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Der Israelit · 1922-07-13 · Heft 28 (13.7.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 28 (13.7.1922)
Date
1922-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13. Juli 198i um ihrer Arbeit willen nicht verzichten können — eine Zeitlang in Frage gestellt —, wieder in ihr volles, von maßgebendster Stelle anerkanntes Recht eingetreten. Note«. Die Dolhs5ähiung in Polen- Warschau, 3. Juli. Das Ergebnis der Volkszählung vom 30. September 1921 liegt vor. Die intereffante Frage, welchen Anteil die einzelnen Nationalitäten an der Gesamtbevölkerung haben, wird nun allerdings durch die vorerst vorliegende Veröffentlichung nicht beantwortet, da sie nur die Gesamtziffer der polnischen und der nichtpolnischen Bolksteile angiebt. Danach sind ln der Stadt Warschau 72 Prozent Polen und 28 Prozent Ntchtpolen, im Bezirk Byalistok 76 Prozent Polen und 24 Prozent Nichtpolen, im Bezirk Nowarodok je 50 Prozent Polen und Ntchtpolen, im Gouvernement Wohlhynien steigt der Anteil der nichtpolnischen Bevölkerung auf 86 Prozent, im Bezirk Stanislau auf 78 Prozent, Tarnopol 76 Prozent. Im Durchschnitt hat Polen 17,3 Millionen gleich 68 Prozent polnische und 8 Millionen gleich 32 Prozent nichtpolnische Bürger. Dabei muß allerdings sestgestellt werden, daß absichtlich und unabsichtlich eine sicherlich sehr bedeutende Zahl von Juden dem polnischen Bevölkerungstetl zugerechnet worden ist. kine Rguda-Delegation beim Beider Rabbi- Warschau, 30. Juni. Eine Delegation der polnischen Landesorganisation der „Agudas Jsrorl", an deren Spitze Rabbiner Morgenstern von Sokolow und Rabbiner Lew in von Bendin standen, begab sich dieser Tage nach Belz, um den aus der Diaspora dorthin heimgekehrten Rabbi zu begrüßen und über die wichtigsten aktuellen religiösen und politischen Fragen mit ihm Aussprache zu sühren. Die Delegation fand eine besonders feierliche und freundliche Aufnahme und wurde durch mannigfache Aufmerksamkeiten geehrt. Die von gegnerischer Seite in Bewegung gesetzte Polizei suchte den Delegierten durch eine nächtliche Visitation Schwierigkeiten zu bereiten, zog aber bald wieder ab, als sie sich überzeugte, daß die Herren ihrem ganzen Habitus nach rinen keineswegs bolschewistischen Eindruck machten. Das Auftreten der Delegation, der sich auch der durch seine schriftstellerische Tätigkeit bekannte Pelzowisner Raw noch anschloß, hat in den Kreisen der Belzer Chassidim stark propagandistisch für den Agudagedanken gewirkt. Eine offizielle Erklärung des Belzer Rebbe zu Gunsten der „Agudas Israel" ist zwar vorläufig noch nicht zu erwarten, aber es ist immerhin von Wert, daß der Rabbi ausdrücklich erklärte, er habe volles Zutrauen zu dem ernsten religiösen Wollen der Führer, die nichts anderes als die Hebung der Thora im Auge hätten. Hand in Hand mit der Delegation ging ein Besuch der bekannten Leiterin der Krakauer „Bes Jaakauw" Töchterschule, Frau Sara Schenierer, die durch Vermittlung der Gattin des Belzer Rebben' dessen ausdrückliche Zustimmung zu den Grundsätzen der Bes Jaakauw-Schulen herbeiführte. flntifemitiithe kneife. Wilna, 4. Juli. Ein Vortrag des berüchtigten Warschauer Agitators JaksaEhamietz war von der hiesigen Polizei, weil das Thema: „die Juden in Polen" Schlimmes befürchten ließ, verboten worden. Trotz dieses Verbotes, veranstalteten die hiesigen Antisemiten Demonstrationen vor dem Saal, in dem die Vorlesung stattfinden sollte. Die Menge nahm gegenüber der Polizei eine drohende Haltung ein, begann, mit Steinen zu werfen und es fielen schließlich einige Schüsse aus der Volksmenge. Das Ergebnis des Zusammenstoßes ist, daß eine Person erschoffen und eine schwer verwundet wurde. Der Mob schlug schließlich noch einige Fensterscheiben ein und überfiel jüdische Passanten, Der J-raeltt. bis Polizei und Militär die Ordnung wieder herstellten. Die Unruhen in QJiina. Warschau» 5. Juli. Die antisemitischen Exzesse in Wilna stellen sich nachträglich als wett ernster heraus, als es nach den ersten Berichten den Anschein hatte. Es bedurfte eines ganz erheblichen militärischen Aufgebotes, um die Ruhe wieder herzustellen und die Aufregung in der Stadt, die Panik unter der jüdischen Bevölkerung hält an. Der Regierungs-Delegierte hat einen Aufruf erlaffen, worin die Einwohner zur Ruhe ermahnt und strengste Bestrafung aller Exzedenten angedroht wird. Am Montag fanden neue Menschenansammlungen statt, die jedoch ohne große Mühe zerstreut wurden. Ungarn. Der Prozeß gegen Sie Mörder non Orgonany- Iwdapest, 7. Juli. Die Hoffnungen derer, die in dem Prozeß gegen die Helden aus einem der dunkelsten Kapitel des weißen Schreckens den Beginn der Wiederkehr rücksichtsloser. Gerechtigkeit in Ungarn erblicken wollten, sind vorläufig enttäuscht worden. Die Vernehmung des Gendarmerie- Hauptmanns Makay, eines Adjutanten des berüchtigten Hejas, offenbarte eine Gesinnungsrichtung, die keine Spur von Einkehr aufweist. Der Hauptüiann erklärte, er wundere sich nur darüber, daß „seine Leute die Juden überhaupt nicht bis auf den letzten Mann aus gerottet hätten." Der Gerichts-Präsident trat dem System dieses Zeugen, der die Mörder sozusagen als Patrioten hinzustellen sich bemühte, zwar sehr energisch entgegen, aber was soll man dazu sagen, wenn das Gerecht sich damit begnügt, daß Hejas selbst, der den Befehl zu den Mordtaten gegeben hat, gar nicht vorgeladen wurde, weil er genügende Aufklärungen in seinem schriftlichen Berichte erteilt habe. In diesem Berichte gibt Hejas zu, daß er befohlen habe, die drei Juden in Orgovany zu verhaften und hinzurichten, weil er eine „Meldung" erhalten habe, „diese Juden hätten mit den Rumänen verhandelt." Dagegen sei er für den Raub nicht verantwortlich. Das Urteil wird im Lause der Woche ergehen. Kchnrei;. Tagung des thoratreuen dentraioereins- Iraser, 6. Juli. Am 20. Juni fand hier nach längerer Pause wiederum die General-Versammlung des im Jahre 1907 begründeten Zentral-Vereins zur Förderung des thoratreuen Judentums in der Schweiz statt. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls erstattete der Präsident Herr Rabbiner Dr. Cohn den Tätigkeitsbericht. Aus demselben sei erwähnt, daß während des Krieges auf Veranlassung des Vereins vom Volkswtrtschaftsdepartement besondere, rituell brauchbare Schweizer Pakete hergestellt wurden, die an die Schweizer Juden im Auslande verschickt werden konnten. Vielen waren diese Pakete eine Hülfe in der Not. Herzlicher Dank wird für die Versendung den Sekretären, Herrn M. Schwarz und Herrn A. Bodenheimer, ausgesprochen. Der Verein konnte währendes Krieges die jüdischen Gemeinden mit Esrogim versorgen. Um die Errichtung von rituellen Bädern hat sich der Zentralverein mit Erfolg bewährt. Mehrfach wurde der Verein um Unterstützungen für verschiedene dringende Zwecke angegangen und hat stets das Seine beigetragen. Der gedruckt vorliegende Kaffabericht des Herrn Charles Nordmann wird genehmigt. Im Namen der Revisoren dankte ihm Herr I. Rokowskt für seine musterhafte Kaffaführung. Es folgte der Bericht der Kommissionen, der Wanderlehrer -Kommission (Herr Emil Hey mann), der Bibliothek-Kommission (Herr M. Löb), der Schomre Ar. 38 Sette v Sch ab bos-Kommission (Herr Josef Rothschild), der Chewras Schatz-Kommission (Herr M. Schwaz) der Kommission für jüdische Volksbildung (Herr Dr. Markus Cohn) und der Kommission für das Ferienheim (Herr Louis Braun). Auf Antrag der Wanderiehrerkommission wurde nach längerer Diskussion einstimmig beschlossen, diese Tätigkeit des Vereins auf eine andere, den Verhältnissen entsprechende Basis zu stellen. Nach unwesentlichen Statuten-Aenderungen wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt, und die General-Versammlung die einen würdigen Verlauf genommen, nach fünfstündiger Dauer geschloffen. England. notenaustaufch zwilchen Sem üatihan unO der engiifrhen Regierung. London, 3. Juli. Auf die Protestnote des Vatikan gegen die Bestimmungen des Palästina-Mandates Hat die englische Regierung geantwortet, daß sie die Bemerkungen des Vatikans sorgfältig erwogen Habe, indessen die Behauptung zurückweisen müffe, daß die Juden auf Grund des Mandates in Palästina eine bevorzugte oder überwiegende Stellung einnehmen würden. Der Mandatentwurs sei revidiert worden und die großbritanische Regierung hoffe nunmehr die offizielle Genehmigung des Völkerbundrates dafür zu erhalten. Trrnesten. Tunis, 20. Juni. Der Besuch des Präsidenten Millerand in Tunesien hat auch in das Judenviertel der Hauptstadt starke Bewegung gebracht. Der Präsident besuchte die alte tunesische Synage, in der grade am Lag b'Omer das Hochzeitsfest des Rabbi Simon ben Jochat unter großem Gedränge wie alljährlich gefeiert wurde und bat, den Gottesdienst in gewohnter Weise in seiner Gegenwart abzuhalten. Der Gemeinde- Präses wurde durch den Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Palästina. Die Befeitigung des Milchen Eherechfs in Ere? Jisroel- Jerusalem, 26. Juni. Wie bereits gemeldet, ist im Waad leumt die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes angeregt worden, der die obligatorische Einführung der Zivilehe auf Wunsch eines der beiden Teile vorsehen, sowie tiefgreifende Aenderungen der Chaliza-Institution, der Ehescheidung, sowie des Erbrechtes der Frauen herbetführen soll. In dieser Angelegenheit sprachen die Mitglieder des Oberrabbtnats am Montag beim Justizsekretär Bentwitch vor, um gegen jeden Versuch zu protestieren, der in die palästinensische Gesetzgebung ein neues Recht jüdischer Parteien zu rein bürgerlichen Eheschließungen einführen will. Der Justtzsekretär erwiderte, auch er glaube, daß es „jetzt beim Beginn der Gemeinde-Organisation" nicht angebracht sei, ein derartiges Gesetz ins Auge zu saffen, es sei vielmehr nötig, daß die Eheschließung ihren religiösen Charakter behalte. Es wird jetzt darauf ankommen, ob es den zielbewußten jungjüdtschen Vertretern des Prinzipes der Verweltlichung nicht wieder gelingen wird, auf dem Wege von Verhandlungen und Kompromiffen ihrem Ziele wenigstens ein Stück Weges schon jetzt „beim Beginn der Gemeinde-Organisation" näher zu kommen, oder ob sie sich damit noch etwas gedulden müssen.^ i ■■■■■j-.i1 , Der Esrogim-Export aus Erez Jisroel. Jerusalem, 30. Juni. Aus einer Mitteilung des palästinensischen Handels-Sekretariats geht hervor, daß die Preise für Esrogim frei Bestimmungsort sich in diesem Jahre wie folgt stellen: Muwchorim I. Qualität: 5 Schilling, Muwchorim II. Qual.;

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