Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1922)
- Date
- 1922-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450217--69910-2527130- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette L. Nr. 29 Der JSraeltt. M. Juli ISS» Der polnische Jude har auch etwas mehr Geschmack, einigen Sinn für Form und Aesthetik, der litauische geht mehr aufs Ganze, auf den Innern Kern. Ein Zusammengehen von Wilna und Warschau, Woloschin und Lublin kann allen Teilen und dem gesamten Judentum Segen bringen." Diesen Ausführungen des Warschauer Blattes fügen wir noch unsererseits die Hoffnung zu, daß trotz der politischen Neuorientierung auch der Konnex zwischen Kowno und Wilna aufrecht erhalten bleibt, damit der gute jüdische Geist einend und versöhnend in innenwie außerpolitischer Beziehung wirkt. Verichi über die Verhandlungen und Veschlüffe des orthodoxen Raddinerverdandes am 28. un9 29 Juni 1922 2. uns 3. Tammus 5682- Die Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes wurde unter starker Beteiligung der Mitglieder aus allen Teilen des deutschen Reiches im Hörsaal der Israelitischen Religions-Gesellschaft Frankfurt a. M. am Vormittag des 2. Tamus von Herrn Rabbiner Dr. S. Breuer eröffnet. Nach einem kurzen Hinweis auf die Notwendigkeit und Tätigkeit des orthodoxen Rabbinerverbandes gedachte der Redner voll Wehmut des Heimganges der drei Mitglieder, deren unermüdliches Wirken für die Ideale des orthodoxen Rabbinerverbandes stets der jüngeren Generation als leuchtendes Vorbild dienen und so das Wahrwort unserer Weisen Erfüllen mögen, daß unsere Zadikim in Wahrheit nicht sterben. In tiefer Ergriffenheit ehrte die Versammlung das Andenken der Herren .Rabbiner Nathan Bamberg er-Würzburg, Michael Cahn-Fulda und Salomon Bam- L erg er-Hanau s. A. Nach warmherzigen Begrüßungsworten, welche Herr Jacob Rosenh'erm namens des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft übermittelte, eröffnete Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. S. Breuer die Tagesordnung mit einem halachischen Vortrag, welcher die Deutung einer schwer verständlichen Äschert - Stelle in Traktat Beza zum hauptsächlichen Gegenstand hatte. Der Vorstand legte hierauf seinen Tätigkeitsbericht vor, der eine Fülle von Arbeit registrierte, die in der Tätigkeitsperiode oonseiten des Vorstandes geleistet wurde, um Zeit- und Streitfragen in einer dem Din, Thora entsprechenden Weise zu klären. Nach einer kurzen Besprechung hierüber erstatnm die Entdeckung Amerikas erworben haben, werden ihnen gewiß von kein ein ernsthaften Menschen be-- ftritten werden. Daß sie sich in den Jahrzehnten, die der Entdeckung vvrhergmgen, uin die Entwicklung der Nautik und der Astronomie hochverdient gemacht haben, ist bekannt, und die großzügige Art, in der Luis de Iantangel, der Rothschild und Beaconssield Aragons, zu der Finanzierung von Columbus' Unternehmen beitrug (er bevorschußte es — übrigens unab- »Vvn Sanchez und Gabrero — mit 1140 000 aravedis, d. i. mit mehr als der Hälfte der gesamten erforderlichen Barmittel),, wird ihm in der Geschichte unvergessen sein. Daß aber der Entdecker selbst jüdischen Stammes gewesen sei, dafür liegt einfttveilen nicht der leiseste Anhaltspunkt vor. Ob sich der Versuch ihn für das Judentum in Anspruch zu nehmen, mit den bereits feststehenden Taten überhaupt in Einklang bringen ließe, das zu beurteilen überlasse ich Berufeneren; jedenfalls müßte er, wenn ec nicht von vornherein scheitern soll, mit ganz anderem Rüstzeug in Angriff genommen werden, als es dem Verfasser des anonymen Artikels von neulich anscheinend zu Gebote gestanden hat. Salomonische Sprüche aus Die Sprüche Salomos werden von den Kritikern bekanntlich den spätesten Zeilen zugeschrieben. Es ist nun interessant, zu erfahren, daß durch Dr. Alexander. Scharsf in der „Deutschen Revue" Proben ägyptischer Sprachwetsheit veröffentlicht werden, die dem Stile nach ganz ähnlich wie „Mischtet" auSsehen — dem Inhalte nach freilich erkennen laffen, daß vom ägyptischen tctc Herr Rabbiner Dr. Man es-Schwabach ein Referat über die Frage der Wie der Verehelichung der Witwen, bei denen der Tod des Ehegatten nicht zweifelsfrei feftgesteüt ist. Der Redner behandelt das leider durch den Weltkrieg aktuell geworde Thema an Hand der einschlägigen religionsgesetzlichen Vorschriften mit Hinweis auf die behördlicherseits zugegebene Mangelhaftigkeit der amtlichen Todesmeldungen während des Krieges. Nach einer eingehenden Debatte gelangten folgende Thesen des Redners (formal etwas abgeändert) zur Annahme: 1. Ueber die Frage der Wtederverehelichung von Kriegerwitw en ist die Oeffentlichkeit durch Anschlag an den Synagogen, ferner fortgesetzt in der jüdischen Presse aufzuklären, mit besonderem Hinweis auf die Unzuverlässigkeit der amtlichen To es Meldungen. 2. Diese Maßnahmen werden für Deutschland gemeinsam mit der traditionellen Rabbinereinigung durchgeführt. Es wurden ferner dem Vorstand als Material die Einrichtungen zur Führung von Matrikel- Listen seitens der Rabbiner überwiesen. Als weiterer Referent über rituelle Gegenwartsfragen berichtete Herr Rabbiner Dr. Bamberg er, Ktssingen eingehend über die Mißstände bei der Ausübung der Schechita und anschließend hieran über den zunehmenden Mangel an geeigneten Persönlikeiten zum Schreiben der Thorarollen und anderer Ritualien. Folgende Resolutionen des Redners fanden allseittge Zustimmung. A. Erfahrungsgemäß erweist sich die Ausbildung der Schochtim, sofern sie nur kurze Lernzeit hinter sich haben, als seür mangelhaft. Die Rabbiner sind oft in der aus religiösen Gründen sehr bedauerlichen Zwangslage, bet Abnahme von Schochtimprüfungendie Kabolo schon bet einem Mindestmaß von Kenntnissen und Fertigkeiten zu erteilen, um die Gemeinden nicht ohne Schochatim zu laffen. Eine Befferung der Lage ist dringend erforderlich. Der orthodoxe Rabbinerverband verlangt darum von seinen Mitgliedern, daß sie künftig Kabolaus nur Kandidaten erteilen, die mindestens eine halbjährige Lehr- und Ausbildungszeit als Schochatim Nachweisen. Als besonders geeignetes Mittel zur Förderung der Qualität der Schochtim-Außbildung ist das Lernen auf Jeschiwos mit sich daran anschließender praktischer Lernzeit bei Schochatim von größeren Gemeinden zu empfehlen. Der orthodoxe Rabbinerverband übermittelt das Vorstehende der Freien Vereinigung mit dem Hinweis auf die Größe der Verantwortung der jüdischen Gesamtheit gegenüber und bittet dringend, die zur praktischen Ausführung notwendigen Mittel bereitzuhalten bezw. die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Diese Resolution soll auch dem tradttionell-gesotzestreuen Rabbinerverband zur Unterschrift zugsleitet werden. Spruchdichter bis zum König des GottesgesetzeSvolkes noch eine Welt geistigen Abstandes gähnt. Hier die Proben (nach Scharff). „Latz nicht dein Herz wegen deines Wissens übermütig werden. Berate dich mit den Unwissenden wie mit den Wtffenden. — Das gute Wort ist versteckter als der grüne Edelstein, wenn man es auch zuweilen bei den Dienerinnen an dem Mühlstein findet. — Wenn du einen Weisen in seiner Zeit findest, einen Tatkräftigen, der trefflicher ist als du, so beuge deine Arme und krümme deinen Rücken. — Wenn du ein Führer sein willst, dann fei ruhig, bis du die Rede des Bittenden gehört hast. Es ist ein Schmuck des Herzens, wohlwollend anzuhören. — Sei nicht habgierig gegen deine Untergebenen,- größer ist der Ruhm des Milden als der des Strengen. Elend ist der, der mit feinen Untergebenen zankt, ohne ein begütigendes Wort anbrtnaen zu können. Ist nur etwas Habgier dabei, so schafft sie nachher Gewissensbisse, wenn sich das Blut abgekühlt ha». — Wenn du klug bist, so gründe dir einen Hausstand und liebe deine Frau; gib ihr zu effen und kleide sie. Ein Heilmittel für ihre Glieder ist das Oel; erfreue ihr Herz Zeit deines Lebens. — Trage nicht Klatschereien weiter, höre erst garnicht auf sie: das Nachreden sieht dem Hitzkopf ähnlich. — Beuge deinen Rücken vor deinem Vorgesetzten, deinem Vorsteher vonseiten der Regierung, dann wird dein Haus feststehen und dein Lohn an rechter Stelle fein. Es ist schändlich, sich gegen den Vorgesetzten aufzulehnen; man lebt, solange er milde ist. — Wie schön, wenn ein Sohn sich das, was sein Vater sagt, zu Herzen nimmt, es wird ihm dadurch ein hohes Alter zufallen. — Laufe nicht viel vor Gericht, damit dein Name nicht sinke; rede nicht viel, schweigend wirst du gut. — Uebernimm dich nicht beim Trinken. Wenn du sprichst, kommen dann wirre Reden audeinem 6. 1. Die verschiedenen gesetzestreuen Bereinigungen sollen veranlaßt werden, Sofrim in Gemeinden zu entsenden, um schadhafte Thorarollen auSzubeffern, Tefilin und Msusoth nachzusehen. 2. Die „Freie Bereinigung" soll eine Verkaufsstelle von Tefilin und Msusoth einrichten. 3. Die jungen Leute an den Jeschiwos, den Lehrerseminarien und Präparandenschulen sollen in der Prüfung von Tefilin und Msusoth, sowie im Schreiben der Buchstaben ausgebildet werden und die hierzu erforderlichen Dtnim erlernen. Die Nachmittagssitzung wurde mit einem äußerst instruktiven Referat von Rabbiner Dr. Schisser über das Verhältnis der standesamtlichen Trauungen und Scheidungen zum jüdischen Religionsgesetz eröffnet. Der Redner behandelte dieses Thema auf Grund der talmudischen Dellen und der entsprechenden Responsenltteratur. Hierauf folgte ein großzügiges Referat über Erziehungsfragen von Seiten des Herrn Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg. Nach einer sehr angeregten Diskussion wurden folgende Thesen angenommen: 1. Neben dem Religionsunterricht find Talmudkurse einzurichten, in denen Mifchnajoch, Churnisch und Gemoroh zu lehren ist. 2. Es ist mit allen Mitteln anzuftreben, die schulentwachsene Jugend vor dem Eintritt in das Berufsleben den in Deutschland bestehenden JeschwoS zuzuführen. 3. Zur Realisierung der obigen Thesen und zur Beschaffung der noiwendtgen Sforim ist eine Kam- Mission zu bilden, welche die Bereinigungen mit den nämlichen Zielen zu einer Arbeitsgemeinschaft aufforöert. Damit war die reichhaltige Tagesordnung des ersten Tages in später Abendstunde erschöpft. Der zweite Tag war zunächst der Aussprache mit Vertretern orthodoxer Organisationen gewidmet. Herr Rechtsanwalt Dr. I. Breuer referierte über die Tätigkeit der „Freien Vereinigung" und des „Gesetzestreuen Gemetndebundes". Mit besonderer Genugtuung konstatierte der Redner die erst vor kurzem erfolgte Sabbat-Inttng «na M§ga«g. 'VDa map rpty- Ort: Anfang Datum AuSgang Uhr Min. 1922 5682 U§r jvrtn. Frankfurt a. M. 7 30 22. 38. 9 20 Berlin . . . . 7 30 Juli ZammuS 9 09 München . . . 7 15 8 49 GW». 7 45 9 30 Stuttgart. . . 7 — 9 07 BreSla« . . , 7 42 8 42 Nürnberg. . . 7 — 8 59 8 30 ft 30 Munde, du fällst hin, deine Glieder brechen und niemand reicht dir die Hand. Kommt man dich zu suchen, um dich um Rat zu fragen, so findet man dich am Boden liegen wie ein kleines Kind. — Sitze nicht, wenn ein anderer steht, der älter ist als du, oder es in feinem Amt weiter gebracht hat. — Vermehre baS Brot, das du deiner Mutter gibst und trage sie, wie sie dich trug, denn sie hatte viel Last an dir. Iß nicht Brot, wenn ein anderer dabei steht, ohne daß du ihm auch von dem Brote anbieteft". (Ein „jüdisches" Gericht). Der antt.religiöse Jiddischismus der Bolschewisten hat jetzt wie der Moskauer „Emmes" erzählt, in Witebsk zur Errichtung des ersten staatlichen Gerichtshofes mit jüdischer Verhandlungssprache geführt. Angeblich findet dieses Gericht bet der jüdischen Bevölkerung großen Anklang, obgleich charakteristischer Weise die erste Sitzung am — Sabbat, den 3. Juni, stattfand. Ein jüdischer Zuschneider in einer staatlichen Schneider-Werkstätte wurde wegen Diebstahls zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlungen wurden auf jüdisch geführt, nur der Verteidiger des Angeklagten sprach russisch. (Schätze der Vorzeit). Unter dem Namen n« cnp veröffentlicht der bekannte Herausgeber des Schertra- Briefes, Dr. Benjamin Lew in in Haifa zur Zeit ein Sammelbuch, das in regelmäßigen Abständen erscheinen soll und wissenschaftliche Aufsätze, sowie Erstveröffentlichungen aus alten Handschriften und aus den GentfoS enthalten soll. Rabbi Israel Porath veröffentlicht darin eine längere Abhandlung über Lesarten im Scherira-Brief, die für die Mischnah.Redaktlon inrereffantes neues Material ergeben.