Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1922)
- Date
- 1922-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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in Centralorgan lör das orthodoxe Judentum Begründet non Dr. Lehmann in niainz 63. Jahrgang. SB© Sranhfurlja.m/ Sen —272 - ®S© M 30 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland b. d. Postamt, sowie v. direkt. Bestell.». Rechnungserteil, durch d. Verlag M. 22.50 viertelt., Volks lck-.-u. Religionsl. sow. Kultusdeawte (n. dir.>M.1i.25 viertelt., außerd.vewegl.Monatszschl.gem.Drucku.Papierpr.(Ju!i Mk.2.50 bezw. Mk.1.26) Lsmecho-Slowaket Kr. 15.—, Ungar» Kr. 100.—, Viertels., Deutsch-Oesterreich Mk. 35.—, Polen lnur in deutsch. ReickiSMk.) Mk. 40.— viertelt., Rumänien 18 Lei, Holland fl. 1.25, Skandiuav. Kr. 8.50, Schweiz ss. 1.80, Frankreich u. Belgien Fr. 6.—, England 1 sh. 9 v., Amerika 1 Doll, viertelt. Einzelnummer 2.50 Mk. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate Mk.10.—, für Stellensuchende Mk. 6.—, für die sechSgesp. Col.-Z. elnschl. Teuergszschl.; AuSl.-Jns. Mk 25.- pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bei lauf.Jnserataustr.tarifw. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G.rn. b. H., Frankfurt a-M., Gr. Eschenheimerstr. 88, Tel, 3843, Amt Hansa, sowie iärntl. Annoncen-Exped. deS In- und Auslands. Platzvorfchriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 18802 - erfolgen an: Postsparkaffe Wien No. 79 605 Postsparkaffenamt Budapest No. 18424 Postscheckamt Zürich Nr. TUI 7254 Postscheckamt Amsterdam No 84 869 Böhmische Unionbank itt Prag Bsbc» Maramroscli Blank & Co. In Bnemat Filiale des Wiener Bankvereins in Agram fi-a ver NsckSruck öer flrtiftel unö Correfponöenjen des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, fomelt es ddi um grökereMukMe fl an 0 eit. nur natft vorheriger Genehmigung gestattet- Wertvolle billige Sucher! Preis e ab 1. Juli: - örosch. geb. « revmsno, Zrmuel tia-nagld . . . . 30.-, 45.— SeftaeftBOWtf», mmlaika ..... 30.—, 45— „ LuNmenschen.... 30.-, 45.— Zenreltt. 30.-, 45.— „ 3udäu$, der Baalscbem voo Michelrisdt. . . 30.—. — .. 3M SMwtßat der Lbsrsreir (neu) . . . 30.-, 45.- zuzüglich Porto und Verpackung. Zu Beßieljett durch alle Buchhandlungen sowie direkt durch den Verlag gegen Vorauszahlung oder unter Nachnahme. Alle Preise freibleibend. Reue preise. 5. 8. fifrsclt, Israels Beitete (Sfödtir nMöeulrcver ileverrerrung u. KrlnSrung) Inland, Deutsch-Oesterreich und Ungarn Mk. 150 — statt Ladenpreis Mk. 105.—. 5. R. Rirscb, versuche über Fsroels Pflichten in der Zerstreuung (Cbaureut). Inland, Deutsch-Oesterreich und Ungarn Mk. 120.— statt Ladenpreis Mk. 162.50,. zuzügl. Porto und Verpackung Ausland: Westländer 200"io, Tschecho-Slowakei 100°fo, * Rumänien 50% Valuta-Zuschlag zuzügl. Porto, Verpackung und Ausfuhrgebühr. Frankfurt ». M., 16. Juli 1922. Verlag des Israel» G. m. d. S. S»WWSmSWSSSSS«SSV«SSSSSW»SSS>SSWSWS Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Dr. M. Elias, Leipzig: Unsere Trauer. — 2. Horrriletklk: Der Anfang vom Ende.— 3. Kleines Feuilleton: Gedalja: Klagelied. — Eine neue Hypothese über die „zehn Stämme". — Jüdische Familiennamen und Beamrenbosüeiten. — 4. Wochenrundschau.' Geldentwertung und jüdisches Pflichtleben. — Tuberkulosen-Jürsorge. — Schau, höre, gteb l — 5. Aufsätze: Aus den Lebenserinnerungen eines jüdischen Politikers. — Dr. Max Grunwald, Berlin: Die „Milah" als allein vollwertiges nationaljüdisches Merkmal. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Wien (Judevauswetsungen in Jugo- Slavien). — Wien (Der Prozeß gegen die Mörder von Orgovany). — Budapest (Hejas verhaftet). — Warschau (Ein polnischer Militär-Pogrom in Radin). — London (Die Tagung des BölkerbuydrateS). — London (Annahme des Palästina-Mandates). — London (Eine stürmische Sttzrrng deS Board of DevutieS). — New- Aork (Das mexikanische Angebot). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Briefkasten. — 10. Sprechfaul. — ll. Vereinskalender. — 12. Gebeizetten. —13. Feuilleton-Beilage: Verschollene Brüder. — Ttschohbeawnacht an der Westmauer. — Die Juden in Indien. — 14. Blätter: Aufruf! — Jewish Agency und AgudaS Jisroel. — Gesellschaftsreise der Agudas Jisroel nach Erez Jisroel im Elul-Tischri 5682/83. — Eine wichtige Aufgabe der OrtS- und Jugendgruppen. — Zionismus und Misrachisrnus. — „Mehr Wahrheit, mehr Recht, mehr Frieden". — Die Mordtat der L-Organisation und die Aguda. — Aus der Bewegung. — Vorläufiger Bericht über die Verwendung der Spenden für unsere Hungernden in Sowjet-Rußland. — Spendenlisten. Unsere Trauer. Bon Dr. M. Elias in Leipzig. Schwere, düstere Erinnerungen an Ereignissen, die längst, Jahrtausende zurückliegen, die aber ihre Schatten bis in unsere Tage nach allen Seiten hin werfen, stimmen uns seit Wochen trübe. Schwarze Blätter, beschrieben mit dem Blute unserer Edelsten, umrahmt von den Tränen unseres Volkes, halten im Wandel der Jahrtausende die Geschichte der drei Wochen fest, die P2 an den Marken unserer Tage die Heimat uns geraubt, den Glauben aufs schwerste bedroht haben. Im Genuß- und Berufsleben soll die Erinnerung an jene schmerzlichen Tage lebendig bleibendie Trauer darüber soll auch vor dem Sabbat nicht Halt machen, dem sie den Namen gibt: „Schwarz Schabbos." Aber wenn wir noch heute, wo so vieles anders geworden, wo so viele sich gar nicht mehr recht klar sind über das, was uns der 9. Aw genommen, wenn wir heute noch die „3 Wochen" und „9 Tage" und den 9. Aw in althergebrachter Weise begehen, so gilt heute mehr denn je die Warnung des Propheten, nichts mechanisch und geistlos nachzuahmen, es nicht als fVi2£to rHfclbö zu beobachten, ohne den Sinn der Trauergebote zu verstehen und zu suchen. Große Gruppen unseres Volkes sind erst in den letzten Jahren wieder zu einem Verständnis für Jerusalems Wert, für unsere Trauer gelangt. Aber wie wenige können von sich sagen, daß sie das ihrige tun, um Jerusalems Fall ein drittesmal zu verhüten, daß sie das ihrige tun, um seinen Wiederaufbau für die Dauer zu sichern! Darum gilt die prüfende Frage unserer Weisen einem jeden von uns: m vrr Bist du auch würdig, um Jerusalem zu trauern? Warum trauern wir am 9. Aw? Es ist der „äies ater" in unserer an Unglückstagen nicht armen Geschichte. An ihm kamen die Kundschafter zurück und beschworen durch ihren Kleinmut ein grausiges Verhängnis über die Häupter ihres Volkes, das nun vierzig Jahre in der Wüste umherwandern und auf der Wanderung den Tod finden sollte. An jenem unglückseligen Tage wurde der erste Tempel durch die Babylonier zerstört, an demselben Tag sechseinhalb Jahrhunderte später durch die Römer Feuer an den zweiten Tempel gelegt. Das war der Tag des Falles von Bethar, womit der letzte verzweifelte Versuch der Juden, ihre politische Selbständigkeit zu retten, ein trauriges Ende nahm. Und wenn wir des 9. Aw als des Unqlückstages für Israel gedenken, so darf der umflorte Blick nicht an der Erinnerung an so manchen 2X2 der Kreuzzugszeit vorübergehen, so muß er vor allem an dem Tag haften bleiben, an welchem vor 8 Jahren mit der Mobilmachung Deutschlands der traurigste aller Kriege begann. Denn alles Unmenschliche in der Weltgeschichte trifft vor allem die ersten Priester der Menschheit. Fürwahr Grund genug zu tiefer Trauer! In ihrem Mittelpunkt wird aber immer stehen: Jerusalem! E'7>ttnT ^N2LW 28, Wenn ich Dein vergäße, Jerusalem, ri21PJn verdorre meine Rechte." Denn Zion ist uns Denkmal für uns wie für die Menschheit, der Jahrestag der Zerstörung Jerusalems müßte ein Trauertag sein für alle Menschen. Wer sich ganz von Herzen den Trauermelodien Jeremias hingibt, wer den großen Weheruf, die erschütternde Klage des wandernden Volkes, wie sie aus jenen bangen Tagen in N2'rr zu uns herübertönt, mit Gefühl und Verständnis liest, dem muß es so gehen, wie Rabbi, dem beim Lesen der Klagelieder das Buch aus der