Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Crzic^üfltj und Lei) Ps Jagoj jhs^eiß^ii jjg^zum*« Organ -es Kun-es gejetzrstteuer jüdischer Kehrer Deutschlands o An unsere Mitglieder! Wir wollen dem „Jüdischen B e a mten-Bund" beitreten. Zu diesem Zwecke müssen wir genau die Zahl unserer Mitglieder angeben. Wir ersuchen die Bundesmitgtieder, die keinem Zweigverein angehörcn, ihren Jahresbeitrag (20 Mi) im Lause dieses Monats an unseren Kassierer Herrn Eugen Ettlinger, Rückertstraße 45, Postscheck 5319 Frankfurt a. M., einzusenden. Wer den Beitrag nicht leistet, wird dem Beaintenbund nicht angerneldet und verliert alle Rechte. Der Bundesvorstand. Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Lehrerverbände u. Vereine i. V. R. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Lehrer-Verbände und Vereine im 'D. R. sieht sich in Anbetracht der vom D. I. G. B. neu eirrgeleiteten Notstandsaktion mit Rücksicht auf oie bereits im Gange befindlichen Hilfsaktionen veranlaßt, eine Zentralisation aller Notstandsaktionen dringend nahezulegen. Die praktische Erfahrung lehrt uns, daß nur durch eine Vereinheitlichung die Zersplitterung der Kräfte und aufgebrachten Mittel sowie eine ungerechte Verteilungisweise vermieden werden kann. Wir empfehlen deshalb, daß ein Ausschuß aus Vertretern der verschiedenen Hilfsorganisationen gebildet wird, durch den unter Mitwirkung von Lehrervertretern eine sachgemäße und gerechte Verteilung gewährleistet wird. Hochachtungsvoll Arbeitsgemeinschaft der jüd. Lehrerverbände und Vereine i. D. R. 'D. I. Höxter. Zur Frage der Lehrerbildung. Von Lehrer Gans, Niederauta. Die Ausbildung der jüdischen Lehrer stand schon im Januar 1920 in einer Kommissionssitzung der „Freien Vereinigung" in Frankfurt a. M. zur Verhandlung, welche die Vorbesprechung der Anträge zur Aufgabe hatte, die der Vertreter derselben auf der Reichsschulkonferenz in deren Namen stellen sollte. An dieser Sitzung nahm ich im Aufträge des! Ausschusses der Israel. Lehrerkonferenz Hessens teil und überreichte in Uebereittstimmung mit dem damaligen Vorsitzenden derselben, Herrn Oppenheim-Treysa, die folgenden von mir auslgearbetteten Vorschläge. Damals fand ich bei den Mitgliedern der Kommission keine ätlzugroße Zustimmung, da man noch hoffte, die Seminarien und die Seminarausbildung erhalten zuZ können. Heute haben sich tie Zeiten und An-5 sichten darüber wohl geändert. Da nreine damaligen Ausführungen wohl heute noch aktuell sind, übergebe ich sie hiermit mit geringfügigen durch die Zeit bedingten Aenderungen der Oessentlichkeit. Mit dem Augenblick, da für die Lehrer an Stelle der Seminarbildung die akademische Ausbildung tritt, haben auch die jüdischen Seminarien ihre Existenzberechtigung verloren und müssen sich den neuen Zeitverhältnissen mrd Ansprüchen anpassen. Die jüdischen Bolksschüllehrer, welche künftig au öffentlichen jüdischen Volksschulen (Bekenntnisschulen), privaten Volksschulen oder Simultanschulen Anstellung suchen, müssen denselben Bildungsgang haben, wie ihre christlichen Kollegen. Sie würden sonst zu Lehrern II. Grades herabgedrückt werden uno könnten weder an öffentlichen noch an privaten Volksschulen Anstellung finden. Wir wollen die Schwierigkeiten nicht verkennen, die sich' aus der Ausbildung der jüdischen Lehrer ergeben werden; denn neben der allgemeinen. Fachausbildung müssen diese auch in den jüdischen Disziplinen und mehr noch als bisher ausgebildet werden. Aber gerade dies würden wir mit Freuden begrüßen; denn wir wollen nicht verkennen, daß die Ergebnisse der bisherigen Ausbildung in den jüdischen Disziplinen auf dem Seminar mehr noch als auf den Vräparandenschuleu in den meisten Fällen p. wünschen übrig ließen und die Seminarien bei dem oft ungleichmäßig vorgebildeten Schnlermaterial, da die Seminaristen oft von den verschiedensten Schulen kameil, dem Lehrer nicht das erforderliche Maß jüdischen Wissens mitgaben. Da durch den zukünftigen Bildungsgang der Lehrer eine Verlängerung desselben erzielt wird, kann auch eine gründlichere Ausbildung in jüdischen Disziplinen erzielt werden. Andrerseits gilt es aber auch, Vorsorge zu treffen für solche. Gemeinden, die keine öffentlichen Volksschulen besitzen, also Religionslehrer heranzubilden. Jedoch diese Schwierigkeiten müssen und können behoben werden. Nachdem die Präparandenschulen in Höchberg und Burgpreppach in ihren Betrieb mit Rücksicht auf die neuen Verhältnisse umgestellt und gut besuchte Bürgerschulkurse eingerichtet haben, müssen auch die Seminarien in Cöln und Würzburg in deutsche Oberschulen verwandelt werden, in denen neben der allgemeinen Bildung eine gute jüdische Vorbildung gewährleistet.wird. Ein Anfang scheint ja bereits in Cöln durch die Anstalt Jawne, die dort in Bildung begriffen ist, gemacht zu sein. Es wird zu erwägen sein, ob nicht beide Anstalten, die bereits räumlich verbunden sind, zu vereinigen sind. Damit die zukünftigen Lehrer ihre jüdischen Studien auch {auf der Universität fortsetzen können, ist ihnen in geeigneten Universitätsstädten der Besuch von /Jeschiwos zu ermöglichen. Hierfür dürften das j Berliner Rabbiner-Seminar und die Frankfurter;Jeschiwoh die besten Voraussetzungen bieten, j sodaß an diesen Bildungsstätten nur wenige Neueinrichtungen für die speziell für Lehrer notwendige Praktische Vorbildung zu schaffen wären. I Das Bedenken, daß die so vorgebildctcn. Lehrer, dann noch einige Semester weiter studieren, und die Zahl der Bewerber um andere ^akademische Berufe verwehren würden, hegen wir hnicht. Und wenn jemand bei fortgeschrittenen (Studien in sich die Anlage zu anderen Berufen entdeckt, kann ihm und vielleicht der Welt nur hvofyl sein. Auch das andere Bedenken, daß akaidemisch gebildete Volksschullehrer dann nicht aufs ^Land gehen würden, können wir nicht teilen, da dies ja dann auch bei den christlichen Lehrern tder Fall sein müßte. Es wirken ja schon jetzt v viele Akademiker als Aerzte, Richter, Geistliche rauf dein Lande und fühlen sich wohl dabei. ^Wohl aber werden sich unter den neuen Ausibildungsverhältnissen und damit zu erwartenden besseren Einstufung der öffentlichen Lehrer, die eine Hebung des Lehrerstandes üezwecklen, Söhne aus städtischen Kreisen dem Lchrerbe- |rafc zuwenden, die diesem bisher meist fernblie- §ben, weit der Bildungsgang der Lehrer nicht durch die in Städten befindlichen, ihnen leicht zugänglichen höheren Schulen, sondern durch die in kleinen Landgemeinden befindlichen Präparan- § den schulen ging. Und Eltern in der Stadt konn- '.'ten sich nur selten entschließen, diesen ihre Söhne '' anzuvertrauen. Vielleicht würde auch das zur Asozialen Hebung des Lehrerstandes beitragen, (wenn Eltern aus besser situierten städtischen; Kreisen ihre Kinder bem Lehrerberufe zuführen ^würden. z Für einen großen Teil der Religionslehrer, (wenn nicht für alle, würde sich derselbe Bildungs- , gang wie für Lehrer an öffentlichen Schulen -notwendig erweisen, schon mit Rücksicht daraus, daß auch den Religionslehrern die Möglichkeit belassen bleiben muß, später an öffentlicheil Schulen Stellung zu finden. Es ist jedoch nicht zu verkennen, daß ein großer Teil der so vorgebildeten Lehrer sich nicht eirtschließen könnte, gering besoldete Religio nslchrerstellcn in kleinen und kleinsten Orten anznnehmen, die üjneu kein standesgemäßes, ausreichendes Einkommen ' gewähren. Und das »tit Recht! Hier ist. vor allem durch Zusammenschluß der Gemeindell zu ,einem Bund, der diese kleinen Gemeinden aus zu beschaffenden Mitteln der im Bultd znsammengeschlossenen Religionsgemeinschaft unterstützt, zu bewirken, daß diese Gemeindell lebensfähig bleiben und deren Lehrerstellen sozial gehoben werden, damit auch diese Lehrer ein menschenwürdiges Dasein führen können und sozial nicht