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Der Israelit · 1922-07-20 · Heft 29 (20.7.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 29 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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20 Jult 1SSL Der J-raeLtt. »r. 29 Wette L Gründung des preußischen gesetzestreuen Gemeindebundes, an den sich bereits 130 Gemeinden angeschloffen haben. Die Erfolge, welche der geseyestreue Gemeindebund, trotz der kurzen Zeit seines Bestehens aufzuweisen hat, sind nicht zuletzt den wohlwollenden Sympatien von Seiten der Behörden zu danken, welche für die Grundanschauung der selbständigen Orthodoxie weitgehendes Verständnis bewiesen. Die Generalversammlung besprach eingehend die organisatorischen Verhältnisse in den einzelnen Teilen Deutschlands und faßte danach folgende Resolutionen: 1) „Eine einheitliche jüdische Gesamtorganisation der deutschen Juden muß angesichts des tiefen religiösen Zwiespaltes aus religiösen Gründen abgelehnt werden." 2) „Der orthodore Rabbinerverband erblickt in der Tätigkeit der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und des „Gesetzestreuen Gepreindebundes" einen ungemein segensreichen Faktor zur Stärkung von Thora und Jiras Schomajim in Deutschland." Herr Dr. Ehr mann referierte sodann über die orthodoxe Palästina-Arbeit, insbesondere der „Aguda Jisroel" und der „Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung". Referent gab auch eine anschauliche Schilderung der gegenwärtigen innerpolitischen Situation in Palästina. Unter anderem wurden auch dir bekannten Versuche von Seiten der zionistischen Organisation, in Kulturfragen der altjüdtschen Erziehungs- Methode in Jerusalem entgegen zu arbeiten betont. Die Generalversammlung faßte im Anschluß daran folgende Resolution: „Die Beteiligung an der zionistischen Organisation, ebenso an ihrer misrach istt schen Abteilung und ihrer« Keren Hajesod sind völlig abzulehnen) um so entschiedener aber erklärt der orthodoxe Rabbinerverband die Beteiligung an Jtschuv Erez Jisroel, wie sie von der Thora vorgeschri eben, alsheilige Pflicht. Der zu diesem Zweck von der „Agudas Jisroel" gegründete Keren Hajischuw, welcher der Besiedlung Erez Jtsroels dient, soll daher von' den Mitgliedern des orthodoxen Rabbinerverbandes propagiert werden, ebenso die Beteiligung an der von der Agudas Jisroel eingerichteten Rosch Rodesch Spende, welche dem orthodoxen Schulwerk in Palästina geweiht ist. Der orthodoxe Rabbinerverband erklärt sich solidarisch mit dem unter d e m Rabbinat des Rabbiner Sonnenfeld stehenden Waad hoir hvaschkenasi und protestiert gegen die Methoden, mit denen dieserKreis von gegnerischest Sette bekämpft w ird." Herr Jacob Rosenheim berichtete eingehend über die gegenwärtigen Ausgaben und Probleme der „Agudas Jisroel". In der darauf folgenden Diskussion wurde insbesondere die Frage des rabbinischen Rates der Agudas Jisroel besprochen. Die Generalversammlung sprach einstimmig ihre wärmste Sympathie für die Bestrebungen der Agudas Jisroel aus und faßte b e n Beschluß, d i e Mitglieder auszufordern, sich intensiv an demArbeiten des deutschen Gr Uppen Verbandes der Agudas Jisroel zu beteiligen. Angesichts der Tatsache, daß in jüngster Zeit sowohl in Palästina, als auch in Deutschland die Frage des Frauenwahlrechtes in den Gemeinden immer mehr an den Vordergrund rückt, beschloß die Generalversammlung hierüber einstimmig folgende Resulotion: „Der orthodoxe Rabbinerverband erklärt, daß sowohl das aktive, als auch das passive Wahlrecht derFrau in jüdischen Gemeinden und für jüdische Gemeinden und ähnliche Körperschaften religiös unzulässig ist. Die Einführung des aktiven oder passiven Wahlrechts erweist sich, wie bereits die Erfahrung gelehrt hat, als erster Schritt auf dem verhängnisvollen Wege,das jüdische Gesamtheitsleben in einem dem Religionsgesetz zuwider laufenden Sinne umzugestalten." Eine Reihe weiterer wertvoller Anregungen vonseitrn der Herren Rabbiner Dr. Plato Hamburg, Dr. Mayer-Regensburg, Breslauer-Ktel wurden dem Vorstand zur Erledigung überwiesen. In gehobener Stimmung hörte die Versammlung die Schlußworte des Vorsitzenden an, welcher seiner Genugtuung darüber Ausdruck verlieh, daß die Gesamttagung durch den Geist der Einmütigkeit . und Geschlossenheit in allen prinzipiellen Fragen es doch verbürgt, daß der orthodoxe Rabbinerverband die Kraft finden werde, unter den Juden Deutschlands immer mehr und mehr den alten Sinaigeift wiederum heimisch zu machen, der keine Konzessionen an den Abfall, keine Kompromisse und kein Stchabfinden kenne, wo es gilt, die Gotteswahrheit zu vertreten. Mit einem Dank für die Gastfreundschaft der Israelitischen Rcltgionsgesellschaft Frankfurt a. M. und für die Herren des Empfangskomitees, welche für den würdigen Rahmen der Generalversammlung Sorge getragen hatten, endete die Tagung in später Abendstunde. MM Lsmsponüevren u. Nachrichten. Deutsches itetdj. Bücher für die Chorahochfchuie in Sloboöhe. Irankfurt a. M., 14. Juli. Von dem Leiter der bekannten Jefchiwoh in Slobodke (Litauen), Rabbiner M. M. Epstein, geht uns ein Ausruf zu, in dem der Notstand der aus dem Extle hetmgekehrten, in erfreulichem Wachstum begriffenen Jefchiwoh an den notwendigen Büchern aller Art in herzbewegenden Worten geschildert wird. Die Lehranstalt bittet, ihr überall, wo unbenutzt Exemplare von Büchern der talmudischen Literatur, insbesondere des Schaß bawlt uud jeruschalmi, Ausgaben einzelner Traktate, ferner alle Rischaunim und Acharaunim endlich Muffar - Seforim vorhanden sind, diese Bücher der Jefchiwoh zu überlassen und sie dadurch ihrer eigentlichen Bestimmnng zuzuführen. Die Anstalt ist bereit, die Kosten des Versandes an ihre Adresse (Rabbino Seminaros Azat, Rabbiner M. M. Epstein, Kaunas-Slobodka) zu vergüten. Der bayrUche Sfaafs?ufchuü für 9en jüdifdien öemeinöeserbanö. München, 16. Juli. Der Staatszuschuß für den Verband bayerischer-Gemeinden ist vom Landtag auf 300000 Mark festgesetzt worden. Der demokratische Antrag auf Erhöhung fand keine Annahme, nachdem der Kultusminister ausgeführt hatte, daß die jüdischen Kultusgemeinden leistungsfähig genug seien, um ihre Bedürfnisse selbständig zu decken. Auch könne die jüdische Religionsgemeinschaft als Prtvat-Kirchengeseüschaft mit den christlichen Kirchen nicht in Vergleich gestellt werden. 5analorium-BehsnS!ung für rituell bebenüe- Leipzig, 18. Juli. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, in dem weltberühmten Luftkurort Weißer ist koschere Pension (Filiale des Restaurant B. Simon-Dresden, unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Ccklebach) eingerichtet worden. Religiösen Glaubensgenossen, die eine Sanatoriumskur brauchen, ist hier die Möglichkeit geboten, auch als Kurgäste des bekannten Lahmannschen Sanatoriums koscher zu leben. Zwischen der Verwaltung des Sanatoriums und den Inhabern des Koscher-Reftaurants besteht ein Abkommen, wonach Kurgäste des Sanatoriums in dem nahegelegenen Restaurant -- ev. nach ärztlichen Vorschriften bereitet — koscher essen können, ohne daß ihnen daraus Sonder-Kosten oder Verrechnungen erwachsen. gfctUn« Vereinigung orfhoöox-jüöifcher Arbeiter und Angelsellien. Warschau, JO. $uli. Die vor kurzem gegründete neue Organisation „Poale Emu ne Jsro el", die den Zweck hat, die thoratreuen Arbeiter und Angestelltenkreise zur Pflege ihrer svezifisch.jüdischen Jntereffen zusammenschlteßen, erfreut sich bereits einer guten Entwicklung. Man hat Kurse sowohl in den religiösen Unterrichtsfächern, als auch in polnisch Lesen und Schreiben, Rechnen und sonstigen Elementarfächern eingerichtet. Für die älteren Arbeiter sollen Vorlesungen, Leihbibliotheken Schiurim, sowie Aussprache-Abende eingerichtet werden. Der Zugehörigkeit der Arbeiter zu ihren professionellen Verbänden zwecks Wahrung ihrer Standesintereffen, will der neue Verband keine Schwierigkeiten bereiten. Die Aguöfl*Sanfimlung für die ßungernöen in Ruüiand. Warschau, 10. Juli. Mehrere hundert Rabbinen und chassidische Führer Polens erlassen einen wirkungsvollen hebräischen und jüdischen Aufruf, in dem die Bevölkerung aufgefordert wird, die an den Fasttagen des 17. Tammus und.9. Aw ersparten Geldbeträge fürSpetse und Trank restlos und gewissenhaft der Sammlung für die dem Hungertode preisgegebenen Brüder zuzuführen. Der Aufruf macht einen ungeheuren Eindruck. Die Jngendgruppen in allen Städten des Landes oerufen ihre Mitglieder zusammen, um sich in den Dienst der Propaganda dieser Sammlung zu stellen. In Lodz beispielsweise arbeiten die jungen Leute täglich von 12 bis 3 Uhr und von 5 bis 9 Uhr im Dienste der Aktion. Bis zum 7. Juli waren 130 Millionen polnische Mark eingegangen. Die eingegangenen Gelder werden täglich der Zentralsammelstelle zur Absendung von Lebensmittel-Paketen weitergegeben. Der „Jud" fährt fort, die erschütterndsten Briefe aus dem Hungergebiete, insbesondere aus den Großstädten zu veröffentlichen. * Die Unruhen in Wilna. Witna, 10. Juli. Am Sonntag ist eine Kommission des polnischen Seym aus Warschau hier angekommen, um eine Untersuchung über die Ursachen der anti-jüdischen Exzesse und über die Verantwortlichkeiten, die damit verknüpft sind, anzustellen. Es ist auffallend, daß der Kommission kein einziger jüdischer Abgeordneter angehört, obgleich es doch schon aus taktischen Gründen nahegelegen hätte, die Objektivität der Untersuchungskommission durch die Zuwahl eines Juden sicher zu stellen. Im Stadtrat haben die Unruhen zu stürmischen Auseinandersetzungen mit den jüdischen Ratmännern geführt. Rabbiner Rubinftein hat beim Rektor der Universität wegen der Beteiligung akademischer Kreise an den Exzessen Beschwerde geführt, worauf der Rektor die. Ergreifung entsprechender Maßnahmen zusicherte.

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