfsstelle, die allen denen Hilfe bietet, die DavoS benötigen! Zürich, 18. Juli. A. I. Rom. Berelnslalender. Berel» Mekor EhaN«. Gams tag nach Schluß der Synagoge »Dinim". — 47, Uhr: „Mikro"; Herr Dr. Rothschild. — Eine Stunde vor Nacht im Hörsaale Jrtebberger Anlage: „Midrasch") Herr B. Rachselsohn. S o n n t a g v o r m. 9'/4 Uhr: „Gemoro"; HerrR.A.G. Posen. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro",- Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 6 Uhr: „Gemoro"- Herr R. A. G. Posen. Donnerstag abend 6 Uhr: „Mischnah"- Herr Rektor Falk. Allmorgendlich „Mischnalernen". Allabendlich „Schatz-Lernen"- HerrH.H alpern Jahrzeit sttftungSl er neu. Sonntag: Siegfried Weil-Stiftung. Mittwoch: Salomon Rosenbaum-Stiftung. Agudas Jisroel-Jngerrdgrnppe. Samstag vorm. 11'/, Uhr: „Schatz"; Herr H. Halpern. — nachm. 4 Uhr: „Gemoro": Herr Dr. Hosmann. — 7* Stunde vor Nacht: Sidrah-Vortrag; Herr Baruch Rabtnowitz. (Damen und Herren). Sonntag vorm., 8 Uhr: „Chumisch mit Raschi"; Herr Leopold Oppenheimer. Montag vorm., sowie an allen anderen Wochentagen von 8/47—7,8 Uhr: „Sanhedrin - Schlur". — 9 Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene; Herr Herm. Hirschberg. — 9 Uhr: „Newijlm"; Herr S. U n n a, Kleine Obermainstr. 30. (Herren und Damen). Dienstag abend 7,9 Uhr, „Dinim für Anfängers- Herr Ludw. Frank. — 9 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. Mittwoch abend, 9 UhrL „Sukkoh"; Herr H. Halpern. Donnerstag abend 7,9 Uhr: Bücherausgabe. — 9 Uhr: Mischna für Fortgeschrittene - Herr Herm. Hirschberg. MgndaS Jisroel-Mädcheugruppe. SamStag vorm. 117, Uhr: „Tehtllim"; Herr Louis Kahn. — nachm. 4 Uhr: „Thauro"- Herr Lehrer Hirschberg. Montag abend, 0 Uhrr „Nervijim"; Herr G. Unna, Kleine Obermainstr. 30. Verein sn wlv. SamStag nachm, nach „Mincha", Hörsaal Friedberger Anlage, Herr Prof. Dr. Sulzbach. Keöetzeiterr. anm rov- Freitag abend 7.16. Samstag morgen 7.45. SamStag nachm. 5.—. SamStag abend 9.05. Wochengottesdienst: Morgens 6.15. Nachm. 7.15. Mittwoch abend 8.60. Donnerstag nachm. 7.30. ■■■■■■■■■!■■■■■■■■ S Streng rituelle Dauerpension J ■ in kleinerer Stadt Süddentschlands oder auf dem Lande mm aesucfit. Offerten mit Angabe des Pensionspreises ■ || unter Nr. 7899 an die Expedition dieses Blattes erbeten. Q