Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1«. Nr. 28. unter ihre GemeindemitMeder sinken, damit ne als unab hängige V e am Le ei n e« r ct i g i ö s s e g e n s r e i ch e n E i n f l u ß a u f die i h r i' r ü h r u u g a n v e r t r a u t e G e m e i n b-e n lt s ü b c n f ö n n c u. Tenn ein sozial abhängiger Lehrer - - und Rabbiner wird stets ein schwankendes Rohr sein. Und der religiöse Verfall des Judentums hat znm Teil in der Abhängigkeit und dadurch bewirkten Einftußlosigkett der geistigen Führer der Gemeinden seine betrübliche Ursache. Zur Pädagogischen Heranbildung der ge nügendeu Zahl non Neligiauslehrern. die nicht die Universität besuchen wollen oder können, wäre an der deutschen Oberschule, zu der die Seminarien mngebildet werden müßten, folgende Einrichtung zu treffeir: Es müßte derselben eine Klasse (oder mehrere) aufgesetzt werden, in welcher die jungen Leute besonders für ihren Beruf vorgebildet werden, also durch weitcrgehenden Unterricht im Hebräischen, in Pädagogik, CH a so uns und Schechitoh. Oie würden sich also 1—2 Fahre lang nur ihrer Berufsausbildung widmeil. Ties würde verhindern, daß sich ungeeignete Elemente ohne genügende Borbildung dem Religionslehrerstande znwenden, die deul Stande nicht' zur Ehre unb der Schule und der Gemeinde nicht znm Segen wären. Da sich auch in Cölik und Wurzburg Hochschulen befinden, können auch dort alle Einrichtungen getroffen werden zur künftigen Ausbildung von Volksschuluiid Religiouslehrern, lucnn inan Vorsorge für die Fortbildung im Hebräischen trifft. Znm Schluffe möchte ich in .Erwiderung auf die Ausführungen des Herrn Gilt in Köln entschieden bestreiten, daß die „Form der j ü d i s ch e n Seminare den j ü d i s ch e ii V e r h ä l t n i s s e u e h e r e ntjpri ch t." Ich behaupte, daß die Ausbildung auf einer wo bic zukünftigen Lehrer z. B. nidjt mir T!2Tpv lernen, sondern zn den Quellen geführt werden, sowie die akademische Ausbildung unbedingt erforderlich ist. D a s v o m „ I s r a el i t " a u f g e z e i g t e e r st r e b e n s >v erke Ziel ist „trotz von i ü d i s ch e r ii ii d staatlicher Seite a n e r k a ii ii t e r P r ü - f u n g . . ." n o d) l a it g e nicht e r r e i ch t. Wenn mau jebocfj auf Jahre hinaus die Lehrerausbildung unterbinden wollte, so würde dies das liebet nur verschlimmern. Nicht hier ist der .Hebel anzufetzen, denn die Abwanderung vollzieht fid) stetig von selbst, fouberit bei der Schaffung der Gemeindeorganifationen. Darum Ihr Gemeinden macht die Organisation des Bundes gefttzestrener Gemeinden lebensllnd ivirkensfahig. Ihr erhaltet dadurch die Schulen! Ihr erhaltet dadurch Thora und Iiroh! Die Tagung des ..Verbandes der jüdischen Lehrervereine" in Verlin. Am 6. und 7. Juni fand in Berlin die 7. Tagung des Verbandes der jüdischen Lehrerrereine statt. Auf dem Programm stand unter anderem die Geiverkschaftsfrage der jüdischen Be amten, die gegenwärtig irr derr versdstedenften Vereinen infolge der erdrückenden Not der Beamten diskutiert wird. Die Sorge um das tägliche Brot lastet auf dem jüdischen Lehrer- und Beanuenstande unerträglich schlver. Abhilfe muß geschaffen werden, wenn niehr die Pflege oer geistigen Güter aufhören soll. Da der Verband der jüdischen Lehrervereine und der Bund gefetzestreuer jüdischer Lehrer in Wirtschaftsfragen die gleichen Ziele erstreben, leistete der Bund der Einladung des Verbandes bereinvistigst Folge lind zwar beauftragte er die Berliner Ortsgruppe zur Entsendung eines Vertreters, als welche Herr David, Berlin, sowie die dortigen Kollegen Eise m n n n und ft issing e r den Verhandlungen beiwohnten. Wir beschränken uns auf die Registrierung der Verhandlungen über die Gewerkschaftsfrage. Der erste Redner, Herr F r e u d e n i h a l, Lückenwalde, spricht über die Notwendigkeit der Der JsraeM.___ . Gewerkschaftsorganisationen der jüdischen Lehrer und Beamten. Es schildert unter atemloser Spannung der Versammlung die fchrccklid) traurige Lage der jüdischen Klittusbeaniten. Ist es zn glauben, daß es heute, 1922, noch Lehrer in der Provinz Brandenburg gibt, die, sage und schreibe 200 .M. pro Monat erhalten? Doch hat Referent dies bei einer statistischen Erhebung festgestellt. Not und Elend pocht bei Tag und Nacht ail die Türen der .Knttusbeainren. Und der Lehrer, der im Amte grau geworden, wie gerne, möchte, man ihn los sein! Wie der Jude des Mittelalters unstät und flüchtig war, nicht bodenständig werden konnte, so der heurige Kultusbeamre. "Nicht ilcdokoh, nicht Almosen und Schnorrgelder wollen wir, sondern Zedek. Znm Schluffe faßte Frendemhal [einen Vor trag zn konkreten Punkten zusammen, die er der Versammlung zur Beschlußfassung vorlegt. 3ein Ziel ist die Schaffung einer grosten Mul tusbeaurrenorganifanon, jedoch heransmachsend ans dem Verband der jüdischen Lehrervereine. Als Eorreserent berichtete Herr Lehrer Ehrenreich, Nürnberg, über das gleiche Thema, ftoll. Ebrinreich, dem als Vorsitzender der tz>>e rverksehastskvmmission des Bayrischen Lehrerverbandes zn verdanken ist, dast beute in Bayern die Knltnsbeamten nach staatlidieu Gehaltssätzen besolde! iverd.en, sprach zunächst über seine diesbezüglichen Erfahrungen. Er berichtete, wie es Durd) eine straffe Organisation, Selbstlosigkeit und Opserwiltigkeit der bayrischen Beainrenschaft möglich war, selbst der renitentesten Gemeinde entgegen,ziltreteu. Er verstand es in überzeugender Weise, feine anßerlmymchen Kollegen von dem Nutzen und Segen einer gewerkschaftlichen Organisation vor Augen zn führen und schloß, unter langanhatteiidem Beifall der Versammlung. - Tr. .vuijm'r, Aranffnn a. M'., Dev bisberige vcrCicuHvollc Vorsitzende der „tzirbeiksgemeinschaft" besprach den Rechtsschutz der jüdischen Beamten iin Dentsrhen Reiche. ')iady dem er gleich den beiden vorhergehenden Reduerii als einziges Miktel der Rettung ans Not, Elend niid Verderben eine straffe, geiverkschaftliche -Organisation sämtlicher Beamten gefordert hatte, legte er der Versammlung als Ergebnis einer Besprechung mit Verbänden der Arbeitsgemeinschaft folgcnoe Theien vor: \. Ii» Zntere'pe der tu ihre in Bestände aesahreeien deutschen Indenheit und ihrer Menieindeit und ziun Zwecke der rechtlichen und wirtschaftlichen Sicherftelluug der jüdischen Beamten schließlich sich die deutschen Rabbiner-, Lehrer- und Kanwrenverbände zn einem R e ch rssch n yvc rb a n d z nsa »i m e n. ± Dieser Dachverband hat als jüdischer Beamten biwd die rechtlrthen und wirtschaftlichen Intereyen der jüdiichei! Beamten der Reaiernng und den isenieiiiden aegenüber zu vertreten. Standes-, Bernss- und Bitdunaskrazen bleiben den Fnchvereinen Vorbehalten. :!. Der Rechrsschniwerband besitzt nnabhünzig Vau alten bestehenden jüdischen Organisationen - böUtaes ttulschtiesnuins und Hnndlungs frei heit. 4. Die (Peschästsleitnna tBvrstaudh iuetche ans der Wahl der Bettreterversammliina (Perwat'üngsrat) her veracht, hat behriss schneller und dnrchgreistnoer Arbeit das Recht selbständigen .Bandelnd, ohne an die jedesmalige Zustimmung der Cinzetberbände gebunden D. Zur Durchsührrrng der schioierrgetr, rechtlichen und ivirttschasttichen Ausgaben ist die Bestellung eines besvldeten Geschüftsleiters im Dieben amte und die Begründung eines unabhängigen Presseorgans uueriäßiich. tz. Berlin, der Sitz der Reichsbehörden, Bott'sver tretnng und der ineisten jüdischen Zentralorganisatkaneu, ist der gegebene Bvrvrt des Reiehsschuyvevbnndes. 7. In verschiedenen deutschen Ländern bestehen!kn tterverrretnngen, die die besonderen Landesverhältnisse begutachten und vortreten. Dt. Härter, ivelcher in gerechter Wnroignng oer sozialen Verhältnisse mit z!vinge.,>dee lieber-- zcngnngskraft seine Vorschläge unterbreitet hatte, wurde gleich seinen Vorrednern herzlicher Dank der Bersämmlnug zuteil. In der darauf folgenden Diskussion fand die Notwendigkeit der von den Referenten porgefchlagenen Organisation die volle begeisterte Zustimmung der Versammlung. Lediglich die An ihrer Durchführung, iuslesondere der Höhe des Mitgliedsbeitrages waren Fragen strittiger Nattlr. Tie von Höxter __13. Juli 1932. ausgestellten Thesen wurden im grasten ganzen angenommen. Znm Zivecke des baldigen Ilikrafttretens des „jüdischen Beamienbundes" - der Name der neuen Organisation sollen sofortige Ver handlungen mit den einzelnen Verbänden vorgenommen iverden. Erfreuttcheriveife kam nicht nur bei Dseiv lmudlilugen des bejptocfyeneu Gegenstandes, sondern bei fämtlich-en Be.ranstaltuugeit und Verhaudlungen der Geist eiuntütigen Zusammenst ehe ns aller Beteiligten zum Ausdruck, was uns Die Oh'iuiUngibt. Daß. Der jüdische BeamrmbunD durch den Znsammein'chlnst aller baldigst in Krast treten mio zum Segen der Lehrerschaft und des Indentnlns ivirken möge. Am LehrerbildungSftage. Bon L. Kiifinger, Hptl. o. D. in Urspringen Obiges T hema beschiäftigi z. Zt. den ganzen deutschen Lehrerftand und auch teilweise diejenigen deutschen Juden, die noch nicht dem Indiücrentismns und Biammoinsmus verfallen sind und sich noch ein Herz für ideale Ziele b-eivahri haben. Ich gestalte, mir, meine Ansicht tu Der heregten Sache, den geehrten Lesern des „Israelit" in kurzer Weise darzulegen und fasse meine 0-edcmken in 2 Punkte zusammen: Der jüdische Lehrer der Jetztzeit muß eine den derzeitigen Gesetzen entsprechende Dlnsbildung erhallen. 2. Der jüdische Lehrer muß mit Rücksicht ans [einen Haupt- und seine Nebenberufe-ein gründliches, jüoifd)es Wissen besitzen. mk!. sei Folgendes bemerkt: Es liegt im Interesse des Lehrers selbst, des ganzer! Standes und hauptsächlich der Gemeinde, selbst, dast der Lehrer richtig ansgebildet ist. Nicht mit Rücksicht ans die nichtjiidisehe Bevölkerung muß der jüdische Lehrer mit seinen christlichen Kollegen korrkurrieren. können, sonderit hauptsächlich deshalb, weil rilan gerne, bcfouders in manchen Kreisen, auf den nicht rite vorgebildete!! Lehrer von oben herabsieht und seinen Einfluß und seine Wirksamkeit abznschwächeit sich berechtigt glaubt: das ist eine Erfahrung, die ich in langjähriger Beobachtung «rächte. Ich rvill jedoch ein schränkend bemerken, daß es auch ungestempelte Lehrer gab und gibt, die in ihren verschiedenen Bernssziveigen Vorzügliches leisteten und leisten und sich eifrig sortbildeteu. Hentigeil Tages jeeoch beurteilt man alles nach der äusteren Forrn und es liegt im ällseitigeu Interesse, ivenn der Lehrer eine nach jeder Richtung hin nnnassende Vorbildung genießt. Abgesehen von der ideeUen Seite har ja auch nur der voll ausgebildete Lehrer Anspruch aus die ihm zum Leben so notrvendige Eingruppiernng in die staatliche Besolduugsilasse. ad 2. Ein umfangreiches, jiib. Wissen ist slir den jnd. Lehrer unbedingt uolrvendig und rvird il,m in jeder Art der Betätigung sehr zn statten kommen. Wen» es, wie die Abhandlungen in der Tagespresse es zu beweisen suchen, nicht so ans sie hi, wie es sein soll, so muß eben Abhilfe geschaffen werben. Nack) meinem Dafür halten gibt es in dieser Hiusicht nur ein einziges Hilfsmittel lind dieses besteht, darin, daß mit der Vorbereitung für den Lehr erberuf, nicht, wie dies seither der Fall war, erst mit dem l2. oder i A Lebensjahre begonnen rvird. Wer Lehrer werden will, dessen Angehörige müssen schon mit dem K. oder 9. Lebensjahre die Vorbereitung in den hebräischen Disziplinen beginnerr lassen, damit sich der Kandidat, schon in jungen Jahren ein größeres Maß von jüdischem Wissen aneignet. Kein Lehrer darf zu einem Haupt oder Nebenberuf seitens der in Betracht kommenden Behörde autorisiert werden, wenn er nicht ein grüitdliches hebräisches Wissen Nachweisen kann'. Dasselbe Verlangen muß auch an Rttchtlehrer gestellt werdeil, die den Schochet- (Sfhlulj ötjs nrtif?e[s Helle 14)