Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1922)
- Date
- 1922-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450218--69925-2527146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 6 Nr. 80 Der Israeli 37. Juli 1333 Der Hohepriester stellte in Amt und Tracht das Volk Israels nach seiner nationalen Bestimmung („ein Reich von Priestern und ein heiliges BEI in e i n c r Persolt konzentriert dar (vgl. Jakob, Der Pentatench 2. 328). Daser in beit Uriin und Thuininim, übrigens einem Analogon der „Bund es lade", die ,, Bun d es schritt" aus seinem Herzen trug (das. S. IB.1D), erinnert an die Auffassung (5. Mose 10, 16, 30, 6. Ier. 4, 4. 9, 24. 25. Ez. 7, 9 und Kap. 44), dasder „Bund" in der der Mita entsprechenden .„Beschneidung des Herzens" seine Vollendung findet. Was der Hohepriesterdienst konzentriert, das stellt die Miln, da-' Nationnlabzcichen des Pricstcrvoltes, einfach dar, Abraham, der erste Benberith, das Vorbild der Mila des .Herzens und llrbild der physischen, zugleich als Stammvater des Volkes, dessen konzentrierte Vertretung, verdient darum als Hoherpriefter bezeichnet zu werden. Der- Ausdruck „heilig" („eiue heilige Nation") bedeutet die Erhebung des Sinnlichen in die Sphäre des Sittlichen, die Adelung physischer Funktionen. Das Triebleben des Herzens, von dem ausgehen „Ströme des Lebens" (Prov. 4, 23), äuftevt sich am stärksten in der Gattungserhaltung. Dieser wird eine nationaljüdische Weihe, d. h. eine religiössittliche Tendenz verliehen und damit jedem Mißbrauch ein Riegel vorgeschoben durch die Mila. (Schluß folgt.) Lormpoiutttmi» «. Nachrichten. Oesterdeich. ZuSensu8weilungen in 7ugo-5laoien Wien, 19. Juli. Die jugoslavische Regierung hat die Aus Weisung aller fremden Juden ohne ausdrückliche Ntederlassungserlaubnts sowie aller derjenigen, die ihre Niederlassung spater als am 1. Januar 1920 erlangt haben, aus „staatlichen und nationalen Interessen" angeordnrt. Die Maßregel erweckt lebhaftes Befremden und steht nicht im Einklang mit den Traditionen der jugosladischen und ehemals serbischen Regierung. Ungarn. ver Prozeß gegen Sie MrSer von Orgoosng. Wien, 19. Juli. Die angeklagten Raubmörder wurden von der Anklage des Mordes freigesprochen, weil sie auf Befehl handelten, während der Urheber der Morde, der berüchtigte Hejas unter die Amnestie falle. Lediglich wegen der ausgeführten Räubereien, die nicht angeordnet waren, wurden die Angeklagten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Nach einer herausfordernden öffentlichen Erklärung des Hejas, der sich ganz offensichtlich auf die Protektion des Retchsverwesers Hortby stützt, wird die ungarische Regierung nicht umhin können, der Kulturwelt nun endlich einmal zu zeigen, ob sie nicht nur den Willen, sondern auch die Macht hat, mit einem mittelalterlichen Räuberhauptmann wie Hejas fertig zu werden, oder nicht. tieias nerftaffet Budapest- 23. Juli. Iwan Hejas sowie noch acht andere „erwachende" Ungarn sind unter der Anklage des Aufruhrs am Freitag verhaftet worden. Die „Erwachenden" versuchen durch Straßenagikation und Flugblätter voll blutrünstiger judenfeindlicher j Ausfälle die Massen gegen die Regierung mobil zu machen. Doch greift die Polizei kräftig zu, Uestsn. kin polnischer Militär-progrom in UsSin. Warschau, 14. Juli. Das als Wohnsitz des weltberühmten Chofez Chajim bekannte ehemals litauische, jetzt polnische Städtchen Radin ist das Opfer eines empörenden Ueberfalls einer polnischen Militärabteilung geworden, die in dem benachbarten Orte garnisoniert. Die uniformierten Banditen überfielen die jüdischen Einwohner, mißhandelten sie in unmenschlicher Weise, raub ten soweit möglich einzelne Häuser und Geschäfte aus und drangen schließlich in Jeschiwoh und Bet Hamidrasch ein. In letzterem verlangten sie die Entfernung eines auf dem Thoravorhang aufgestickten Bildes, in dem sie einen „russischen Adler" zu erblicken behaupteten. Da es Sabbath war, weigerte sich der Rabbiner, dem Befehl zu folgen, worauf man ihn verhaftete und unterwegs beschimpfte. Er wurde schließlich für 11 Pud Hafer „ausgelöst". Alle Juden wurden im Synagogenhof zusammen getrieben und mißhandelt. Die Stellung welche die Offiziere bei diesen Vorgängen einnahmen, ist noch ungeklärt. Das Ganze ist jedenfalls wieder einmal ein überaus trauriger Beweis für den mittelalterlichen Geist, der die polnische Soldateska beherrscht. England. Die Tagung des ööifterbunörafes. «London, 19. Juli. Während die Mandate der L-Gruppe mit kleinen Textänderungen ohne Schwierigkeiten genehmigt worden sind, erheben sich bet den Man daten für Palästina, Syrien und Mesopotamien wiederum beträchtliche Hindernisse, sodaß man mit einer erneuten Verschiebung der Mandat-Genehmigung leider rechnen muß. Frankreich scheint darauf zu bestehen, daß das palästinensische Mandat nur gleichzeitig mit dem syrischen zur Erledigung kommt, während gerade das syrische Mandat Italien sehr stark interessiert und der in diesem Augenblicke in Rom eingetretene Kabinett-Wechsel aller Voraussicht nach neue Instruktionen des italienischen Vertreters erforderlich machen wird. Auch die Ansprüche Frankreichs bet der Aufsicht über die heiligen Stätten dürften noch zu weitläusigen Ausein> anderfttzuugen über § 14 des Mandates führen. Dem Rate ist ein von 39 Parlamentmitgltedern unterzeichnetes Memorandum zuzegangen, worin der Aufschub der Ratifikation ausdrücklich gefordert, und insbesondere mit der Stimmung m Oberhause und mit dem Stande der arabischen Frage begründet wird. Annahme 3es Paläßina-fflandateS' «London, 23. Juli. Der Völkerbundrat hat am Sonntag die ausführliche Prüfung der Mandate für Syrien und Palästina beendet. Es wurde ein stimmig e sch lassen, das englische Mandat über Palästina, ebenso das syrische für Frankreich, zu estäLigen, mit der Maßgabe, daß beide ohne nochmaligen Zusammentritt des Rates in Kraft treten sollen, sobald über einzelne noch unerledigte Fragen (insbesondere § 14 des Palästina- Mandats) zwischen der französischen, englischen und italienischen Regierung ein Einvernehmen erzielt worden ist. Die Verhandlungen über diese Einzelfragen sollen in Paris stattfinden. Die Bestätigung der Mandate über Palästina und Syrien in öffentlicher Sitzung ist für Montag nachmittag in Aussicht genommen. eine ffürmifcfie Sitzung des Board of Depufies. «LiMboit, 20. Juli. In der am Sonntag stattgehavten Sitzung des Board ofDeputies wurde Mr. Henrigues, ein liberaler englischer Jurist, zum Vorsitzenden dieser Gesamtvertretung der englischen Judenheit gewählt. Stürmische Auseinandersetzungen verursachte der Bericht der Kommission für „Gesetzgebung und Verwaltung", die, entgegen der Stimmung der Mehrheit, jede Beteiligung des Board am „Keren hajeßov" für verfassungswidrig hält, weil sie einen Bruch der Neutralität des Board darstellen würde. Die zionistischen Scharfmacher beantragten ein TadelsvoLum gegen den neugewählten Präsidenten, und ein Mißtrauensvotum gegen die Kommission. Beides wurde durch Eingreifen Stuart Samuels vermieden, der eine vermittelnde Resolution durchsetzte. Amerika. Vas mexikanWe Angebot Nerv-York, 17. Juli. Der soeben aus Kalifornien zurückgekehrte Herr Paul Njothenberg hat in Begleitung mehrerer landwirtschaftlicher und geologischer Sachverständiger das Territorium geprüft, das der mexikanische Präsident für eine jüdische Einwanderung großen Stiles zur Verfügung stellen will. Sein Bericht sagt u. a.: „Das Gebiet besteht aus etwa 16% Millionen acres Land, von dem 9 Millionen bebauungssähig sind. Kupfer, Gold und Silber-Vorkommen sollen vorhanden seinebenso auch Salzlager. Wasserkraft zur Lieferung von Licht und Betriebdkräften ist vorhanden. Der Sommer ist ziemlich trocken und Regenfall ist auf die Wintermonate beschränkt, Frost und Schnee sind unbekannt. In wirtschaftlicher Hinsicht sollen große Möglichkeiten vorhanden sein. Der Boden ist vortrefflich, Getreide reift 6 Wochen nach der Saat, Orangen und andere Südfrüchte wachsen schneller als in Kalifornien. Außerdem gewährt der Ftschreichtum der Gewäffer große Möglichkeiten für den Fischfang." Trotz alledem begegnet das mexikanische Angebot in der jüdischamerikanischen Presse keiner großen Begeisterung. Man mißtraut der Objektivität des Berichter- 'tatters, wobei allerdings zu einem guten Teil die zionistische Tendenz der betreffenden Blätter bewußt oder unbewußt eine große Rolle spielen. Israel Zangwill veröffentlicht in der amerikanischen Presse eine Darstellung,' worin er die Verankerung des Angebotes durch einen auch 'ür künftige Regierungen bindenden Charter fordert. Personalien. Fürth, 24. Juli. Der Verein „Schaumre , ad atz", ver vor einem halben Jahre die Anstellung eines gesetzestreuen Rabbiners für unsere Gemeinde beschlossen hatte, wählte in seiner gestrigen Sitzung unter 21 Bewerbern einstimmig Herrn Rabbiner Dr. Leo Breslauer in Kiel zum Rabbiner. Herr Dr. Breslauer soll die Wahl bereits angenommen haben. Budapest, 17. Juli. In der Blüte ihres Lebens ist Wwe. Isidor Metsner uns entrissen worden. Sie war gut und fromm und selbstlos bis zur Aufopferung. Sie war sehr reich) aber der größte Schay, den sie besaß, war ihr goldnes Herz und die Einzigartigkeit ihres Seelenadels. Im Chetzedüben gab es bet ihr keine Grenze. Zwanzig Talmide Chachomim wurden von ihr täglich gespeist und eine Unzahl von Witwen und Waisen von ihr erhalten. Bei ihrer Lewaja war alles, was in Pest jüdisch fühlt, vertreten. Rabbiner Süßmann und Dr. Abrahamfohn, wie ihr Schwager M. Meifner, schilderten in meisterhafter Weise das Leben dieser Esches chajil. Tausende gaben ihr das Geleite und Unzählige beweinten in tiefer Trauer ihren Heimgang. Vermischtes. Berlin, 12. Juli. Bon einer Beamtin desFernprechamts Berlin-Moabit wird dem Soz. Parl. Dienst folgende Mitteilung gemacht, die angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse allgemeines Interesse finden wird: „Am 24. Juni hatte ich Dienst als Schrankbeauitin. Gegen 11 Uhr teilte mir ein Teilnehmer » erregt mit, daß der Außenminister Raihenau ermordet